Düsseldorf, Schauspielhaus, Ein musikalischer Abschiedsabend mit Ensemble und Gästen, IOCO

Düsseldorf, Schauspielhaus, Ein musikalischer Abschiedsabend mit Ensemble und Gästen, IOCO
Schauspielhaus Düsseldorf, Foto: ingenhoven-architects

“Festlicher Abschied” und “Always Under Construction”

Leitung - André Kaczmarczyk. Musikalische Leitung – Matts Johan Leenders

Ein musikalischer Abschiedsabend mit Ensemble und Gästen

 

Vorstellung 11.Juli 2026

 von Rainer Maaß

 

Kann ein Abschied schön sein?

 Wer das Glück hatte, den musikalischen Abschied des Ensembles für den Intendanten Wilfried Schulz zu erleben, kann die Frage nur bejahen.

Emotional, wehmütig, gerührt, aber auch voller Energie, Freude und Leidenschaft, so einen Abschied kann es nur einmal geben.

Und nur für jemanden, der dem Düsseldorfer Schauspielhaus, den Mitarbeitern, dem Ensemble und damit auch der Stadt so viel mitgegeben hat.

 Wie die NRW Staatsministerin Ina Brandes in ihrer Rede sagte, hätten die Intendanz der letzten 10 Jahre nicht anspruchsvoller sein können. „Die erste Phase ohne Haus, die zweite mit Corona“ und erst „die dritte als Ernte harter Arbeit“.

Das Motto „Always under Construction” könnte es nicht treffender beschreiben.

 „Großes Theater“ kann man nur erreichen, wenn man so ist wie Wilfried Schulz. Mit einer „Mischung aus hoher Seriosität mit einem Funken Wahnsinn“ (Zitat Ina Brandes).

Und dabei immer mit einem ‚twinkle in the eye‘.

 „Wenn mich jetzt noch jemand mit einem Problem anruft,“ sagt Wilfried Schulz in seiner Abschiedsrede: „lege ich nach 20 Sekunden gleich wieder auf.“

 Was machte diesen Abend so außergewöhnlich, den André Kaczmarczyk gemeinsam mit dem musikalischen Leiter und Komponisten Matts Johan Leenders geschaffen hat?

Der Anfang war bereits überwältigend. Das gesamte Ensemble steht zusammen auf der Bühne. Jeder leistet einen Beitrag. Den musikalischen Auftakt startet Rosa Enskat mit ‚Everything Must Change‘ von Quincy Jones. Wobei manch einem die ersten Tränen in die Augenwinkel traten.

 Es folgte eine fulminante Musik-Performance. Schlag auf Schlag, immer wieder überraschend, rührend oder mitreißend. Mit den Erinnerungen an die erfolgreichen Vorstellungen der letzten Jahre wurde musikalisch die Ära von Wilfried Schulz gefeiert.

Mit Songs aus Cabaret, Der Sandmann, Alice, Peer Gynt, Schuld und Sühne, um nur einige zu nennen.

Foto: Melanie Zanin

 

Ob Solo, Duett oder zu mehreren, ob Thomas Wittmann, Rosa Enskat oder Lou Strenger, Tabea Bettins, Cathleen Baumanns, Michael Fünfschilling, um nur einige zu nennen.

Burkhart Klaußner rockt à la Bill Haley und gibt dem Intendanten den Rat: „Keep rocking, Wilfried“ mit auf den Weg.

Mittendrin das Volkslied „Abschiedsländler“ von Manuela Alphons, auch jodelnd kann man Wilfried Schulz verabschieden.

 Man kann nicht alle hervorheben, aber auf jeden Fall ist es bemerkenswert, wie gut alle singen können – im (Sprech)-Theater!

 Dazu der verrückte ‚WhatsApp-Chor‘ aus Amphytrion, mit viel Spielfreude von Jonas Friedrich Leonhardi, Claudius Steffens, Sophie Stockinger, Fnot Taddese, Blanka Winkler.

 Nicht zu vergessen die ungewöhnlich humorvollen Rezitationen, wie ‚Ich und der große Text...‘, den der Chefdramaturg Robert Koall selber geschrieben hat.

Oder die absolut sinnfreie ‚Ursonate‘, die Markus Danzeisen wunderbar performt.

Das alles zeigt die Fülle und Bandbreite dieses Abends. Eine Überraschung folgt der anderen.

 Den Abschluss bringt Effi Biest mit der Erklärung, warum das Theater „Always Under Construction“ ist. Effi kommt in einer Schaukel vom Theaterhimmel, die Rettung naht von oben, kein Bild könnte passender sein. 

 Am Ende ist wieder das ganze Ensemble versammelt zu ‚Love the One You’re With‘.

Danach kann sich kaum ein Zuschauer trennen und das Ensemble schon gar nicht, das Wilfried Schulz in die Mitte genommen hat.  

So vereint dieser Abend die ganze Palette an Gefühlen, die im Theater stecken.

Wer diesen Abend erleben durfte, wird Wilfried Schulz und diese ganz besondere Ära in unvergesslicher Erinnerung behalten.

 

 

 

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