Düsseldorf, Düsseldorfer Schauspielhaus, INTER ALIA - Suzie Miller, IOCO

Düsseldorf, Düsseldorfer Schauspielhaus, INTER ALIA - Suzie Miller, IOCO
Düsseldorfer Schauspielhaus, Foto: ingenhoven architecs hgeschneu

Deutsche Erstaufführung vom 31.10. 2026

 Von Rainer Maaß

 

„Du bist hier nicht im Gericht!“

 

Als nach 120 Minuten das Licht langsam ausgeht, die Darsteller abgetreten sind und der Saal dunkel wird, setzt sofort der Beifall ein. Als die drei Darsteller Sekunden später wieder auf der Bühne erscheinen, hat sich das Publikum bereits von den Sitzen erhoben und applaudiert frenetisch. Lange, begeistert, verdient.

 Die beiden männlichen Darsteller haben sicher akzeptiert, dass der Applaus in erster Linie Meike Droste gilt. Denn ‚Inter alia‘ ist phasenweise ein Einpersonenstück. Es lebt von ihren Monologen. Sie präsentiert sich als die durchsetzungsstarke Richterin Jessika Parks im Gerichtssaal. Anrührend erzählt sie von Spielplatz-Erlebnissen mit ihrem damals noch kleinen Sohn. Und sie schafft es als verzweifelte Ehefrau und Mutter so lautstark aus der Haut zu fahren, dass auch der letzte Huster im Publikum verstummt.

Düsseldorfer Schauspielhaus, INTER ALIA Foto: Sandra Then

 Jessika Parks ist der Mittelpunkt einer perfekten Familie. Scheinbar. Denn der Weg vom Erfolg im Beruf zum Alltag daheim ist kurz. Das Bühnenbild deutet es an. Mit nur drei Schritten kann aus der Richterin die Hausfrau und Mutter in der Einbauküche werden. Hier zählen nur ihre Fähigkeiten als Köchin, Waschfrau, Gastgeberin und sexy Ehefrau. Für ihre ‚Männer‘ ist sie Versorgerin. Ansonsten gehen sowohl ihr Ehemann als auch ihr Sohn ihre eigenen Wege. Harry zieht sich gerne zurück, beschäftigt sich mit seinem Handy und geht auf Partys. Michael ihr Ehemann ist Anwalt und immer unterwegs. Trotzdem ist Jessika Parks zufrieden mit ihrem Leben. Es ist genauso, wie sie es sich vorstellt.

Ausgelassen feiert sie mit Freundinnen eine Karaoke Party. Als plötzlich alle anders wird.

 Es kann jederzeit und in jeder Familie passieren: Harry, ihr 18jähriger Sohn ist auf einer Party. Er trinkt zu viel. So wie alle es tun. Genau wie das Mädchen, mit dem er dann Sex hat. Ist es einvernehmlich? Oder ist es...? Beide hatten zeitweise Blackouts. Theo Thun ist sehr überzeugend in der Rolle des jungen Mannes. Er tut sich schwer die richtigen Worte zu finden. Er ist verunsichert. Hilflos. Am liebsten würde er schweigen.

 Man hört, das betroffene Mädchen fühlt sich missbraucht. Vielleicht war es sogar eine Vergewaltigung. Eine Klage, ja ein Prozess wird immer wahrscheinlicher

Spätestens jetzt bekommt der Fall Brisanz. Philipp Hauß als Harry’s Vaterschlägt sich sofort und voll auf die Seite seines Sohnes. Er ist Anwalt. Er will alle Hebel in Bewegung setzen, um die Anschuldigungen des Mädchens zu entkräften beziehungsweise als unglaubwürdig zu brandmarken. Für ihn ist ganz klar was zu tun ist. Einwände seiner Frau belehrt er mit der Floskel: „Du bist hier nicht im Gericht.“

Düsseldorfer Schauspielhaus, INTER ALIA Foto: Sandra Then

 

Für Jessika Parks stürzt eine Welt zusammen. Sie ist enttäuscht von der Reaktion ihres Mannes. Sie fühlt sich herabgesetzt. Als Frau und als Richterin. Ihr Rechtsemfinden wird auf eine harte Probe gestellt. Sie hat vergleichbare Fälle bereits verhandelt. Und Männer wegen Vergewaltigung verurteilt. Sie wirft ihrem Mann Versagen bei der Erziehung des Sohnes vor. Alle Männer, so sagt sie, versäumen es ihren Söhnen beizubringen, wie man sich Frauen gegenüber verhält. Nach diesem heftigen Streit ist Harry der Einzige, der versucht das Richtige zu tun...........

 Im Publikum war es während der Aufführung bemerkenswert ruhig. Man spürte die Spannung und Emotion der Zuschauer.

 Eine sehr sehenswerte, packende Aufführung mit hervorragende Besetzung.

 

 

 

 

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