Hamburg, Kammeroper, Don Pasquale - G. Donizetti, IOCO

Hamburg, Kammeroper, Don Pasquale - G. Donizetti, IOCO
Ensemble ©Patrick Sobottka

25. September 2026

Gerade hat die neue Opernsaison 2026-27 begonnen – für die Hamburger Kammeroper ist dieses eine Jubiläums-Spielzeit anläßlich ihres 30jährigen Bestehens – und nach Mozarts „Entführung aus dem Serail“ in der vergangenen Woche ging es sogleich weiter mit einer Neuinszenierung von Gaetano Donizettis „Don Pasquale“.

Mit dieser „Opera buffa“, eine seiner letzten Opern, 1842 komponiert, 1843 in Paris uraufgeführt – Donizetti starb 1848 –, schuf er ein zeitloses Meisterwerk, das durch seine humorvolle Handlung, seine musikalische Brillanz und seine liebevoll gezeichneten charmanten Charaktere begeistert. Dieses Werk ist eine amüsante Satire auf die Gesellschaft seiner Zeit, gleichzeitig ein Paradebeispiel für die lebendige italienische Buffo-Oper und bleibt ein wichtiger Bestandteil des Opernrepertoires.

Simon Thorbjörnsen/Malatesta, Mara Maria Möritz/Norina, der Dirigent Ettore Prandi und der Regisseur Alfonso Romero Mora ©Wolfgang Radtke

Für diese Neuproduktion wurde wiederum der spanische Regisseur Alfonso Romero Mora eingeladen, ein immer wieder gern gesehener Gast an der Kammeroper, der in den vergangenen Spielzeiten u.a. „Faust“, „I due Figaro“, „Die Zauberflöte“ und „Cosi fan tutte“ inszeniert hatte, und es ist davon auszugehen, daß dieser „Don Pasquale“ in seiner schwungvollen Regie wiederum ein großartiger Erfolg für die Kammeroper werden wird. Jedenfalls war das Premierenpublikum schier aus dem Häuschen und sparte auch nicht mit Zwischenapplaus während der witzig-spritzigen Handlung.

Für seine Inszenierung hatte sich Alfonso Romero Mora eine etwas andere, aber dennoch phantasievolle und recht vergnügliche Geschichte mit einem überraschenden, verblüffenden Ende ausgedacht.

Titus Witt als Don Pasquale ©Patrick Sobottka

So ist Don Pasquale bei ihm ein jovialer älterer Herr mit Goldrand-Brille in seriösem dunkelblauen Anzug, im Zweireiher oder auch mal im beigen Kamelhaarmantel, der sein Vermögen mit edlem Schmuck gemacht hat. Er besitzt ein exklusiv ausgestattetes Juweliergeschäft im eleganten Blau-Ton mit marmorierten Wänden und diversen Glasvitrinen, angefüllt mit Perlenketten, Brillantcolliers, teuren Uhren, Ringen, goldenen Masken, und was eine Dame von Welt sonst noch so alles benötigt (Ausstattung von Kathrin Kegler).

Sein sportlicher Neffe Ernesto, der größtenteils auf seine Kosten lebt, der sich hauptsächlich für Fitness und Golfspielen interessiert und sich auch noch als 'Influencer' aufspielt, möchte Norina heiraten, doch Pasquale ist gegen diese Verbindung und wünscht sich für seinen Neffen eine 'gute Partie'. Norina arbeitet offenbar in einer Erotik-Bar gemeinsam mit Carlotta, die als Drag-Queen dort auftritt. Carlotta ist die Geliebte des zwielichtigen Malatesta, und dieser ist der Besitzer dieser Bar. Auch ist er ein guter Bekannter von Don Pasquale und der beste Freund Ernestos.

Titus Witt/Don Pasquale und Berus Komarschela/Ernesto ©Patrick Sobottka

Die Erotik-Bar befindet sich auf der rechten Seitenbühne hinter einem schwarzen Vorhang. Dieser wird zurückgezogen und der Blick fällt auf die in schummerigem Rot beleuchtete kleine Bar mit einer Poledance-Stange. Dort erblicken wir Norina in einem gewagten knappen Kostüm, neben ihr Carlotta in einem ebenfalls aufreizenden Drag-Queen-Outfit. Ein großes Kompliment geht hier besonders an die Kostümentwürfe von Marie-Theres Cramer, und an die Maskenbildnerin Eva Guerrero Rodriguez für die raffinierte Ausstaffierung und Schminke von Carlotta als Drag-Queen.

Titus Witt/Don Pasquale, Berus Komarschela/Ernesto und Feline Knabe/Carlotta ©Wolfgang Radtke

Weil Ernesto sich den Wünschen Don Pasquales nicht fügen will, enterbt er ihn und wirft ihn kurzerhand hinaus. Don Pasquale äußert sich gegenüber Malatesta dahingehend, daß er nun selbst

noch einmal heiraten würde. Der schlaue, verschlagene Malatesta hat daraufhin den Plan, ihm Norina als seine frisch aus dem Kloster gekommene brave devote Schwester 'Sofronia' vorzustellen. Don Pasquale ist begeistert von Sofronia, von ihrer Schönheit und ihrem Wesen, und möchte sie sofort heiraten. Schnell wird eine Notarin herbeigerufen – in der Person der verkleideten Carlotta – während der gerissene Malatesta und Ernesto, der noch in der Nähe weilt und letztlich in den raffinierten Plan eingeweiht wurde, als Trauzeugen dieser fingierten Zeremonie bereit stehen. Norina erhält gleichzeitig, notariell beglaubigt, darüber hinaus die Hälfte seines gesamten Vermögens und übernimmt umgehend die Führung seines Haushaltes.

Sofort zeigt Norina ihr wahres Gesicht, aus der liebreizenden Braut wird ein kommandierender Hausdrachen. Sie wirft Pasquales Geld zum Fenster hinaus, will ohne ihn ausgehen, verspottet ihn, ohrfeigt ihn sogar. Auch einen Liebhaber soll sie haben, mit dem sie sich in Pasquales Juweliergeschäft verabredet. Mit Malatesta als Zeugen will Pasquale Norina und ihren Liebhaber in flagranti ertappen, um sich dann schnellstens von ihr trennen zu können.

Als er endlich merkt, daß er an der Nase herumgeführt wurde und daß Sofronia die Geliebte seines Neffen Ernesto ist, reagiert er schnell und entwickelt einen Racheplan. Er bietet Norina und Ernesto an, daß sie gern heiraten können. Er gestattet ihnen sogar, sich soviel Schmuck aus seinem Geschäft auszusuchen wie sie mögen.Während sie dieses Angebot dankbar annehmen, läßt er das Eisengitter vor seinem Geschäft herunter, ruft die Polizei und meldet einen Einbruch. Wer zuletzt lacht …...

Mara Maria Möritz/Norina und Titus Witt/Don Pasquale ©Patrick Sobottka

Titus Witt konnte mit seinem komödiantischen, charmanten Spiel als Juwelier und Möchtegern-Bräutigam sichtlich erfreuen. Der Don Pasquale scheint ihm in dieser Inszenierung wie auf den Leib geschneidert. Er identifizierte sich vollends mit dieser Rolle als wohlhabender, distinguierter Geschäftsmann, agierte wunderbar, selbst wenn er sich von Norina ohrfeigen oder sich von ihr in die Badewanne schubsen lassen mußte. Auch stimmlich blieben an diesem Abend kaum Wünsche offen. Seinen Spielbass konnte er kraftvoll und dramatisch einsetzen, aber es gelangen ihm auch melancholische, sanfte Phrasen.

Mara Maria Möritz sah umwerfend aus sowohl in ihren Nachtclub-Dessous, als auch im braven hellblauen Kostüm mit Pillbox-Hütchen oder im glamourösen fliederfarbenen Charleston-Kleid. Sie ist schlank, grazil in ihren Bewegungen, charmant in ihrer Darstellung, und ihre Gestik und Mimik paßten wunderbar zu der resoluten, raffinierten Norina. Ihren klangschönen lyrischen Koloratursopran verstand sie kokett einzusetzen, die Höhe klingt sicher, und die Koloraturläufe gestaltete sie mit funkelnder Intensität.

Mara Maria Möritz/Norina ©Patrick Sobottka

Eigentlich gibt es in Donizettis „Don Pasquale“ keine Partie der Carlotta (eine Carlotta gibt es bei Richard Strauss in seiner Oper „Die schweigsame Frau“ mit ähnlicher Handlung wie in „Don Pasquale“), aber Feline Knabe, zunächst als Drag-Queen mit gekonnt präsentiertem Show-Act in der Erotik-Bar während Norinas Auftrittsarie „Auch ich versteh' die feine Kunst ...“ war schon mal ein besonderer Gag und der Hingucker des Abends. Weitere Auftritte hatte Feline Knabe dann als Notarin mit Brille und Mireille-Mathieu-Perücke, und als Haushälterin und Kammerzofe im Hause Don Pasquales.

Berus Komarschela in zünftiger Sportbekleidung war der sympathische, bühnenpräsente Ernesto, der die hoch liegende Tenorpartie bravourös meisterte und in seinen Szenen und Duetten mit Norina überzeugen konnte.

Als Strippenzieher der Intrige gegen Don Pasquale gefiel Simon Thorbjönsen im weißen Anzug als der hinterhältige Malatesta mit seinem facettenreichen Bariton und guter Gesangstechnik. Für das rasante zungenbrecherische Duett von Pasquale und Malatesta sei beiden Sängern höchste Bewunderung gezollt.

Ensemble und Regieteam beim Schlußapplaus ©Wolfgang Radtke

Das kleine Kammerorchester unter der Leitung von Ettore Prandi, der Donizettis Meisterwerk für die Belange der Kammeroper gekonnt eingerichtet hatte, ließ es aus dem Orchestergraben sprühen und funkeln. Es spielte spritzig, schwungvoll, temporeich und sorgte wieder einmal für ein beeindruckendes Klangerlebnis. Die Resonanz des begeisterten Premierenpublikums am Ende war dementsprechend euphorisch, sämtliche Mitwirkenden wurden stürmisch gefeiert.

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