Hamburg, Leon Gurvitch im 'Docks', "Piano unplugged Vol.2", IOCO

Hamburg, Leon Gurvitch im 'Docks', "Piano unplugged Vol.2", IOCO
Ensemble, Leon Gurvitch ©Wolfgang Radtke

27. September 2026

Vor einem Jahr, im September 2025, trat der Pianist und Komponist Leon Gurvitch zum ersten Mal in der Club-Location „Docks“ auf, die sich am Spielbudenplatz im berühmten Hamburger Stadtteil St. Pauli, direkt an der Reeperbahn, befindet. Sein damaliges Klavierkonzert war ein großartiger Erfolg, und so wurde beschlossen, auch in diesem Jahr wieder ein ähnliches Konzert zu veranstalten. Wie im vergangenen Jahr war auch DJ Vlader Teil des Abends und unterlegte mehrere von Leon Gurvitchs Klavierkompositionen mit harten Techno-Beats – durchaus passend für eine Konzert-Location wie das „Docks“, in der normalerweise Rockbands und Popgruppen auftreten.

Leon Gurvitch ©Wolfgang Radtke

In diesem Jahr hatte Leon Gurvitch jedoch noch eine weitere Überraschung parat: ein Streichquartett, bestehend aus vier jungen Musikerinnen – Violoncello, Viola und zwei Violinen –, die seinen Kompositionen mit ihren wunderschönen, sanften Streicherklängen eine weitere besondere Dimension verliehen.

Wie bereits im Vorjahr wurde das Konzert erneut von ausgefeilter Lichttechnik und großflächigen, farbenprächtigen Videoprojektionen auf der rückwärtigen Bühnenwand umrahmt. Diese visuellen Elemente verliehen der gesamten Darbietung einen zusätzlichen Reiz und verstärkten die Atmosphäre im Saal noch weiter.

Leon Gurvitch ©Wolfgang Radtke

Um 19:45 Uhr war es schließlich so weit, und der Künstler betrat die Bühne. Zum Auftakt des Abends und zur Einstimmung spielte Leon Gurvitch Johann Sebastian Bachs „Präludium c-Moll“ in seiner eigenen Interpretation und nannte es „After Bach“. Seine Variationen über das Stück fesselten das Publikum sofort, und bereits die ersten Applauswellen waren überwältigend.

Im vergangenen Jahr hatte Leon Gurvitch die ersten beiden Teile seines Zyklus „The Five Seasons“, „Spring“ und „Summer“, präsentiert. An diesem Abend folgten „Autumn“ und „Winter“. Wir sind bereits sehr gespannt auf den fünften Teil seiner „Five Seasons“.

Doch zunächst bat er die vier Musikerinnen des Streichquartetts auf die Bühne, und „Autumn“ begann – mit sanften Klavierklängen, die an leise fallende Herbstblätter erinnerten, begleitet vom bezaubernden Spiel der Streicher. „Winter“ war dynamischer und dramatischer: Fast konnte man sich einen heftigen Schneesturm vorstellen, während die schimmernden Streicherklänge bisweilen dissonant wie brechendes Eis wirkten. Auch nach diesen beiden Stücken gab es großen Applaus.

Leon Gurvitch und das String Quartett ©Wolfgang Radtke

Als Nächstes folgte ein Satz mit dem Titel „What If“ aus einem Ballett namens „Quid si sic“, das Leon Gurvitch für das Mecklenburgische Staatstheater in Schwerin komponiert und dort auch selbst dirigiert hatte. Es war ein langsamer, melancholischer Satz, begleitet von den Streichern und unterlegt mit einem sanften Beat von DJ Vlader.

Das temporeiche „Perpetuum Mobile“, begleitet von den Techno-Pop-Rhythmen des DJs, beschloss anschließend die erste Hälfte des Konzerts.

Leon Gurvitch ©Wolfgang Radtke

Leon Gurvitch eröffnete die zweite Hälfte des Abends mit einer Premiere: dem ersten Teil seines neuen Zyklus „Étude méditative“, den er zuvor noch nie im Konzert gespielt hatte und der sicherlich in naher Zukunft auch auf CD erscheinen wird. Seine anmutige, fließende Melodie machte das Publikum neugierig auf mehr, und gespannt auf den vollständigen, vierteiligen Zyklus.

Die nächsten drei Stücke wurden erneut vom Streichquartett begleitet. Den Anfang machte eine weitere Premiere: seine neue Komposition „Concerto Grosso“, ein vierteiliger Zyklus. Hier präsentierte er den ersten Satz, in dem das Streichquartett neben der atmosphärischen, fließenden Melodie des Klaviers einen nahezu barocken Klang entwickelte.

Leon Gurvitch und das String Quartett ©Wolfgang Radtke

Die beiden folgenden Stücke waren bereits bekannt und gehören zu Leon Gurvitchs regelmäßigem Konzertrepertoire, doch die Anwesenheit des Streichquartetts verlieh ihnen eine weitere interessante Dimension. Besonders deutlich wurde dies bei „Silentium No. 5“, in dem sich die Stimmung der Komposition allmählich aufbaut, wunderschön untermalt von den schimmernden Streichern, die die leidenschaftlichen Klavierpassagen sanft abmildern. Auch seine Komposition „Remember Me“, die Leon Gurvitch bei seinen Konzerten immer wieder gerne aufführt, zeigte durch den zarten, beruhigenden Klang der Streicher eine neue und wunderbare Facette.

Die nächste Nummer war als Überraschung für das Publikum gedacht. Leon Gurvitch wollte vorher nicht verraten, welches Stück er spielen würde, bemerkte jedoch, dass ein Stück dieser Art besonders gut zu einer Location wie dem „Docks“ passe, in der sogar Ray Charles bereits aufgetreten war.

Leon Gurvitch ©Wolfgang Radtke

Für Kenner der Materie – und insbesondere für Motown-Fans – war es natürlich bereits nach den ersten Takten klar, um welchen Song es sich handelte, nämlich um „Pastime Paradise“ des brillanten Songwriters und Soul-Sängers Stevie Wonder aus seinem überaus erfolgreichen Album „Songs in the Key of Life“. Das Album wurde von Motown genau 50 Jahre zuvor, am 28. September 1976, veröffentlicht und gewann später einen Grammy sowie die Auszeichnung „Album of the Year“. Vor 30 Jahren hatte auch ein Rapper namens Coolio mit dem Stück großen Erfolg, als er es unter dem Titel „Gangsta’s Paradise“ neu interpretierte.

Anschließend ging es mit Mozart-Variationen weiter in eine Pop-orientierte Richtung. Leon Gurvitch gab seiner Improvisation den Titel „Mozart in Tahiti“. Ausgehend von den ersten Takten von Mozarts „Sinfonie Nr. 40 g-Moll“ – die auch Vikki Carr als Intro für ihren wunderschönen Popsong „Eternity“ verwendete – gesellten sich nach und nach karibische Rhythmen und Klänge hinzu, außerdem Ausschnitte aus „Carmen“, alles unterlegt mit Beats von DJ Vlader. Das Ergebnis riss das Publikum förmlich von den Sitzen.

Damit war das offizielle Konzert beendet, doch natürlich konnte ein solcher Abend nicht ohne eine Zugabe zu Ende gehen. Und so präsentierte Leon Gurvitch, wie bereits beim Konzert im vergangenen Jahr, seine Improvisation über Frédéric Chopin unter dem Titel „Chopin Rocks“. Grundlage war Chopins „Prélude Nr. 20 c-Moll“, ein äußerst populäres Thema – auch Donna Summer verwendete den Beginn dieses Präludiums als Vorspiel für ihren Hit „Could It Be Magic“.

Schlußapplaus für Leon Gurvitch, das String Quartett und DJ Vlader ©Wolfgang Radtke

Während die Klänge dieses von Rockelementen geprägten Chopins den Saal erfüllten, ging dieser großartige Konzertabend zu Ende. Das begeisterte Publikum überschüttete Leon Gurvitch, die vier jungen Musikerinnen des Streichquartetts und den DJ mit Ovationen und hoffte offensichtlich auf eine weitere Zugabe.

Nach diesem erneuten Erfolg können wir sicher sein, dass es auch im kommenden Jahr wieder ein „Piano Unplugged“-Konzert im „Docks“ geben wird.