Karlsruhe, Badisches Staatstheater, Pressekonferenz zur Spielzeit 2026/27
Das Badisches Staatstheater Karlsruhe präsentiert für 2026/27 einen vielseitigen Spielplan zwischen Musical, Oper, Schauspiel, Ballett und Digitaltheater. Große Namen, Uraufführungen und Kooperationen treffen auf Sparzwänge – künstlerische Vielfalt bleibt dennoch das zentrale Versprechen.
von Uschi Reifenberg
Das BADISCHE STAATSTHEATER KARLSRUHE präsentiert den Spielplan 2026/27
Für ihre dritte gemeinsame Spielzeit stellen die künstlerischen Köpfe des Badischen Staatstheaters ein Programm vor, das Linien und Leitgedanken fortführt und dabei auch die mittlerweile vielfältigen Erfahrungen und den regen Austausch mit dem Publikum einfließen lässt: „Wir sehen uns als eine wichtige Institution in der Stadtgesellschaft, und deshalb ist es für uns essentiell, auch deren Bedürfnisse und Interessen mitzudenken“, erläutert Intendant Christian Firmbach: „Karlsruhe liebt Traditionen, ist aber auch besonders begeisterungsfähig für Neues und Unbekanntes. Die tiefgehende Theatralisierung aktueller Themen erfährt ebenso großen Zuspruch wie Abende mit hohem Unterhaltungswert. Diese Bandbreite des Interesses ermutigt uns – ebenso wie viele Auszeichnungen und das überregionale Presseecho –, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen, und entsprechend vielseitig ist auch die kommende Spielzeit wieder ausgerichtet.“ In der Oper reicht die Spanne von der Eröffnung mit einem Musicalklassiker bis zu einem Musiktheater ohne Worte im ZKM. Das Schauspiel vereint Klassiker mit Well-Made-Plays und einer Zaubershow und philosophiert über das Prinzip Hoffnung. Das Ballett tanzt für die ganze Familie, zeigt Choreografie-Klassiker und Neukreationen. Die Staatskapelle spielt großbesetzte Sinfonien, intime Kammermusik und lädt viele Gäst:innen ein. Das Junge Staatstheater spürt in maßgeschneiderten Produktionen den wichtigen Fragen junger Menschen nach, und das Digitaltheater erkundet die dunklen Seiten der Menschheit. Allerdings stellt uns das reduzierte Budget vor große Herausforderungen“, erklärt Firmbach. „Es macht sich nach außen vor allem in der Fülle des Angebots bemerkbar. Aber zum Glück gehört ja Kreativität zu unserem Kerngeschäft und wir versuchen, das Beste daraus zu machen.“
Die Musiktheater-Saison wird eröffnet mit dem Erfolgsmusical Sunset Boulevard, Andrew Lloyd Webbers Bühnenadaption des gleichnamigen Filmklassikers von Billy Wilder. Zu Gast in Karlsruhe sind mit Vassiliki Roussi als einstiger Stummfilmdiva und Filippo Strocchi als – ihr auf fatale Weise verbundener – Drehbuchautor zwei Stars der internationalen Musicalszene. Die 1920 uraufgeführte Oper Die tote Stadt machte den 23-jährigen Erich Wolfgang Korngold über Nacht zum Star. Christoph von Bernuths Inszenierung legt die tiefenpsychologische Ebene der Geschichte offen, in der ein absurder (Alb)traum aus tiefer Trauer zum „Triumph des Lebens“ – so der ursprüngliche Titel der Oper – führt. Mit der Oper Arabella, einer feinsinnigen Wiener Gesellschaftsstudie aus der Feder des Erfolgsduos Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal, verabschiedet sich Georg Fritzsch als Generalmusikdirektor vom Badischen Staatstheater. Die Inszenierung liegt in prominenten Händen: Brigitte Fassbaender, die Georg Fritzsch seit Langem verbunden ist, gibt damit ihr Karlsruher Regiedebüt. Miguel de Cervantes’ vielfach adaptierter Roman Don Quijote gilt offiziell als eines der „bedeutendsten Bücher der Welt“. 1910 machte Jules Massenet den träumenden Ritter zum Titelhelden einer „heroischen Komödie“: Mit Kammersänger Konstantin Gorny in der Titelrolle, versetzt Regisseur Matthias Piro – enger Regiemitarbeiter von Tobias Kratzer – die ebenso humorvolle wie tiefgründige Geschichte in die Karlsruher Gegenwart. Zu einem „Kleinen Welttheater“ vereinte Puccini in seinem Trittico drei – auch musikalisch – höchst unterschiedliche Einakter: das Verismo-Drama Il Tabarro (Der Mantel), die mystische Tragödie Suor Angelica (Schwester Angelica) und die schwarzhumorige Komödie Gianni Schicchi um einen doppelten Erbschaftsbetrug. Für Regisseur und Ausstatter Hinrich Horstkotte stehen diese drei Welten einander allerdings sogar recht nahe. Von einer großen Bühnenkarriere träumte die vermögende amerikanische Society-Lady Florence Foster Jenkins vergeblich. Als „Diva der falschen Töne“ erreichte sie jedoch bereits zu ihren Lebzeiten Kultstatus und avancierte im Broadway-Hit Souvenir von Stephen Temperley später immerhin zur Bühnenheldin. Den seinerseits zu Kult gewordenen Opernabend der besonderen Art präsentieren in Karlsruhe Sopranistin Christina Niessen und Horst Maria Merz als ihr Klavierbegleiter mit viel Spielfreude und Humor.
In der Reihe „Zukunft Oper“ und in Koproduktion mit dem ZKM lotet Tragödia die Möglichkeiten eines Musiktheaters ohne Worte aus: Das dem 1997 uraufgeführten Werk zugrunde liegende Libretto wurde vertragsgemäß vernichtet. So erzählen allein die atmosphärischen Klangräume der bedeutenden zeitgenössischen, in Stuttgart lebenden Komponistin Adriana Hölszky eine spannungsvolle Geschichte, für die Digitaltheater-Chef Kevin Barz die spezifischen Möglichkeiten des ZKM ausschöpft.
Die 49. Internationalen Händel-Festspiele bieten gleich zwei Premieren von Opern, die noch nie in Karlsruhe zu erleben waren. Die Festspiele werden eröffnet mit Faramondo, inszeniert von Keith Warners langjähriger Co-Regisseurin Katharina Kastening. Darin sind mit Valer Sabadus, Eric Jurenas und Maximiliano Danta gleich drei gefeierte Countertenöre, sowie Johanna Falkinger zu erleben. Auch die zweite, in Koproduktion mit dem Bayreuth Baroque Opera Festival entstehende Oper Floridante wartet mit internationalem Starcast auf, darunter Sopranist Bruno de Sá und Countertenor Max Cencic, der zudem Regie führt. Das genaue Festspielprogramm wird im Herbst 2026 vorgestellt.
Mit einer besonderen Uraufführung eröffnet das Schauspiel die neue Spielzeit. Dass die Welt eine veränderbare ist, hat wohl kein Philosoph der Moderne dringlicher formuliert als Ernst Bloch. Nicht, ob wir unsere Zukunft verloren haben, sondern wie wir sie wiedergewinnen können, müsste die Leitfrage der kommenden Jahre sein. Um sie erfahrbar zu machen, verwandeln Regisseur Stephan Kimmig und der mehrfach Grammy-nominierte Postgenre-Komponist PC Nackt Ernst Blochs Opus Magnum Das Prinzip Hoffnung in ein Stück Musiktheater. Den dystopischen Gegenentwurf dazu, der radikaler (und heutiger) kaum sein kann, liefert Heiner Müller. Sein Macbeth (nach Shakespeare) erzählt vom unbedingten Willen zur Macht. Gewalt zieht Gewalt nach sich, Mord folgt auf Mord. Regie führt Simone Blattner. Dagegen übersetzt The Boys Are Kissing utopisches Denken in ein komödiantisches Well-Made-Play. Dass zwei Schuljungen sich geküsst haben sollen, wird zum Ausgangspunkt von Verwicklungen höchst verschiedener Elternpaare. Zwei Drag-Engel kommentieren das Geschehen, Oberspielleiterin Brit Bartkowiak inszeniert.
Von sich verschließenden Horizonten und Zusammenhängen, die sich auflösen, handelt Tschechows Drei Schwestern. Regie führt zum ersten Mal in Karlsruhe die mit dem FAUST-Preis ausgezeichnete Regisseurin Jana Vetten. Deutsches Krankes Haus überführt das Verhältnis von Zukunft und Endlichkeit in die Praxis. Auf Basis eigener Recherchen erzählt der Autor, Regisseur und Arzt Tuğsal Moğul von der Ökonomisierung des Gesundheitssystems und den Hindernissen, die ausländischen, hierzulande dringend benötigten Ärzt:innen in den Weg gelegt werden. Und im Kleinen Haus endet die Spielzeit mit einem Schauspieler:innenfest: Mira Stadler inszeniert Edward Albees Wer hat Angst vor Virginia Woolf? (Who’s Afraid of Virginia Woolf?).
In der Insel gibt Antonina Brühl ihr Karlsruher Regiedebüt mit einer Adaption von Stanislaw Lems Sci-Fi-Klassiker Solaris, einem Roman, der die Grenzen eines (unseres) auf Aneignung beruhenden Verhältnisses zur Welt befragt. Verehrtes Publikum heißt die Zaubershow von Redjep Hajder im Neuen Entrée, mit der er auf den Spuren von Thomas Manns Mario und der Zauberer untersucht, wie wir uns auch politisch in den Bann ziehen lassen. Und die mobile Produktion Im Bruch mit der Welt geht von der Beobachtung aus, dass Karlsruhe und Baden in den 70er- und 80er-Jahren für Links- und Rechtsextremisten ein Brennpunkt waren. Woher rührten diese Radikalisierungen, wie verknüpften sie sich, und was davon schreibt sich wie ins Heute fort?
Erstmals seit seinem Amtsantritt 2024 beim Staatsballett Karlsruhe setzt Ballettdirektor Raimondo Rebeck bei einer Neukreation und Uraufführung den Schwerpunkt auf Kinder und Familien: In ihrer ersten abendfüllenden Kreation Cinderella, der Eröffnungspremiere des Staatsballett in der Spielzeit 2026/27, erzählt die Hauschoreografin Kristina Paulin das weltberühmte Märchen von Aschenputtel als die Geschichte zweier Menschen, die nirgends zu Hause sind – Cinderella im eigenen Haus, der Prinz im Palast. Ein opulent ausgestattetes Märchen für die ganze Familie, das, live begleitet von der Badischen Staatskapelle, Alltag und Zauber verbindet und die Magie der wahren Begegnung feiert.
Mit Black Lights zeigt das Staatsballett einen Dreiteiler ganz im Zeichen der Vielseitigkeit von Bewegungssprachen, der insbesondere durch die musikalischen und ästhetischen Themen Jugendliche als das Publikum von heute ansprechen soll. Die Uraufführung Wings of Silk von Ballettdirektor Raimondo Rebeck verwandelt Klaviermusik von Philip Glass in eine Kontemplation über die Bedeutung purer Schönheit. Jonathan dos Santos widmet seine Kreation WILD 27 den jungen, wilden und hochbegabten Musiker:innen des „Club 27“ und ihrer Bedeutung für die Rock- und Popgeschichte. Und mit Cacti von Alexander Ekman ist die weltweit erfolgreiche humorvolle Persiflage auf das Selbstverständnis von Kunst und Kunstkritik erstmals in Karlsruhe zu erleben. Die Reihe zur Nachwuchsförderung Made in KA – Junge Choreografien aus Karlsruhe wird fortgesetzt. Mitglieder des Staatsballetts erhalten eine Plattform für erste und neue Werke als Choreograf:innen. Ein innovatives Format, das Raum für Neues und Experimentelles schafft und nicht nur die Kreativität, Eigenständigkeit und das choreografische Potenzial junger Künstler:innen fördert, sondern auch den Austausch mit den wissenschaftlichen Institutionen Karlsruhes.
In Verbindung mit den Gastspielen der Akademie des Tanzes Mannheim setzt sich das Staatsballett als treibende Kraft im Südwesten für die nächste Generation von Tanzschaffenden ein. Durch seine explizite Nachwuchsförderung stärkt das Staatsballett Karlsruhe den Tanzstandort Karlsruhe und Baden-Württemberg, mit einer Strahlkraft, die regional und überregional wirkt.
Im Begleitprogramm setzt das Staatsballett auf Kontinuität und Publikumsnähe: der Ballett-Talk Tanz à la carte sowie die offenen Trainings und Workshops Einfach tanzen! im Ballettsaal werden ebenso weitergeführt wie als Abschluss der Spielzeit die Tanz-Fest-Woche mit einem Ballett-Gastspiel und der internationalen Ballettgala.
Der Abschied von GMD Georg Fritzsch prägt die Spielzeit 2026/27 mit der Badischen Staatskapelle. Er wird das 1. Sinfoniekonzert (u. a. Richard Strauss’ Vier letzte Lieder mit der international gefeierten Solistin Golda Schultz sowie Dvořáks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“), das 3. Sonderkonzert mit einem Beethoven-Fest zum 200. Todestag des Komponisten (mit Chören aus der Stadt und circa 350–450 Sänger:innen) und schließlich das 8. Sinfoniekonzert sowie das 5. Sonderkonzert dirigieren – Letzteres mit seinem Abschiedsstück, der 8. Sinfonie von Anton Bruckner.
Ferner hat Georg Fritzsch einige seiner Vorgänger zur Badischen Staatskapelle eingeladen: So wird Christof Prick (GMD 1977–1986) im 2. Sinfoniekonzert u. a. Hector Berlioz Symphonie fantastique dirigieren. Kazushi Ono (GMD 1996 – 2002) wird das 4. Sinfoniekonzert leiten, mit Gustav Mahlers 5. Sinfonie und Mozarts Violinkonzert KV 218 mit dem jungen Solisten Jacques Forstier.
Justin Brown (GMD 2008–2020) übernimmt das 1. Sonderkonzert, in dem zum 150. Jahrestag der Uraufführung von Johannes Brahms’ 1. Sinfonie in Karlsruhe das Originalprogramm von 1876 noch einmal erklingen wird. Kapellmeister Johannes Willig leitet das 5. Sinfoniekonzert, in dem neben Franz Liszts Sinfonischer Dichtung Prometheus auch das Klavierkonzert op. 1 von Hermann Levi (dem prägenden Hofkapellmeister in Karlsruhe 1864–1872) mit dem Solisten Oliver Triendl sowie die Gaelic Symphony der amerikanischen Komponistin Amy Beach erklingen werden. Yura Yang (Kapellmeisterin 2020–2024) dirigiert im 6. Sinfoniekonzert Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Henri Tomasi sowie Robert Schumann. Ferner begrüßt die Badische Staatskapelle die Dirigenten John Fiore zum 3. Sinfoniekonzert, sowie Jonathan Stockhammer zum 7. Sinfoniekonzert, das sich im Rahmen der Wochen der Nachhaltigkeit dem Thema „Antarktis“ widmen wird – u. a. mit der Sinfonia antartica von Ralph Vaughan Williams und der Uraufführung Antarctic Air: Melting Mirror des deutschen Komponisten Daniel Michael Kaiser. Zusätzlich wird es unter dem Titel A Night at the Oscars im 4. Sonderkonzert oscarprämierte Filmmusik zu hören geben – ein Wunschprojekt gleichermaßen vom Publikum wie vom Orchester. Außerdem kann die Badische Staatskapelle in den etablierten Reihen der Extrakonzerte, Kammerkonzerte, NachtKlänge, Kinderkonzerte und KlangÖffner eine thematische Bandbreite vom Barock bis in die Gegenwart präsentieren. Neben der Gaelic Symphony von Amy Beach werden in den Kammerkonzerten Werke von vier weiteren Komponistinnen erklingen. Mit den von Thomas Siffling erfolgreich kuratierten Jazz Nights wird die programmatische Vielfalt der Konzertsparte schließlich abgerundet.
Gemeinsamkeit zu schaffen und dabei Mut zur Individualität zu stärken prägt die Perspektive im Jungen Staatstheater – und aus der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen: So erzählt die Uraufführung familienalbum.karlsruhe (12+) von Lisa Sommerfeldt vom jüdischen Karlsruher Komponisten und Architekten Richard Fuchs, und verbindet Familien- mit Stadtgeschichte zu einem recherchebasierten Schauspiel mit Musik von Paul Brody. Ein Stück gegen das Vergessen für Schüler:innen und Familien, das in Kooperation mit dem Digitaltheater entsteht. Zu einer Zeitreise lädt auch das Solo König Kristina (14+) ein: das Porträt einer Herrscherin aus dem 17. Jahrhundert wirft zahlreiche Fragen nach Macht, Verantwortung und Selbstbestimmung auf, die immer aktuell bleiben.
Anlässlich des 15-jährigen Bestehens des Jungen Staatstheaters ist das Familienstück zur Winterzeit auf der Bühne im Großen Haus zu sehen: In Der Zauberer von Oz (6+) folgt das Publikum Dorothy und ihren Gefährt:innen auf der Suche nach Verstand, Herz und Mut und stellt Freundschaft, Selbstvertrauen und den Blick hinter Illusionen in den Mittelpunkt. Ins Klassenzimmer geht es anschließend mit Ganzkörperparty – das neue Stück von Fayer Koch für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren setzt sich interaktiv mit trans*-Sein und Körperwahrnehmung auseinander, wobei die Klasse selbst zum Resonanzraum wird.
Wutmonster ist eine Uraufführung für Kinder ab 4 Jahren über Wut und starke Emotionen, die in einem weitgehend sprachfreien, körperbetonten Spiel sinnlich erfahrbar wird. Es schafft einen Raum, in dem Gefühle verstanden und zugelassen werden können. Die visuell starke Adaption von Jules Vernes 20.000 Meilen unter dem Meer (10+) verbindet Abenteuerlust, Tiefsee und Entdeckergeist mit Fragen zu Umweltschutz, Klimawandel und dem Umgang mit dem Fremden. Mit der Befragung von Brechts Stück Mann ist Mann (13+) werden Anpassung, Rollenbilder und gesellschaftlicher Druck sichtbar. Die künstlerische Audiodeskription erweitert das Projekt als ästhetische und barrierefreie Forschung. Im Freiraum entsteht mit Das verräterische Herz (12+) ein dichter Monolog nach E. A. Poe zwischen True Crime und Horror, der die Atmosphäre im Keller der Spielstätte Insel intensiv nutzt.
Das Digitaltheater begibt sich in seiner Uraufführung Karneval der Tiere – Eine XR-Experience über das Verschwinden in Kooperation mit dem Naturkundemuseum exklusiv vor Ort in eine geheime Ausstellung – nach Museumsschluss, und geführt von Schauspieler Gunnar Schmidt als einem besonderen Nachtwächter. Für einen Abend werden mithilfe einer Extended-Reality-Brille durch den Menschen ausgerottete Arten wieder lebendig, begleitet von der berühmten, hierfür neu bearbeiteten Musik von Camille Saint-Saëns.
Mit der noch viel dunkleren Natur des Menschen beschäftigt sich Saal 600, eine dokumentarische Sprechoper über die Nürnberger Prozesse. Sie stellen einen Meilenstein in der Rechtsgeschichte dar, denn zum ersten Mal wurden Kriegsverbrecher juristisch zur Verantwortung gezogen. Der viersprachige Prozess wird aus der Sicht der Simultandolmetscher:innen erzählt, durch deren Münder die Welt erstmals das ganze Ausmaß der NS-Verbrechen erfuhr. Die Musik dieser Sprechoper wurde von Paul Brody aus den originalen Tonaufnahmen des Prozesses herausgearbeitet und entlarvt die unerträgliche Sachlichkeit der Angeklagten-Berichte.
Traumhaft-betörend wird es in der Uraufführung Metamorphosen nach Ovid: Der Soloabend mit Anne Müller ist eine Ode an die Verwandlung und nimmt das Publikum bei laufendem Vorstellungsbetrieb mit auf eine Backstage-Reise durch das Theater – immer auf der Suche nach unüblichen Orten und dem Moment, in dem sich Gegenwart und Realität in etwas Schöneres verwandeln.
Zwei erfolgreiche Formate gehen außerdem aufgrund der großen Nachfrage in ihre dritte Spielzeit: Bei Let’s Play wird wieder im Neuen Entrée gezockt, und die Partyreihe DANCE! wird erneut die Bühne zum Dancefloor verwandeln und mit Live-Visuals in unvergleichliche Atmosphäre tauchen – einmal sogar auf der ganz großen Bühne.
Die Vielfalt des Programms beweist: Das Staatstheater bleibt in der Spielzeit 2026/27 künstlerisch in Bewegung – aber auch strukturell bleiben Veränderungen an der Tagesordnung: Mit Blick auf die Anforderungen der kommenden Jahre und die sichtbaren Fortschritte auf dem Weg zum Neuen Staatstheater wird die Zukunft des Hauses bereits heute konkret erfahrbar. „Unser Blick auf die Zukunft ist mit Vorfreude auf die Möglichkeiten verbunden, die perspektivisch das Neue Staatstheater eröffnen wird. Darauf arbeiten wir hin. Zugleich ist diese Motivation deutlich getrübt durch den Fakt, dass das gesamte Haus mit immensen Herausforderungen im Umgang mit reduzierten Zuschüssen konfrontiert ist“, konstatiert der kaufmännische Intendant Johannes Graf-Hauber. „Die Finanzierung der neuen Spielzeit ist jedoch gesichert.“ Die turnusgemäß anstehenden Preiserhöhungen werden in der kommenden Spielzeit etwas stärker ausfallen, und auch mithilfe von Dynamic Pricing werden weitere Möglichkeiten ausgeschöpft. „Dennoch können wir weiterhin auch günstige Tickets anbieten“, versichert Graf-Hauber. Eine klare Verbesserung im Service für das Publikum bringt die Einführung einer weiteren Zahlungsmöglichkeit im Webshop: Dort ist nun PayPal als schnelle und sichere Zahlungsmöglichkeit verfügbar. Und mithilfe der auf der Webseite integrierten Smart MobilityMap (smap) des Durlacher Partner-Unternehmens raumobil lässt sich bereits jetzt die Anreise zu den einzelnen Spielorten einfach und nachhaltig planen, denn das Theaterticket ist auch weiterhin gleichzeitig KVV-Ticket.
„An unserem Service wird grundsätzlich nicht gespart, im Gegenteil: Wir bieten weiterhin das volle Abonnementprogramm an, und schöpfen zudem mit der spartenübergreifenden Zusammenarbeit die besonderen Möglichkeiten unseres Mehrspartenhauses aus“, betont die Künstlerische Betriebsdirektorin Uta-Christine Deppermann. „Dennoch werden wir mit Blick auf die Spielzeit 2027/28 und die anstehende Interimsphase in Zukunft mit Einschränkungen leben müssen, und weniger Neuproduktionen anbieten können.
Umso erfreulicher ist es, dass die Fortführung der Kooperationen mit anderen großen Kulturinstitutionen wie dem Zentrum für Kultur und Medien (ZKM) oder dem Naturkundemuseum unsere Vernetzung innerhalb der Stadt weiter stärkt.“
Unter dem Titel Aussichten stellen am 12.5.2027 um 19 Uhr im Kleinen Haus alle Spartenleitungen ihren Spielplan vor – für Besucher:innengruppen, Abonnent:innen und generell alle Interessierten. Im Anschluss ist das Publikum eingeladen sich mit der Theaterleitung und den Spartenleitungen über das Programm auszutauschen, Erlebtes und Vorfreude miteinander zu teilen.Der offizielle Startschuss für die neue Spielzeit fällt wie gewohnt mit dem großen Theaterfest am 19. September auf dem Hermann-Levi-Platz und im Haupthaus.
Der Vorverkauf für ausgewählte Vorstellungen der 49. Internationalen Händel-Festspiele 2027 ist bereits gestartet. Die gesamte neue Spielzeit geht ab dem 1. Juli in den Verkauf. Die Tageskasse am K. wird künftig veränderte Öffnungszeiten haben – bei weiterhin voller Erreichbarkeit:
Tageskasse im K. und Hotline sind Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 10 bis 18 Uhr geöffnet, am Mittwoch und Samstag von 10 bis 13 Uhr. Unter der E-Mail-Adresse tickets@staatstheater.karlsruhe.de können durchgehend Anfragen gestellt werden.