Rendsburg, Theater, Die Piraten von Penzance - Gilbert & Sullivan - IOCO
21. Juni 2026
Mit der Operette „Die Piraten von Penzance“ schufen der britische Komponist Arthur Sullivan (1842-1900) und sein Librettist William S. Gilbert (1836-1911) eines ihrer bekanntesten und erfolgreichsten Bühnenwerke. Durch seine Mischung aus spritzigem englischem Humor, eingängigen Melodien, und einer augenzwinkernden Parodie auf viktorianische Gesellschaftskonventionen erfreut sich das Stück bis heute internationaler Beliebtheit. Die Uraufführung fand 1879 im Londoner Savoy Theater statt und basiert auf der Idee einer parodistischen Verballhornung des Piraten-Genres und ist in einer humorvollen, absurden Handlung verankert.
Das Schleswig-Holsteinische Landestheater präsentierte nun eine Inszenierung der „Piraten von Penzance“ im stilvollen Ambiente des Stadttheaters Rendsburg, einem traditionsreichen und architektonisch reizvollem Haus. Die Inszenierung stellt sich der Herausforderung, den zeitlosen Witz und die musikalische Leichtigkeit des Werkes lebendig werden zu lassen.

Bereits während der schwungvoll dargebotenen Ouvertüre traten die einzelnen Piratenfiguren vor den noch geschlossenen Vorhang und präsentierten sich in ihren schrillen bunten Kostümen mit übertriebenen Posen dem Publikum. Diese humorvolle Inszenierungsidee (Regie: Matthias Kitter) sorgte bereits zu Beginn für Lacher und stimmte die Zuschauer auf den komödiantischen Charakter des Stückes ein.
Nach dem Öffnen des Vorhangs bot sich ein farbenfrohes Bild: Vor einem maritimen Bühnenbild mit großem Piratensegel bevölkerten die bunt kostümierten Piraten die Bühne (Bühnenbild und Kostüme von Birte Wallbaum). Die liebevoll gestalteten, zeitgemäßen Kostüme verliehen der Aufführung ihren historischen Charakter, während einzelne humorvolle Details die satirische Seite der Operette noch betonte. Zusammen mit der gelungenen szenischen Komik entstand eine heitere Atmosphäre, die das Publikum während des gesamten Abends immer wieder zum Lachen brachte und den Charme von Gilbert & Sullivans Werk wirkungsvoll zur Geltung kommen ließ.
Die Geschichte handelt von dem jungen Frederic, der aufgrund eines Mißverständnisses seiner Nanny Ruth nicht bei einem „Privaten“, sondern bei den „Piraten“ in die Lehre ging (im Englischen Original lautet das Wortspiel „Pilot“ - „Pirate“; ein Pilot ist ein Schiffslotse). Mit Vollendung seines 21. Lebensjahres will er dem Piratenleben Adieu sagen und ein ehrbares Leben beginnen. Doch da er an einem 29. Februar geboren wurde, wäre er nun etwas älter als 5 Jahre und der Piratenkönig besteht darauf, daß er bei den Piraten bis zu seinem 21. Geburtstag bleibt. Am Strand begegnet er Mabel, eine der Töchter des angesehenen Generalmajors Stanley und verliebt sich sofort in sie. Hin und her gerissen zwischen seinem Pflichtgefühl gegenüber den Piraten und seiner Liebe zu Mabel versucht Frederic, einen Ausweg aus seiner Lage zu finden.
Währenddessen geraten die Piraten, die trotz ihres „Berufes“ eher gutherzig und gar nicht so gefährlich sind, immer wieder in komische Situationen. Zahlreiche Mißverständnisse und unerwartete Wendungen treiben die Handlung voran, bis die Geschichte schließlich ein versöhnliches Ende nimmt. Nicht nur Frederic und Mabel werden ein Paar, sondern auch die anderen Töchter des Generalmajors bekommen ihren jeweils auserwählten Piraten.
Gesungen wurde vorzüglich, die Solisten und auch sämtliche Herren des Chors – jeder einzelne schrill und bunt kostümierte Pirat, egal ob mit Augenklappe, Brusttoupet oder einem Papagei auf der Schulter, war hier ein Solist – brillierten schauspielerisch und gesanglich. Ebenso die Chordamen als weitere Töchter oder Mündel des Generalmajors in ihren braven langen cremefarbenen Kleidern mit blauen Schleifen in ihren fein choreographierten Auftritten.

Als Piratenkönig beeindruckte Mikolaj Bonkowski, ein großer kräftiger Zwei-Meter-Mann mit langer roter Haarpracht, rotem Bart und rotem Uniformmantel samt vergoldeter Epauletten, der mit seinem voll tönendem, geschmeidigem Bassbariton seine Wirkung nicht verfehlte.
Dritan Angoni als der leicht naive Frederic mit langen blonden Haaren gefiel mit darstellerischer Gewandheit, mit seinem hellen, höhensicheren lyrischen Tenor, und natürlich in seinen verliebten Szenen mit seiner meist in rosarot kostümierten Mabel, gesungen von Anna Avdalyan mit klangschönem lyrischen Sopran, perlenden Koloraturläufen und makellosen Spitzentönen, gepaart mit niedlich-charmanter Ausstrahlung und temperamentvollem Spiel.

Der Bariton Philipp Franke hatte seinen glänzenden Auftritt als exzentrischer Generalmajor Stanley auf dem weißen Schimmel mit seiner schnellen Arie, in der er seine Vorzüge preist, ohne sich zu verhaspeln, und die ihm den donnernden Applaus des begeisterten, amüsierten Publikums einbrachte. Herrlich anzuschauen mit seinen wirren Haaren und kunstvoll gezwirbeltem Bart, mit goldenen Orden behängtem Wams, goldenen Stiefeln und violetten Beinkleidern, und später im goldenen Schlafrock, war er auch optisch eine besondere Augenweide.
Als bühnenpräsente Ruth, Frederics Nanny, die ihn gern für sich behalten würde und seine Verbindung mit Mabel sabotieren möchte, amüsierte Itziar Lesaka mit ihrer charaktervoll eingesetzten Altstimme.
Die Bassisten Kai-Moritz von Blanckenburg als Samuel in dunkelblauer Admiralsuniform und Karol Malinowski als Polizeisergeant überzeugten sowohl sängerisch als auch in der komödiantischen Gestaltung ihrer Partien.
Auch die beiden Mezzosoprane Anna Stepanets und Anna Grycan als Edith und Kate, die weiteren Töchter des Generalmajors und Schwestern Mabels, gestalteten ihre Partien inmitten des schön singenden Damen-Ensembles hoch engagiert in Gesang und Spiel.
Die musikalische Leitung lag in den Händen von Jooan Mun, der mit seinem bestens disponierten Schleswig-Holsteinischen Sinfonieorchester einen mitreißenden, temporeichen Klang erzeugte, und es in dieser facettenreichen Partitur auch an temperamentvoller Rhythmik, Esprit, musikalischer Ironie und Ausgelassenheit nicht fehlen ließ.
Gemeinsam haben der Komponist Sullivan und der Librettist Gilbert in den 1870er Jahren den Grundstein für das englische Musiktheater gelegt. Während Sullivan mit seiner musikalischen Virtuosität die perfekte Begleitung lieferte, brachte Gilbert als versierter Texter und Dramatiker durch seine scharfsinnigen, witzigen Texte die nötige Ebene des Humors und der subtilen Kritik an den viktorianischen Gesellschaftsstrukturen ein. Insgesamt schrieben sie 14 Komische Opern bzw. Operetten, neben den „Piraten von Penzance“ sind ihre bekanntesten Werke „The Mikado“, „H.M.S. Pinafore“, „Trial by Jury“, „Jolanthe“, „The Yeomen of the Guard“, und „The Gondoliers“. Beide Künstler hinterließen ein nachhaltiges Erbe, welches die britische Unterhaltungsmusik maßgeblich prägte, und es ist höchst erfreulich, daß auch die Theater in Deutschland und Österreich sich auf die Werke von Gilbert & Sullivan einlassen.