Hamburger Kammeroper, Idomeneo - W.A. Mozart, IOCO

Hamburger Kammeroper, Idomeneo - W.A. Mozart, IOCO
Das Ensemble ©Wolfgang Radtke
  1. Juni 2026

Gerade 25 Jahre alt war Wolfgang Amadeus Mozart (27. Januar 1756 – 5. Dezember 1791), als er „Idomeneo, Re di Creta“ komponierte. Diese im Januar 1781 im Münchner Residenztheater uraufgeführte Oper zählt zwar nicht zu seinen weltweit populärsten Meisterwerken, doch sie stellt erkennbar den Beginn seiner künstlerischen Reife dar.

In diesem „Drama per Musica“ behandeln Mozart und sein Librettist Giambattista Varesco das Verhältnis von Menschen und Göttern, und sie verarbeiten hier eine antike Erzählung, nämlich die des kretischen Prinzen Idamentes, der zwischen zwei Frauen steht, Ilia und Elettra. Sein Vater Idomeneo kehrt zurück aus dem Trojanischen Krieg, und gerät mit seiner Flotte in einen heftigen vom Meeresgott Neptun entfachten Sturm. Idomeneo verspricht Neptun den ersten Menschen der ihm an Land begegnet zu opfern, wenn er das rettende kretische Ufer erreicht. Dieser erste Mensch ist sein Sohn Idamantes, für den er die mykenische Prinzessin als Braut ausersehen hat. Doch Idamantes hat sich in die Trojanerin Ilia verliebt. Die Geschichte nimmt jedoch ein glückliches Ende, denn Neptun verzichtet auf das Opfer, Idomeneo dankt ab und Idamantes und Ilia werden das neue kretische Königspaar.

Allzu häufig ist „Idomeneo“ auf den Spielplänen internationaler Opernhäuser nicht zu finden – an der Hamburgischen Staatsoper gab es zuletzt 1990 eine Neuproduktion – umso dankenswerter ist es, daß nun die Hamburger Kammeroper sich dieses Werkes in konzertanter Form mit dem Orchester Rungholt Ensemble unter der Leitung von Ettore Prandi zum Ende der Spielzeit angenommen hat. Ein Moderator, Dr. Lutz Hoffmann, gab einige kurze Erläuterungen zu dem komplexen Handlungsablauf.

Berus Komarschela/Idomeneo ©Wolfgang Radtke

Das junge Ensemble der Kammeroper sorgte für ein hochkarätiges Format der Aufführung. In der Titelpartie gefiel Berus Komarschela mit seinem schlanken beweglichen, apart timbrierten Tenor und gutem Stilempfinden. Seine Arien sang er fein nuanciert und ohne zu forcieren, die Spitzentöne kamen wie selbstverständlich, auch die Koloraturen wie in „Fuor del mar“ gelangen.

Iva Krusic, gekleidet in weißer Hosenkombination,erwies sich als ein idealer Idamantes mit nicht allzu dunklem lyrischen Mezzosopran und sorgfältiger Stimmgebung, brillierte sogleich in ihrer ersten Arie „Non ho colpa“, in der sie freudig die baldige Rückkehr des Vaters besingt, später dann mit elegischem Gesang in „Il Padre adorato“.

Lilia-Fruz Bulhakova/Ilia und Iva Krusic/Idamantes ©Wolfgang Radtke

Lilia-Fruz Bulhakova in der Partie der trojanischen Prinzessin Ilia führt ihren warm timbrierten lyrischen Sopran mit natürlicher Leichtigkeit und verleiht gleich ihrer ersten Arie „Padre, germani, addio“, in der sie sich nach der Heimat sehnt, einen melancholischen Ausdruck. Und während des Duetts von Ilia und Idamentes im dritten Akt, „S'io non moro a questi accenti“, sorgten beide Sängerinnen, deren Stimmen wunderbar miteinander harmonierten, für ein musikalisches Highlight.

Anete Grava/Elettra ©Wolfgang Radtke

Anete Grava in eleganter roter Robe gelang das Kunststück, mit ihrem leuchtkräftigen lyrisch-jugendlichen Sopran, gut beherrschter Gesangskunst und fein abgestuftem Ausdruck die verzweifelt um ihr Glück kämpfende Elettra nicht allzu furienhaft erscheinen zu lassen. In ihren Arien „Tutte nel cor si vente“ im ersten Akt und „Idol mio“ wußte sie ihre Stimme gekonnt einzusetzen, ebenso in „D'Oreste, d'ajace“, die in ihrer Interpretation nicht so dramatisch keifig und daher recht reizvoll klang, und sie auch dank klarer Diktion überzeugte.

Gennadii Merezhko/Arbace und Davide Damiani/Neptun ©Wolfgang Radtke

Neu im Ensemble der Kammeroper ist der lyrische Tenor Gennadii Merezhko, der die beiden kleineren Partien des Arbace und des Oberpriesters sang und dessen Stimme während seiner Arie „Se il tuo duol“ aufhorchen ließ. Auf seinen Belmonte in der nächsten Spielzeit dürfen wir gespannt sein.

Der Bass Davide Damiani als Neptun rundete die positiven Eindrücke des Abends ab. Er und die anderen Protagonisten hatten die vielen ausgefeilten, nicht gestrichenen Chorstellen mit übernommen.

©Wolfgang Radtke

Ettore Prandi leitete das sehr gut disponierte Rungholt Ensemble und unterstützte die sechs Solisten in hervorragender Weise. Das Orchester zeigte auf, wie gut es in der Lage ist, einen differenzierten und zart leuchtenden Mozart-Klang zu erzeugen, vor allem die Streicher, die die sehr getragenen Tempi in selten gehörte Nuancierungen umzusetzen verstanden.

Der lang anhaltende Beifall des Premierenpublikums am Ende der Aufführung mit vielen Bravos für alle Mitwirkenden war Beweis genug dafür, daß die Kammeroper mit der Wahl von Mozarts früher Oper „Idomeneo“ als konzertante Aufführungen zum Ende der Spielzeit wieder einmal ins Schwarze getroffen hat.

Ettore Prandi und das Rungholt Ensemble ©Wolfgang Radtke

Auf der Pressekonferenz des Allee-Theaters am 12. Mai wurden die Planungen für die kommende Spielzeit 2026-27 vorgestellt, die gleichzeitig die 30. Spielzeit der Kammeroper sein wird. Und so können wir uns auf Neuinszenierungen von der „Entführung aus dem Serail“, „Don Pasquale“, „Der Vogelhändler“, „Don Giovanni“ und „Die Schöne und das Biest“ freuen.

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