Mönchengladbach, Theater Krefeld Mönchengladbach, Christoph Roos – Neuer Schauspieldirektor, IOCO Aktuell, 17.3.2021

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Theater Krefeld Mönchengladbach

Theater Krefeld © Matthias Stutte

Theater Krefeld © Matthias Stutte

Christoph Roos –  Neuer Schauspieldirektor

ab Spielzeit 2022/23

Das Schauspiel-Ensemble des Mehrsparten-Theater Krefeld Mönchengladbach hat in einem monatelangen Verfahren seinen neuen Chef gewählt, der 2022/23 anfängt.

Theater Krefeld Mönchengladbach / Christoph Roos, neuer Schauspieldirektor © Ken Werner

Theater Krefeld Mönchengladbach / Christoph Roos, neuer Schauspieldirektor © Ken Werner

Mit einem besonderen Verfahren wurde der neue Schauspieldirektor des Theater Krefeld und Mönchengladbach ermittelt: Die Schauspielsparte hat auf Vorschlag von Generalintendant Michael Grosse, der die demokratischen Strukturen am Stadttheater stärken möchte, seinen neuen Leiter selbst gewählt. Unter den 15 Bewerberinnen und Bewerbern konnte sich Christoph Roos durchsetzen, der am Gemeinschaftstheater be-reits zahlreiche Stücke auf die Bühne gebracht hat, darunter Dürrenmatts Der Besuch der alten Dame, Molières Der Menschenfeind und zuletzt „Für immer schön“ von Noah Haid-le. Damit folgt auf Matthias Gehrt erneut ein Schauspieldirektor, der Regie führt. Christoph Roos ist seit der Saison 2014/15 Oberspielleiter am Landestheater Tübingen und nimmt seine neue Tätigkeit am Niederrhein in der Spielzeit 2022/23 auf – mit einer Perspektive bis 2025. Die Programmplanungen dafür beginnen bereits in den nächsten Wochen.

„Für die Wahl des neuen Schauspielchefs wurden Arbeitskontakte der vergangenen elf Jahre in den Blick genommen“, berichtet Generalintendant Michael Grosse. Indem er die Personal-entscheidung in die Hände des Schauspiels gelegt hat, setzt Grosse vor dem Hintergrund der Debatte um Machtmissbrauch an den Theatern ein ganz klares Zeichen. 16. März 2021

LTT hinter den Kulissen – hier Christoph Roos
youtube LTT – Landestheater Tübingen
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Ensemblesprecher des Schauspiels, Carolin Schupa und Paul Steinbach, haben gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen Fragebögen entwickelt, Bewerbungsgespräche geführt, debattiert und diskutiert. Der lange, oft auch mühsame Weg hat sich gelohnt, denn beide sind sich sicher, dass das Ensemble über diese Entscheidungsteilhabe viel gelernt hat und noch mehr zusammengewachsen ist. Besonders erfreulich: Dem Profil des Hauses entsprechend, das auf personelle Kontinuität setzt, wird das Schauspielensemble auch unter der neuen Leitung bestehen bleiben. Kein Künstler wird das Theater verlassen müssen, wenn Christoph Roos seine Tätigkeit aufnimmt. Für Matthias Gehrt, der 2022 nach 12 Jahren aufhört, ist der Abschied kein endgültiger: Er wird die Reihe Außereuropäisches Theater, die er ins Leben gerufen hat, bis auf Weiteres kuratieren. „Ich bin sehr froh darüber, dass wir seine internationale Vernetzung mit Theater-schaffenden dadurch weiter nutzen können“, so Generalintendant Michael Grosse.

—| IOCO Aktuell Theater Krefeld Mönchengladbach |—

Stephania Turkevych-Festival – Komponistin der Moderne, IOCO Portrait, 01.03.2021

Kathedrale Maria Magdalena in Lviv, Lemberg - Ukraine © Wikimedia Commons

Orgelsaal in Lviv, Ukraine, die ehemalige Kathedrale Maria Magdalena in Lviv, Lemberg – Ukraine © Wikimedia Commons

Stephania Turkevych-Festival – Lviv, Lemberg, Ukraine

Die Rückkehr einer Komponistin in ihre Heimat

von Adelina Yefimenko

Die ehemalige Kirche Maria Magdalena, Foto oben, eine 1630 errichtete Barockkathedrale in Lviv, ehemals Lemberg, Ukraine, fungiert heute als wunderbarer Orgelsaal. Vom 13. bis 17. Januar 2021 fand dort das erste Stephania TurkevychFestival statt. Das Festival feiert die Werke der herausragenden aber leider in Vergessenheit geratenen Persönlichkeit: Stephania Turkevych, 1898 – 1977, die erste ukrainische Komponistin der europäischen Moderne.

Stephania Turkevych hat in Lviv komponiert, in Wien bei Vasyl Barvinsky und Vitezslav Novak studiert. Später lebte sie in Berlin und nahm Unterricht bei Arnold Schönberg, Franz Schreker und Paul Hindemith. Auf Basis der Zwölftontechnik entwickelte Stephania Turkevych ihren eigenen Stil – originelle Kombinationen von Expressionismus, Neuer Sachlichkeit und Serieller Musik. In der Symphonie Nr.1 sowie in den Bühnenwerken – die Oper Oksanas Herz und das Ballett Hands entwickelte sie mittels der Avantgarde-Techniken eigene individuelle Verschmelzungen traditioneller ukrainischer Motive mit westeuropäischer Moderne.

Stephania Turkevych © Wikimedia Commons

Stephania Turkevych © Wikimedia Commons

Das Werk von Stephania Turkevych besteht aus verschiedenen Gattungen. Darunter – 9 Symphonien. Diejenigen, die aufgeführt wurden, sind die Symphonien Nr. 1 (1937) und Nr. 2 (1952), Symphonietta (1956), Symphonische Dichtung La Vita, 1965), Painting Symphony oder Drei Symphonische Skizzen (1962 und 2. Aufl. 1975), Space oder Astronomical Symphony (die 3 Sätze haben auch den Programmtitel Alpha, Galiläa, Armstrong) u.a. Es gibt auch meisterhafte Kammermusik-Stücke – Suite for Double String Orchestra, Quartetts, Violinsonaten u.a. Die spätere Version der Space Symphony wurde im Jahr 1972 überarbeitet.

Da Stephania Turkevych in einer gläubigen, musikalischen Familie aufwuchs, komponierte sie auch für Chor und Klavier. Ihre Mutter, Sofia Kormosh, war eine wunderbare Pianistin; sie genoss eine vollendete Ausbildung bei Karol von Mikuli  – ein Schüler Frederik Chopins – Gründer der Lemberger Klavierschule und Direktor des Galizischen Musikvereins. Ihr Großvater Lev Turkevych und ihr Vater Ivan Turkevych waren Priester. Ihr liturgisches Werk für Chor – Psalm to Sheptytsky, Liturgie (1919) u.a. – wurde zu einem wichtigen Ausdruck ihres Glaubens. Die zahlreichen Klavierminiaturen führte sie auch oft in eigenen Konzerten als Pianistin auf; vieles komponierte sie für ihre Kinder. Für das Theater schuf Stephania Turkevych vier Opern und sieben Ballette; darunter drei Opern für Kinder.

  Turkevych Kompositionen : Verboten in der ehemaligen Sowjetunion  

Als Anhängerin der ukrainischen Avantgarde wurde sie aus der Musikgeschichte ihres Heimatlandes gestrichen; ihre Musik wurde in der ehemaligen Sowjetunion verboten. Umso bedeutsamer ist es heute, dass im Zusammenhang mit der Rückgabe dieses verlorenen Erbes in Lviv die Werke von Stephania Turkevych live aufgeführt und nun auch im Format eines Online-Festivals weltweit präsentiert wurden.

Die Darbietung einer Reihe unbekannter Werke Stephania Turkevychs wurde dank der Erforschung der Manuskripte der Künstlerin möglich. Die ukrainische Musikwissenschaftlerin Prof. Stefania Pavlyshyn sowie Pavlo und Larysa Hunka haben großartige Arbeit geleistet, um das Werk der Komponistin in der Ukraine bekannt zu machen. Stefania Pavlyshyn hat die Biographie Stefania Turkevychs veröffentlicht. Der ukrainisch-britische Bariton und seine Gattin Larysa digitalisierten das gesamte Archiv von Stephania Turkevych in Cambridge, führten das Werkverzeichnis und präsentierten es in Lemberg.

 Der Orgelsaal in der ehemaligen Kathedrale Maria Magdalena in Lviv, Ukraine - Orgelsaal © Roksolana Trush

Der Orgelsaal in der ehemaligen Kathedrale Maria Magdalena in Lviv, Ukraine – Orgelsaal © Roksolana Trush

Das neue Festivalprogramm vom 13. – 17. Januar 2021 beinhaltete neben dem Werk der Komponistin auch drei Vorträge der zeitgenössischen Musikwissenschaftlerinnen Luba Kyyanovska und Natalia Syrotynska, die das Leben und Werk Stephania Turkevychs als emanzipierte Frau, Komponistin und auch als erste ukrainische Musikwissenschaftlerin für das Publikum darstellten. Stephania Turkevych studierte Musikwissenschaft 1919 bei Adolf Chybinski an der Universität von Lemberg und setzte das Studium bei Guido Adler und bei Joseph Marx an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien fort. Später erforschte sie für ihre Dissertation die ukrainischen Einflüsse auf russische Opern (Titel der Dissertation: Ukrainisches Element in den Werken P. Tschaikowski Tschereviztschki (zweiter Titel – Wakula der Schmied), N. Rimski-Korsakow Die Nacht vor Weihnachten und deren Vergleich mit M. Lysenkos Oper Weihnachtsnacht (Christmas Night). Die Dissertation verteidigte Stephania Turkevych damals in Prag (Ihr wissenschaftlicher Consultant war Zdenek Nejedly). Sie erwarb an der Ukrainischen Freien Universität den Titel Doktor der Philosophie, was in dieser Zeit (1934) für eine Frau nicht selbstverständlich war. Der wissenschaftliche und künstlerische Werdegang von Stephania Turkevych wird ausführlich von den zeitgenössischen ukrainischen Musikwissenschaftlerinnen Prof. Dr. Stefania Pavlyshyn, Prof. Dr. Luba Kyyanovska und Prof. Dr. Hanna Karas untersucht.

Stephania Turkevych – Festival in Lviv – Symphonie No 1
youtube Trailer Collegium Management
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Zum Programm des Ersten Stephania TurkevychFestivals zählten zwei bedeutende Aufführungen. Die erste Symphonie (1937) wurde im Rahmen des Kulturprojekts Ukrainian Live Classic (Präsentation der klassischen Musik der Ukraine / erste ukrainische mobile Anwendung, Förderung ukrainischer Klassiker im globalen Aspekt) aufgeführt. Es sollte auch erwähnt werden, dass dieses Projekt durch die Zusammenarbeit zwischen dem Orgelsaal von Lviv (Leitung: Ivan Ostapovich und Taras Demko), dem Collegium Management und dem Galizischen Musik Verein (Galician Music Socety mit Präsidentin: Zoryana Kushpler, Leitung: Taras Demko) mit Unterstützung der Ukrainian Cultural Foundation (UKS) entstand. Es wird geplant bei den nächsten Festivals alle anderen unbekannten Werke von Stephania Turkevychs aufzuführen.

Das Festivalprogramm der Symphonie-Premieren des Orgelsaals von Lviv wurde dank der Unterstützung der öffentlichen Organisation Collegium Management mit dem Ballett Hands or The Girl with the Withered Hands (Das Mädchen mit den verkümmerten Händen, 1957, Bristol) erweitert. Art-Direktor und Dirigent – Ivan Ostapovich und Co-Direktor des Orgelsaals und Direktor des Festivals, Taras Demko, äußerten sich über die Idee der Realisation des Ersten Stephania TurkevychFestivals wie folgt: „Letztes Jahr haben wir trotz aller Schwierigkeiten viel für unsere Live-Strategie getan, um die Musik der verschiedenen vergessenen ukrainischen Komponisten aufzuführen und deren Forschung zu fördern. Die historisch bedingte Unterschätzung, sogar absichtliche Fälschungen über die Entwicklung der ukrainischen Kultur möchten wir mittels dieser Musik ins wahre Licht stellen. In Wirklichkeit ist das Niveau der ukrainischen Musik des 20. Jahrhunderts ein wichtiger professionaler Bestandteil der europäischen Moderne. Stephania Turkevych ist eine unglaublich interessante Komponistin, die durch ihre Berufung als Musikerin von vielen Experten „der größte Mann unter den männlichen Komponisten Galiziens ihrer Zeit“ aufrecht geschätzt wurde. Die ukrainische Komponistin, die unter bekannten Umständen einen größten Teil ihres Lebens im Exil verbrachte und es in Großbritannien vollendete, schrieb mehr als hundert verschiedene Musikwerke. Die Ukraine wusste jedoch viele Jahre lang wenig über sie und ihr Werk. Und erst jetzt kehrt sie in ihrer Musik zu ihren Heimatszeitgenossen zurück“.

  Orgelsaal, Lviv, Ukraine - Stephania Turkevych Festival © Roksolana Trush

Orgelsaal, Lviv, Ukraine – Stephania Turkevych Festival © Roksolana Trush

Beide Werke wurde beim Festival vom Ukrainian Festival Orchestra aufgeführt. Der Dirigent Ivan Ostapovych leistete im Voraus eine gründliche Redaktionsarbeit: Korrekturen der technischen Fehler, verschiedene Ungenauigkeiten, zum Beispiel die dynamischen oder Tempo-Angaben, die sehr wichtig für seine Interpretation des unbekannten Opus diente. Über die Eigenheiten der Texturarbeit im Manuskript Turkevychs sprach Ivan Ostapovych wie folgt: „Vor dem Probenbeginn haben wir die Partitur vollständig restauriert. Mich persönlich hat die Eigenart der Handschrift der Komponistin „gefangen“. Auch Turkevychs musikalischer Stil stellt einen interessanten Ausdruck der Avantgarde dar, deshalb ist es nicht so einfach, den Text zu rekonstruieren, ohne die Musik irgendeinmal hören zu dürfen“. Bei der Interpretation der Symphonie Nr. 1 betonte der Dirigent ukrainische Quellen in Melodien und Rhythmen, die durch die Dodekaphonie-Technik und durch spannende Stil-Anspielungen mit Schönberg, Hindemith, Prokofiev, Bartok zu einer eigenartigen Synthese führte. Die Symphonie ist dreiteilig und sehr kontrastreich. Aufrufmotiv der Blechbläser, klangfarbige melodische Verflechtungen der Harfen und Holzbläser, raffinierte Oboen-Kantilene schwebten über eine transparente Textur der Streicher im Hintergrund. Die Stimmung wandelte, wie auf dünnen Eis, zwischen Wärme und Sentimentalität und plötzliche dissonierende Schärfe bis zum fast militanten Klang. So wie auch das Leben und die Weltanschauung dieser Frau, die es sich erlaubte, in der Mitte des 20. Jahrhunderts als Komponistin zu wirken. Eine Stille, fast ohrenbetäubend, brachte das Flöten-Solo zum Anfang des zweiten Satzes zum Ausdruck, das eine einsame Stimme der Komponistin imaginierte. Ivan Ostapovich erreichte mit dem Ukrainian Festival Orchestra eine breite Klangpalette von einem transparenten bis zum verdunkelten, sogar adstringierenden Klang.

Das Ziel weiterer Redaktionsarbeiten mit den Manuskripten dient zur Realisation neuer Aufführungen. Für die Zukunft wird eine neue kritische Ausgabe des Gesamtwerks Stephania Turkevychs geplant. Die Symphonie Nr. 1 war der erste Versuch dieser großangelegten Systematisierung des ukrainischen Musikerbes. Der zweite Versuch war das Ballett Hands oder The Girl with the Withered Hands.

Als Erstes muss erwähnt werden, dass es den Dirigenten und Orchester trotz der in der Pandemie-Zeit durchzuführenden konzertanten Premiere eine bewegte subtile und gleichfalls tragische Tanz-Ästhetik gelang. Die Musik des Balletts ist bildhaft, expressiv und vielsagend. Das Sujet The Girl with the Withered Hands stellt eine dramatische Geschichte, eine aktuelle Problematik „Kunst und Inklusion“ dar. Aber die humane Idee „alle Menschen, auch die, die unter Mobilitätsbeschränkungen leiden, sind gleichberechtigt im Sozialleben und in der Kunst“ – ist in diesem Ballett nur die Spitze des Eisbergs.

Als Zweites ist zu erwähnen: in der Musik The Hands spannt die Komponistin über die Dramaturgie der Verwandlung und des Wunders einen Inhaltsbogen vom Menschlichen, Humanen zum Sakralen.

 Orgelsaal in der ehemaligen Kathedrale Maria Magdalena, Lviv, Ukraine © Roksolana Trush

Orgelsaal in der ehemaligen Kathedrale Maria Magdalena, Lviv, Ukraine © Roksolana Trush

Das Mädchen mit den verkümmerten Händen, das in der realen Welt keine Freunde findet und von den anderen jungen und tanzenden Menschen zuerst abgewiesen wird, betet zu der Statue Jungfrau Maria, die auf dem Platz der Kathedrale steht. Das arme Mädchen brachte Blumen mit. Demgemäß wird der Titel des Balletts The Hands als Symbol bzw. als Gestik des Betens verstanden. Die langsame und träge wiederkehrende Episode, in denen die Musik die Schwermut des Mädchens reflektiert, wird immer wieder unterbrochen und immer mehr mit Energie erfüllt. Die Komponistin beherrscht eine hervorragende Art der unmittelbaren Mimesis. Diese fabelhafte, in der Musik von den kirchlichen Glocken (Xylophon, Harfen) gerahmte musikalische Verwandlung der Gestik des Mädchens, stellt einen Kontrast zu den anderen Themen der tanzenden Dorfjugend dar. Aber eine stringente orchestrale Balance braucht man nicht nur um symbolhafte musikalische Sprache zu imaginieren, sondern auch, besonders im Ballett, die logische instrumentale Dramaturgie durch den Rhythmus zu führen. Besonders dann, wenn die szenische Dynamik nicht präsent ist.

Die Brüche der Dynamik zwischen Stille und Explosionen schafft das Orchester mittels einer strengen systematischen Organisation der timbrierenden und temporalen Vielfalt. Das kurze Libretto, das die Komponistin selber geschrieben hat, zeigt übrigens weniger Sehnsucht, stattdessen mehr Kraft im Streben zum Glück:

„Das erste Mädchen tanzt vor der Statue, nimmt dann die Kette von ihrem Hals und legt sie auf die Handfläche der Statue. Die Menge antwortet mit einem Tanz. Jetzt tanzt das zweite Mädchen vor der Statue, nimmt ihre Halskette ab und legt sie um den Hals der Statue. Die jungen Leute antworten wieder mit Tanz. Das dritte Mädchen tanzt vor der Statue, nimmt ebenfalls ihre Halskette ab und legt sie der Jungfrau Maria auf die Stirn. Die ländliche Jugend antwortet erneut mit einem Tanz. Vor dem Ende des Tanzes betritt ein Mädchen mit verkrüppelten Händen die Bühne. Ihre Hände, die einen Blumenstrauß umklammern, sind unter einem Taschentuch versteckt. Die jungen Leute machen sich über sie lustig und entfernen sich tanzend. Das unglückliche Mädchen tanzt verzweifelt weiter. Sie fällt vor der Statue auf die Knie und gibt der Jungfrau Maria Blumen aus ihren verkümmerten Händen. Sie bleibt eine Minute auf den Knien und betet inbrünstig. Währenddessen erreicht die Musik ihren Höhepunkt und Licht erscheint um die Statue der Jungfrau Maria. Erfreut beginnt das verkrüppelte Mädchen ihren Tanz der Hände, während dessen sie vollständig geheilt werden. Sie tanzt jetzt ihren Tanz des Glücks. Während ihres Glücks-Tanzes beugt sich das Mädchen nach vorne und spielt mit dem Wasser und dem Lehm, den sie vom Grund des Baches nimmt. Sie formt daraus eine Vase. Jetzt tanzt sie den Tanz des Glücks der Schöpfung, mit einer Handbewegung winkt sie die Dorfjugend zurück. Triumphierend zeigt sie ihnen die Vase. Sie alle führen nun gemeinsam den Tanz der Freude auf, wie in der ersten Szene. Das Finale – ein auf wundersame Weise geheiltes Mädchen führt die Jungen und Mädchen zur Statue der Jungfrau Maria. Sie gießt Wasser in eine Vase, setzt Blumen ein und gibt sie der Mutter Gottes“.

Diese Geschichte kann auch autobiographisch verstanden werden. Prof. Dr. Luba Kyyanovska äußerte sich in ihrer Vorlesung im Rahmen des Festivals zur Frage des musikalischen Selbstbildnisses der Komponistin sehr treffend:

„Als Stephania Turkevych mit ihrer Musik im Exil war und die Hoffnung auf eine Rückkehr zu Heimatsland verlor, fühlte sie sich äußerst einsam. Sie wurde durch zwei Dinge gerettet – Glaube und Musik“.

—| IOCO Portraits |—

Düsseldorf, Ballett am Rhein, Weltstars choreographieren – T. Tharp, A. Barton, IOCO Aktuell, 25.02.2021

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein für alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Twyla Tharp – Aszure Barton

Weltstars choreographieren  –  Ballett am Rhein

Demis Volpi _ Ballettdirektor © IOCO

Demis Volpi _ Ballettdirektor © IOCO

Während die Theater auf die Wiedereröffnung ihrer Spielstätten warten, wird hinter den Kulissen mit allen derzeit zur Verfügung stehenden Möglichkeiten der Neustart vorbereitet. Mit striktem Hygienekonzept und einer Aufteilung der 45 Tänzerinnen und Tänzer in Kleingruppen hält Ballettdirektor Demis Volpi seine Compagnie erfolgreich auf Kurs. Auch an seinen vor der Pandemie ausgesprochenen Einladungen für Gastchoreographinnen und –choreographen aus der ganzen Welt hält er fest. Derzeit sind gleich zwei Weltstars zu Gast im Düsseldorfer Balletthaus: Twyla Tharp kreiert für das Ballett am Rhein über ein ausgefeiltes Kamerasystem live aus ihrem Studio in New York die Uraufführung In C, und Aszure Barton studiert vor Ort ihr Stück Come In ein.

Auch wenn es seit November 2020 keine Möglichkeit gibt, vor Publikum aufzutreten, muss für Profitänzer*innen die Probenarbeit weitergehen und das in möglichst großer Bandbreite. Sie brauchen die physischen und auch die mentalen Herausforderungen, die das Einstudieren neuer Techniken und Bewegungsabfolgen mit sich bringt. „Die Tänzer*innen brauchen künstlerischen Input“, sagt Demis Volpi und hält auch deshalb an seiner Entscheidung fest, gerade jetzt ein breites und abwechslungsreiches Repertoire aufzubauen, indem er Choreograph*innen mit den unterschiedlichsten Bewegungssprachen nach Düsseldorf und Duisburg einlädt.

Aszure Barton und das Ballett am Rhein - Proben  © Daniel Senzek

Aszure Barton und das Ballett am Rhein – Proben  © Daniel Senzek

So freut sich die Compagnie derzeit über ein ganz besonderes Staraufgebot im Balletthaus: Per Videoschaltung kreiert die New Yorker Ikone des zeitgenössischen Tanzes Twyla Tharp für 20 Tänzerinnen und Tänzer des Ballett am Rhein das Stück In C zur gleichnamigen Komposition von Terry Riley. Durch das Zusammendenken von klassischem Tanz und Modern Dance entwickelte sie spätestens in den 1970er Jahren eine Art wilde Eleganz, einen zugänglich lässigen und humorvollen Stil, der das Ballett maßgeblich beeinflusste. Nicht nur mit den zahllosen für ihre 1965 gegründete Twyla Tharp Dance Compagnie geschaffenen Arbeiten erreichte sie Weltruhm. Auch für Institutionen wie das American Ballet Theatre, das Ballet de l’Opéra de Paris, The Royal Ballet London, das New York City Ballet, The Boston Ballet, The Martha Graham Dance Company und etliche mehr schuf Twyla Tharp einen unvergleichlichen Schatz an Stücken. Ebenso bilden Broadwayshows und ihre Arbeit mit Filmregisseuren wie Milos Forman an international erfolgreichen Produktionen wie beispielsweise Hair oder Amadeus einen Teil ihres kreativen Lebenswerks.

Mit Come In hat die kanadische Choreographin Aszure Barton eine poetisch leise, aber dringlich nachwirkende Arbeit geschaffen – den Entwurf einer Gesellschaft, die in friedlich spielerischem Miteinander lebt. Die gleichnamige Komposition für Violine und Kammerorchester von Vladmir Martynov, die sie als musikalische Basis gewählt hat, verstärkt den verträumten Charakter der Choreographie. Aszure Barton kreierte unter anderem für das American Ballet Theatre, das Nederlands Dans Theater, das National Ballet of Canada, die Martha Graham Dance Company, das Bayerische Staatsballett und das English National Ballet. 2005 war sie die erste Choreographin in Residence am Baryshnikov Arts Center in New York und schuf dort 2006 Come In für Mikhail Baryshnikov und 12 junge Tänzer.

Auf die Bühnen in Düsseldorf und Duisburg kommen In C und Come In als Doppelabend mit musikalischer Live-Begleitung: Unter der Leitung von Kapellmeisterin Marie Jacquot interpretieren Mitglieder der Düsseldorfer Symphoniker sowie der Duisburger Philharmoniker die Kompositionen von Terry Riley und Vladimir Martynov. In Rileys legendäre Komposition In C, die als Keimzelle der Minimal Music gilt, ist Marie Jacquot am Synthesizer zu erleben.

—| IOCO Aktuell Deutsche Oper am Rhein|—

Dortmund, Theater Dortmund, Digital Spielplan , Februar – April 2021

Februar 12, 2021 by  
Filed under Livestream, Pressemeldung, Spielpläne, Theater Dortmund

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Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

Theater Dortmund spielt digital Publikumsvorstellungen ab Mitte April 2021

Das Theater Dortmund rüstet sich für den Tag, an dem es wieder vor Publikum spielen kann. Als möglicher Zeitpunkt wird Mitte April 2021 genannt. Aufgrund der aktuellen Pandemielage und den damit einhergehenden behördlichen Verordnungen und Aufforderungen der Bundesregierung zum Home Office, sieht das Theater Dortmund jedoch bis Ende der Osterferien 2021 keine Möglichkeit des öffentlichen Spielbetriebes.

Deswegen verlegen die Sparten des Theater Dortmund ihre Tätigkeiten bis zur Wiederaufnahme der Publikumsvorstellungen ins Internet. Die Sparten des Opernhauses (Oper, Ballett und Philharmoniker) haben folgenden Digitalspielplan erstellt und neue Formate kreiert. Diese sind unter www.theaterdo.de oder www.theaterdo.de/kalender abrufbar.

Theater Dortmund / OPEN-CLASSES  © Linda Ohligers

Theater Dortmund / OPEN-CLASSES © Linda Ohligers

On Stage – Produktionen und Konzerte.
Klassiker des Theater Dortmund sowie extra neueingespielte Konzerte werden stets samstags um 19.30 Uhr zu sehen sein. Die ersten Highlights werden die Oper TURANDOT von Giacomo Puccini in der Inszenierung von Tomo Sugao und dem Tenorstar Andrea Shin, Xin Peng Wangs Ballettklassiker DER TRAUM DER ROTEN KAMMER und von den Philharmonikern das 2. Wiener Klassik Konzert mit dem Trompetenkonzert von Johann Nepomuk Hummel sein.

Backstage – Hintergründe und Interviews.
Stets zwei Mal pro Monat immer freitags um 19 Uhr steht das neue Format Backstage auf dem Programm. Pressechef Alexander Kalouti berichtet aus und befragt Personen über das zuweilen recht absurde Leben im Theater. So unterhält er sich am 26.2.2021 mit Tobias Ehinger, dem Geschäftsführenden Direktor des Theater Dortmund, und dem Journalisten und Autor Holger Noltze ebenso über die zaghaften Lobbyversuche der deutschen Theaterlandschaft in Corona-Zeiten, wie das unaufhaltsame Abschalten von Kultursendungen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Am 12.3.2021 folgt ein Gespräch mit dem Dortmunder Stadtdirektor und Kulturdezernenten Jörg Stüdemann darüber, ob „politisches Theater“ Politiker überhaupt interessiert und Einfluss auf ihre Arbeit hat sowie welche unternehmerischen Fähigkeiten ein Intendant oder eine Intendantin im 21. Jahrhundert haben muss.

Off Stage – Tipps und Tricks aus dem Theateralltag.
Wer besonders in Corona-Zeiten sich selbst die Haare schneiden muss, ist bei diesem Format absolut richtig. Die Friseure haben geschlossen aber das Haar wächst. Die Maskenbildnerinnen und Maskenbildner des Theaters geben Tipps, wie man auch in Zeiten der Pandemie die Haare schön haben kann. Wer sich über die neuerworbenen Corona-Pfunde im Hinblick auf die nahende Badesaison schon jetzt Sorgen macht, bekommt Fitnesstipps der Ballerina Sayaka Wakita. Die Japanerin zeigt mit einfachen und zu jeder Zeit machbaren Übungen, wie man zur dauerhaften Traumfigur gelangt, und auch ohne eine Ernährungstotalumstellung auf Reis und rohen Fisch.

Arthouse – Matineen, Trainings und Informationen zu theaterbezogenen Themen.
Im Programm Arthouse sind Matineen, öffentliche Balletttrainings ebenso zusammengefasst, wie kleine Konzerte, Vorstellungen von Persönlichkeiten des Theaters oder Making of-Beiträge. Die Beiträge der Philharmoniker werden dienstags, die des Balletts mittwochs und die der Oper donnerstags stets um 19 Uhr zu sehen sein.


Das Musiktheater-Digitalprogramm


16.2.        Arthouse –         Philharmoniker / Vorstellung Highlights Digitalspielplan
17.2.        Arthouse –         Ballett – OPEN CLASSES
19.2.        Off Stage –         Haareschneiden im Lockdown – Spitzen schneiden
Haareschneiden im Lockdown – Stufenschnitt
Was macht eigentlich die Requisite?
Ein Tag im Ballettzentrum
20.2.        On Stage –         Oper / TURANDOT

23.2.        Arthouse –        Philharmoniker / Kurzeinführung 2. Wiener Klassik Konzert
24.2.        Arthouse –            Ballett – OPEN CLASSES
25.2.        Arthouse –          Oper – Sängerportrait mit Matthias Störmer in Kooperation mit dem Vokalmusikzentrum NRW
26.2.        Backstage –          Talk mit Tobias Ehinger u. Holger Noltze
27.2.        On Stage –          Philharmoniker / 2. Wiener Klassik Konzert: Reinhold Friedrich        Hummel Trompetenkonzert

2.3.        Arthouse –         Philharmoniker – Cello-On-Stage
3.3.        Arthouse –         Ballett – OPEN CLASSES
5.3.        Off Stage –         How to keep fit like a Ballerina – mit Sayaka Wakita
6.3.        On Stage –         Ballett / TRAUM DER ROTEN KAMMER

9.3.        Arthouse –         Philharmoniker /Konzertstream mit Sofia Gubaidulinas “Märchenpoem”
10.3.        Arthouse –           Ballett – OPEN CLASSES
11.3.        Arthouse –           Oper – Sängerinnenportrait mit Sooyeon Lee in Kooperation mit dem Vokalmusikzentrum NRW
12.3.        Backstage –         Talk mit Stadtdirektor Jörg Stüdemann
13.3.        On Stage –           Oper / MADAMA BUTTERFLY

16.3.        Arthouse –         Philharmoniker – #Vorgestellt
17.3.        Arthouse –         Ballett – OPEN CLASSES
19.3.        Off Stage –         How to keep fit like a Ballerina – mit Sayaka Wakita
20.3.        On Stage –         Philharmoniker / DAS KALTE HERZ

23.3.        Arthouse –           Philharmoniker / Making of “Das Kalte Herz”
24.3.        Arthouse –           Ballett – OPEN CLASSES
25.3.        Arthouse –           Oper – Sängerportrait mit Sungho Kim in Kooperation mit dem Vokalmusikzentrum NRW
26.3.        Backstage –         Talk mit n.n.
27.3.        On Stage –           Ballett / PARADISO – DOKUMENTATION

30.3.        Arthouse –           Philharmoniker / #Vorgestellt
31.3.        Arthouse –           Ballett – OPEN CLASSES
2.4.        Off Stage –           Was macht eigentlich ein Waffenmeister?
Konfettikanone zum Selbermachen
Der größte Kleiderschrank Dortmunds
Technische Fakten zur Opernbühne
3.4.        On Stage –           Oper / LOHENGRIN

6.4.        Arthouse –           Philharmoniker / Kurzeinführung 3. Kammerkonzert
7.4.        Arthouse –           Ballett – OPEN CLASSES
8.4.        Arthouse –           Oper – Sängerinnenportrait mit Anna Sohn in Kooperation mit dem Vokalmusikzentrum NRW
9.4.        Backstage –         Talk mit n.n.
10.4.        On Stage –            Philharmoniker – 3. Kammerkonzert „Capriccio“

13.4.        Arthouse –         Philharmoniker
14.4.        Arthouse –         Ballett – OPEN CLASSES
15.4.        Arthouse –         Oper – Sängerportrait mit Überraschungsgast in Kooperation mit dem Vokalmusikzentrum NRW
16.4.        Off Stage –         How to keep fit like a Ballerina – mit Sayaka Wakita
17.4.        On Stage –         Ballett / VERKLÄRTE NACHT (Tanzstück von Marjin Rademaker zur Musik von Arnold Schönberg)

Die Digitalspielpläne des Schauspiels und Kinder- und Jugendtheaters folgen in Kürze.

Von Mitte April – bis Juli 2021 tritt der Sommerspielplan des Theater Dortmunds in Kraft. Dieser beinhaltet Spezialformate, Konzerte, Festivals vor Publikum, denen allen ein Schutzkonzept zugrunde liegen wird.  Die Formate können bei Notwendigkeit auch als digitale Variante umgesetzt werden.

—| Pressemeldung Theater Dortmund |—

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