München, Gärtnerplatztheater, SPIELZEIT 2026/27, IOCO

Das Münchner Gärtnerplatztheater präsentiert für die Spielzeit 2026/27 ein abwechslungsreiches Programm mit neun Premieren, darunter drei Uraufführungen. Oper, Operette, Musical und Ballett versprechen musikalische Vielfalt, spannende Neuentdeckungen und ein Wiedersehen mit beliebten Klassikern.

München, Gärtnerplatztheater, SPIELZEIT 2026/27, IOCO
Staatstheater am Gärtnerplatz © Christian POGO Zach

von Daniela Zimmermann

Spielplan Gärtnerplatztheater Saison 2026-2027

Jahr für Jahr lädt das Staatstheater am Gärtnerplatz sein Publikum zu einer musikalischen Entdeckungsreise ein. Das umfangreiche Spielzeitbuch gibt dabei weit mehr als nur einen Überblick über die kommenden Aufführungen. Es eröffnet einen Einblick in ein professionell sorgfältig zusammengestelltes Programm, das die ganze Vielfalt dieses traditionsreichen Münchner Hauses widerspiegelt. Neuinszenierungen stehen neben Spielzeitpremieren, d.h. beliebte Opern, Operetten und Musicals kehren auf die Bühne zurück, nicht selten in veränderter Besetzung und damit auch mit neuen künstlerischen Akzenten. Große Ballettaufführungen, Orchesterkonzerte, und Gastspiele ergänzen das Angebot und machten deutlich, wie breit das musikalische Spektrum des Hauses gefächert ist.

Doch in dieser Spielzeit wartet das Programmheft mit einer reizvollen Neuerung auf. Das große, erstklassig besetzte Ensemble präsentiert sich dem Publikum einmal von einer anderen, ganz persönlichen Seite. Private Fotografien der Sängerinnen und Sänger werden durch QR-Codes ergänzt, hinter denen sich kleine Videobotschaften verbergen. Mit persönlichen Grüßen, humorvollen Bemerkungen und gelegentlich überraschenden Einblicken in ihren Künstleralltag treten die Mitwirkenden unmittelbar mit ihrem Publikum in Kontakt. „Wenn es meiner Stimme gut geht, geht es mir gut“, lautet etwa eine dieser ebenso schlichten wie bezeichnenden Aussage.

Auffallend ist dabei noch eine weitere Beobachtung: die Freude auf die Zusammenarbeit mit den Kollegen und den Kolleginnen. Erstaunlich viele Ensemblemitglieder heben gerade diesen Aspekt hervor. Das lässt auf ein ausgesprochen gutes und herzliches kollegiales Miteinander schließen, auf gegenseitige Wertschätzung und eine spürbare Freude am gemeinsamen Musizieren und Gestalten. Eine Atmosphäre, die für ein so großes Ensemble keinesfalls selbstverständlich ist und die sich dann auch auf der Bühne zeigt. So erhalten die Sängerinnen und Sänger, die wir sonst nur in ihrem Bühnenleben erleben, eine menschliche Dimension. Eine sympathische Idee, die Nähe schafft und uns daran erinnert, dass hinter jeder großen Stimme, eine unverwechselbare Persönlichkeit steht.  

Neun Premieren stehen auf dem Programm der neuen Spielzeit am Gärtnerplatztheater. Darunter befinden sich drei Uraufführungen: das Musical „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ (Musik: Thomas Zaufke, Buch und Liedtexte: Henry Mason) sowie das Western-Ballett „Far West“ (Choreografie: Mattia Russo und Antonio De Rosa) und dem Ballettabend „Buenos Aires 1940“ (Choreografie: Karl Alfred Schreiner). Eine europäische Erstaufführung des Musicals „Finding Neverland“ (Buch: James Graham, Musik und Gesangstexte: Gary Barlow und Eliot Kennedy). Hinzu kommen die Opern „Die Reise nach Reims“ von Gioachino Rossini, „Romeo und Julia“ von Charles Gounod, „Lakmé“ von Léo Delibes als halbszenische Aufführung und „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss. Ein vielseitiges und abwechslungsreiches Programm, das Neuentdeckungen mit bekannten Werken verbindet.

Die Neuinszenierungen machen neugierig auf sehr unterschiedliche, musikalische Welten. Den Anfang macht Rossinis„Die Reise nach Reims“. Die Oper bietet Witz, Virtuosität und eine schillernde Gesellschaft, die Spaß haben möchte. Beste Voraussetzungen für ein intensives Ensemblespiel. Eine schöne Gelegenheit für die Sängerinnen und Sänger, ihre Freude am gemeinsamen Musizieren und Darstellen auf der Bühne zu zeigen.

Mit Carl Michael Ziehrers „Die Landstreicher“ kommt auch das heitere, schwungvolle Fach zu einer Aufführung. Doch das Glück, etwas Wertvolles zu finden, kann sich unversehens in Pech verwandeln. Bis sich die Verwicklungen entwirren, geraten die Beteiligten gehörig in Bedrängnis. Zum Schluss aber löst sich glücklicherweise alles in Wohlgefallen auf – schließlich sind wir ja in einer Operette.

In Gounods „Romeo und Julia“ ist die Liebe stärker als die Feindschaft der Familien. Die beiden jungen Liebenden wagen es, sich über den alten Hass hinwegzusetzen und ihrem eigenen Herzen zu folgen. Doch ihr Glück findet keinen Platz in dieser Welt. Erst ihr Tod, mag die Familien zu versöhnen.

„Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“, ist ein Musical nach Judith Kerrs autobiografischem Roman. Das Kaninchen ist Annas zurückgelassenes Kuscheltier, als sie mit ihren Eltern 1933 vor dem Nazi-Regime flieht. Es steht auch für das vertraute Leben, das sie verliert.

In „Lakmé“ steht die Liebe im Mittelpunkt, die an den Gegensätzen zweier Welten zerbricht. Zarte Empfindungen und drohendes Unheil liegen in Delibes’ Musik dicht beieinander. Mit dem Blumenduett und der Glöckchenarie schenkt er dem tragischen Geschehen Momente voller Freude und Leichtigkeit.

Mit „Ariadne auf Naxos“ treffen zwei Welten aufeinander. Ariadnes tiefer Schmerz über die verlorene Liebe und Zerbinettas unerschütterlicher Glaube an einen neuen Anfang. Richard Strauss lässt tragischen Ernst und heitere Lebenskunst aufeinandertreffen und schenkt beiden eine Musik voller Glanz und Empfindung.

„Finding Neverland“ führt in die Gedankenwelt des Schriftstellers J.M. Barrie, des Schöpfers von Peter Pan. Die Begegnung mit einer Mutter und ihren vier Söhnen beflügelt seine Fantasie und lässt eine Welt entstehen, in der das Erwachsenwerden warten darf. Ein Musical über die Kraft der Vorstellung, die selbst in schweren Zeiten Hoffnung schenken kann.

Auch die Ballettabende setzten einen eigenen Akzent. Sie versprechen einen Abend voller Gegensätze. Der eine ausgerichtet auf den Pioniergeist des Wilden Westens, der andere innerlich von Exil und schmerzhaften Erinnerungen geprägt.

Dazu kommen die Spielzeitpremieren, sieben Opern, sechs Operetten, drei Musicals und drei Ballettproduktionen.

Zu den Ballettproduktionen zählen „Strawinsky in Paris“ mit Musik von George Gershwin, Aaron Copland und Igor Strawinsky, das Ballettmärchen „Aschenbrödel“ von Karl Alfred Schreiner mit der Musik von Johann Strauss, und das Rockballett „Rock the Heaven“ mit Musik von Leonhard Kuhn.

Die Musicals „Les Misérables“ von Alain Boublil und Jean-Marc Natel mit der Musik von Claude-Michel Schönberg, Frederick Loewes Klassiker „My Fair Lady“ und Jerry Hermans „La Cage Aux Folles“ kehren auf die Bühne des Gärtnerplatztheaters zurück.  Auch die Revueoperette „Drei Männer im Schnee“ von Thomas Pigor nach dem Roman von Erich Kästner, Franz Lehárs „Der Graf von Luxemburg“, Ralph Benatzkys Singspiel „Im weißen Rössl“ und Leonard Bernsteins „Candide“ stehen in der aktuellen Spielzeit in der Sparte Operette wieder auf dem Spielplan.

Zu den sechs Opernproduktionen, die ebenfalls heuer wieder zu erleben sind, zählen Giuseppe Verdis „La Traviata“, Wolfgang Amadeus Mozarts „Die Zauberflöte“ und „Figaros Hochzeit“, Gottfried von Einems „Der Besuch der alten Dame“, Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“, Gaetano Donizettis „Der Liebestrank“ und Alexander Borodins „Fürst Igor“.

Man darf auf eine Spielzeit gespannt sein, in der das Gärtnerplatztheater einmal mehr zeigt, wie vielfältig, lebendig und überraschend Musiktheater sein kann.

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