La Cenerentola

„La Cenerentola“ ist Rossinis komische Vertonung des Aschenputtel-Märchens – jedoch ganz ohne Zauberei: Statt Fee und gläsernem Schuh entscheiden Güte und ein Armband über das Glück der gedemütigten Angelina. Aus dem Stoff wird ein virtuoses Belcanto-Werk, dessen Titelpartie mit ihren halsbrecherischen Koloraturen zu den größten Herausforderungen für Mezzosoprane zählt.

Fakten zu „La Cenerentola“

KomponistGioachino Rossini
LibrettoJacopo Ferretti, nach Charles Perraults Märchen „Cendrillon“ und älteren Libretti, darunter Charles-Guillaume Étiennes „Cendrillon“
Uraufführung25. Januar 1817, Teatro Valle, Rom
SpracheItalienisch
Aufbau2 Akte
Spieldauerca. 2 Std. 45 Min. (mit Pause)
GattungDramma giocoso (Opera buffa mit semiseria-Zügen) in zwei Akten
BedeutungEine der populärsten komischen Opern Rossinis und ein zentrales Werk des Belcanto, das das Märchen ganz ohne Magie erzählt.

Handlung

1. Akt

Im verfallenen Haus des bankrotten Don Magnifico (Bass-buffo) schuftet dessen Stieftochter Angelina, genannt Cenerentola (Koloratur-Mezzosopran/Alt), während ihre eitlen Schwestern Clorinda (Sopran) und Tisbe (Mezzosopran) sie ständig schikanieren. Als der Bettler Alidoro (Bass) um Almosen bittet, ist allein Angelina freundlich zu ihm. Alidoro ist in Wahrheit der Erzieher des Prinzen Don Ramiro (Tenor), der eine tugendhafte Braut sucht. Um die Frauen unbeobachtet zu prüfen, tauscht Ramiro die Rollen mit seinem Diener Dandini (Bariton/Bass): Der Diener spielt nun den Prinzen. Ramiro und Angelina begegnen sich verkleidet und verlieben sich auf der Stelle. Don Magnifico hofft, eine seiner leiblichen Töchter mit dem vermeintlichen Prinzen zu vermählen, und verbietet Angelina den Ball. Doch Alidoro greift ein: Er behauptet, eine dritte Tochter sei gestorben, und führt Angelina heimlich, prächtig gekleidet und verschleiert, an den Hof. Dort erscheint sie als geheimnisvolle Unbekannte und verwirrt die gesamte Gesellschaft, weil sie der verachteten Cenerentola auf verblüffende Weise gleicht. Niemand wagt zu glauben, dass die strahlende Schöne und die Magd dieselbe Person sein könnten, und der Akt endet in allgemeiner Verwirrung.

2. Akt

Am Hof werben Clorinda (Sopran) und Tisbe (Mezzosopran) weiter um den falschen Prinzen Dandini (Bariton/Bass), während Don Magnifico (Bass-buffo) von Reichtum träumt. Die geheimnisvolle Unbekannte aber weist den vermeintlichen Prinzen zurück: Angelina (Koloratur-Mezzosopran/Alt) liebt dessen schlichten Begleiter, den verkleideten Don Ramiro (Tenor). Sie gibt ihm ein Armband und ein zweites, gleiches, mit der Aufforderung, sie zu suchen; erkenne er sie wieder und liebe sie noch, gehöre sie ihm. Dandini enthüllt Magnifico schließlich, dass er nur der Diener ist. Ein Gewitter zwingt Ramiros Wagen zur Umkehr ausgerechnet vor Magnificos Haus, wo Angelina wieder in Lumpen am Herd sitzt. An den passenden Armbändern erkennt Ramiro seine Geliebte. Magnifico und die Schwestern flehen vergeblich um Gnade. Doch Angelina vergibt ihnen großmütig, nimmt sie als nunmehrige Fürstin sogar in Gnaden wieder auf und feiert im glanzvollen Schlussrondo den Triumph der Güte über Demütigung und Unrecht. Aus der Aschenputtel-Gestalt ohne jeden Zauber ist eine Herrscherin geworden, die ihre Macht nicht zur Rache, sondern zur Versöhnung nutzt.

Rollen & Stimmfächer

RolleStimmfachBedeutung
Angelina, genannt CenerentolaKoloratur-Mezzosopran/AltGedemütigte Stieftochter Magnificos; verkörpert die titelgebende Güte und meistert virtuose Koloraturen
Don RamiroTenorPrinz; tauscht zur Brautprobe die Rolle mit seinem Diener
DandiniBariton/BassRamiros Kammerdiener; spielt komisch den falschen Prinzen
Don MagnificoBass-buffoVerarmter Baron und Stiefvater Angelinas; eitle Komödiantenrolle
AlidoroBassErzieher des Prinzen; lenkt verkleidet als Bettler die Handlung
ClorindaSopranMagnificos leibliche Tochter; eitel und herrschsüchtig
TisbeMezzosopranMagnificos leibliche Tochter; herablassend gegenüber Angelina

Berühmte Arien

ArieStimmeSzene
„Nacqui all’affanno… Non più mesta“Angelina (Koloratur-Mezzosopran/Alt)Schlussrondo; Angelina vergibt und besingt ihr Glück in funkelnden Koloraturen; 2. Akt.
„Una volta c’era un re“Cenerentola (Koloratur-Mezzosopran/Alt)Schlichtes Liedchen über den König, der die Gute wählte; charakterisiert die Heldin gleich zu Beginn; 1. Akt.
„Miei rampolli femminini“Don Magnifico (Bass-buffo)Auftrittsarie; Magnifico deutet einen Traum als Vorzeichen vornehmer Heiraten seiner Töchter; 1. Akt.

Themen & Kontext

Worum es wirklich geht

Ferretti und Rossini erzählen das Aschenputtel-Märchen bewusst ohne Magie. Keine Fee, kein Kürbis, kein gläserner Schuh entscheidet, sondern Charakter: An die Stelle des Schuhs tritt ein Armband, an die Stelle der Zauberpatin der menschliche Erzieher Alidoro. So verschiebt sich der Kern vom Wunder zur Moral. Der Untertitel „La bontà in trionfo“ – der Triumph der Güte – nennt das Programm beim Namen. Angelina siegt nicht durch Schönheit oder Glück, sondern weil sie freundlich bleibt und am Ende sogar ihren Peinigern verzeiht. Vergebung statt Rache wird zur eigentlichen Pointe des Stücks.

Historischer Hintergrund

Rossini komponierte „La Cenerentola“ in nur wenigen Wochen für den Karneval 1817 in Rom, kaum ein Jahr nach dem „Barbier von Sevilla“. Ferretti schrieb das Libretto unter großem Zeitdruck und griff auf bestehende Vorlagen zurück, darunter Charles-Guillaume Étiennes „Cendrillon“ für Daniel-François-Esprit Auber sowie ältere italienische Bearbeitungen. Die Uraufführung am 25. Januar 1817 im Teatro Valle verlief kühl, doch das Werk setzte sich rasch durch und gehörte bald zu Rossinis meistgespielten Opern. Aus Zeitnot stammen einige Nummern, etwa Alidoros Arie, teils von Mitarbeitern; spätere Fassungen ersetzten sie durch eigene Stücke Rossinis.

Warum Experten es wichtig finden

Für Fachleute ist „La Cenerentola“ ein Prüfstein des Belcanto. Die Titelpartie verlangt einen beweglichen Koloratur-Mezzosopran oder Alt, der Tiefe, Wärme und halsbrecherische Verzierungen vereint – nirgends fordernder als im Schlussrondo „Non più mesta“, das die ganze Bandbreite der Stimme entfaltet. Daneben schätzt man Rossinis Kunst des Ensembles: das berühmte Crescendo, die rasanten Buffo-Nummern Magnificos und Dandinis, die wie ein Uhrwerk ineinandergreifen. Musikwissenschaftlich gilt das Werk als Brücke zwischen reiner Opera buffa und empfindsamer Semiseria. Dass Rossini auf jede Magie verzichtet und allein der menschlichen Tugend vertraut, macht die Oper auch dramaturgisch zu einem Sonderfall.

Aufführungsnoten

Regie-Ansätze

Inszenierungen reichen von märchenhaft-historischem Bilderbogen bis zu modernen, gesellschaftskritischen Deutungen, die Armut, Standesdünkel und die Demütigung Angelinas betonen. Im Zentrum steht stets das komödiantische Zusammenspiel von Magnifico und Dandini, kontrastiert mit der ernsteren, empfindsamen Titelfigur.

Bekannte Aufnahmen & Produktionen

Maßstäbe setzten Aufnahmen unter Claudio Abbado mit Teresa Berganza, ferner Einspielungen mit Cecilia Bartoli (unter Riccardo Chailly) sowie mit Frederica von Stade; sie gelten als Referenzen für die anspruchsvolle Titelpartie.

Was zwischen Inszenierungen variiert

Variabel ist vor allem die Besetzung der Titelpartie, die je nach Sängerin von tiefen Alten bis zu helleren Koloratur-Mezzosopranen reicht. Auch die Fassung schwankt: Alidoros Arie „Là del ciel“ ersetzte Rossini später für eine eigene Komposition, und Verzierungen sowie Kadenzen werden bis heute individuell ausgestaltet.

„La Cenerentola“ bei IOCO

Häufige Fragen

Wer hat „La Cenerentola“ komponiert?

„La Cenerentola“ stammt von Gioachino Rossini. Uraufführung: 25. Januar 1817, Teatro Valle, Rom.

Wovon handelt „La Cenerentola“?

„La Cenerentola“ ist Rossinis komische Vertonung des Aschenputtel-Märchens – jedoch ganz ohne Zauberei: Statt Fee und gläsernem Schuh entscheiden Güte und ein Armband über das Glück der gedemütigten Angelina. Aus dem Stoff wird ein virtuoses Belcanto-Werk, dessen Titelpartie mit ihren halsbrecherischen Koloraturen zu den größten Herausforderungen für Mezzosoprane zählt.

Welche berühmten Arien gibt es in „La Cenerentola“?

Zu den bekanntesten Arien zählen „Nacqui all’affanno… Non più mesta“, „Una volta c’era un re“, „Miei rampolli femminini“.

Welche Stimmfächer singen die Hauptrollen in „La Cenerentola“?

Angelina, genannt Cenerentola (Koloratur-Mezzosopran/Alt), Don Ramiro (Tenor).

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