Perpignan, Museum Hyacinthe Rigaud Museum , MIRO-AUSSTELLUNG, IOCO

Perpignan, Museum Hyacinthe Rigaud Museum , MIRO-AUSSTELLUNG, IOCO
Das Musée d'art Hyacinthe Rigaud, © Hanns Butterhof

Genug von Miró

Das Museum Hyacinthe Rigaud in Perpignan verbeugt sich vor Joan Miró

Von Hanns Butterhof

Das Stadtmuseum von Perpignan ist nach seinem berühmtesten Maler Hyacinthe Rigaud benannt, geboren am18. 7.1659 in Perpignan, gestorben am 29. 12. 1743 in Paris.  Ohne sein Portrait Ludwigs XIV im königlichen Prunkgewand mit elegant vorgestelltem linken Fuß aus dem Jahr 1701 kommt kein Geschichtsbuch aus. Der Name ist insofern Programm, als das Museum der stadtgeschichtlichen und katalanischen Kunst in Vergangenheit und Gegenwart verpflichtet ist und immer wieder bedeutende Ausstellungen mit und zu Großkünstlern veranstaltet, die zu Perpignan im engeren und Katalonien im weiteren Sinn in Beziehung stehen. So in den letzten Jahren etwa zu Aristide Maillol, der aus dem 35 km südlich von Perpignan liegenden Banyuls stammt, wo er am 8.12. 1861 geboren wurde und am 27. 9. 1944 auch starb. (Siehe ioco-Berichte zu  Mailloll : Picasso https://www.ioco.de/perpignan-sudfrankreich-ausstellungsbesuch-im-musee-hyacinthe-rigaud-ioco/ und Maillol :Rodin https://www.ioco.de/pergignan-musee-dart-auguste-rodin-aristide-maillol-ioco-aktuell-10-09-2019/) ; eine Pomona-Frauenstatue Maillols ziert auch den Eingang des Museums.

Sans titre, (1968 – 1972) © Hanns Butterhof

Die aktuelle Ausstellung Joan Miró. Mallorque, l'atelier de reves bezieht sich nicht nur auf Miró als Katalanen - er wurde am 20. April 1893 in Barcelona geboren und starb am 25. Dezember 1983 in Palma - .  Sie erinnert auch an ein bedeutendes Stück der Stadtgeschichte: Von 1272 bis 1346 war Perpignan die Hauptstadt des Königreichs Mallorca.

 Die Ausstellung Joan Miró. Mallorque, l'atelier de reves in der zweiten, den aktuellen Ausstellungen vorbehaltenen Etage des Museums, bietet mit fast 100 Werken und Keramiken auf etwa 400 m² genug von Miró für eine respektable Ausstellung, Sie stützt sich wesentlich auf Mirós in seinem Traum-Atelier in Mallorca geschaffenes Werk und beginnt wie mit dem Versprechen, dass hier von Miró alles, vom Kleinsten bis zum Größten, zu erwarten ist: In einer Vitrine finden sich kleine Figürchen, vornehmlich aus Ton, und davor steht ein riesiger schwarzer Torso von 1969 aus Bronze.

Auge in Auge mit dem Meister, © Hanns Butterhof

Mit dieser Erwartung geht es in einen Raum, in dem Miró die Besucher wie in seinem Atelier in Mallorca empfängt: Man schaut, auf einer Bank sitzend, dem Meister auf einer lebensgroßen Fotografie in die Augen und hinter ihm auf die Wand des Ateliers, auf dem sich Chiffren seiner Themen finden wie Die Frau oder Die Leere. An der Seitenwand befinden sich drei Bildwerke aus der Mallorquinischen Stiftung Mirós, 3 fois Bon à tirer pour Fondacion von 1978, abstrakt und mit den breiten schwarzen Pinselstrichen über farbigem Grund, die als Markenzeichen Mirós gelten dürfen.

Ein Flur führt sodann weiter mit frühen experimentellen Werken aus den 20er und frühen 30er Jahren, die leicht surrealistisch mit Zahlen und figürlichen Elementen auf weißem Grund spielen oder bloß schmale Streifen in den Primärfarben Rot, Blau und Gelb aufweisen. Dazu finden sich mit deutlicher Freude am kindlich Figürlichen angefertigte Mobiles und als Keramiken Teller und Vasen.

Albtraumbilder: Deux Personnages von 1937, Sans titre 1938, © Hanns Butterhof

Es folgt ein düsterer Raum mit Albtraumbildern zum Ende der 30er Jahre mit biomorphen Figuren, fragmentiert und deformiert, in denen sich die  Schrecken des Spanischen Bürgerkriegs spiegeln, wohl der ausdrucksstärkste Raum der ganzen Ausstellung.

Im Folgesaal dann scheint dies alles vergessen. Er ist randvoll mit verschiedenen surrealen Skulpturen und großen, nach  gleichem Prinzip geschaffenen meist abstrakten Collagen: Auf verschiedenfarbigem Grund sind wie mit dem bekannten breiten Pinsel gemalte, aber ausgeschnittene abstrakte Figuren aufgeklebt, nur selten erkennbar Figürliches wie eine Katze oder ein Haus; die Tesafilm-Streifen, die sie halten, sind deutlich zu sehen. Bei einem bemalten braunen Kartoffelsack, aus dem rot-schwarz die aufgeklebten Augen schauen, blitzt Mirós Humor auf.

Collagen Morquelle pour Els grosses V, IV und II ,cka. 1978, © Hanns Butterhof

Und dann steht man im letzten Saal vor überraschenden, großen Formaten ohne Titel in hellen Tönen, auf denen die gewohnten schwarzen Pinsel-Gesten so weit zurücktreten, als hätte zum Ende Miró selber genug von Miró-Markenzeichen und befreite sich in einem letzten Akt wohltuend vom Bild seiner selbst. Das könnte das erfüllte Versprechen des Anfangs sein, dass in diesem völligen Verzicht das Größte liegt, das die Ausstellung von Miró zeigt, und sich auf diese Weise vor dem Meister verneigt.

 

Die Ausstellung Joan Miró. Mallorque, l'atelier de reves im Musée d'art Hyacinthe Rigaud dauert noch bis zum 31. Dezember 2026

 Das Museum ist bis 31. Dezember Dienstag bis Sonntag von 11:00 bis 17:30 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet mit der Ausstellung 11,00 €, reduziert 9 €.

Das Museum befindet sich in 21 Rue Mailly, 66000 Perpignan, Frankreich

Kontakt: +33 4 68 66 19 83, E-Mail: contact@musee-rigaud.fr

Offizielle Website: Musée d'art Hyacinthe Rigaud

 

 

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