Der Barbier von Sevilla

„Der Barbier von Sevilla“ ist Rossinis komische Oper über den findigen Barbier Figaro, der dem verliebten Grafen Almaviva hilft, die schöne Rosina aus der Vormundschaft des eifersüchtigen Doktor Bartolo zu befreien. Mit Intrigen, Verkleidungen und atemloser Komik gilt das Werk als Gipfel der italienischen Opera buffa.

Fakten zu „Der Barbier von Sevilla“

KomponistGioachino Rossini
LibrettoCesare Sterbini, nach der Komödie von Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais
Uraufführung20. Februar 1816, Teatro Argentina, Rom
SpracheItalienisch
Aufbau2 Akte
Spieldauerca. 2 Std. 40 Min. (mit Pause)
GattungOpera buffa (Commedia) in zwei Akten
BedeutungEine der meistgespielten Opern der Welt und der Inbegriff der italienischen Opera buffa.

Handlung

1. Akt

Auf einem Platz in Sevilla bringt Graf Almaviva (Tenor) der schönen Rosina (Mezzosopran) im Morgengrauen ein Ständchen. Er liebt sie, will aber um ihrer selbst willen geliebt werden und gibt sich als armer Student „Lindoro“ aus. Rosina lebt streng bewacht im Haus des alten Doktor Bartolo (Bass-buffo), der sie selbst heiraten und ihr Vermögen sichern will. Da erscheint der Barbier Figaro (Bariton), das Faktotum der Stadt, und stellt sich dem Grafen als Helfer zur Verfügung. Gegen Bezahlung schmiedet er einen Plan: Almaviva soll sich als betrunkener Soldat Einlass ins Haus verschaffen. Rosina, schlau und entschlossen, fasst längst ihren eigenen Plan und schmuggelt einen Brief an „Lindoro“ hinaus. Der Musiklehrer Don Basilio (Bass) rät Bartolo, den Grafen durch eine Verleumdungskampagne unschädlich zu machen. Das Eindringen des verkleideten Almaviva endet im Tumult: Die herbeigerufene Wache will ihn verhaften, doch er gibt sich heimlich als Adliger zu erkennen. Im großen Finale erstarren alle in heillosem Durcheinander.

2. Akt

Almaviva (Tenor) dringt nun in neuer Verkleidung als Musiklehrer Don Alonso ins Haus ein und gibt vor, den erkrankten Basilio (Bass) zu vertreten. Während er Rosina (Mezzosopran) eine Gesangsstunde erteilt, verständigen sich die Liebenden heimlich und planen die Flucht. Figaro (Bariton) rasiert den misstrauischen Bartolo (Bass-buffo) und versucht, ihn abzulenken. Als der echte Basilio unerwartet auftaucht, wird er mit einer Geldbörse rasch wieder fortgeschickt. Doch Bartolo durchschaut die List, gerät in Wut und treibt alle aus dem Haus. Mit Rosinas Brief gelingt es ihm, sie gegen „Lindoro“ aufzubringen: Sie willigt aus Eifersucht in die Heirat mit Bartolo ein. Im nächtlichen Gewitter klären sich die Missverständnisse, Almaviva offenbart seine wahre Identität. Da der herbeigeholte Notar bereitsteht, lassen sich die Liebenden sofort trauen, ehe Bartolo eingreifen kann. Der Vormund fügt sich, der Graf überlässt ihm Rosinas Mitgift, und alle feiern das glückliche Ende.

Rollen & Stimmfächer

RolleStimmfachBedeutung
FigaroBaritonBarbier und Faktotum von Sevilla; treibende Kraft der Intrige
RosinaMezzosopran (Koloratur)Mündel Bartolos; klug und willensstark
Graf AlmavivaTenorVerliebter Adliger; tritt als „Lindoro“ und „Don Alonso“ auf
Doktor BartoloBass-buffoRosinas eifersüchtiger Vormund; will sie selbst heiraten
Don BasilioBassMusiklehrer und Intrigant; Meister der Verleumdung
BertaSopran (Mezzosopran)Bartolos Haushälterin; komische Nebenrolle
FiorelloBariton/BassDiener des Grafen

Berühmte Arien

ArieStimmeSzene
„Ecco ridente in cielo“Graf Almaviva (Tenor)Eröffnungsständchen für Rosina; 1. Akt.
„Largo al factotum“Figaro (Bariton)Auftrittsarie des Barbiers mit dem berühmten „Figaro qua, Figaro là“; 1. Akt.
„Una voce poco fa“Rosina (Mezzosopran)Kavatine; Rosina zeigt ihren entschlossenen Willen; 1. Akt.
„La calunnia è un venticello“Don Basilio (Bass)Verleumdungsarie über das Anschwellen der üblen Nachrede; 1. Akt.

Themen & Kontext

Worum es wirklich geht

Im Kern ist „Der Barbier von Sevilla“ ein Spiel um List, Geld und Begehren. Die junge Rosina soll vom alten Bartolo eingesperrt und zur Ehe gezwungen werden, doch ihr Eigensinn und die Findigkeit des Barbiers Figaro durchkreuzen seine Pläne. Verkleidungen, Bestechungen und doppelte Böden treiben die Handlung an, bis die Jugend über das geizige Alter triumphiert. Hinter dem rasanten Tempo steckt eine soziale Pointe: Nicht Stand oder Vermögen, sondern Witz und Geschick entscheiden. Figaro, der käufliche Tausendsassa, verkörpert das selbstbewusste Bürgertum, das seine Dienste klug zu Geld macht.

Historischer Hintergrund

Rossini schrieb die Oper in wenigen Wochen für den Karneval 1816 in Rom; Cesare Sterbinis Libretto folgt Beaumarchais’ Komödie von 1775. Die Uraufführung am 20. Februar 1816 im Teatro Argentina geriet zum Fiasko: Anhänger Giovanni Paisiellos, dessen erfolgreicher „Barbiere“ von 1782 noch im Repertoire war, störten lautstark, und Bühnenpannen verschärften das Chaos. Schon die zweite Aufführung wurde ein Erfolg, und das Werk trat rasch seinen Siegeszug an. Um Paisiello nicht zu brüskieren, trug Rossinis Oper zunächst den Titel „Almaviva ossia L’inutile precauzione“. Heute hat sie ihr Vorbild längst aus dem Repertoire verdrängt.

Warum Experten es wichtig finden

Fachleute sehen im „Barbier“ den Höhepunkt der italienischen Opera buffa und ein Muster für komisches Musiktheater. Rossinis Gespür für Tempo, sein berühmtes Crescendo und die virtuose Behandlung der Singstimmen prägten eine ganze Epoche. Die Partie der Rosina gilt als Prüfstein der Koloraturkunst, „Largo al factotum“ als eine der bekanntesten Baritonarien überhaupt. Reizvoll ist auch das Verhältnis zu Mozarts „Le nozze di Figaro“: Beaumarchais’ Trilogie liefert beiden Werken den Stoff, wobei Rossini den ersten, Mozart den zweiten Teil vertonte. So bilden die beiden Opern eine ungeplante Fortsetzungsgeschichte um dieselben Figuren.

Aufführungsnoten

Regie-Ansätze

Inszenierungen reichen von turbulenter Commedia-dell’arte-Komik in historischem Sevilla bis zu modernisierten, oft slapstickhaften Deutungen. Im Zentrum steht meist das komödiantische Zusammenspiel des Ensembles; manche Regisseure betonen die soziale Schärfe um Geld, Macht und die Bevormundung der jungen Frau.

Bekannte Aufnahmen & Produktionen

Maßstäbe setzten unter anderem Aufnahmen unter Alceo Galliera (mit Maria Callas und Tito Gobbi), Claudio Abbado (mit Teresa Berganza) sowie Neville Marriner; berühmte Figaros waren Tito Gobbi und Hermann Prey.

Was zwischen Inszenierungen variiert

Variabel ist vor allem die Besetzung Rosinas: ursprünglich für Mezzosopran geschrieben, wurde die Partie lange von hohen Koloratursopranen übernommen, die die Musiklektion zudem oft durch Fremdarien ersetzten. Heute kehren viele Häuser zur tieferen Originalfassung zurück. Auch die Tonarten einzelner Nummern, etwa Basilios Verleumdungsarie, wurden im Lauf der Aufführungsgeschichte verschoben.

„Der Barbier von Sevilla“ bei IOCO

Häufige Fragen

Wer hat „Der Barbier von Sevilla“ komponiert?

„Der Barbier von Sevilla“ stammt von Gioachino Rossini. Uraufführung: 20. Februar 1816, Teatro Argentina, Rom.

Wovon handelt „Der Barbier von Sevilla“?

„Der Barbier von Sevilla“ ist Rossinis komische Oper über den findigen Barbier Figaro, der dem verliebten Grafen Almaviva hilft, die schöne Rosina aus der Vormundschaft des eifersüchtigen Doktor Bartolo zu befreien. Mit Intrigen, Verkleidungen und atemloser Komik gilt das Werk als Gipfel der italienischen Opera buffa.

Welche berühmten Arien gibt es in „Der Barbier von Sevilla“?

Zu den bekanntesten Arien zählen „Ecco ridente in cielo“, „Largo al factotum“, „Una voce poco fa“.

Welche Stimmfächer singen die Hauptrollen in „Der Barbier von Sevilla“?

Figaro (Bariton), Rosina (Mezzosopran (Koloratur)).

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