Rossini Opern: Alle Werke im Überblick
Alle 39 Opern von Gioachino Rossini in der Reihenfolge ihrer Uraufführung: von den venezianischen Farsen bis Guillaume Tell, mit Arien und IOCO-Kritiken.
Gioachino Rossini (1792–1868) hat 39 Opern geschrieben – von der Farsa La cambiale di matrimonio, die 1810 in Venedig herauskam, bis zu Guillaume Tell, der 1829 an der Pariser Opéra uraufgeführt wurde. Danach schrieb er bis zu seinem Tod fast vier Jahrzehnte später keine Oper mehr. Dieser Überblick über alle Rossini Opern stellt die Werke in der Reihenfolge ihrer Uraufführung vor: alle 39 mit Gattung, Librettist, Datum und Ort der Uraufführung, die bekanntesten ausführlicher mit Handlung, Arien und den passenden IOCO-Kritiken.
Rossini und die Oper: von Pesaro nach Paris
Rossini wurde am 29. Februar 1792 in Pesaro geboren. Sein Vater spielte Horn und Trompete, die Mutter trat als Sängerin auf. 1806 kam Rossini an das Liceo Musicale in Bologna. Seine erste Oper, Demetrio e Polibio, schrieb er für die Sängerfamilie Mombelli; aufgeführt wurde sie erst 1812. Als erstes seiner Werke kam 1810 die Farsa La cambiale di matrimonio in Venedig auf die Bühne.
1815 holte ihn der Impresario Domenico Barbaja nach Neapel, wo Barbaja die königlichen Theater leitete. Bis 1822 entstanden dort vor allem ernste Opern, viele mit Isabella Colbran in der Hauptrolle; Rossini heiratete sie 1822. Daneben schrieb er weiter für Rom, Mailand und Venedig, darunter Il barbiere di Siviglia und La Cenerentola. Mit Semiramide endete 1823 in Venedig die Reihe seiner Uraufführungen in Italien.
Nach Aufenthalten in Paris und London übernahm Rossini Ende 1824 die Leitung des Théâtre-Italien in Paris. Für die Pariser Opéra arbeitete er zwei neapolitanische Opern um und schrieb Le comte Ory und Guillaume Tell. Danach komponierte er keine Opern mehr, wohl aber geistliche Werke wie das Stabat Mater und die Petite messe solennelle, die 1864 erstmals aufgeführt wurde. 1855 zog er endgültig nach Paris und lebte später in seiner Villa in Passy, wo er am 13. November 1868 starb.
Alle IOCO-Kritiken zu Rossini finden Sie gebündelt auf der Seite Gioacchino Rossini bei IOCO.
Wie dieser Überblick aufgebaut ist
Die Zahl 39 folgt dem Werkverzeichnis des Rossini Opera Festival in Pesaro. Darin zählen die beiden Pariser Umarbeitungen Le siège de Corinthe (nach Maometto II) und Moïse et Pharaon (nach Mosè in Egitto) als eigene Werke, ebenso Eduardo e Cristina, das großenteils aus Musik früherer Opern besteht. Nicht mitgezählt sind die Pasticci Ivanhoé und Robert Bruce, die andere mit Rossinis Erlaubnis aus seiner Musik zusammenstellten, sowie die verschollene Oper Ugo, re d'Italia. Sie stehen am Ende dieses Überblicks.
Die Daten der Uraufführungen sind mit mindestens zwei voneinander unabhängigen Quellen abgeglichen, vor allem mit den Werkangaben des Rossini Opera Festival, dem Opernalmanach von Gherardo Casaglia und der Datenbank Corago der Universität Bologna. Wo die Quellen voneinander abweichen, ist das angegeben. Die bekanntesten Werke stellen eigene Abschnitte ausführlich vor, die übrigen erscheinen in kurzen Listen.
Von der Farsa zum Durchbruch (1810–1814)
In seinen ersten Jahren schrieb Rossini vor allem einaktige Farsen für das Teatro San Moisè in Venedig. Bis Ende 1812 kamen daneben Opern in Bologna, Ferrara, Rom und an der Mailänder Scala heraus:
- La cambiale di matrimonio – Farsa comica in einem Akt, Libretto von Gaetano Rossi; Uraufführung am 3. November 1810 im Teatro San Moisè, Venedig.
- L'equivoco stravagante – Dramma giocoso in zwei Akten, Libretto von Gaetano Gasbarri; Uraufführung am 26. Oktober 1811 im Teatro del Corso, Bologna.
- L'inganno felice – Farsa in einem Akt, Libretto von Giuseppe Foppa; Uraufführung am 8. Januar 1812 im Teatro San Moisè, Venedig.
- Ciro in Babilonia – Dramma con cori in zwei Akten, Libretto von Francesco Aventi; Uraufführung am 14. März 1812 im Teatro Comunale, Ferrara.
- La scala di seta – Farsa comica in einem Akt, Libretto von Giuseppe Foppa; Uraufführung am 9. Mai 1812 im Teatro San Moisè, Venedig.
- Demetrio e Polibio – Dramma serio in zwei Akten, Libretto von Vincenzina Viganò Mombelli; Uraufführung am 18. Mai 1812 im Teatro Valle, Rom. Komponiert hatte Rossini die Oper schon in seinen Bologneser Studienjahren.
- La pietra del paragone – Melodramma giocoso in zwei Akten, Libretto von Luigi Romanelli; Uraufführung am 26. September 1812 im Teatro alla Scala, Mailand. Es war Rossinis erste Oper für die Scala.
- L'occasione fa il ladro – Burletta per musica in einem Akt, Libretto von Luigi Prividali; Uraufführung am 24. November 1812 im Teatro San Moisè, Venedig.
- Il signor Bruschino – Farsa giocosa in einem Akt, Libretto von Giuseppe Foppa nach der französischen Komödie Le fils par hasard; Uraufführung am 27. Januar 1813 im Teatro San Moisè, Venedig.
Tancredi (1813) – die erste große Opera seria
Tancredi ist ein Melodramma eroico in zwei Akten. Gaetano Rossi schrieb das Libretto nach Voltaires Tragödie Tancrède. Die Uraufführung fand am 6. Februar 1813 im Teatro La Fenice in Venedig statt, mit der Altistin Adelaide Malanotte in der Titelrolle. Diese erste Fassung endet glücklich; für eine spätere Fassung schrieb Rossini einen tragischen Schluss.
Die Handlung spielt in Syrakus. Der verbannte Ritter Tancredi kehrt heimlich zurück, weil er Amenaide liebt. Deren Vater Argirio will sie mit seinem früheren Gegner Orbazzano verheiraten, um die Stadt gegen die Sarazenen zu einen. Ein abgefangener Brief bringt Amenaide in den Verdacht des Verrats, und Tancredi hält sie für untreu, bis sich ihre Unschuld erweist.
Bekannt ist Tancredis Auftrittsarie „Di tanti palpiti“.
L'italiana in Algeri (1813) – Die Italienerin in Algier
L'italiana in Algeri ist ein Dramma giocoso in zwei Akten mit einem Libretto von Angelo Anelli. Die Uraufführung fand am 22. Mai 1813 im Teatro San Benedetto in Venedig statt, mit Maria Marcolini als Isabella und Filippo Galli als Mustafà.
Mustafà, der Bey von Algier, ist seiner Frau Elvira überdrüssig und verlangt nach einer Italienerin. Seine Korsaren bringen ihm Isabella, die nach einem Schiffbruch gefangen genommen wurde. Sie ist eigentlich auf der Suche nach ihrem Geliebten Lindoro, der als Sklave am Hof des Beys lebt. Mit List und Charme hält Isabella Mustafà hin und organisiert die gemeinsame Flucht der Italiener.
Bekannt sind Isabellas Auftrittskavatine „Cruda sorte! Amor tiranno!“ und Lindoros Kavatine „Languir per una bella“.
IOCO-Kritik: Staatstheater Nürnberg (Hanns Butterhof, 2017)
Zwei weitere Opern dieser Jahre:
- Aureliano in Palmira – Libretto von Felice Romani; Uraufführung am 26. Dezember 1813 im Teatro alla Scala, Mailand.
- Sigismondo – Dramma per musica in zwei Akten, Libretto von Giuseppe Foppa; Uraufführung am 26. Dezember 1814 im Teatro La Fenice, Venedig.
Il turco in Italia (1814) – Der Türke in Italien
Il turco in Italia ist ein Dramma buffo in zwei Akten mit einem Libretto von Felice Romani. Uraufgeführt wurde es am 14. August 1814 im Teatro alla Scala in Mailand.
Der Dichter Prosdocimo sucht in der Gegend von Neapel nach Stoff für eine Komödie und findet ihn in den Menschen um sich herum: Die launische Fiorilla, verheiratet mit Geronio, beginnt eine Liebelei mit dem türkischen Prinzen Selim. Selim aber trifft auf die Zigeunerin Zaida, die er einst liebte. Bei einem Maskenfest kommt es zu Verwechslungen, am Ende kehrt Selim zu Zaida zurück und Fiorilla zu ihrem Mann.
IOCO-Kritiken: Staatsoper Hamburg (Wolfgang Schmitt, 2023) · Bayerische Staatsoper München (Daniela Zimmermann, 2017)
Neapel, Rom und Mailand (1815–1822)
Mit dem Vertrag in Neapel begann für Rossini eine Reihe ernster Opern für das Teatro San Carlo. Für andere Städte schrieb er weiterhin auch komische Opern, darunter seine heute bekanntesten.
- Elisabetta, regina d'Inghilterra – Dramma in zwei Akten, Libretto von Giovanni Schmidt; Uraufführung am 4. Oktober 1815 im Teatro San Carlo, Neapel, mit Isabella Colbran in der Titelrolle. Es war Rossinis erste Oper für Neapel.
- Torvaldo e Dorliska – Dramma semiserio in zwei Akten, Libretto von Cesare Sterbini; Uraufführung am 26. Dezember 1815 im Teatro Valle, Rom.
Il barbiere di Siviglia (1816) – Der Barbier von Sevilla
Il barbiere di Siviglia ist ein Melodramma buffo in zwei Akten. Cesare Sterbini schrieb das Libretto nach der Komödie Le barbier de Séville ou La précaution inutile von Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais. Uraufgeführt wurde die Oper am 20. Februar 1816 im Teatro Argentina in Rom, zunächst unter dem Titel Almaviva, ossia L'inutile precauzione. Die Uraufführung war ein Misserfolg, die folgenden Vorstellungen dagegen ein Erfolg.
In Sevilla hält der alte Doktor Bartolo sein Mündel Rosina unter Verschluss, weil er sie und ihr Vermögen selbst heiraten will. Graf Almaviva hat sich in Rosina verliebt und wirbt um sie unter dem Namen Lindoro. Mit Hilfe des Barbiers Figaro verschafft er sich Zutritt zu Bartolos Haus, erst als betrunkener Soldat, dann als Vertreter des Musiklehrers Basilio. Am Ende heiraten Rosina und der Graf, und Bartolo muss sich fügen.
Bekannt sind Almavivas Ständchen „Ecco, ridente in cielo“, Figaros Auftrittsarie „Largo al factotum“, Rosinas Kavatine „Una voce poco fa“, Basilios Verleumdungsarie „La calunnia è un venticello“ und Bartolos Arie „A un dottor della mia sorte“.
IOCO-Kritiken: Staatsoper Hamburg (Wolfgang Schmitt, 2026) · Oper Wuppertal (Uli Rehwald, 2026) · Teatro La Fenice Venedig (Adelina Yefimenko, 2024) · Salzburger Festspiele (Daniela Zimmermann, 2022) · Hessisches Staatstheater Wiesbaden (Ingrid Freiberg, 2020). Alle weiteren finden Sie auf der Werkseite zum Barbier von Sevilla.
- La gazzetta – Dramma per musica in zwei Akten, Libretto von Giuseppe Palomba, überarbeitet von Andrea Leone Tottola; Uraufführung am 26. September 1816 im Teatro dei Fiorentini, Neapel.
Otello (1816) – Shakespeare in Neapel
Otello, ossia Il moro di Venezia ist ein Dramma per musica in drei Akten nach Shakespeares Othello; das Libretto schrieb Francesco Maria Berio di Salsa. Die Uraufführung fand am 4. Dezember 1816 im Teatro del Fondo in Neapel statt, mit Andrea Nozzari als Otello und Isabella Colbran als Desdemona. Für eine Aufführung am Teatro Argentina in Rom in der Karnevalssaison 1820 änderte Rossini den tragischen Schluss in ein glückliches Ende.
Desdemona hat Otello heimlich ewige Treue geschworen, doch ihr Vater Elmiro will sie mit Rodrigo verheiraten. Jago zeigt Otello einen Brief Desdemonas, den dieser für einen Liebesbrief an Rodrigo hält. Im dritten Akt tötet Otello Desdemona und danach sich selbst.
Bekannt ist Desdemonas Weidenlied „Assisa a' piè d'un salice“ im dritten Akt.
La Cenerentola (1817) – Aschenputtel ohne Zauberei
La Cenerentola, ossia La bontà in trionfo ist ein Dramma giocoso in zwei Akten mit einem Libretto von Jacopo Ferretti nach dem Märchen Cendrillon von Charles Perrault. Uraufgeführt wurde die Oper am 25. Januar 1817 im Teatro Valle in Rom, mit Geltrude Righetti-Giorgi in der Titelrolle.
Angelina, genannt Cenerentola, lebt als Dienstmagd bei ihrem Stiefvater Don Magnifico und ihren Stiefschwestern Clorinda und Tisbe. Prinz Ramiro sucht eine Braut und tauscht dafür die Rolle mit seinem Diener Dandini. Sein Lehrer Alidoro sorgt dafür, dass Angelina zum Ball kommt. Dort gibt sie dem Prinzen statt eines Schuhs ein Armband: Er soll sie finden, indem er das Gegenstück sucht. Am Ende wird Angelina Ramiros Frau und verzeiht ihrer Familie.
Bekannt sind Angelinas Lied „Una volta c'era un re“, Ramiros Arie „Sì, ritrovarla io giuro“ und Angelinas Schlussrondo „Nacqui all'affanno … Non più mesta“.
IOCO-Kritiken: Staatsoper Hamburg (Wolfgang Schmitt, 2024) · Deutsche Oper am Rhein, Duisburg (Uli Rehwald, 2024) · Theater Vorpommern, Stralsund (Ekkehard Ochs, 2023) · Nationaltheater Mannheim (Uschi Reifenberg, 2019) · Volkstheater Rostock (Thomas Kunzmann, 2017). Alle weiteren finden Sie auf der Werkseite zu La Cenerentola.
La gazza ladra (1817) – Die diebische Elster
La gazza ladra ist ein Melodramma in zwei Akten mit einem Libretto von Giovanni Gherardini nach dem französischen Stück La pie voleuse von d'Aubigny und Caigniez. Die Uraufführung fand am 31. Mai 1817 im Teatro alla Scala in Mailand statt.
Die Magd Ninetta wird verdächtigt, im Haus des Pächters Fabrizio einen silbernen Löffel gestohlen zu haben. Weil sie ihren Vater, einen zum Tode verurteilten Deserteur, schützen will, kann sie sich nicht verteidigen, und der Bürgermeister, dessen Werben sie abgewiesen hat, betreibt ihre Verurteilung. Erst in letzter Minute stellt sich heraus, dass eine Elster den Löffel gestohlen hat.
Bekannt sind die Ouvertüre und Ninettas Kavatine „Di piacer mi balza il cor“.
- Armida – Dramma per musica in drei Akten, Libretto von Giovanni Schmidt nach Torquato Tassos Das befreite Jerusalem; Uraufführung am 11. November 1817 im Teatro San Carlo, Neapel. Das Rossini Opera Festival nennt abweichend den 9. November 1817.
- Adelaide di Borgogna – Dramma in zwei Akten, Libretto von Giovanni Schmidt; Uraufführung am 27. Dezember 1817 im Teatro Argentina, Rom.
Mosè in Egitto (1818) – Moses in Ägypten
Mosè in Egitto ist eine Azione tragico-sacra in drei Akten mit einem Libretto von Andrea Leone Tottola. Die Uraufführung fand am 5. März 1818 im Teatro San Carlo in Neapel statt. Für die Wiederaufnahme im März 1819 ergänzte Rossini im dritten Akt das Gebet „Dal tuo stellato soglio“, die bekannteste Nummer der Oper. 1827 arbeitete er das Werk für Paris zu Moïse et Pharaon um.
Ägypten liegt in Finsternis, weil der Pharao sein Versprechen gebrochen hat, die Israeliten ziehen zu lassen. Moses beendet die Plage, doch der Pharao widerruft seine Zusage erneut, auch weil sein Sohn Osiride die Israelitin Elcia liebt und ihren Auszug verhindern will. Nach weiteren Plagen ziehen die Israeliten ab; das Meer öffnet sich vor ihnen und verschlingt die verfolgenden Ägypter.
IOCO-Kritiken: Stadttheater Gießen (Alla Perchikova, 2025) · Bregenzer Festspiele (Daniela Zimmermann, 2017)
- Adina – Farsa in einem Akt, Libretto von Gherardo Bevilacqua-Aldobrandini; komponiert 1818, uraufgeführt erst am 22. Juni 1826 im Teatro São Carlos, Lissabon. Manche Quellen nennen abweichende Daten.
- Ricciardo e Zoraide – Dramma in zwei Akten, Libretto von Francesco Maria Berio di Salsa; Uraufführung am 3. Dezember 1818 im Teatro San Carlo, Neapel.
- Ermione – Azione tragica in zwei Akten, Libretto von Andrea Leone Tottola nach Jean Racines Andromaque; Uraufführung am 27. März 1819 im Teatro San Carlo, Neapel. IOCO-Kritik: Volkstheater Rostock (Thomas Kunzmann, 2016)
- Eduardo e Cristina – Dramma in zwei Akten, Libretto von Gherardo Bevilacqua-Aldobrandini und Andrea Leone Tottola; Uraufführung am 24. April 1819 im Teatro San Benedetto, Venedig. Rossini übernahm dafür vor allem Musik aus Ermione und Adelaide di Borgogna, einzelne Stücke auch aus Ricciardo e Zoraide und Mosè in Egitto.
La donna del lago (1819) – nach Walter Scott
La donna del lago ist ein Melodramma in zwei Akten mit einem Libretto von Andrea Leone Tottola nach der Verserzählung The Lady of the Lake von Walter Scott. Uraufgeführt wurde die Oper im Teatro San Carlo in Neapel. Das Rossini Opera Festival und die kritische Ausgabe des Verlags Ricordi nennen den 24. Oktober 1819; andere Quellen, darunter Casaglia und Corago, geben den 24. September 1819 an. Nach Angaben von Ricordi war die Oper für September angekündigt, aber erst Ende Oktober fertig.
Die Handlung spielt in Schottland. Elena, die Tochter des aufständischen Duglas, soll den Rebellenführer Rodrigo heiraten, liebt aber den jungen Malcom. König Giacomo V. hat sich unter dem Namen Uberto in Elena verliebt und gibt ihr einen Ring, mit dem sie beim König Gnade für sich und ihre Familie erbitten könne. Als die Rebellion scheitert, nutzt Elena den Ring, um für ihren Vater und Malcom zu bitten, und erkennt in Uberto den König, der ihren Vater begnadigt und sie mit Malcom vereint.
IOCO-Kritik: Hessisches Staatstheater Wiesbaden, Internationale Maifestspiele (Ljerka Oreskovic Herrmann, 2019)
- Bianca e Falliero – Melodramma in zwei Akten, Libretto von Felice Romani; Uraufführung am 26. Dezember 1819 im Teatro alla Scala, Mailand.
- Maometto II – Dramma per musica in zwei Akten, Libretto von Cesare Della Valle; Uraufführung am 3. Dezember 1820 im Teatro San Carlo, Neapel. Rossini arbeitete die Oper 1826 zu Le siège de Corinthe um.
- Matilde di Shabran – Melodramma giocoso in zwei Akten, Libretto von Jacopo Ferretti; Uraufführung am 24. Februar 1821 im Teatro Apollo, Rom. An der Komposition war Giovanni Pacini beteiligt.
- Zelmira – Dramma in zwei Akten, Libretto von Andrea Leone Tottola; Uraufführung am 16. Februar 1822 im Teatro San Carlo, Neapel. Es war Rossinis letzte Oper für Neapel.
Semiramide (1823) – die letzte Uraufführung in Italien
Semiramide ist ein Melodramma tragico in zwei Akten. Gaetano Rossi, der schon das Libretto zu Tancredi geschrieben hatte, schrieb es nach Voltaires Tragödie Sémiramis. Die Uraufführung fand am 3. Februar 1823 im Teatro La Fenice in Venedig statt, mit Isabella Colbran in der Titelrolle. Es war Rossinis letzte Oper, die in Italien uraufgeführt wurde.
Semiramide herrscht seit fünfzehn Jahren über Babylon. Gemeinsam mit dem Fürsten Assur hat sie ihren Mann, König Nino, ermordet; ihr Sohn Ninia gilt seither als verschollen. Nun soll sie einen Nachfolger bestimmen und wählt den jungen Feldherrn Arsace, den sie liebt. Der Oberpriester Oroe enthüllt, dass Arsace in Wahrheit Ninia ist. In der Gruft Ninos will Arsace Assur töten und trifft im Dunkeln stattdessen seine Mutter.
Bekannt ist Semiramides Arie „Bel raggio lusinghier“.
Paris (1825–1829)
In Paris schrieb Rossini zunächst für den Théâtre-Italien, dann für die Opéra, die damals Académie Royale de Musique hieß und im Saal in der Rue Le Peletier spielte. Für die Opéra schuf er französische Fassungen zweier neapolitanischer Opern und zwei neue Werke.
Il viaggio a Reims (1825) – eine Oper zur Krönung
Il viaggio a Reims, ossia L'albergo del giglio d'oro ist ein Dramma giocoso in einem Akt mit einem Libretto von Luigi Balocchi. Rossini schrieb es zur Krönung von König Karl X.; die Uraufführung fand am 19. Juni 1825 im Théâtre-Italien in Paris statt, unter anderem mit Giuditta Pasta als Corinna. Einen Teil der Musik verwendete Rossini später in Le comte Ory.
Im Kurhotel „Zur goldenen Lilie“ in Plombières warten Gäste aus ganz Europa auf die Abreise zur Krönung in Reims: eine modebesessene Pariser Gräfin, eine polnische Marquise und ihre rivalisierenden Verehrer, ein englischer Lord, ein deutscher Baron, ein Antiquitätensammler und die römische Dichterin Corinna. Da keine Pferde aufzutreiben sind, fällt die Reise aus, und die Gesellschaft feiert stattdessen vor Ort.
IOCO-Kritiken: Salzburger Festspiele (Daniela Zimmermann, 2026) · Semperoper Dresden (Thomas Thielemann, 2019)
- Le siège de Corinthe – Tragédie lyrique in drei Akten, Libretto von Luigi Balocchi und Alexandre Soumet; Uraufführung am 9. Oktober 1826 an der Pariser Opéra. Es ist eine Umarbeitung von Maometto II.
- Moïse et Pharaon, ou Le passage de la Mer Rouge – Oper in vier Akten, Libretto von Luigi Balocchi und Étienne de Jouy; Uraufführung am 26. März 1827 an der Pariser Opéra. Es ist eine Umarbeitung von Mosè in Egitto.
Le comte Ory (1828) – Der Graf Ory
Le comte Ory ist eine Oper in zwei Akten mit einem Libretto von Eugène Scribe und Charles-Gaspard Delestre-Poirson. Uraufgeführt wurde sie am 20. August 1828 an der Pariser Opéra, mit Adolphe Nourrit als Ory und Laure Cinti-Damoreau als Gräfin.
Während die Männer auf dem Kreuzzug sind, leben die Gräfin von Formoutiers und ihre Damen zurückgezogen auf ihrem Schloss. Der Graf Ory versucht, zu ihnen vorzudringen, erst als Eremit verkleidet, dann mit seinen Gefährten als Pilgerinnen. Sein Page Isolier, der die Gräfin selbst liebt, durchkreuzt seine Pläne, bis die Rückkehr der Kreuzfahrer gemeldet wird und Ory fliehen muss.
IOCO-Kritik: Opéra Royal de Wallonie-Liège (Ingo Hamacher, 2018)
Guillaume Tell (1829) – Rossinis letzte Oper
Guillaume Tell ist eine Oper in vier Akten nach Friedrich Schillers Schauspiel Wilhelm Tell; das Libretto schrieben Étienne de Jouy und Hippolyte Bis. Die Uraufführung fand am 3. August 1829 an der Pariser Opéra statt, mit Henri-Bernard Dabadie als Tell und Adolphe Nourrit als Arnold. Für eine Pariser Wiederaufnahme 1831 kürzte Rossini die Oper auf drei Akte.
Die Schweizer im Kanton Uri leiden unter dem habsburgischen Landvogt Gesler. Arnold, der Sohn des alten Melcthal, liebt die habsburgische Prinzessin Mathilde, schließt sich aber nach der Ermordung seines Vaters den Aufständischen um Tell an. Gesler zwingt Tell, einen Apfel vom Kopf seines Sohnes Jemmy zu schießen. Tell trifft, wird aber verhaftet, kann entkommen und tötet Gesler.
Bekannt sind die Ouvertüre, Mathildes Romanze „Sombre forêt“, Tells Arie „Sois immobile“ vor dem Apfelschuss und Arnolds Arie „Asile héréditaire“.
IOCO-Kritiken: Opéra de Lyon (Julian Führer, 2019) · Theater an der Wien (Elisabeth König, 2018)
Pasticci und eine verschollene Oper
Zwei weitere Bühnenwerke tragen Rossinis Namen, sind aber nicht von ihm zusammengestellt worden: Ivanhoé, ein Pasticcio von Antonio Pacini mit Musik aus mehreren Rossini-Opern nach Walter Scott, kam am 15. September 1826 im Théâtre de l'Odéon in Paris heraus; Robert Bruce, von Louis Niedermeyer aus Rossinis Musik eingerichtet, am 30. Dezember 1846 an der Pariser Opéra. Rossini hatte beiden Bearbeitungen zugestimmt.
In London arbeitete Rossini 1823 und 1824 an einer Oper mit dem Titel Ugo, re d'Italia. Das Projekt wurde nicht vollendet, die Musik gilt als verschollen.
Rossini für Einsteiger: Womit anfangen?
- Il barbiere di Siviglia – eine Verwechslungskomödie mit Figuren, die viele aus Mozarts Le nozze di Figaro kennen, denn beide Opern gehen auf Komödien von Beaumarchais zurück.
- La Cenerentola – das Aschenputtel-Märchen ohne Zauberei, mit einer großen Partie für Mezzosopran.
- L'italiana in Algeri – eine Komödie mit einer Heldin, die ihre Gegenspieler mit List und Witz besiegt.
- Il viaggio a Reims – ein Einakter mit vielen großen Solopartien, geschrieben zur Krönung Karls X.
- Guillaume Tell – Rossinis letzte Oper, nach dem Schauspiel von Schiller.
Wie lange ein Opernabend im Allgemeinen dauert, erklärt unser Ratgeber Wie lange dauert eine Oper?. Was eine Arie ist und welche Arien besonders bekannt sind, lesen Sie in Was ist eine Arie?; welche Stimmfächer es gibt, in Opernstimmen erklärt. Wer generell in die Oper einsteigen möchte, findet weitere Empfehlungen in Die besten Opern für Anfänger.
FAQ: Häufige Fragen zu den Opern von Gioachino Rossini
Wie viele Opern schrieb Rossini?
Nach dem Werkverzeichnis des Rossini Opera Festival in Pesaro sind es 39, von La cambiale di matrimonio (1810) bis Guillaume Tell (1829). Darin enthalten sind die Pariser Umarbeitungen Le siège de Corinthe und Moïse et Pharaon. Andere Verzeichnisse kommen zu abweichenden Zahlen, je nachdem, ob sie Umarbeitungen, Pasticci oder verschollene Werke mitzählen.
Warum schrieb Rossini nach Guillaume Tell keine Oper mehr?
Eine eindeutige Erklärung gibt es nicht. Guillaume Tell sollte nach seinem Vertrag mit der französischen Regierung nicht die letzte Oper für Paris bleiben; nach der Julirevolution von 1830 erkannte die neue Regierung diesen Vertrag jedoch nicht an. Rossini schrieb danach vor allem geistliche Musik, Lieder und Klavierstücke.
Heißt es Gioachino oder Gioacchino Rossini?
Beide Schreibweisen sind verbreitet. Die Fondazione Rossini und das Rossini Opera Festival in Pesaro schreiben „Gioachino“, viele andere Quellen „Gioacchino“.
Welche Rossini-Opern wurden außerhalb Italiens uraufgeführt?
Alle Opern ab 1825 kamen in Paris heraus: Il viaggio a Reims am Théâtre-Italien, Le siège de Corinthe, Moïse et Pharaon, Le comte Ory und Guillaume Tell an der Opéra. Adina wurde 1826 in Lissabon uraufgeführt.
Welche Rossini-Opern sind Umarbeitungen?
Le siège de Corinthe (1826) geht auf Maometto II (1820) zurück, Moïse et Pharaon (1827) auf Mosè in Egitto (1818). Für Le comte Ory übernahm Rossini Musik aus Il viaggio a Reims. Auch innerhalb einzelner Opern gibt es mehrere Fassungen, etwa die beiden Schlüsse von Tancredi und Otello.
Fazit
Rossinis Opernschaffen umfasst knapp zwanzig Jahre: von den einaktigen Farsen für ein kleines venezianisches Theater über die Komödien für Rom und Mailand und die ernsten Opern für Neapel bis zu den französischen Werken für die Pariser Opéra. Neben den viel gespielten Komödien Il barbiere di Siviglia, La Cenerentola und L'italiana in Algeri sind auch die ernsten Opern wieder auf den Spielplänen zu finden, wie die IOCO-Kritiken zu Ermione, La donna del lago und Mosè in Egitto zeigen. Mehr über die Opern anderer Komponisten lesen Sie in unseren Überblicken zu Mozart, Verdi, Puccini, Bizet, Wagner und Richard Strauss.
Mehr Opernempfehlungen und Kritiken finden Sie auf IOCO – Kultur im Netz.