Manon
„Manon“ ist ein Handlungsballett in drei Akten von Kenneth MacMillan, uraufgeführt am 7. März 1974 durch das Royal Ballet in London. Die Musik stammt von Jules Massenet, jedoch nicht aus seiner Oper „Manon“: Leighton Lucas montierte sie aus zahlreichen anderen Massenet-Werken. Vorlage ist Abbé Prévosts Roman über Manon Lescaut und den Chevalier des Grieux.
Fakten zu „Manon“
| Komponist | Jules Massenet, arrangiert und orchestriert von Leighton Lucas unter Mitarbeit von Hilda Gaunt – zusammengestellt aus diversen Werken Massenets, ausdrücklich NICHT aus dessen Oper „Manon“. |
|---|---|
| Choreografie (UA) | Kenneth MacMillan, mit Antoinette Sibley (Manon) und Anthony Dowell (des Grieux) in den Titelrollen. |
| Libretto / Vorlage | Abbé Prévost, „Histoire du chevalier des Grieux et de Manon Lescaut“ (1731). |
| Uraufführung | 7. März 1974, Royal Opera House Covent Garden, London (The Royal Ballet) |
| Aufbau | 3 Akte |
| Spieldauer | ca. 2 Std. 45 Min. bis 3 Std. 10 Min. (inkl. zwei Pausen) |
| Gattung | Ballett |
| Bedeutung | Eines der bedeutendsten abendfüllenden Handlungsballette des 20. Jahrhunderts und Schlüsselwerk von MacMillans psychologischem Tanztheater. |
Handlung
1. Akt
Vor einer Gasthof-Herberge nahe Paris herrscht buntes Treiben. Der Student Chevalier des Grieux wartet hier, als die junge Manon mit ihrem Bruder Lescaut eintrifft. Manon soll auf Geheiß der Familie in ein Kloster gebracht werden, doch der wohlhabende Lebemann Monsieur GM hat bereits ein Auge auf sie geworfen und verhandelt mit Lescaut über sie. Des Grieux und Manon verlieben sich auf den ersten Blick; sie fliehen gemeinsam nach Paris. In des Grieux’ bescheidener Pariser Wohnung folgt das berühmte Schlafzimmer-Pas-de-deux, in dem die junge Liebe zärtlich und überschwänglich gefeiert wird. Während des Grieux einen Brief an seinen Vater schreibt, erscheinen Lescaut und Monsieur GM. Lescaut, an Manons Schönheit verdienend, überredet die Schwester, den jungen Studenten zugunsten des reichen GM zu verlassen. Manon, hin- und hergerissen zwischen aufrichtiger Liebe und der Verlockung von Wohlstand und Luxus, lässt sich überzeugen. Der Konflikt zwischen Gefühl und Geld, der das gesamte Ballett trägt, ist damit gestellt.
2. Akt
Im prunkvollen Salon einer Pariser Halbwelt-Gesellschaft glänzt Manon nun als Mätresse des Monsieur GM, mit Juwelen und kostbaren Kleidern überhäuft. Auch ihr Bruder Lescaut ist anwesend, längst dem Alkohol verfallen, mit seiner Geliebten an seiner Seite. Des Grieux erscheint, noch immer in Manon verliebt; in einem Pas-de-deux gesteht sie ihm, dass sie ihn trotz allem liebt. Auf Lescauts Rat versucht des Grieux, beim Kartenspiel mit GM zu betrügen, um Geld zu gewinnen. Der Betrug fliegt auf, ein Skandal bricht aus, und das Paar muss erneut fliehen. In der folgenden Szene überrascht Monsieur GM die beiden in Manons Gemach. Aus Rache lässt er Lescaut erschießen und Manon als Diebin und Prostituierte verhaften. Das einst luxuriöse Leben zerbricht; Manon wird zur Deportation nach Louisiana verurteilt. Der Akt zeigt schonungslos, wie Begehren, Gier und Abhängigkeit die Figuren in den Ruin treiben.
3. Akt
Im Hafen von New Orleans treffen die deportierten Frauen ein, unter ihnen Manon, gezeichnet und entkräftet. Des Grieux ist ihr in die Verbannung gefolgt. Der brutale Gefängniswärter (Gaoler) begehrt Manon und versucht, sie mit Gewalt für sich zu gewinnen; des Grieux ersticht ihn, und die beiden fliehen erneut, diesmal in die Sümpfe Louisianas. Dort, erschöpft und ohne Hoffnung, tanzen Manon und des Grieux das große Sumpf-Pas-de-deux – ein verzweifeltes, körperlich extremes Liebesduett, in dem sich Erinnerung an glücklichere Tage und nahender Tod überlagern. Manon, von Fieber und Entkräftung gezeichnet, bricht in den Armen des Grieux’ zusammen und stirbt. Allein bleibt der Chevalier mit der toten Geliebten zurück. MacMillan verzichtet auf jede Erlösung oder Verklärung: Das Ballett endet als kompromisslose Tragödie zweier Menschen, die an ihren Wünschen und an einer käuflichen Welt zugrunde gehen.
Hauptrollen
| Rolle | Typ | Bedeutung |
|---|---|---|
| Manon Lescaut | Ballerina (Titelrolle) | Junge Frau, zerrissen zwischen Liebe und dem Verlangen nach Luxus; eine der anspruchsvollsten dramatischen Frauenrollen des Repertoires. |
| Chevalier des Grieux | Erster Solist (männliche Hauptrolle) | Mittelloser Student, der Manon kompromisslos liebt und ihr bis in den Tod folgt. |
| Lescaut | Charakter-/Solorolle | Manons skrupelloser, dem Alkohol verfallener Bruder, der sie an den meistbietenden Mann verkuppelt. |
| Monsieur GM | Charakterrolle | Reicher, älterer Lebemann, der Manon als Mätresse erwirbt und an ihr Rache nimmt. |
| Lescauts Geliebte | Solorolle | Mätresse Lescauts; ihr Duett mit dem betrunkenen Lescaut zählt zu den bekannten Soloszenen. |
| Gefängniswärter (Gaoler) | Charakterrolle | Brutaler Aufseher in Louisiana, der Manon bedrängt und von des Grieux getötet wird. |
Berühmte Tänze & Höhepunkte
| Tanz / Nummer | Besetzung | Szene |
|---|---|---|
| „Schlafzimmer-Pas-de-deux“ | Manon und des Grieux | 1. Akt – überschwänglich-zärtliches Liebesduett der jungen Liebenden in der Pariser Wohnung. |
| „Sumpf-Pas-de-deux“ | Manon und des Grieux | 3. Akt – verzweifeltes, körperlich extremes Schlussduett in den Sümpfen Louisianas, an dessen Ende Manon stirbt. |
Themen & Kontext
Worum es wirklich geht
Im Kern erzählt „Manon“ vom unauflösbaren Konflikt zwischen Begehren und Geld. Manon liebt den mittellosen des Grieux aufrichtig, kann der Verlockung von Luxus, Juwelen und sozialem Aufstieg aber nicht widerstehen. Ihr Bruder Lescaut und der reiche Monsieur GM behandeln sie als Ware; Liebe und käufliche Sexualität sind untrennbar verschränkt. MacMillan zeigt keine Heldin und keinen Schurken, sondern Menschen, die von ökonomischen Zwängen und eigenen Wünschen getrieben werden. Das Ballett ist eine schonungslose Studie über Abhängigkeit, Selbstzerstörung und eine Gesellschaft, in der Gefühle einen Preis haben.
Geschichte & Choreografie
„Manon“ entstand 1974 als MacMillans zweites abendfüllendes Handlungsballett für das Royal Ballet. Statt Massenets gleichnamiger Oper zu verwenden, ließ er von Leighton Lucas (mit Hilda Gaunt) eine Partitur aus zahlreichen anderen Werken Massenets montieren – aus Opern, Oratorien, Orchesterstücken und Liedern. Dramaturgisch verteilt MacMillan die Handlung auf große Ensembleszenen und drei zentrale Pas-de-deux, in denen er die Beziehung zwischen Manon und des Grieux entwickelt. Die Choreografie ist technisch hochvirtuos, mit schwindelerregenden Hebungen, und psychologisch dicht: Jede Geste dient der Figurenzeichnung, nicht dem reinen Schauwert.
Warum Experten es wichtig finden
Fachleute zählen „Manon“ zu den Höhepunkten des erzählenden Tanztheaters im 20. Jahrhundert. MacMillan verbindet hier die klassische Ballett-Tradition mit psychologischem Realismus und unbequemen Themen – Prostitution, Gewalt, Tod ohne Verklärung. Die Titelrolle gilt als Prüfstein für große Ballerinen, der Sumpf-Pas-de-deux als eines der anspruchsvollsten Duette des Repertoires. Das Werk hat sich weltweit etabliert und wird von führenden Compagnien gepflegt. Dass die Musik nicht aus Massenets Oper, sondern aus einer kunstvollen Montage seiner übrigen Werke besteht, gilt zudem als eigenständige dramaturgische Leistung.
Aufführungsnoten
Choreografische Fassungen & Traditionen
Originalchoreografie und Inszenierung von Kenneth MacMillan (1974); Bühne und Kostüme der Erstfassung von Nicholas Georgiadis. Heute meist in revidierten Ausstattungen, betreut von der MacMillan-Stiftung.
Bekannte Companies & Aufnahmen
Maßstäbe setzte die Royal-Ballet-Aufnahme mit Antoinette Sibley und Anthony Dowell. Verbreitet sind zudem DVD-/Blu-ray-Mitschnitte des Royal Ballet (u. a. mit Tamara Rojo bzw. späteren Besetzungen) unter Dirigaten wie Richard Bonynge; die Orchestrierung wurde 2011 von Martin Yates revidiert.
Was zwischen Fassungen variiert
Szenenzahl und Ausstattung variieren je nach Compagnie; gelegentlich werden Tempi und einzelne Übergänge angepasst, die dreiaktige Struktur und die drei zentralen Pas-de-deux bleiben jedoch konstant.
„Manon“ bei IOCO
Häufige Fragen
Wer komponierte die Musik zu „Manon“?
Die Musik stammt von Jules Massenet (arr. Leighton Lucas). Uraufführung: 7. März 1974, Royal Opera House Covent Garden, London (The Royal Ballet).
Wer schuf die Choreografie von „Manon“?
Kenneth MacMillan.
Wovon handelt „Manon“?
„Manon“ ist ein Handlungsballett in drei Akten von Kenneth MacMillan, uraufgeführt am 7. März 1974 durch das Royal Ballet in London. Die Musik stammt von Jules Massenet, jedoch nicht aus seiner Oper „Manon“: Leighton Lucas montierte sie aus zahlreichen anderen Massenet-Werken. Vorlage ist Abbé Prévosts Roman über Manon Lescaut und den Chevalier des Grieux.
Welche berühmten Tänze gibt es in „Manon“?
Zu den Höhepunkten zählen „Schlafzimmer-Pas-de-deux“, „Sumpf-Pas-de-deux“.
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