Salzburg, Salzburger Festspiele, IL VIAGGIO A REIMS – Gioachino Rossini, IOCO

Rossinis „Il viaggio a Reims“ wird bei den Salzburger Festspielen zum rauschenden Fest: Barrie Kosky entfacht ein Feuerwerk aus Witz und Spielfreude. Cecilia Bartoli glänzt als Corinna – und feiert mit einem fulminanten Ensemble zugleich ihren 60. Geburtstag.

Salzburg, Salzburger Festspiele, IL VIAGGIO A REIMS – Gioachino Rossini, IOCO
Haus für Mozart, Fassade © Karl Forster

von Daniela Zimmermann

Il Viaggio a Reims wurde am 19. Juni 1825 im Théâtre-Italien in Paris uraufgeführt. Rossini komponierte das Werk anlässlich der Krönung Karls X. von Frankreich. In dieser Aufführung geht es um die berühmte Mezzosopranistin Ceci, als Hommage für Cecilia Bartoli. Das Libretto stammt von Giuseppe Luigi Balocchi und greift Motive aus Madame de Staëls Roman „Corinne ou l’Italie“ auf. Rossinis Il Viaggio a Reims ist in diesem Sommer ein Höhepunkt der Salzburger Festspiele. Die Produktion entstand zunächst für die Pfingstfestspiele 2026 und wird nun im Haus für Mozart wiederaufgenommen. Gioachino RossinisIl Viaggio a Reims“ ist ein „Dramma giocoso“ in einem Akt. Im Mittelpunkt steht Cecilia Bartoli, die erstmals die Rolle der Corinna, einer römischen Dichterin und Improvisationskünstlerin, singt.

Ensemble © SF/Monika Rittershaus

Inszeniert wurde die Oper von Barrie Kosky. Barry Kosky, einer der international gefragtesten Opernregisseure, hat Rossinis ohnehin überschäumende Komödie mit sichtlicher Lust an diesem Spektakel in ein Feuerwerk aus Witz, Tempo und Situationskomik verwandelt. Was für ein köstlicher, amüsanter und unterhaltsamer Abend. Die Aufführung sprühte vor Spielfreude und war voll überraschender Einfälle. Das Publikum war begeistert von der ersten bis zur letzten Minute. Das hervorragend aufeinander eingespielte Ensemble machte aus Rossinis Meisterwerk ein mitreißendes Fest des Belcantos und der Komödie. Gespart wurde bei dieser Inszenierung nicht. Vier unterschiedliche Bühnenbilder von Rufus Didwiszus, geben der turbulenten Handlung immer wieder einen neuen Rahmen. Der Hoteleingang mit seiner ständig schwingenden Tür. Die Zimmerflucht, in denen sich die Gäste verbergen, begegnen und verheddern, der Hotelgarten und schließlich der große Festsaal mit der prächtig gedeckten Tafel. Allein dieser Tisch ist ein kleines Kunstwerk, festlich opulent und bereit für die illustre Gesellschaft. Ebenso fantasievoll sind die Kostüme von Victoria Behr. Aufwendig gestaltet, kostbar und sehr farbenprächtig, unterstreichen sie die unterschiedlichen Charaktere und Nationalitäten der Hotelgäste. Hüte, Frisuren, Uniformen und elegante Roben sind Teil der Komödie und ein wahrer Genuss für die Augen. Das alles ist so üppig und detailverliebt, dass man gar nicht weiß, wohin man zuerst schauen soll. RossinisIl viaggio a Reims“ spielt in einem luxuriösen Provinzhotel „Zur Goldenen Lilie“ in Plombières bei Paris.

Mélissa Petit (Contessa di Folleville), Edgardo Rocha (Cavalier Belfiore), Ensemble © SF/Monika Rittershaus

Dort haben sich zahlreiche exklusive Gäste aus verschiedenen Ländern eingefunden, die alle dringend nach Reims zur Geburtstagsfeier der berühmten Mezzosopranistin Ceci weiterreisen wollen. Doch an die ersehnte Abreise ist nicht zu denken, es gibt keine Pferde für die bereitstehenden Kutschen. Stattdessen entwickeln sich zwischen den Gästen amouröse Verwicklungen, Eifersüchteleien und kleine Intrigen. Jeder beobachtet jeden, Hoffnungen werden geweckt und wieder enttäuscht, und aus harmlosen Begegnungen werden Missverständnisse. Besonders um die Dichterin Corinna dreht sich die Aufmerksamkeit der Herren. Sie wird bewundert und hofiert, während andere versuchen, ihre eigenen Liebesinteressen durchzusetzen. Die verschiedenen Nationalitäten, Charaktere und Eitelkeiten der Hotelgesellschaft sorgen zusätzlich für komische Situationen. Rossini lässt dabei die Gäste immer wieder gleichzeitig reden, reagieren und aneinander vorbeireden, ein musikalisches und szenisches Durcheinander, das sich ständig steigert. Letztlich erreicht ein Telegramm die muntere Hotelgesellschaft, Cecis Geburtstagsfeier wird in Paris noch einmal zelebriert. Große Erleichterung, und die Gräfin empfiehlt für den nächsten Tag, die Postkutsche nach Paris. Aber erst wird noch einmal gefeiert, eine große Gala im Hotel. An der großen Tafel sitzen schließlich alle zusammen, und nun darf jeder entsprechend seiner Nationalität musikalisch etwas zum Besten geben. Den Anfang macht Misha Kiria als Barone di Trombonok, der die Idee für diese reizvolle Unterhaltung hatte. Sein kräftiger, markanter Bass und seine ausgeprägte Bühnenpräsenz machen ihn zu einer komischen Autorität in diesem ohnehin schon völlig aus dem Ruder laufenden Hotelbetrieb.

Misha Kiria (Barone di Trombonok), Cecilia Bartoli (Corinna), Ensemble © SF/Monika Rittershaus

Ihm folgt Marina Viotti als Marchesa Melibea mit ihrem warmen, farbenreichen Mezzosopran und einer selbstbewussten Bühnenerscheinung. Dmitry Korchak gestaltet den Conte di Libenskof mit hellem, beweglichem Tenor und viel Spielfreude. Als Don Alvaro setzt Peter Kellner mit seinem sonoren Bass einen weiteren kräftigen Akzent. Ildebrando D’Arcangelo gibt Lord Sidney die nötige Noblesse und stattet die Partie mit seinem dunkel gefärbten, voluminösen Bass aus. Besonders viel komödiantisches Feuer entwickelt Mélissa Petit als Contessa di Folleville. Sie verbindet ihre bewegliche, brillante Stimme mit einer herrlich überdrehten Bühnenpräsenz. Auch Tara Erraught als Madame Cortese erweist sich als ausgesprochen komödiantisch begabte Sängerin. Ihr Duett mit Florian Sempey als Don Profondo gehört zu den besonders unterhaltsamen Momenten dieses Ensembles. Sempey verfügt über einen sehr markanten Bariton, großes darstellerisches Temperament und ein bemerkenswertes Gespür für die Situationskomik. Edgardo Rocha als Cavalier Belfiore fügt sich mit seinem leuchtenden Tenor und seiner jugendlichen Bühnenausstrahlung bestens in die Gesellschaft ein. Jeder bringt seine eigene Identität zum Ausdruck, jeder bekommt seinen Auftritt, und gerade dieses Nebeneinander der unterschiedlichen Stimmen und Charaktere macht den besonderen Reiz der Szene aus. Und dann Cecilia Bartoli als Corinna. Sie ist natürlich der strahlende Mittelpunkt des Abends. Mit ihrer unverwechselbaren Stimme, ihrer einzigartigen Ausstrahlung und ihrem sicheren Gespür für Rossinis musikalischen Witz zieht sie alle Aufmerksamkeit auf sich. Dabei spielt sie mit sichtlicher Freude und einer gehörigen Portion Selbstironie.

Cecilia Bartoli (Corinna), Ensemble © SF/Monika Rittershaus

Großartig und immer wieder beeindruckend: ihre mühelos wirkenden Koloraturen und die feinen Nuancierungen ihrer Stimme. Gianluca Capuano führt die Sänger und das Orchester mit großem Feingefühl durch Rossinis musikalische, mitreißende Musik. Capuano hat dabei auch bei rasendem Tempo den absoluten Überblick. Er lässt Rossinis Musik sprühen. Trotz der zahlreichen Stimmen und der raschen Wechsel bleibt alles präzise. Das auf historischen Instrumenten spielende Ensemble Les Musiciens du Prince Monaco lässt Rossini leicht und transparent erklingen. Immer wieder schön, dieses wunderbare Orchester zu hören. Eine große Freude ist auch der Chœur de L’Opéra de Monte Carlo. Mit seinem frischen Gesang und seiner Spielfreude passt er bestens in das Ensemble. Herrlich wie er das Chaos und die Turbulenzen unterstützt und die Stimmung anheizt. Und dann kommt zum Schluss tatsächlich die Ceci aus der Torte. Eine riesige Torte wird hereingeschoben und heraus steigt die Ceci, in Person von Cecilia Bartoli. Als die Ceci betritt Cecilia Bartoli noch einmal die Bühne und das Publikum applaudiert und jubelt. Ceci genießt ihren großen Auftritt und winkt fröhlich zurück. Dieses musikalische Ende ist ganz auf Cecilia Bartoli ausgerichtet und ist der Höhepunkt des Abends. Frau Bartoli hat mit dieser Aufführung und einem sich anschließenden Gala-Diner in der Residenz, zusammen mit vielen Ehrengästen und Freunden am 8. August dieses Jahres, ihren 60. Geburtstag gefeiert.

Weiterlesen

Dresden, Moritzburger Musikfestspiele 2026, Konzert Newa, IOCO

Dresden, Moritzburger Musikfestspiele 2026, Konzert Newa, IOCO

14.August 2026 Während sich die betuchten Musikfreunde in nichtklimatisierten und reparaturbedürftigen Konzerträumen oder in Freilichtarenen mit fragwürdiger Tontechnik ihren Kulturhunger stillten, gab es wenige Kilometer nördlich Dresdens die Möglichkeit, bei den Moritzburger Musikfestspielen auserlesene Kammermusik unter idyllischen Bedingungen zu erleben. Das in den 1540-er Jahren vom Wettiner Herzog

Von Thomas Thielemann