Colmar, Église Saint Matthieu, FE STIVAL INTERNATIONAL DE COLMAR 2026, IOCO

Colmar, Église Saint Matthieu, FE STIVAL INTERNATIONAL DE COLMAR 2026, IOCO
Brahms Festival International de Colmar (c) FIC Bertrand Schmitt

 Werke von Johannes Brahms

 Colmar, Église Saint Matthieu, 12.07.2026

 

EINE HYMNE AN DIE LIEBE...

 

„Ich kann Ihnen gerne verraten,

dass ich ein winziges

Klavierkonzert mit einem

winzigen Hauch von Scherzo

geschrieben habe“.

 

(Brief von Brahms an

Elisabeth von Herzogenberg /

Auszug / 1881 / *).

Bamberg veredelt Brahms…

Die Bamberger Symphoniker gelten als eines der besten deutschen Orchester unserer Zeit und werden seit 2016 von dem großartigen technischen Dirigenten Jakub Hrůša (*1981) geleitet. Es ist ein Glücksfall, sie beim Festival International de Colmar mit einem Programm ganz im Zeichen von Johannes Brahms (1833-1897) hören zu können, mit  der 3. Symphonie in F-Dur, Op. 90 (1883) und mit dem Klavierkonzert N° 2 in B-Dur, Op. 83 (1881) im zweiten Teil, gespielt von dem 24-jährigen österreichischen Wunderkind Lukas Sternath1. Preis beim ARD-Wettbewerb 2022 und ECHO Rising Star der Saison 2024/25 im Wiener Musikverein, desgleichen in der Philharmonie de Luxembourg. Die souveräne und strahlende 3. Symphonie eröffnet diesen außergewöhnlichen Abend. Anschließend wird ein meisterhafte und geniales Werk, in dem Virtuosität zu einer intimen Vertrautheit wird:  Das 2. Klavierkonzert mit seiner fast schon symphonischen Weite wird den Abend krönen.

 

Lieben sie Brahms ?…

Diese Brahms-Symphonie hat Frank Sinatra (1915-1998), Jane Birkin (1946-2023), Carlos Santana (*1947) und viele andere inspiriert. Die 3. Symphonie von Brahms feierte 2023 ihr 140-jähriges Jubiläum. Die 1883 komponierte Partitur hat zahlreiche Popmusik inspiriert. Sicherlich kennen wir alle die Violinen-Melodie aus dem dritten Satz aus Chansons und Songs von Serge Gainsbourg (1928-1991)  – der für Birkin schrieb -, Yves Montand (1921-1991), Sinatra, Santana und in jüngerer Zeit Jay-Jay Johanson (* 1968).

 

Brahms Festival International de Colmar (c) FIC Bertrand Schmitt

Filmfans dürfte diese Musik bekannt sein! Sie ist in Anatole Lidvaks (1902-1974) Film Goodbye Again (1961) aus dem Jahre 1961 zu finden, der nach dem  Roman von Françoise Sagan (1935-2004) Aimez-vous Brahms? (1959) inspiriert ist. Wie hat diese Musik die Populärkultur geprägt? Eine kurze Zeitreise zurück in den Sommer 1883.

 

Eine Symphonie, die in Europa sofortigen Erfolg hatte…

Zu jener Zeit hatte der deutsche Komponist gerade seinen 50. Geburtstag gefeiert. Er war ein renommierter, produktiver und vielbeschäftigter Komponist, der gut verdiente und daher seine Sommer gern in Ruhe verbrachte, um in aller Stille und Abgeschiedenheit zu komponieren, jedoch nie fern von Freunden. So besuchte Brahms am 13. September 1883 die Pianistin und Komponistin Clara Schumann-Wieck (1819-1896) – die Witwe des frühverstorbenen Komponisten Robert Schumann (1810-1856) - in Frankfurt a. Main anlässlich ihres Geburtstags. An diesem Tag sprachen sie über die 3. Symphonie, die Brahms gerade komponiert hatte, wie Schumann-Wieck in ihrem Tagebuch festhielt. Diese Symphonie wurde im Herbst vollendet, und Brahms wollte sie umgehend in Wien uraufführen lassen, wo er seit etwa dreißig Jahren lebte. Die Uraufführung fand am 2. Dezember 1883 statt, der Erfolg war sofort da und das Werk wurde in ganz Deutschland, Europa darüber hinaus aufgeführt.

 

Brahms Festival International de Colmar (c) FIC Bertrand Schmitt

Brahms‘ Musik ist auch 2026 noch inspirierend…

Diese bereits zu ihrer Zeit gefeierte Partitur gelangte so umso leichter in die Nachwelt! Der wohl schon mythische Hollywood-Schauspieler und Sänger Sinatra war einer der Ersten, der Brahms‘ 3.Symphonie, genauer gesagt den dritten Satz, poco allegretto, interpretierte: 1950 mit Take My Love. Sinatra war Co-Autor dieses Songs, das er im November in New York aufnahm und auch im Fernsehen präsentierte.

Der Film Goodbye Again enthält das Chanson  Quand tu dors près de moi, gesungen von Montand. Es gibt auch eine englische Version gesungen von Anthony Perkins (1932-1992) mit dem Titel Say No More It’s Goodbye – der neben Montand ebenfalls im Film  mitspielte – sowie Versionen von Bob Azzam (1925-2004) und Dalila (1933-1987). Zwei Jahrzehnte später, im Jahr 1983, 100 nach der Entstehung des Werkes in Wien, sang Birkin: Baby Alone in Babylone. Dieses Lied wurde von Gainsbourg kurz nach der Trennung der beiden Künstler geschrieben.

 

Im Jahr 1999 finden wir die Melodie von Brahms im Rockregister mit Love of my life von Santana mit Dave Matthews (*1967) und Carter Beauford (*1958), ein Titel, der aus Santanas 18. Album, dem mythischen Supernatural (1999) entnommen  ist. Dieser dritte Satz aus 3. Symphonie inspiriert noch heute, insbesondere den schwedischen Künstler Johanson für seine Single Finally, mit der er sein Album Fetish 2023 ankündigte.

 

Brahms Festival International de Colmar (c) FIC Bertrand Schmitt

Ein Episches Meisterwerk voller Leidenschaft und Kraft…

Am 7. Juli 1881 schrieb Brahms in einem Brief (*) an seine Freundin und ehemaligen Schülerin Elisabeth von Herzogenberg (1847-1892) in einem sehr scherzhaften Ton, das er gerade sein Klavierkonzert N° 2 vollendet habe. In einem anderen, etwa zur gleichen Zeit verfassten Brief sprach er beiläufig von „ein paar kleinen Klavierstücken“. Tatsächlich hatte Brahms innerhalb von drei Jahren ein tiefgründiges und monumentales Werk komponiert, das die Konzertform von den üblichen drei auf vier Sätze erweiterte. Zweiundzwanzig Jahre nach dem wenig erfolgreichen 1. Klavierkonzert in d-Moll, Op. 15 (1859) wurde das neue Werk von dem einflussreichen Wiener Kritiker Eduard Hanslinck (1825-1904) als „Symphonie mit Klavier obligat“ bescheinigt. Doch trotz all seiner dramatischen Wucht ist es eine intime und herbstliche Musik! Der britische Pianist Stephen Hough (*1961) sagte, sie sei „wie ein gewaltiges Kammermusikwerk, in dem die musikalischen Ideen eher einen Austausch als eine Konfrontation darstellen“.

 

Dieses Gefühl eines freien, dialogischen musikalischen „Austauschts“ wird bereits in den ersten Takten des Konzerts deutlich. Ein heiterer Horn-Rufs erhebt sich aus der Stille und wird von einem nostalgischen Klavierklang beantwortet. Das Thema wird von den allmählich erwachenden Bläsern und Streichern weitergeführt. Das Klavier erwacht zum Leben und unterbricht  die Stille mit einer plötzlichen, feurigen Kadenz, die zur Exposition des Orchesters führt. Wir begeben uns auf einen der umfangsreichsten  von Brahms! Diese Musik, akribisch ausgearbeitet von einem Komponisten, der ihre Komposition als „langen Schrecken“ bezeichnete, entfaltet sich mit höchster Freiheit und Unausweichlichkeit. Die letzten Momente der Durchführung sind von gedämpfter Anspannung durchdrungen. Die Reprise bringt die endgültige Ruhe mit der beruhigenden Wiederkehr des Horn-Rufs. Die Coda schließt mit jubelnden Trillern von Klavier  und Bläsern, gefolgt von einem gewaltigen Schlussakkord.

 

Brahms‘ „kaum wahrnehmbares Scherzo“ ist wild und ungestüm! In der tragischen Tonart d-Moll gehalten, bricht es mit wilder Leidenschaft aus. Lange, unvorhersehbare, unregelmäßige Phrasen erzeugen wachsende Spannung und Pathos. Der Trio-Abschnitt führt abrupt in ein  sonniges D-Dur, untermalt vom Klang jubelnder Jagdhörner. Für einen Moment fühlt man sich wie in mitten von Georg Friedrich Händels (1685-1759) Water Music, Orchestersuiten 1, 2 und 3, HWV. 348, 349 und 350 (1715/1736). Der Beginn des Scherzos ist ein stürmischer Dialog zwischen Soloklavier und Orchester. Wenn diese Musik nach dem Trio wiederkehrt, kehren sich die Rollen um: Das Orchester initiiert den Dialog.

 

Brahms Festival International de Colmar (c) FIC Bertrand Schmitt

Der dritte Satz entführt in eine verträumte, herbstliche Welt. Er beginnt mit der zarten, nostalgischen Stimme des Solocellos, zu der sich später Fagott und Oboe gesellen. Die schmerzlich schöne Melodie des Cellos bildete später den motivischen Kern für Brahms‘ Lied Immer leiser wird mein Schlummer, Op. 105, N° 2 (1889). Dieses Hauptthema erklingt im Klaviersolo nie explizit. Stattdessen bringt der Einsatz des Klaviers geheimnisvolle Schatten, die den Weg zu einem turbulenten Drama ebnen. Im sehr langsamen 6/4-Takt drängen und ziehen sich Brahms‘ vielseitige charakteristische Kreuz-Rhythmen unvorhersehbar. Einen Moment lang schwebt die Musik in einem verschwommenen, fernen, friedvollen Meer. Ihre Stille wirkt beinahe Hypnotisch! Dann, mit der Rückkehr des Solocellos, werden wir in die Realität zurückgeholt. Nach abenteuerlichen harmonischen Wanderungen kehrt der Schlussakkord mit einem Gefühl stiller Transzendenz in die „Heimat“-Tonart B-Dur zurück.

 

Der Schluss-Satz ist ein unbeschwertes, jubelndes Rondo, das die Ernsthaftigkeit der vorangegangenen Sätze beiseite lässt. Trompeten und Pauken, die nur in den ersten beiden Sätzen des Konzerts zu hören waren, fehlen hier auffallend. Anstelle von Heldenmut herrscht Verspieltheit und die überschäumende Lebensfreude von Brahms‘: Ungarischen Tänze, N° 1 -21, Op. WoO (1858/69) erwacht.

 

Brahms widmete sein 2. Klavierkonzert an seinen Lehrer Eduard Marxsen (1806-1887), bei dem er ab dem siebten Lebensjahr studierte. Marxsen, der Ludwig van Beethoven (1770-1827) und Franz Schubert (1797-1828) persönlich kannte, prägte den jungen Brahms tiefgreifend. Das Konzert wurde am 9.November 1881 uraufgeführt, Brahms trat als Solist mit dem Budapester Philharmonischen Orchester auf.

 

Brahms Festival International de Colmar (c) FIC Bertrand Schmitt

Die Aufführung in der Église Saint Matthieu in Colmar am 12. Juli 2026:

 

Wenn die Symphonie das Konzert umarmt…

Der französische Dirigent und künstlerische Leiter Alain Altinoglu (*1975) lud die Bamberger Symphoniker unter Leitung ihres Chefdirigenten Jakub Hrůša zum Festival International de Colmar ein: Eine hervorragende Initiative – wir haben sie dieses Jahr nicht in Paris gehört und sie werden die nächste Saison auch nicht dort auftreten -, musikalisch gerade wundersam.

 

Der Komponist Brahms stand auf dem Programm: 3.Symphonie, gefolgt vom 2.Klavierkonzert mit Sternath als Solisten. Es wäre eine Untertreibung zu sagen, dass Hrůša in dieser berüchtigten, rätselhaften Symphonie brillierte. Seine Interpretation bestach durch die geschmeidige Plastizität seines Klangs – warm, dunkel, tiefgründig und zutiefst Brahms; durch seine  meisterhafte Kontrolle der Spannung, die Linien und Strukturen offenbarte, ohne den Satz je künstlich zu forcieren – die Brillanz, die beispielsweise am Ende des einleitenden Allegro con brio aufsteigt, entspringt der inneren Anhäufung; durch die Subtilität und Kohärenz seiner durchweg organischen Phrasierung, getragen vom Zusammenspiel der Abschnitte, ein Zusammenspiel, das durch seine Gesten gefördert wird. Seine gesamte Interpretation war von diesem vollen und harmonischen Atem geleitet, einheitlich und doch niemals gleichförmig – ganz im Gegenteil. Zwei Dinge unterstreichen die überragende Meisterschaft des tschechischen Dirigenten in der feinen Akustik der imposanten Église Saint Matthieu: Erstens lässt die Ausgewogenheit und absolute Klarheit die Holz- und Blechbläserinstrumente völlig außer Acht; zweitens ist seine Präzision so groß, dass man selbst Details wiederentdeckt, die man sonst leicht übersieht – wie den langgezogenen Horn-Ton vor der Wiederkehr seines berühmten Themas im Poco allegretto oder den dezenten Paukenwirbel ganz am Ende des Allegro. Die gesamte Aufführung verdeutlicht das harmonische Zusammenspiel zwischen Hrůša und seinen Musikern – eine Tugend aus über zehn Jahren Erfahrung, die auch auf einer CD-Einspielung  eindrucksvoll unter Beweis gestellt wird, während er sich auf seine Ernennung zum Musikdirektor des  Royal Opera House Covent Garden in London im Jahr 2028 sowie auf seine Position als Chefdirigent und designierter Musikdirektor derTschechischen Philharmonie vorbereitet.

 

Außergewöhnliche Klangfülle:

Die Aufführung des 2.Klavierkonzerts rückt einen neuen Star ins Zentrum – der Dirigent trägt subtil dazu bei: Den jungen Pianisten Sternath, der bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde und in seiner Heimatstadt Wien bereits große Anerkennung findet. Der Wiener Musikverein hat ihm daher in diesem Jahr einen Lukas-Sternath-Zyklus gewidmet - Rezitals, Kammermusik, Lieder – eine Premiere in der Geschichte des Hauses. Was sofort auffällt, ist sein Selbstvertrauen; der junge Künstler beherrscht sein Sujet ohne Zögern, ja sogar mit einem Hauch edler Strenge im allegro appassionato. Es stimmt, dass Hrůša und seine Musiker haben sich ganz in seinen Dienst gestellt und ihm so die nötige Freiheit ermöglicht.

 

Brahms Festival International de Colmar (c) FIC Bertrand Schmitt

Mit seinem geschmeidigen und ausdrucksstarken Solocello entfaltet das andante die Flügel der Poesie – besonders in jenem fast bewegungslosen Moment der grandiosen Erhabenheit von Brahms, der der Wiederkehr des Cellos voraussagt. Sternath und das Orchester atmen wie ein einziger Organismus, bevor sie ein heiteres allegro giocoso mit bemerkenswert fließender Phrasierung darbieten, als führe diese große Reise vom Dunkel in das Licht. Die Zugabe von Brahms‘ Intermezzo für Klavier, Op. 117 (1892) durch hat ihre klangliche Gestaltung eine subtile Ausdruckskraft, doch bleibt alles von einer Hand beherrscht, die niemals zittert. Hrůša lehnte sich in der Église Saint Matthieu an eine Säule, um zuzuhören, man hätte schwören können, er habe am Ende eine Träne vergossen.

 

Sternath hat gerade Schubert und Franz Liszt (1811-1886) in Évian gespielt: Im März 2027 wird er im Théâtre des Champs-Elysées in Paris mit Liszts: Zweite Pilgerjahr: Italien, S 161 (1858) auftreten. Dies bietet die Gelegenheit, diesen bereits bedeutenden Künstler besser kennenzulernen. Hrůša dirigiert am Donnerstag, den 16. Juli, das Orchestre Philharmonique de Radio France beim Festival de Radio France Occitanie 2026 in Montpellier. Es ist seine Rückkehr, von der wir hoffen, dass sie zu vielen weiteren erfolgsreichen Engagements führen wird: Auch in Paris selbst…

 

Auskünfte und Karten: www.festival-colmar.com  Tel.: +33(0)3 89 20 68 07

 

 

 

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