Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Diskussionsrunde "NACHGEFRAGT" über DIE MEISTERSINGER, IOCO
Fragen aller Art und die Künstler ganz aus der Nähe
Am 01.11.2026 im Foyer der Rheinoper direkt im Anschluss an die Aufführung
Die Deutsche Oper am Rhein hat ein gutes Format namens "NACHGEFRAGT ". Es ist eine der raren Möglichkeiten, wie Künstler und Publikum direkt nach der Aufführung ins Gespräch kommen können. Das Publikum soll ausdrücklich Fragen stellen dürfen.
Und das geschieht heute auch nach der 2. Aufführung der Meistersinger. Dramaturgin Juliane Schunke leitet die Diskussion, das Publikum muss nur wenige Schritte aus dem Zuschauer-Saal in das Foyer machen. Und 2 der großen Stars haben sich offensichtlich sehr beeilt, sich abzuschminken und umzuziehen: Martin Gantner (Hans Sachs) und Anke Krabbe (Eva) nehmen auf dem Podium Platz - eben noch haben Sie den begeisterten Schlussapplaus auf der Bühne entgegengenommen. Wie haben Sie das so schnell geschafft?

Die Gesprächsrunde ist mit knapp einer Stunde geplant, heute besteht sie aus 2 Blöcken:
- Fragen zur Regie, zum Verständnis des Stücks.
- Persönliche Fragen an die Künstler.
Die Fragen kreisen natürlich stark um den 3. Akt (die Festwiese), der mit dem militärischen Gesellschaftsentwurf des Jahres 2035 für viele im Publikum fordernd war. Sogar ein Hans Sachs in Generalsuniform wurde gezeigt.
- Es wurde gefragt, vor was genau der Regisseur Daniel Kramer warnen will? Fast alle hatten die Festwiese 2035 als Warnung verstanden. Wie konnte es zu einer solchen Gesellschaft bis 2035 kommen? Juliane Schunke erläutert, dass Daniel Kramer keine feste Lösung vorgeben wollte, sondern die selbständige Diskussion am heutigen Wendepunkt der Gesellschaft anregen will. Das Ziel hat er ganz offensichtlich erreicht, wie aus den einzelnen Diskussionsbeiträgen hervorgeht.
- Wurde zu viel KI auf der Bühne eingesetzt? Wurde es dadurch vielleicht zu beliebig? Oder soll genau davor gewarnt werden?
- Warum muss Hans Sachs am Ende der Oper sterben?
- Ist das noch eine Komödie, wenn es so inszeniert wird?
Es bestand Einvernehmen in der Runde, dass die Inszenierung einer "alten, traditionellen Oper" gleichwohl brisant-aktuell und hochpolitisch sein kann.

Es waren aber auch ganz persönlichen Fragen an die Künstler zugelassen und sie wurden gern beantwortet:
- Martin Gantner hatte sich vor der Premiere ansagen lassen - er sei nicht ganz sicher gewesen, ob er durch die riesige Partie durchkommt. Heute konnte gefragt werden, wie er sich gefühlt hat bei "diesem Durchkommen", was Gott sei Dank gut gelang.
- Anke Krabbe konnte gefragt werden, wie schwierig es war, sich auf der enorm gefüllten Bühnen noch zurechtzufinden, ohne sich gegenseitig auf die Füße zu treten.
- Martin Gantner wurde tatsächlich auch gefragt, welche Auswirkungen die hochpolitische Inszenierung auf sein eigenes Denken vielleicht hat.

Gern berichteten die Künstler auch im Verlauf der Runde, was man sonst nie erfährt:
- Z.B. dass die heutige Aufführung für sie schwierig war: Sowohl Dirigent als auch der Beckmesser waren anders besetzt als in der Premiere. Heute dirigierte Axel Kober, die Premiere hatte noch Christoph Gedschold geleitet.
- Verschiedene schnelle Bühnen-Abläufe waren stark geprobt worden, damit sie funktionieren. Heute wurde aber zeitweise schneller dirigiert (Axel Kober), so dass einige Abläufe nicht mehr passten - gemerkt hat es wohl niemand außer den Sängern selbst.
- Martin Gantner teilte mit, wie sich seine Sicht auf die Rolle des Hans Sachs im Lauf der Jahre geändert hat. Man kann sich kaum vorstellen, dass er auch schon den Beckmesser gesungen hat.

Wer ist hier bei dem Format "NACHGEFRAGT " gut aufgehoben? Ganz klar - alle Kunstfreunde, die noch ein wenig gemeinsam über eine Inszenierung nachdenken wollen - und es wurde heute wirklich gemeinsam gedacht. Und auch alle, welche die einzigartige Gelegenheit schätzen, selbst persönliche Fragen an die Künstler zu stellen.
Die Teilnahme an diese Runde nach der Aufführung ist erfreulicherweise kostenlos. Man kann sogar nur zu diesem Format kommen ohne die Oper an diesem Abend noch mal gesehen zu haben. Der Autor hat es selbst ausprobiert. Wer ein wenig zu früh kommt, darf das Ende des letztes Akts noch mal im Fernsehraum mitverfolgen.
Weitere Termine des Formats NACHGEFRAGT finden sie hier.