Hamburg, Kammeroper, "DON PASQUALE", G. Donizetti, IOCO

6. November 2026

Hamburg, Kammeroper, "DON PASQUALE", G. Donizetti, IOCO
Luminita Andrei,/Norina, Titus Witt/Pasquale und Berus Komarschela/Ernesto ©Wolfgang Radtke

Mit Gaetano Donizettis Opera buffa „Don Pasquale“ in der ambitionierten Inszenierung von Alfonso Romero Mora ist der Hamburger Kammeroper gleich zu Beginn der neuen Spielzeit, in der sie ihr 30-jähriges Jubiläum feiert, wieder einmal ein großer Wurf gelungen. Wie schon so oft konnte sie damit einen beachtlichen Publikumserfolg verbuchen.

Vergnüglich geht es bereits während der Ouvertüre zu, wenn sämtliche Mitwirkenden durch aufschlussreiche Steckbrief-Projektionen auf dem Bühnenvorhang vorgestellt werden. Denn in Alfonso Romero Moras überaus lebendiger Regie entwickelt sich die originelle Handlung überraschenderweise – wie bereits in meinem Bericht von der Premiere am 25. September beschrieben – zu einem kleinen Kriminalfall.

Feline Knabe/Carlotta und Luminita Andrei/Norina ©Patrick Sobottka

Am Abend des 6. November erlebten wir die Koloratursopranistin Luminita Andrei in der Partie der Norina, in der sie sowohl stimmlich als auch schauspielerisch glänzend zu überzeugen wusste. Ihren warm timbrierten, stets intonationssicheren Sopran mit strahlendem Höhenregister, perlenden Koloraturläufen und perfekt sitzenden Spitzentönen führte sie mit berückender Natürlichkeit und Leichtigkeit.

Luminita Andrei als Norina ©Wolfgang Radtke

Auch darstellerisch war sie überaus präsent: frivol, temperamentvoll und hinreißend anzusehen – nicht zuletzt bei ihrem ersten Auftritt in der Erotik-Bar, wo sie sich in aufreizendem Dessous präsentierte. Während der Trauungszeremonie gab sie überzeugend die brave Braut im eleganten fliederfarbenen Kostüm mit weißem Pillbox-Hütchen und Schleier (Kostümentwürfe: Marie-Theres Cramer). Als junge Ehefrau hingegen offenbarte sie furioses Temperament und ausgeprägte Renitenz: Nun führt sie erbarmungslos den Haushalt und hat ihren Ehemann fest unter Kontrolle. Besonders originell geriet die Szene in ihrem Boudoir mit goldenem Bidet und goldener Badewanne (Bühnenbild: Kathrin Kegler). Hier ohrfeigte sie ihren Gatten nicht nur, sondern beförderte ihn kurzerhand auch noch in die goldene Wanne

Luminita Andrei/Norina und Titus Witt/Pasquale ©Patrick Sobottka

Titus Witt ist inzwischen noch tiefer in seine Rolle als Don Pasquale hineingewachsen, der hier als vornehmer, wohlhabender Juwelier auf Freiersfüßen unterwegs ist. Die anspruchsvolle Buffo-Partie bewältigte er mühelos. Auch darstellerisch überzeugte er mit einer bemerkenswerten Souveränität: Trotz aller Demütigungen blieb er auf gewisse Weise stets der Überlegene, der es am Ende versteht, sich für die üble Farce zu revanchieren.

Berus Komarschela verkörperte den sportlich-dynamischen Ernesto mit sängerischer Eleganz und meisterte dessen Kavatinen und Arien glanzvoll. In seinen Szenen und Duetten mit Norina harmonierten beide Sänger wunderbar miteinander.

Simon Thorbjörnsen als Malatesta ©Wolfgang Radtke

Auch Simon Thorbjörnsen wusste als intriganter Strippenzieher Malatesta mit seinem angenehm klingenden Bassbariton wieder zu überzeugen. Besonders eindrucksvoll gelang ihm das rasant vorgetragene, geradezu zungenbrecherische Ratter-Duett mit Don Pasquale.

Feline Knabe als Drag-Queen Carlotta ©Wolfgang Radtke

Feline Knabe war als Drag-Queen Carlotta im schwarzen Leder-Outfit mit ihrem atemberaubend verführerischen Show-Act in der Erotik-Bar einmal mehr der Hingucker des Abends. Dazu erklangen die Töne von Norinas Arie „Auch ich versteh die feine Kunst, die Männer zu besiegen“. Darüber hinaus übernahm sie gleich zwei weitere Rollen: die der Notarin und die der Zofe Norinas im Hause Don Pasquales.

Schlußapplaus mit Ettore Prandi ©Wolfgang Radtke

Ettore Prandi leitete auch an diesem Abend sein kleines Kammerorchester souverän und mit viel Esprit. Aus dem Orchestergraben ließ er die Musik, dem fröhlichen Verlauf der Handlung entsprechend, sprühen und funkeln. Auch die virtuosen Parlando-Passagen wurden mit großer Stilsicherheit und Verve dargeboten.

30 Jahre Hamburger Kammeroper – Festliche Jubiläums-Gala

Einige Tage zuvor, am 2. November, hatte die Hamburger Kammeroper anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens zu einer festlichen Jubiläumsgala eingeladen. Die Laudatio hielt der Hamburger Kultursenator Carsten Brosda. Intendant Marius Adam ließ anschließend die Geschichte des Hauses Revue passieren und erinnerte an die Anfänge des Allee-Theaters: Aus dem 1968 gegründeten Theater für Kinder entwickelte sich über das Musiktheater für Kinder schließlich die 1996 ins Leben gerufene Hamburger Kammeroper.

Berus Komarschela und Christian Richard Bauer

Charmant und mit viel Humor führte der Schauspieler und Sänger Christian Richard Bauer durch den Gala-Abend. Für den musikalischen Teil sorgte das Ensemble der aktuellen „Don Pasquale“-Produktion unter der Leitung von Ettore Prandi.

Den Auftakt machte Feline Knabe mit ihrer sinnlichen Interpretation von Carmens „L'amour est un oiseau rebelle“. Titus Witt triumphierte anschließend mit Mephistos Serenade aus Gounods „Faust“. Luminita Andrei beeindruckte mit einer ausdrucksstarken Interpretation der Bravour-Arie „Casta Diva“ aus Bellinis „Norma“. Berus Komarschela präsentierte Ernestos temperamentvolle Szene aus „Don Pasquale“, wobei er von Feline Knabe, Luminita Andrei und Simon Thorbjörnsen unterstützt wurde.

Feline Knabe, Simon Thorbjörnsen, Luminita Andrei, Ettore Prandi und Berus Komarschela ©Wolfgang Radtke

Den glanzvollen Schlusspunkt bildete das gemeinsam gesungene Ensemble „Brüderlein und Schwesterlein“ aus Johann Strauss' „Die Fledermaus“. Neben den Solisten gesellte sich auch Intendant Marius Adam mit seinem Bariton zu den Mitwirkenden, sodass schließlich alle gemeinsam diesen musikalischen Geburtstagsgruß anstimmten.

Titus Witt, Berus Komarschela, Luminita Andrei, Simon Thorbjörnsen, Feline Knabe und Marius Adam ©Wolfgang Radtke

Danach begann der gemütliche Teil des Abends: Bei Champagner, Rotwein und einem leckeren Buffet bot sich reichlich Gelegenheit zu angeregten Gesprächen und geselligem Beisammensein.

Wir gratulieren der Hamburger Kammeroper herzlich zu ihrem 30-jährigen Bestehen und wünschen ihr auch für die kommenden Jahrzehnte weiterhin viel Erfolg, zahlreiche beglückende Opernproduktionen, begeisterte Künstler und natürlich stets ein volles Haus!

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