Köln, Oper Köln, 2022 – Hein Mulders folgt Birgit Meyer, IOCO Aktuell, 18.04.2021

Die Oper Köln am Offenbachplatz wird seit vielen Jahren saniert © IOCO

Die Oper Köln am Offenbachplatz wird seit vielen Jahren saniert © IOCO

Oper Köln

Hein Mulders – Ab 2022  Intendant der Oper Köln

Uwe Eric Laufenberg, Birgit Meyer, Hein Mulders

von Viktor Jarosch

Ehemals-Intendant Uwe Eric Laufenberg der Oper Köln hatte sich 2012 dramatisch getäuscht: Im August 2012 wurde er erstes Sanierungs-Opfer der Oper Köln und fristlos entlassen. Die Eröffnung der sanierten Oper Köln findet nicht wie geplant in 2015 statt, sondern – mit neun Jahren Verspätung – 2024, So im Dezember 2020 von der Stadt Köln kommuniziert (link HIER!). In diesem Sanierungs-Chaos explodierten die Kosten von €253 M auf €615 Millionen. Doch selbst diese dramatische offizielle Kalkulation unvollständig: Die durch die jahrelange Schließung der Oper entgangenen Einnahmen sind nicht berücksichtigt, ebensowenig wie  hohe Zusatzkosten durch Nutzung von Ersatzspielstätten. Die Gesamtkosten der Sanierung der Oper Köln liegen – laut IOCO-Rechnung – bei etwa €1 Milliarde. Intendantin Birgit Meyer kämpft so seit 2012 an den vielen Fronten der Oper Köln.

Im April 2021 teilt der „Rat der Stadt Köln“ mit, dass zum 1.9.2022 Intendantin Dr. Birgit Meyer durch den zur Zeit am Aalto-Theater, Essen tätigen Hein Mulders abgelöst wird. Die folgende Pressemitteilung der Stadt Köln besitzt im Hinblick auf das Missmanagement der vergangen Jahre ein saures Geschmäckle. Lesen Sie selbst:

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Stadt Köln – Hein Mulders folgt Birgit Meyer

Hein Mulders / kommender Intendant der Oper Köln © Sven Lorenz

Hein Mulders / kommender Intendant der Oper Köln © Sven Lorenz

Hein Mulders wird Intendant der Oper Köln. Das hat am 12. April 2021, der Hauptausschuss des Rates der Stadt Köln auf Vorschlag von Oberbürgermeisterin Henriette Reker einstimmig entschieden.

Hein Mulders wird die Opernsparte der Bühnen Köln damit nach erfolgter Sanierung des Riphahn-Baus zur Spielzeit 2024/25 zurück an den Offenbachplatz führen. Er beginnt seine Intendanz in Köln am 1. September 2022 und wird damit auch das Interim der Oper im Staatenhaus nahtlos fortsetzen.

Die Suche nach einer/einem neuen Intendant*in für die Oper Köln unterstützte maßgeblich eine von Oberbürgermeisterin Henriette Reker geleitete Findungskommission. Dem Gremium gehörten als externe Experten Pamela Rosenberg (ehemalige Generalintendantin der San Francisco Opera und ehemalige Intendantin der Berliner Philharmoniker), Peter Theiler (Intendant der Semperoper Dresden) und Viktor Schoner (Intendant der Staatsoper Stuttgart) an. Weitere Mitglieder der sechsköpfigen Kommission waren Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach und Stefan Englert, Geschäftsführender Direktor des Gürzenich-Orchesters. Olaf Wegner (ifp – Institut für

Personalberatung Köln) steuerte das Verfahren als beauftragter Personalberater.

Oberbürgermeisterin Henriette Reker zeigt sich sehr zufrieden mit dem Abschluss der knapp dreimonatigen Arbeit des Gremiums:

Der Findungskommission ist es gelungen, aus einem Kreis hochkarätiger Kandidat*innen nach einem intensiven Auswahlverfahren Hein Mulders für die Kölner Oper als Intendanten zu gewinnen. Er überzeugte die Kommission durch seine nachhaltigen Erfahrungen und Erfolge mit der Führung von Opernhäusern sowie durch seine internationale Vernetzung und Überzeugungskraft. Herr Mulders wird zusammen mit den Betriebsleiterkollegen der Bühnen, den Teams der Oper Köln und des Gürzenich-Orchesters mit Blick auf die Wiedereröffnung der Bühnen am Offenbachplatz eine entscheidende Rolle für die Zukunft der Kunst- und Kulturmetropole Köln spielen.

Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach führt aus:

Oper Köln – Kulissengespräche »Die tote Stadt« mit Birgit Meyer
youtube Oper Köln
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Ich bin mir sicher, dass Hein Mulders die komplexen Aufgabenstellungen der Kölner Opernintendanz aufgrund seiner exzellenten fachlichen Expertise sowie seiner Teamorientierung und persönlichen Integrationskraft höchst erfolgreich für Köln umsetzen wird.

Für die Findungskommission erklärt Pamela Rosenberg:

Die Findungskommission hat sich mehrere Wochen lang intensiv verständigt und freut sich, aus dem breiten Feld von Kandidat*innen mit Hein Mulders einen erfolgreichen Opern-, Konzert- und Kulturmanager präsentieren zu können, der alle Voraussetzungen mitbringt, um die Oper Köln mit seinen profunden Opern- und Musikkenntnissen, seinem international geprägten Profil sowie seinem umfangreichen professionellen Netzwerk kreativ in die Zukunft zu steuern. Mulders‘ stark ausgeprägte menschliche, zeitgemäße Führungsqualitäten sind von seiner Fähigkeit bestimmt, Künstler*innen und Mitarbeiter*innen im steten Dialog zu Höchstleistungen zu motivieren. Nicht nur die Corona-Krise stellt Opernhäuser in den kommenden Jahren vor neue Herausforderungen. Wir sind überzeugt, dass Hein Mulders der richtige Mensch ist, um diese gemeinsam mit den Mitarbeiter*innen der Oper, der Stadtgesellschaft und den politisch Verantwortlichen in Köln zu meistern.

Generalmusikdirektor – Gürzenich-Kapellmeister François-Xavier Roth:

Mit großer Freude habe ich von der Berufung von Hein Mulders zum Intendanten der Oper Köln erfahren. Ich bin mir sicher, dass er mit großer Energie und seiner fantastischen Kreativität das Haus in die Zukunft führen und weiterentwickeln wird. Ich freue mich, mit ihm gemeinsam in den kommenden Spielzeiten zu arbeiten, sowohl im Staatenhaus als auch für die Wiedereröffnung der Oper am Offenbachplatz.

Kölns künftiger Opernintendant Hein Mulders freut sich auf seine neue Wirkungsstätte:

Ich freue mich riesig auf meine neue Aufgabe als Intendant der Oper Köln. Das traditionsreiche Haus am Offenbachplatz nach mehr als einer Dekade Sanierungszeit wiedereröffnen zu dürfen, ist eine große Ehre für mich. Ich möchte bald die Mitarbeiter*innen der Oper und der Bühnen Köln kennenlernen und mich mit ihnen zur Zukunft austauschen. Auf die Zusammenarbeit mit dem Gürzenich-Orchester und Generalmusikdirektor François-Xavier Roth blicke ich mit großer Vorfreude. Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam Großartiges leisten werden.

Hintergründe:

  • Derzeit ist Hein Mulders bei der Theater und Philharmonie Essen GmbH als Intendant für die Sparten Aalto-Musiktheater, Essener Philharmoniker und Philharmonie Essen verantwortlich.
  • Vertragsbeginn am Mehrspartenbetrieb Bühnen Köln ist der 1. September 2022 mit dem Titel Opernintendant und Betriebsleiter der Bühnen Köln
  • Vertragslaufzeit: Fünf Spielzeiten (bis 2027)
  • Zusätzlich wurde ein Vorbereitungsvertrag ab Mai 2021 zur Planung der Spielzeit 2022/23 ff abgeschlossen.
  • Die Amtszeit der derzeitigen Intendantin Dr. Birgit Meyer endet nach zehnjähriger Intendanz am 31. August 2022.
Oper Köln / Birgit Meyer und Uwe Eric Laufenberg _ noch vereint kämpfend © IOCO

Oper Köln / Birgit Meyer und Uwe Eric Laufenberg _ 2012 noch vereint kämpfend © IOCO

 Hein Mulders – Biographie und  Aktivitäten

  • Hein Mulders (*1962) ist derzeit Intendant am Aalto-Theater für die Sparten Aalto-Musiktheater, Essener Philharmoniker und Philharmonie Essen.
  • Geboren und aufgewachsen ist er in den Niederlanden. Nach dem Abitur zog er 17-jährig nach Paris, um dort Kunstgeschichte am „École du Louvre“ und Französisch am „Institut Universitaire Catholique“ zu studieren. Danach wechselte er an die Universität Amsterdam, wo er Kunstgeschichte, Archäologie und Italienisch studierte und sich auf Musikwissenschaft und Operngeschichte spezialisierte. Darüber hinaus lernte er an der Musikhochschule in Utrecht Klavier.
  • Nach erfolgreichem Abschluss seines Studiums begann er in der Gesangsabteilung einer der führenden nationalen Musikagenturen in Den Haag als Assistent der Geschäftsführung. Anschließend übernahm er die Position des Orchesterleiters des niederländischen National-Jugendorchesters und begleitete das Orchester auf internationalen Tourneen und Musikfestivals.
  • 1995 begann Hein Mulders als Casting Officer an der Flämischen Oper in Antwerpen und Gent zu arbeiten. Dort wurde er nur ein Jahr später als Leiter für Casting und künstlerische Planung Teil des Führungsteams. Er war verantwortlich für alle künstlerischen Belange, die sich um die Zusammensetzung der Produktionsteams, die Auswahl von Dirigent*innen und um die Besetzung von Sänger*innen drehten sowie für die gesamtkünstlerische Planung. Zur selben Zeit war er Jury- und Vorstandsmitglied des Opernstudios in Flandern.
  • Im Sommer 2006 nahm Hein Mulders die Stelle als Operndirektor an der „De Nederlandse Opera“ in Amsterdam an, wo er als rechte Hand des Intendanten und Regisseurs Pierre Audi neben Casting und der künstlerischen Gesamtplanung ebenfalls die Leitung der Musik- und der Regieabteilung innehatte. Gleich zu Beginn holte Hein Mulders den Dirigenten Marc Albrecht ans Haus, der dort für mehr als zehn Jahre als Generalmusikdirektor wirkte.
  • In Amsterdam besetzte Mulders unter anderem die Uraufführung von Alexander Raskatovs Oper „Hundeherz“ (nach einer Erzählung von Michail Bulgakov), die weltweite Aufmerksamkeit erlangte. Die monumentale Amsterdamer Produktion von Gioachino Rossinis Oper „Wilhelm Tell“ wurde danach an der Metropolitan Opera in New York aufgeführt. In Amsterdam arbeitete Hein Mulders mit Dirigenten wie Maris Jansons, Yannick Nézèt-Séguin und Sir Simon Rattle.
  • Im Mai 2011 wurde Hein Mulders für eine fünfjährige Amtszeit von 2013 bis 2018 zum Intendanten des Aalto-Musiktheater, der Essener Philharmoniker und der Philharmonie in Essen ernannt. Als neuen Generalmusikdirektor für die Essener Philharmoniker und das Aalto-Musiktheater stellte er den tschechischen Dirigenten Tomáš Netopil ein, der zuvor als Musikalischer Leiter am Prager Nationaltheater tätig war. Im Frühjahr 2016 wurde Mulders Vertrag verlängert.
  • In Essen sorgte Hein Mulders mit den Aufführungen der Opern „Medea“ (Aribert Reimann), „Otello“ (Giuseppe Verdi) und „Der Freischütz“ (Carl Maria von Weber) dafür, dass das Aalto-Theater für die Vielfalt und Qualität der unterschiedlichen Produktionen in der Spielzeit 2018/19 zum Opernhaus des Jahres in NRW ernannt wurde. Außerdem setzte Mulders die selten aufgeführte Oper „The Greek Passion“ (Bohuslav Martin?) auf den Spielplan – als die Fluchtbewegung aus Kriegs- und Krisengebieten in Europa auf ihrem Höhepunkt war. Für Nominierungen für das Opern-Jahrbuch sorgte auch die Aufführung des Oratoriums „Il primo omicidio“ („Kain oder Der erste Mord“) des Komponisten Alessandro Scarlatti.
  • Hein Mulders ist Jurymitglied zahlreicher internationaler Gesangswettbewerbe, so unter anderem in Spanien („Virias“/Barcelona, „Julian Gayarre“/Pamplona, Opera de Tenerife/Santa Cruz), Norwegen („Queen Sonja“/Oslo), Italien („Ottavio Ziino“/Rom), Kanada („Jeunes Ambassadeurs Lyrichoregra“/Montreal), Rumänien („Grand Prix de L’Opera“/Bukarest), Österreich („Cesti-Barockoper“/Innsbruck, „Belvedere“/Villach 2019), Brasilien („Maria Callas“/Sao Paulo), Albanien („Marie Kraja“/Tirana), den Niederlanden („IVC“/’s-Hertogenbosch, „Belvedere“/Amsterdam), Südafrika („Belvedere“/Kapstadt 2016), England („Opera Awards“/London 2017) und Lettland („Belvedere“/Jurmala 2018). Zudem war er im September 2020 ebenfalls in der Final-Jury beim Internationalen Dirigierwettbewerb „Guido Cantelli“ in Turin/Novara.

—| IOCO Aktuell Oper Köln |—

München, Bayerische Staatsoper, Der Rosenkavalier – Empfindungen und Betrachtungen, IOCO-Essay, 15.04.2021

April 15, 2021 by  
Filed under Bayerische Staatsoper, Hervorheben, IOCO-Essay, Oper

Bayerische Staatsoper München

Bayerische Staatsoper München © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München © Wilfried Hösl

Der Rosenkavalier  – Bayerische Staatsoper – München

Empfindungen und Betrachtungen – Adelina Yefimenko

Die tiefsinnige Inszenierung des Rosenkavalier an der Bayerischen Staatsoper in München (IOCO Rezension HIER) inspirierte IOCO Autorin Prof. Adelina Yefimenko, ihre Betrachtungen über die metaphysischen und vielschichtigen Hintergründe der Inszenierung in der hier folgenden offenen Danksagung an Vladimir Jurowski, dem designierten Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, auszudrücken.

Der Rosenkavalier – Bayerische Staatsoper – Click and Meet HERE!

Der Rosenkavalier – eine Einführung von Vladimir Jurowski
youtube Trailer Bayerische Staatsoper
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Sehr geehrter Herr Jurowski,

Gerne würde ich, die ich aus der Ukraine stamme, mit Ihnen auf Russisch oder Ukrainisch kommunizieren. Erst recht, wenn die Rede über die Werke von Prokofjew oder Schostakowitsch u.a. wäre.

Ihre Richard Strauss Produktion des Rosenkavalier  an der Bayerischen Staatsoper hat mich tief beeindruckt. Doch hat mich die Hintergründigkeit der Produktion so überwältigt, dass ich hier, bei IOCO, einiger meiner Gedanken vorstellen und Fragen stellen möchte.

Die erste, mich seit Wochen beschäftigende Frage ist, ob es Barrie Kosky bewusst war, dass er mit Ihnen eine für die heutige Zeit so zutreffende, und, wenn ich ein bisschen übertreiben darf, geniale Interpretation für solch ein Heiligtum im Repertoire der Bayerischen Staatoper wie den Rosenkavalier geschaffen hat?

Als ich am Premierenabend das Interview von Barrie Kosky hörte, vor der Premiere geführt, glaubte ich, dass ich zusätzlich noch etwas Anderes in Ihrer Interpretation wahrgenommen habe, als es Barrie Kosky vor hatte und darstellte. Womöglich hat der Regisseur absichtlich zuerst nur die Spitze des Eisbergs gezeigt, damit bei der Premiere noch weitere Ideen ans Licht kommen. Sicher wollte Barrie Kosky im Strauss’schem Sinne so ähnlich handeln wie der Komponist selbst: „Die Tiefe muss man verstecken. Wo? An der Oberfläche“. Aber dann drängt sich in mir die zweite Frage auf, ob Barrie Kosky in dieser Konstellation „Tiefe – Oberfläche“ durch seine Neudeutung damit gerechnet hat, die Welt-Uhr der Rezeptionsgeschichte kardinal umzudrehen und möglicherweise eine neue Ära des Rosenkavalier zu eröffnen?

Prof. Adelina Yefimenko © AYefimenko

Prof. Adelina Yefimenko © AYefimenko

Adelina Yefimenko, Professorin, lehrt als Musikwissenschaftlerin an der Nationalen M.-V.-Lysenko-Musikakademie Lviv (Lemberg) und der Ukrainischen Freie Universität München (UFU)

Schon in meinem Artikel über Der Feurige Engel an der Bayerischen Staatsoper wird deutlich, wie mich Ihre Zusammenarbeit im „Jurowski-Kosky-Team“ erstaunt war, wie Sie perfekt in Ihren radikalen Neudeutungen gemeinsame Lösungen findet. Das Wagnis, von den Musikkritikern verpönt bzw. angegriffen zu werden, hindert Ihr Team nicht, zu riskieren und damit zu gewinnen. Ihr habt ein Kunst-Juwel mit der Produktion Franz Schrekers Die Gezeichneten an die Oper Zürich erschaffen und damit die Rezeptionsgeschichte dieses Werkes komplett umgedreht und geprägt, die vor allem Ihrer neuen Redaktion der originalen Partitur zu verdanken ist.

Inwieweit hat die jetzige Produktion diese genuine Strauss’sche Tiefe im Klang und Bild Ihre gemeinsame Arbeit geprägt? Mit der Frage meine ich, ob Sie die Spuren der 50-jährigen Rezeptionsgeschichte des Rosenkavalier an der Bayerischen Staatsoper endgültig hinter sich gelassen haben? Ob Ihre Zuwendung zur Eberhard Klokes Orchesterversion endgültig für diese Koskys Deutung des  Rosenkavalier bleibt?

Bayerische Staatsoper / Der Rosenkavalier hier Samantha Hankey als Octavian, Christof Fischesser als Baron Ochs auf Lerchenau, Johannes Martin Kränzle als Herr Faninal, Ensemble © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Der Rosenkavalier hier Samantha Hankey als Octavian, Christof Fischesser als Baron Ochs auf Lerchenau, Johannes Martin Kränzle als Herr Faninal, Ensemble © Wilfried Hösl

Wenn Sie doch nach der Pandemie die originäre Partitur von Richard Strauss zum Regie-Konzept von Barrie Kosky dirigieren möchten, versuche ich meine Meinung dazu zu äußern. Als treue Anhängerin der Regieoper bin ich erstaunt, dass diese Premiere Rosenkavalier unter Ihrer Musikleitung an eine andere kongeniale Strauss’sche Rezeptionen erinnert. Das ist Salome in München mit Kirill Petrenko und Krzysztof Warlikowski. Der Dirigent hatte es damals noch nicht nötig, die reduzierte Version des Strauss-Orchesters anzuwenden. Aber er hat das vollbesetzte Orchester Richard Strauss‘s als Kammerorchester erklingen lassen und dadurch den „kulinarischen“ Genuss und erotischen Reiz dieser Partitur reduziert. Für das trocken anlegte Orchester Salome, für akribisch gezogene Linien an Stelle der üppigen Farben, für straffen Tempi, für die Deutung der Strauss’sche Breite als Kammerorchesterklang wurde er kritisiert. Aber genauso so einen Klang passte für Warlikowski‘s Leseart dieser Oper, was aber gegen die die gewöhnliche Rezeptionsgeschichte Salome‘s stand.

Zurück zur Barrie Koskys Regie-Konzept:  Erstaunlich, wie klar und deutlich der Regisseur die drei Opernakte als Personenwelten der Marschallin, Sophie und Octavian glänzend, „silbern“ konzipiert hat. Aber das „Theater im Theater“ der Finale liefert nicht nur eine klare Botschaft der Zeitvergänglichkeit, die alle Musikkritiker via unisono an dieser Produktion gepriesen haben. Die Idee des ewigen Zeitverlaufs wäre auch nicht das Neue daran. Der reduzierte, von Ihnen genau und präzis artikulierte Orchester Klang, in dem jedes Instrument als Solo sehr empfindlich und differenziert wahrzunehmen ist (ein Kritiker hat Ihre Interpretation als Anti-Kleiber bezeichnet) korrespondiert ausnahmslos mit dem Verlauf der fragilen silber-dunklen Schattenwelt auf der Bühne.

Der Rosenkavalier – Bayerische Staatsoper
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Der Raum der Protagonisten ist weder von dieser oder jener Zeit, noch von romantischen, realistischen oder surrealistischen Klischees geprägt, sondern von einer genuin theatralischen Existenz. Auch deshalb sind die „Kitsch“-Elemente, wie z.B. die versilberte Kutsche König Ludwig II von Bayern willkommen. Die Tautologie „artifizielle Art“ würde zum Bühnenbild sehr passen. Eine wunderbare und passende Prägung, die Barrie Kosky für nostalgierendes Publikum – die Liebhaber des Münchner Schenk-Rosenkavaliers – sind die bewegliche silberne Kulissen, die im schwarzweißen (auch silbernen) Licht alte Fotos der früheren Dekorationen im ersten Akt imitieren. Oder die Welt des Museums und der Bildgalerie als ein Teil der süßen schönen Idylle mit Nymphen, Schafen und Ziegen der Sophie-Welt im zweiten Akt. Solche humorvolle Auseinandersetzung mit der musealen Tradition der alten Inszenierung verabschiedet sich von der alten patriarchalischen Oper Rezeption.

Aber der Humor Barrie Koskys ist für mich mit tiefer Tragik verbunden. Auf jeden Fall in dieser Inszenierung. Im dritten Akt wirkt die Bühnenprojektion des leeren Zuschauerraums auf jeden Fall freudlos. Diese Lösung der Finale war unerwartet. Unterwartet war auch die starke Wirkung dieser klischeehafte Bühne des „Theater im Theater“. Die ganze Vorstellung begleitet ein echter Engel als mitwirkender und stummer Zeuge zuerst in die Fantasiewelt der Schatten der Marschallin und Octavian, dann der Träumen Sophie, die offensichtlich nur als Vorbereitung zu dem echten Vorstellung dienen, die einer alten Regie-Tradition „Theater im Theater“ treu bleibt. Ob der Engel als Cupido oder Chronos genannt und wahrgenommen wird, ist die persönliche Sache jedes Rezipienten.

Bayerische Staatsoper / Der Rosenkavalier hier Katharina Konradi als Sophie, Samantha Hankey als Octavian, Statisterie © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Der Rosenkavalier hier Katharina Konradi als Sophie, Samantha Hankey als Octavian, Statisterie © Wilfried Hösl

Aber warum sitzt dieser Engel immer wieder und im dritten Akt – zuerst ganz allein im Zuschauerraum hinblickend? Dann findet er einen höheren Platz auf der großen Standuhr, um die Pfeile dieser Weltuhr abzubrechen und die Zeit zu stoppen. Seine Mitwirkung an der Vorstellung ist aktuell wie es noch nie war und strahlt das Komische wie Tragische parallel aus. Er beobachtet nur diese Welt, kraftlos, ohne etwas ändern zu können. Dieser 110-jährigen Engel des Rosenkavalier ist der einzige mysteriöse Gast dieser neuen Premiere und stumme Zeuge des leeren Raums der Bayerischen Staatsoper. Alle Opernfans des Theaters dürfen Jurowski – Kosky im TV-Sessel zu Hause genießen. Für mich wurde diese Gestalt zum Symbol des Engels, des Chronos der zeitlosen Pandemie, die langsam unendlich zu werden scheint. Kein Feuriger Engel, aber ein Ewiger, nie Sterbender und immer  Begleiter.

Nachdem alle wunderbaren Protagonisten (absolutes Bravi für das Sänger-Team und für den höchsten Vokal-Genuss von Marlis Petersen als Marschallin, Samantha Hankey als Octavian, Katharina Konradi als Sophie, Johannes Martin Kränzle als Faninal und Christof Fischesser als Baron Ochs auf Lerchenau) die Bühne verlassen haben, bleibt der Engel allein zurück, auf der gestoppten Uhr sitzend und wartend. Er blickt stumm ins Leere des Zuschauerraums der Bayerischen Staatsoper. Man denkt klar, dass alle Protagonisten ihren Frieden, ihre Liebe, Ihre Zufriedenheit oder auch ihren Frust hinter den Kulissen im ?realem’ Leben stillen werden. Und wir auch. Es ist auch gut so. Aber dieser stumme Zeuge wirkte für manche Zuschauer beklemmend. Ein Image des Engel oder des Chronos in Ihrer neuen Leseart des Rosenkavalier die Werktreue des Strauss’schen Werk huldigt, einerseits, aber, andererseits eine aktuelle und traurige Botschaft, die unseres Warten andeutet – das Warten auf die Zeitpunkt, wann die Türen unserer Opernhäuser wieder geöffnet werden.

Für Ihre unglaubliche Arbeit in dieser Pandemie-Zeit, X-Zeit des ewigen Wartens möchte ich mich mit diesen Gedanken bei Ihnen, lieber Herr Jurowsky, bei Barrie Kosky und allen weiteren Beteiligten für Ihre ergriefende Rosenkavalier Produktion an der Bayerischen Staatsoper auch öffentlich herzlich bedanken.

Adelina Yefimenko

—| IOCO Essay |—

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Maifestspiel-Specials – und die Pandemie, IOCO Aktuell, 13.04.2021

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Maifestspiel-Specials 2021

 Ein Schleier ruht über bereits publizierten Öffnungsperspektiven

Eigentlich wollte das Hessische Staatstheater Wiesbaden am Mittwoch, dem 14. April 2021, mit dem Mai-Programm inkl. Maifestspiel-Specials (Detail-Programm unten) in den Vorverkauf gehen. Doch, auch dies ist überholt; die Pandemie  erlaubt dies leider wieder nicht. Ein neuer Vorverkaufstermin ist zur Zeit nicht bekannt, hängt u. a. von den politischen Entscheidungen auf Bundesebene ab.. Sobald  mehr hierzu bekannt ist, gibt das Staatstheater weitere Informationen bekannt. Bis dahin wird Geduld gefordert. Das im März 2021 veröffentlichte, unten dargestellte Programm ist in diesem Sinne zu interpretieren.

So die Pressemitteilung des Hessischen Staatstheaters vom 12.4.2021

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Der Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden hatte im März 2021 beschlossen, die Internationalen Maifestspiele 2021 wegen der Corona-Pandemie nicht gänzlich ausfallen zu lassen, sondern mit »Maifestspiel-Specials« und einem Ersatzprogramm möglich zu machen. Besonderer Kooperationspartner ist in 2021 die Stiftung Stadtmuseum Wiesbaden, die mit der begleitenden Sonderausstellung »Vorhang auf!« auf das 125-jährige Jubiläum der Internationalen Maifestspiele blickt.

Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende: »Es ist unglaublich schade, dass die Jubiläumsfestspiele nicht in dem geplanten Umfang stattfinden können. Nun hoffen wir alle, dass wenigstens die Maifestspiel-Specials auch wirklich gebührend, vielleicht mit Abstand aber in enger Verbundenheit, stattfinden können. Ich wünsche allen – trotz der noch immer heiklen Situation – inspirierende und spannende Stunden.«

Intendant Uwe Eric Laufenberg: »Wir sind zutiefst betrübt, dass wir unser großartiges Programm, das wir für die Jubiläumsfestspiele 125 Jahre Maifestspiele 2021‹ geplant hatten, nun doch nicht durchführen können. Wir haben uns bemüht, ein Ersatzprogramm zusammenzustellen und hoffen inniglich, dass dieses gelingen kann.«

Sabine Philipp, Direktorin Stadtmuseum: »Wir hoffen und freuen uns darauf, in diesem schwierigen Festjahr mit der Ausstellung ›Vorhang auf!‹ direkt gegenüber in den Kurhauskolonnaden allen Widrigkeiten zum Trotz einen ganz besonderen Akzent zu setzen und Glanz und Glamour, Höhen und Tiefen aus 125 Jahren Festspieltradition in Wiesbaden für ein breites Publikum erlebbar zu machen.«

In der heutigen Pressekonferenz stellte Uwe Eric Laufenberg, Intendant des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden und Künstlerischer Leiter der Internationalen Maifestspiele, die »Maifestspiel-Specials« und das Mai-Ersatzprogramm, das vom 1. Mai bis zum 30. Mai 2021 gespielt wird, vor.

»Maifestspiel-Specials« – Was ist das ?

Als »Maifestspiel-Specials« werden Opern mit Starbesetzung,Konzerte, Lesungen und Gespräche angeboten. Im »FutureLAB«, einem Versuchs-Laboratorium in der Wartburg, stellen sich Künstler*innen vor, die am Anfang ihrer Berufsausübung stehen – Absolvent*innen, die ihre Studienzeit erfolgreich hinter sich gebracht haben und nun innovationswütig das Feld ihrer jeweiligen Kunst neu bestellen wollen.
»Wie wollen wir leben – Utopien im 21. Jahrhundert« – mit dieser Fragestellung haben sich Stipendiat*innen der Landeshauptstadt Wiesbaden anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der Internationalen Maifestspiele beschäftigt. Ihre Ergebnisse präsentieren sie u.a. in der Wartburg und im Kleinen Haus.
Die Sprechchor-Performance »Das Schattenkabinett«, gefördert vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain, wird mit Wiesbadener Bürger*innen auf die Bühne gebracht. Für Junge und jung Gebliebene sind einzelne Produktionen der Jungen Maifestspiele im Mai zu erleben.

Das Ersatzprogramm besteht aus besonderen Programmhighlights wie dem Opernzyklus »Der Ring des Nibelungen«, den Opern »Der Barbier von Sevilla« und »Die Hochzeit des Figaro« sowie der Oper »Lady Macbeth von Mzensk«. Außerdem feiern die Oper Puccinis »Il trittico« und der Doppeltanzabend »Le sacre du printemps« im Großen Haus Premiere. Ebenso feiert das Ballett »Kamuyot« Premiere.
Die Schauspiele »Schiffbruch« (Teil 2) und »Bergung« (Teil 3) aus Tom Stoppards Trilogie »Die Küste Utopias« feiern Deutschsprachige Erstaufführung und sind als Trilogie mit »Aufbruch« (Teil 1) im Mai zu sehen. Ebenso feiern die Schauspiele »Doktors Dilemma« und »Quichotte« Premiere.

Das »Maifestspiel-Special« 2021 wird durch die Unterstützung der Landeshauptstadt Wiesbaden, des Landes Hessen und des Förderkreises der Internationalen Maifestspiele e.V. ermöglicht. Der Kulturfonds Frankfurt RheinMain unterstützt das Projekt »Das Schattenkabinett«.

Der Kartenvorverkauf für den Mai startet am 31. März 2021. Karten sind an der Theaterkasse, telefonisch unter 0611.132 325 oder online unter www.maifestspiele.de erhältlich. Auf der Homepage des Hessischen Staatstheater Wiesbaden werden alle Termine der »Maifestspiel-Specials« und des Ersatzprogramm im Mai bis zum 31. März 2021 aufgelistet sein.

Rheingold in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg
youtube Trailer Hessisches Staatstheater Wiesbaden
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Detailliertes Programm der »Maifestspiel-Specials«

Oper / Konzert
In der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg und unter der Musikalischen Leitung von GMD Patrick Lange ist Richard Wagners Tetralogie »Der Ring des Nibelungen« (siehe hier die Trailer des Hessichen Staatstheaters) in fulminanter Festspielbesetzung mit u.a. Klaus Florian Vogt als Sigmund, Catherine Foster als Brünnhilde, Andreas Schager als Siegfried, Albert Pesendorfer als Hunding und Johannes Martin Kränzle als Gunther zu erleben.
In »Der Barbier von Sevilla«, in der Inszenierung von Tilo Nest und unter der Musikalischen Leitung von Konrad Junghänel, singt Ioan Hotea die Partie des Grafen Almaviva, José Fardilha ist Bartolo, Mario Cassi singt die Partie des Basilio.
In der »Hochzeit des Figaro« übernimmt Erwin Schrott die Titelpartie. In der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg und unter der Musikalischen Leitung von Konrad Junghänel ist zudem Florian Boesch als Graf Almaviva zu sehen.
Unter der Leitung von Konrad Junghänel geben Cantus Cölln, das renommierte solistische Ensemble für Chorgesang auf dem Gebiet der Alten Musik, ein Konzert ihrer Abschiedstournee mit Motetten von Johann Sebastian Bach in der Marktkirche.
Florian Boesch und Justus Zeyen am Klavier laden in diesem Jahr zu ihrem Liederabend mit Liedern von Franz Schubert, Ernst Krenek und Gustav Mahler in die musikalische Hochromantik ein.
Elektronische Musik und Live-Erlebnis verbinden der norwegische Jazztrompeter Arve Henriksen und J. Peter Schwalm in ihrem Konzert »Neuzeit«. Das Resultat sind Klangskulpturen von zeitloser Schönheit und musikalische Tracks, die einen suggestiven Sog entwickeln.

Performance / Lesung / Gespräch
Für sein Projekt »Das Schattenkabinett« stellt Bernd Freytag einen zehnköpfigen Chor aus Wiesbadener Bürger*innen zusammen und bildet damit in ihrer Diversität ein Sprachrohr, das sich an eine politische Utopie wagt und versucht eine Gegenwelt zu entwerfen. Die Uraufführung dieser Performance findet im Kunsthaus statt.

Die Walküre in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg
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Theaterkritiker Peter Michalzik liest aus seinem Buch »Liebe in Gedanken«, das die Umstände einer Liebesgeschichte in Briefen nachzeichnet. Der Briefwechsel wird nun auf besondere Art lebendig, denn Valery Tscheplanowa und Wolfram Koch leihen dafür ihre Stimmen.
Die Podiumsdiskussion »Wider die Verpuffung«, eine Gesprächsrunde mit Künstlerin Melina von Gagern, Psychologin Adrienne Goehler und Wirtschaftspublizistin Samira Kenawi, widmet sich den grundsätzlichen Fragen zu der ungerechten Verteilung auf der Welt.

FutureLAB
Im »FutureLAB« in der Staatstheater-Spielstätte Wartburg werden verschiedene Projekte von Künstler*innen vorgestellt, die am Anfang ihrer Berufsausübung stehen und innovationswütig das Feld ihrer jeweiligen Kunst neu bestellen wollen. Das Hessische Staatsballett zeigt mit »FutureLAB: Aerowaves« ausgewählte Nachwuchschoreograf*innen, die eine Aufnahme unter die twenty-artists des europaweiten Tanznetzwerk Aerowaves geschafft haben. Unter dem Titel »FutureLAB: Kunst und Digits« erarbeiten Fellows der Akademie für Theater und Digitalität Dortmund gemeinsam mit Mitarbeiter*innen der Akademie die Möglichkeiten digitaler Technologien für die Darstellenden Künste. In Form eines Digitalprojekts entwickeln Absolvent*innen der Hochschule Ernst Busch Berlin im »FutureLAB: Spiel und Objekte« ein Gesellschaftsspiel zur Aushandlung von Gemeinschaft in ungewissen Zeiten.

Projektstipendien der Stadt Wiesbaden

Siegfried in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg
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»Wie wollen wir leben – Utopien im 21. Jahrhundert« – mit dieser Fragestellung haben sich Stipendiat*innen der Landeshauptstadt Wiesbaden anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der Internationalen Maifestspiele beschäftigt. Theater- und Musikschaffende aus Wiesbaden waren aufgerufen, Projektvorschläge einzureichen, die zwischen Februar und April 2021 erarbeitet werden sollen. Eine fünfköpfige Jury entschied über die Vergabe der Stipendien, die mit jeweils 8.000 Euro dotiert sind. Die Arbeitsergebnisse werden als »Maifestspiel-Special« präsentiert.
»Meeting with monsters«, eine Tanzperformance mit Sounddesign, Tanz und Bildender Kunst, ist in der Wartburg zu sehen. Die Medien-Performance »ACCOUNT GESPERRT« im Kleinen Haus ist eine Show mit Musik frei nach Richard III. von William Shakespeare. Das DIDIMOS Ensemble präsentiert »2050 – Geschichten von Morgen« zum Thema Klimakrise und einer Utopie mit positiven Zukunftsentwürfen im Künstlerverein Walkmühle. Der Eintritt ist frei, um eine Spende vor Ort wird gebeten. Für »wise and shine! Stell dir vor es ist Schule und alle wollen hin.« entwirft das Ensemble Wanderbühne Freudenberg eine Zukunftsschule in Form einer partizipativen Performance auf Schloss Freudenberg. Tickets sind über den Ticketshop von Schloss Freudenberg zu erwerben. »Simple space – eine musikalisch-handwerkliche Performance« ist eine mehrtägige Performance im Wiesbadener Stadtwald, in der die Projektbeteiligten gemeinsam leben, musizieren und arbeiten. Der Eintritt ist frei. In der Nerobergmulde ist das Projekt »Der Raum Zwischen Uns«, ein partizipatives Tanzprojekt in dem die Auswirkungen einer sozialen Situation ausgelotet werden, zu sehen. Tickets sind über www.matthewtusa.com buchbar.

Junge Maifestspiele
Auch Produktionen der Jungen Maifestspiele sind in diesem Jahr zu erleben: »Daumesdick« (5+) ist ein Theaterabenteuer mit Musik nach den Gebrüdern Grimm in einer sehr poetischen Inszenierung. »Über Dodekaeder« (14+) wirft einen jungen Blick auf Sinn und Unsinn des Theaters. Das Stück gewann beim Leonardo-Award 2019 den 1. Preis in der Kategorie Theater. Das Konzert mit Live-Malerei »Ton in Ton« (14+) mischt in einem Sinnesrausch Töne und Pinselstriche. »Abbraccci« (3+) des Teatro Telaio beschäftigt sich mit dem Thema Zuneigung, ein Stück wie geschaffen für die heutige Zeit. Eine musikalische Darbietung von einem Menschen und Robotern für Menschen und Roboter wird in »Man Strikes Back« (6+) von Post uit Hessdalen gezeigt. Eine spannende Mischung aus Comedy, Pantomime und Stimmenimitation sowie erstaunlichen Tönen zeigt das Theater Triebwerk mit »Supervox« (9+). Das dokumentarische Tanztheater »Liebe üben« (10+) holt die Liebe aus dem 7. Himmel auf den Boden der Bühne herunter. Ein liebevoller Blick auf das Kleine ist mit dem JUST-Schauspiel »Die kleine Raupe« (3+) zu erleben. Zum Abschluss wird das »Mai Fest Spiel« mit dem szenischen Live-Hörspiel »Peter Pan« und dem JUST-Schauspiel »Märchen Märchen« präsentiert.

Die Götterdämmerung in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg
youtube Trailer Hessisches Staatstheater Wiesbaden
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Bonustracks
Die Theaterpädagogik des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden und die Museumspädagogik des Stadtmuseums Wiesbaden bieten mit »Maifestspiele im Wandel der Zeit« anlässlich des 125. Jubiläums gemeinsam Führungen an. Der Theaterclub Junior begibt sich mit »Mission Zukunft« auf historische Spurensuche in der Stadt und erarbeitet einen interaktiven Stadtspaziergang.
In Kooperation mit Wiesbaden Marketing sind besondere Musikalischen Stadtführungen zu erleben: Das Salonensemble des Hessischen Staatsorchesters Wiesbaden führt mit Conférencier Wolfgang Niebling durch den Kurpark und wandelt auf den Pfaden berühmter Persönlichkeiten, die Wiesbaden im 19. Jahrhundert zu einem glanzvollen Treffpunkt machten.
Die »Future History App«, ein Angebot von Wiesbaden Marketing, nimmt die Besucher*innen mit auf eine virtuelle Jubiläumstour hinter die Kulissen des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden und macht verborgene Ecken und Winkel des Theaters erlebbar. Dieses Angebot ist kostenlos.

  • Ersatzprogramm im Mai:
    Oper
    Puccinis »Il trittico« feiert in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg und unter der Musikalischen Leitung von Alexander Joel und Albert Horne Premiere. Daniel Luis de Vicente, Olesya Golovneva, Ioan Hotea und Wolf Matthias Friedrich sind u.a. in verschiedenen Besetzungen zu erleben.
    In der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg und unter der Musikalischen Leitung von GMD Patrick Lange ist ebenfalls Richard Wagners Tetralogie »Der Ring des Nibelungen« zu erleben. Die Opern»Der Barbier von Sevilla«, in der Inszenierung von Tilo Nest und unter der Musikalischen Leitung von Konrad Junghänel, und »Die Hochzeit des Figaro«, in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg und unter der Musikalischen Leitung von Konrad Junghänel, stehen außerdem auf dem Ersatzprogramm. Schostakowitschs Oper »Lady Macbeth von Mzensk«, in der Inszenierung von Evgeny Titov und unter der Musikalischen Leitung von GMD Patrick Lange, ist ebenfalls im Mai zu erleben.
  • Ballett
    Das Hessische Staatsballett feiert mit dem zweiteiligen Ballettabend »Le sacre du printemps« von Bryan Arias, dem FAUST-Theaterpreisgewinner 2020, und Edward Clug im Großen Haus Premiere. Außerdem feiert das Ballett »Kamuyot«, eine Choreografie von Ohad Naharin, im Malsaal Premiere.
  • Schauspiel
    In der Inszenierung von Henriette Hörnigk feiern die Schauspiele »Schiffbruch« (Teil 2) und »Bergung« (Teil 3) von Tom Stoppards »Die Küste Utopias« Premiere und sind als Trilogie mit »Aufbruch« (Teil 1) an drei aufeinanderfolgenden Abenden zu sehen. George Bernard Shaws »Doktors Dilemma«, in der Inszenierung von Tim Kramer, ist ebenfalls als Premiere im Mai im Kleinen Haus zu erleben, ebenso die Schauspiel-Premiere »Quichotte«, in der Inszenierung von Daniel Kunze.
    Des Weiteren stehen die Deutschsprachige Erstaufführung »Admissions«, in der Inszenierung von Daniela Kerck, das Schauspiel »Die Pest«, in einer Fassung von Sebastian Sommer, sowie »Szenen einer Ehe«, in der Inszenierung von Ingo Kerkhof, auf dem Ersatzprogramm.
  • JUST
    Die JUST-Schauspiele »König Midas – ich? Oder: wie werde ich klug?« (8+), in der Inszenierung von Rainer Fiedler, und »Konrad oder das Kind aus der Konservenbüchse« (6+), in der Inszenierung von Stephan Rumphorst, sind im Studio zu sehen.

—| IOCO Aktuell Hessisches Staatstheater Wiesbaden |—

Münster, Theater Münster, Lillian Stillwell, Remsi Al Khalisi, Katharina Kost-Tolmein, IOCO Aktuell, 09.04.2021

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Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster

2022/23  –  Neues Leitungsteam – Theater Münster

Lillian Stillwell, Remsi Al Khalisi, Katharina Kost-Tolmein

Theater Münster / designierte Generalintendantin Generalintendantin Dr. Katharina Kost-Tolmein © Tolmein

Theater Münster / designierte Generalintendantin Generalintendantin Dr. Katharina Kost-Tolmein © Tolmein

Am Theater Münster werden ab der Spielzeit 2022/23 Lillian Stillwell als neue Tanzdirektorin und Remsi Al Khalisi als neuer Schauspieldirektor zusammen mit der designierten Generalintendantin und künftigen Leiterin der Sparte Musiktheater Dr. Katharina Kost-Tolmein, Nachfolgerin des langjährigen Generalintendaten  Dr. Ulrich Peters, IOCO berichtete,  und dem amtierenden GMD Golo Berg die künstlerische Leitung des Fünfspartenhauses übernehmen.

 Theater Münster / designierter design. Schauspieldirektor Remsi Al Khalisi © Martin Kaufhold

Theater Münster / designierter design. Schauspieldirektor Remsi Al Khalisi © Martin Kaufhold

Remsi Al Khalisi hat als Chefdramaturg und stellvertretender Intendant am ETA Hoffmann Theater Bamberg in den vergangenen fünf Spielzeiten das Bamberger Theater in der deutschen Theaterlandschaft programmatisch neu positioniert und mit viel beachteten Uraufführungen und Regieentdeckungen überregional für große Aufmerksamkeit gesorgt. Dreimal wurde das Theater zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen, außerdem zum Heidelberger Stückemarkt, zu den Autorentheatertagen nach Berlin und zu „radikal jung“ nach München; 2017 erhielt es den „Theaterpreis des Bundes“.

Remsi Al Khalisi wuchs in Berlin-Wedding auf. Nach dem Studium der Theaterwissenschaft und Romanistik an der FU und der Mitbegründung und Co-Leitung der freien Spielstätte Theaterdock in Berlin-Moabit führte ihn sein erstes Engagement in die Dramaturgie der Schaubühne. Es folgten Stationen als Dramaturg am Maxim Gorki Theater Berlin, am Theater Magdeburg und am Hans Otto Theater Potsdam. Als Regisseur arbeitete er in diversen freien Produktionen u.a. für das FFT Düsseldorf, das Neumarkt Theater Zürich und das WUK Wien. Er war Mitglied in mehreren Jurys, z.B. für den „Literaturpreis Text und Sprache 2018“ und den Fonds „Doppelpass“ der Kulturstiftung des Bundes. 2017 folgte er einer Einladung der Enquete-Kommission „Integration“ des Bayerischen Landtags zum Fachgespräch „Kultur und Medien“. 2020 absolvierte er die Weiterbildung „Theater- und Musikmanagement” der LMU München und der Theaterakademie August Everding.

 Theater Münster / designierte Leiterin Tanztheater Lillian Stillwill © Lucie Schrag

Theater Münster / designierte Leiterin Tanztheater Lillian Stillwill © Lucie Schrag

Lillian Stillwell choreographiert seit 2009 europaweit und in den USA interdisziplinäre, partizipative und immersive Produktionen, u.a. an der Royal Danish Opera, der Oper Graz, der Philharmonie Luxembourg, am Theater Basel, am Norwegian National Opera & Ballett sowie an zahlreichen Stadt- und Staatstheatern in Deutschland. Eine langjährige künstlerische Zusammenarbeit verbindet sie mit Dr. Katharina Kost-Tolmein, unter deren Operndirektion sie mehrmals am Theater Lübeck für Choreographien mit über 100 Mitwirkenden verantwortlich zeichnete. Zu ihren Arbeiten zählen auch die Oper L’ORFEO an der Royal Danish Opera; SILBERLICHT, ein von der Philharmonie Luxembourg beauftragtes Tanzstück mit Barock-Ensemble, und der Tanzabend AFTERLIFE mit live DJs, der im Rahmen des Residenz-Programms an der Dampf¬zentrale Bern und in Digitalen/Analogen Pop-ups bei „zur Wand“ in Basel zu erleben war.

Lillian Stillwell stammt aus Minneapolis, USA, erhielt ihre klassische Ausbildung am Ballett Arts Minnesota und dem Milwaukee Ballett und erwarb den Bachelor of Arts in Tanz an der University of Minnesota, Twin Cities. Ihre Tanzkarriere führte sie 2007 aus New York City nach Deutschland mit Johannes Wieland an das Staatstheater Kassel. Dort tanzte sie bis 2012 und choreographierte in allen Sparten. Aktuell wohnt sie in Basel, wo sie SNOW productions mit Tom Ryser gründete.

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