Montpellier, Opéra Comédie, Konzert Koreanische Pansoris, IOCO
30.05.2026
DAS FEUER UND DIE TRÄNEN…
Jadewasser des Flusses im grünen Tal, sei nicht so stolz auf deinen freien Lauf.
Wenn du das Meer erreichst,wirst du nie zurückkehren können.
Sieh, der Mond scheint auf die verlassenen Berge.
Warum nicht hier ein wenig verweilen?
(Chunhyang-ga, 16. Jahrhundert Anonym / Auszug)
Sinnliche jahrhundertalte Tradition…
Pansori ist ein intensives und poetisches Spektakel, das die koreanische Musiktradition durch die fesselnde Stimme und Bühnenpräsenz des Sängers und Pianisten Ko Yeong-yeol und seiner beiden Begleiter, Lee Gyu-jae, Daegum und Flöte und Kim Jae-ha, Soribuk-Trommel, interpretiert.
Dieses einzigartige Konzert entführt uns in die faszinierende Welt des Pansori, einer traditionellen Erzähl-Oper, in der ein Sänger, nur von einer Trommel begleitet, ein episches und emotionales Werk zum Leben erweckt. Mit einem innovativen Ansatz erweitert Ko Yeong-yeol die Grenzen des Genres, indem er subtile Klavier-Harmonien und eine zeitgenössische Interpretation einfließen lässt, die weit über die Tradition hinausreicht. Die Aufführung beinhaltet Auszüge aus Chunhyang-ga, einem der Meisterwerke des Pansori – einer Geschichte von Liebe und Mut, die durch die Virtuosität des Sängers getragen wird. Ergänzt wird das Konzert durch ikonische Volkslieder, die eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Korea und dem Rest der Welt schaffen und das Publikum in ein sinnliches Erlebnis entführen, in dem Emotionen mit uralten Klängen verschmelzen. Entdecken wir eine zarte und zugleich kraftvolle Kunstform, die von einem visionären Künstler zum Leben erweckt wird und dem heutigen Publikum die Schönheit des Pansori offenbaren.

Pansori ist eine Form der erzählenden Solo-Oper, die im 16. Jahrhundert in Korea entstand und ihren künstlerischen Höhepunkt Ende des 18. Jahrhunderts erreichte, als sich die großen rhythmischen Strukturen und Gesangstile herausbildeten, die sie bis heute prägen. Als immaterielles Kulturerbe der Menschheit basiert er auf einem radikal schlichten Aufbau: Ein Sänger, der Sorikkun und ein Soribuk-Trommler, der Gosu.
Der Sorikkun ist zugleich Erzähler, Schauspieler und Musiker. Er wechselt zwischen Sprechen – Aniri - , Singen – Sori – und Körper-Ausdruck – Ballim - und verkörpert abwechselnd die Personen derselben Geschichte. Der Gosu hingegen gibt nicht nur das Tempo an: Durch seine Schläge und Ausrufe verstärkt er auch die Emotionen, gibt der Energie neuen Schwung und tritt in einen echten Dialog mit dem Sänger. Es ist diese lebendige, unvorhersehbare Interaktion, die diese lebendige, unvorhersehbare Interaktion, die das Pansori zu einer immer wieder neuen Form macht.

Von dem riesigen alten Repertoire sind uns leider nur fünf Werke überliefert: Chunhyang-ga, Simcheong-ga, Heungbu-ga, Jeokhyeok-ga und Sungung-ga. Diese anonym verfassten Erzählungen volkstümlichen Ursprungs werden vom Meister zum Schüler weitergegeben: Zwischen moralischer Erzählung, Fabel und Drama interpretieren sie gewöhnliche Menschen des Koreas der Epoche der Dynastie Joseon - Adlige, Bauern, Kurtisanen -, die mit Liebe, Ungerechtigkeit und dem Schicksal zu kämpfen haben. Denn obwohl die Tradition in ihren Rhythmen und Stilen sehr streng geregelt ist, bringt jedoch jede Generation ihre eigenen Varianten ein, und jede Interpretation bleibt einzigartig, genährt durch den Anteil an Improvisation, auf den sich Sänger und Gosu in ihrem Dialog einigen.
Im Mittelpunkt dieser Aufführung steht das berühmteste Werk des Pansori aus Korea, Chunhyang-ga. Diese Geschichte von Liebe und Treue über Klassengrenzen hinweg dauert in der Originalfassung etwa acht Stunden. Für diese Aufführung wurden nur die wichtigsten Szenen sorgfältig ausgewählt und zu einer prägnanten und dynamischen Fassung neu zusammengestellt.
Neben Auszügen aus Chunhyang-ga werden traditionelle koreanische Volkslieder vorgetragen, die die koreanische Sensibilität auf wunderschöne Weise zum Ausdruck bringen. Diese Lieder vermitteln zeitlose Emotionen und Lebensgeschichten. Die Harmonie zwischen Pansori und Volksliedern bietet ein bereicherndes musikalisches Erlebnis, das traditionelle Rhythmen und Melodie mit einer intensiven und bewegenden emotionalen Tiefe verbindet. Le Feu et les larmes möchte die Schönheit der traditionellen koreanischen Künste hervorheben und bewegende Geschichten vermitteln, die Kulturen und Grenzen überschreiten, sodass ein Publikum aus aller Welt diese universelle Geschichte nachempfinden und sich damit verbunden fühlen kann.

Das Konzert in der Opéra Comédie Montpellier am 30. Mai 2026:
Eine faszinierende Entdeckung…
Der Westen war mit den Theatertraditionen der Peking-Oper, des Kabuki und des Tuong vertraut – Ausdrucksformen chinesischer, japanischer und vietnamesischer Ästhetik. Es war daher an der Zeit, die koreanische Pansori Oper zu entdecken, die ebenfalls in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes im Jahre 2008 aufgenommen wurde. Pansori, eine ebenso kodifizierte wie raffinierte Aufführungs-Konvention, ist gewissermaßen eine erzählende Solo-Oper, die im 16. Jahrhundert in Korea entstand und am Ende des 18. Jahrhunderts ihren künstlerischen Höhepunkt erreichte. Ihr besonderes Merkmal liegt in der Einfachheit ihrer Zwei-Personen-Besetzung. Der Sänger ist vielseitig: Erzähler, Schauspieler und natürlich Sänger sowie Instrumentalist. Der Perkussionist ist aktiv am Geschehen beteiligt, indem er nicht nur seine traditionelle Trommel spielt, sondern auch durch Ausrufe interagiert. Die in Südkorea überlieferten Geschichten sind anonym und wurden mündlich überliefert. Sie erzählen Fabeln oder Dramen, die auf den Werten der dynastischen Joseon-Epoche basieren. In diesen Geschichten spielen Bauern, Kurtisanen und Adlige eine Rolle!

Die Opéra Comédie Montpellier bietet unter dem Titel Le Feu et les larmes einige traditionelle Lieder: Unter anderem das „Lied des Seidenraupenzüchter“ und das „Lied des Reisstampfer“, bevor es sich zu großen Auszügen dem Chunhyang-ga, öffnet.
Eine beeindruckende Interpretation mit einem Hybridstil…
Das Publikum lauscht sofort in die Welt traditioneller Lieder ein, untermalt von dem Sänger Ko Yeong-yeol. Der an der koreanischen Hanyang-Universität ausgebildete Künstler hat sich als einer der führenden Botschafter koreanischer Musik im Westen etabliert. Siehe Europa-Tournee mit dem Koreanischen National-Orchester im Jahr 2023! Auf der Bühne der Opéra Comédie Montpellier erscheint er in traditioneller Tracht, seine Silhouette hebt sich vor einer Dia-Projektion prächtiger antiker Drucke ab, die aus der Joseon-Dynastie stammen und der Sammlung des Koreanischen National-Museums gehören. Seine Darbietung, die sich durch eine intensive Poesie in ihren sehr ausdrucksstarken Versen auszeichnet, gewinnt mit dem sukzessiven Auftritt zweier Instrumentalisten an Intensität. Lee Gyu-jae, der die Rohrflöte und Metallflöte spielt, bereichert den musikalischen Dialog. Dem nun dem am Klavier sitzenden Sänger gegenübersteht, entwickelt er einen Stil, der ebenfalls auf Atemkontrolle und Klangnuancen basiert. Ihr Zusammenspiel vereint abrupte Wechsel von heftigen musikalischen Angriffen, gefolgt von Sehnsucht, mit Gleitphasen und Mikrointervalle, die auf der traditionellen pentatonischen Tonleiter mit 5 Tönen basieren. Der Flötist zeigt einen starken Jazz-Einfluss und ist eine Schlüsselfigur der zeitgenössischen südkoreanischen Musik. Man könnte diese jazzige und folkloristische Mischung mit ihren Improvisationen, die im westlichen Tonsystem verankert ist: Hinterfragen? Aber kritisieren wir heute bretonischen Rock, malischen Swing oder Balkan-Elektro? Allesamt haben sie sich in ihrer eigenen lebendige Traditionen einen Weg gesucht!
Um die epische und amouröse Saga des Chunhyang-ga-Zyklus zu interpretieren, sitzt das dritte Mitglied, Kim Jae-ha, hinter seiner fassförmigen Trommel. Mit einer Hand schlägt er auf das Fell, während er mit der anderen den Rahmen mit einem spitzen Stock formt. So unterstreicht er die einzelnen Episoden dieses Epos und moduliert seine Einsätze sorgfältig. Der Gesang vereint die Facetten koranischer Lyrik: Mal erzählerisch, mal sinnlich – „Die Scham ist verflogen“, mal klagend „Der Abschied“, mal episch „Der Inspektor auf dem Weg“ und im Finale sogar destruktiv. Ko Yeong-yeol beweist ein immenses Gedächtnis und lässt während der gesamten Zeit der Aufführung nichts von seiner emotionalen Intensität einbüßen. Dank des ständigen Dialogs zwischen den drei Musikern taucht das Publikum in diese zeitgenössische Neuinterpretation des Pansori ein, die ihren Wurzeln treu bleibt und doch gleichzeitig modernen Einflüssen offen gegenübersteht.
Auskunft und Kartenverkauf: www.opera-orcheste-montpellier;fr Tel.: +33/(0)4 67 60 19 99