Karlsruhe, Badisches Staatstheater, BILANZ DER SPIELZEIT 2025/26, IOCO

Trotz baubedingter Einschränkungen zieht das Badische Staatstheater Karlsruhe eine positive Bilanz der Spielzeit 2025/26: Rund 260.000 Besucher:innen, erfolgreiche Premieren, starke Kooperationen und neue Netzwerke belegen die kulturelle Strahlkraft des Hauses in herausfordernden Zeiten.

Karlsruhe, Badisches Staatstheater, BILANZ DER SPIELZEIT 2025/26, IOCO
Badisches Staatstheater - Gebäude Außenansicht © Thomas Schöneberger

Stabilität in bewegten Zeiten: Badisches Staatstheater zieht Bilanz der Spielzeit 2025/26 – Kooperationen verstärkt, Netzwerke ausgebaut

Mit einer sehr gut besuchten Tanz-Fest-Woche des Staatsballett Karlsruhe, den ausverkauften Opern A Midsummer Night‘s Dream und Rigoletto im Großen Haus sowie einer ausgebuchten Schauspielvorstellung Man kann auch in die Höhe fallen und Digitaltheater-Vorstellung von 1984 / 2052 im Kleinen Haus leitet das Staatstheater Karlsruhe den Countdown zum Spielzeitfinale ein. Die Bilanz hinsichtlich Besuchenden- und Veranstaltungszahlen am Badischen Staatstheater zum Saisonende der Spielzeit 2025/26 verzeichnet insgesamt 988 Veranstaltungen; inklusive auswärtiger Gastspiele steigt die Zahl sogar auf über 1.000 Veranstaltungen. Über rund 250.000 Besuche konnte sich das Staatstheater in Karlsruhe in den verschiedenen Sparten inklusive Rahmenprogramm freuen, davon über 54.000 Schüler:innen und Studierende. Zuzüglich der knapp 10.000 Besucher:innen bei auswärtigen Gastspielen der Oper, der Badischen Staatskapelle, des Staatsballett Karlsruhe, des Schauspiels sowie des Jungen Staatstheaters konnte das Mehrspartenhaus nahezu 260.000 Menschen erreichen. Insgesamt ist eine Gesamtauslastung von 77 Prozent zu konstatieren.

Nicht in die Statistik eingeflossen sind die rund 10.000 Menschen, die zum Spielzeitfinale die Badische Staatskapelle bei DAS FEST im Freiluft-Konzert Mount Klassik erleben werden, sowie die rund 1.700 Gäste von DER BALL im November 2025, den Staatskapelle und Staatsballett Karlsruhe feierlich in der Schwarzwaldhalle eröffneten.

Insgesamt ist ein leichter Rückgang um rund 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Ursächlich dafür sind Kapazitätsbeschränkungen in der größten Spielstätte des Theaters: Im Großen Haus wurde seit September 2025 baubedingt die Kapazität auf 903 Plätze beschränkt, was zu einer Reduktion um rund 10 Prozent der belegbaren Plätze je Vorstellung und den vollständigen Verzicht auf Stehplätze führte, um weiterhin die baurechtliche Sicherheit des Publikums zu gewährleisten. 195 der insgesamt 988 Veranstaltungen fanden im Großen Haus statt – somit ein schmerzlicher Verlust angesichts der überaus großen Nachfrage bei Produktionen wie der Uraufführung Dracula, den Opernproduktionen Lohengrin und Rigoletto, den Händel-Opern und den beliebten Sinfoniekonzerten, oder dem höchst nachgefragten Programm (wie etwa dem Weihnachtssingen) rund um den Jahreswechsel. Mindestens ebenso einschneidend wirkt sich der Verlust des Studios als Spielstätte v. a. für Schauspiel und Digitaltheater aus – anstelle von 192 Veranstaltungen in der Vorsaison fanden 11 kleine Konzert-Veranstaltungen statt (NachtKlänge, Kinderkonzert Kurt Murks und die Schrottroboter).

Erfreulich ist, dass wir mit dem Studio für die Badische Staatskapelle einen längst notwendigen adäquaten Proberaum geschaffen haben, in dem allerdings nur wenige Kleinformate für Publikum stattfinden können. Die Verlegung von Produktionen an andere Spielorte wie die Insel, das Neue Entrée oder das Electric Eel konnten den Wegfall der Studiobühne aber leider nicht kompensieren“, so Intendant Christian Firmbach.

Johannes Graf-Hauber (Kaufmännischer Intendant), Uta-Christine Deppermann (Künstlerische Betriebsdirektorin), Christian Firmbach (Intendant) © Arno Kohlem

Dennoch bewährte sich das Neue Entrée als neuer Aufführungsort u. a. für die Schauspiel-Produktionen All das Schöne und Debritz sowie für die Digitaltheater-Inszenierung Broadcast Yourself und die interaktive Gaming Reihe Let’s Play!. Auch andere Reihen wie der Ballett-Talk, die KlangÖffner oder die Diskussionsreihe #Grundrechte in Kooperation mit dem SWR etablierten das Neue Entrée weiter als Veranstaltungsort für verschiedene Formate. Als Projekt-Spielort konnte die Bar Electric Eel dank einer Kooperation erobert werden – mit der stets ausverkauften Schauspiel-Produktion Immer noch da.

In Anbetracht der Gesamtumstände mit knapperen Haushaltsmitteln – sowohl der öffentlichen Hand als auch der privaten Haushalte – und dem daraus resultierenden Publikumsverhalten können wir mit den erreichten Ergebnissen insgesamt zufrieden sein“, so der Kaufmännische Intendant Johannes Graf Hauber. Auch wenn der Wegfall der Spielstätte Studio und die Kapazitätsbeschränkungen im Großen Haus natürlich Spuren hinterlassen. „Besonders ist es gelungen Kooperationen in der Stadt zu verstärken und werthaltige Netzwerke für die Zukunft auszubauen“, so Graf-Hauber weiter, und nennt hierzu u. a. die Hemingway Lounge und das Young Classic Sound Orchestra in Verbindung mit der Seebühne im Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe und die Partnerinstitutionen im Netzwerk Nachhaltige Kultur Karlsruhe (darunter ZKM, Tollhaus oder Staatliches Museum für Naturkunde u. v. a.).

Betriebsdirektorin Uta-Christine Deppermann bekräftigt die enormen Herausforderungen für einen Live-Betrieb wie das Staatstheater, in dem viele Unwägbarkeiten zu disponieren waren: „Einige hitzebedingte Absagen im nicht klimatisierten Spielort Insel im Juni und eine kurzfristige Havarie der Brandmeldeanlage am 17.7., die den Ausfall einer ausverkauften Dracula Vorstellung im Großen Haus und eine Schauspiel-Absage im Kleinen Haus zur Folge hatte, schlagen negativ zu Buche. Ebenfalls war das Staatstheater von Warnstreiks der Gewerkschaft ver.di am 19.12. sowie am 23.1. betroffen.“ Auch diese schlagen sich in den Zahlen nieder mit einer abgesagten Schauspiel-Vorstellung (Die Verlorenen) sowie den Streik-Bedingungen angepasste Vorstellungen von La Bohème, La Dolce Vita sowie Breaking the Waves, die dem Publikum vorab transparent kommuniziert wurden, aber dennoch zu Stornierungen führten.

Positiv zu erwähnen ist außerdem die weiterhin vorangetriebene Vernetzung mit der Stadt: So wurde etwa DER BALL im Kongresszentrum Karlsruhe, ein großes gesellschaftliches Ereignis im Festkalender des KIT-Jubiläumsjahrs 2025, durch das Badische Staatsballett und die Badische Staatskapelle feierlich eröffnet – und auch am 16. Januar 2027 würde das Badische Staatstheater das Event wieder mitgestalten. Eine bleibende Verbindung zum Karlsruher Institut für Technologie (KIT) existiert seit Anfang des Jahres: seit 2026 können Studierende des KIT dank der neu begründeten Kooperation die Studi-Flatrate wie alle anderen Hochschulen in der Stadt nutzen.

Kooperationen wurden zudem begründet mit dem Filmtheater Schauburg – die neue Reihe TheaterFilm wird sich 2026/27 fortsetzen. Ebenso fortgesetzt wird die künstlerische Kooperation mit dem Künstlerhaus Edenkoben in der Pfalz, und die Kooperation mit dem Club Stadtmitte, die Theater und After Show-Party in guter Nachbarschaft ermöglicht. Die raumobil GmbH aus Durlach unterstützt weiterhin mit der smarten App-Lösung smart mobility map (kurz: smap) eine nachhaltige Anreise zum Staatstheater, und im Rahmen der Wochen der Nachhaltigkeit 2027 vernetzen sich erneut große und kleine Kulturplayer als kreative Ressource – mit derzeit 15 Institutionen, die sich im Netzwerk Nachhaltige Kultur Karlsruhe organisiert haben.

Das Staatstheater stellte seine Räumlichkeiten auch für Gastspiele zur Verfügung: Unter anderem war das Deutsche Ärzteorchester zu Gast und erwirtschaftete mit dem Benefizkonzert am 20.6. im Großen Haus einen Spendenerlös von knapp 4.300 Euro für die Diakonie Baden. Die Spenden kommen direkt der Vesperkirche Karlsruhe zugute, die Menschen in Not mit warmen Mahlzeiten, medizinischer Versorgung und Sozialberatung helfen.

Zudem konnte das Badische Staatstheater im zweiten Jahr der neuen Intendanz auch bei auswärtigen Gastspielen künstlerische Auftritte auf höchstem Niveau an anderen Orten präsentieren und damit insgesamt knapp 10.000 Menschen erreichen: So führten Gastspiele der Oper das Ensemble in die südkoreanische Partnerstadt Daegu, das Badische Staatsballett trat unter anderem in Ballettgalas in den Theatern in Bremerhaven und Pforzheim auf, und die Badische Staatskapelle reiste zu erfolgreichen Auftritten bei der Landesgartenschau in Ellwangen und zum Schleswig-Holstein Musik Festival nach Kiel.

Bei den Themen Barrierefreiheit und Inklusion konnte sich das Badische Staatstheater sukzessive weiterentwickeln: Auch diesmal ging das Junge Staatstheater mit leuchtendem Beispiel voran und zeigte wie in den Vorjahren das Familienstück zur Weihnachtszeit Die Schneekönigin zusätzlich mit verschiedensprachigen Übertiteln sowie mit Verdolmetschung in Deutsche Gebärdensprache und Audiodeskription (Hörbeschreibung). Dank einer Förderung konnte zudem die Produktion Robin Hood in der Insel wieder mit einem vergleichbaren barrierefreien Angebot ausgestattet werden. Für die kommende Spielzeit ist für das Familienstück Der Zauberer von Oz ein ähnliches Angebot geplant. Zudem konnte und kann sich das Badische Staatstheater über professionelle Unterstützung freuen: Das Badische Staatstheater nahm in der Spielzeit 2025/26 am Qualifizierungsprogramm „Mehr Diversität in Kultur" teil - unterstützt durch das Programm „Access Maker – Innovationshub“ von Un-Label aus Köln. Im Rahmen dieses Coachings entstand auch ein Filmbeitrag des Bayerischen Fernsehens für die Sendung „Sehen statt hören“, dem deutschlandweit einzigen Sendeformat für eine Taube Zielgruppe. Außerdem nimmt das Staatstheater Karlsruhe am Kooperationsprogramm "Kurswechsel Kultur – Netzwerk. Richtung. Inklusion." der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Baden-Württemberg e. V. sowie des Zentrums für Kulturelle Teilhabe Baden-Württemberg (ZfKT) teil und profitiert vom Austausch mit anderen Kulturinstitutionen. „Angesichts von Kürzungen und Personalabbau wird es jedoch zunehmend schwieriger, inklusive Programmangebote umzusetzen“, so die Theaterleitung.

Sparte Oper

Von den insgesamt 138 Veranstaltungen der Opernsparte (bei durchschnittlich 77 Prozent Auslastung) mit stabilen 79.000 Gesamtbesucher:innen erwies sich erwartungsgemäß die Händel-Festspieloper Tamerlano als die einnahmenstärkste Produktion. Auch die Wiederaufnahme der Händel-Oper Rinaldo brachte beste Einnahmen – wie auch die Neuinszenierung von Wagners Lohengrin durch das Regieteam um Manuel Schmitt, das mit seinem starken Regiezugriff und der eindringlichen Mahnung vor politischen Verführungsmechanismen darüber hinaus bei allen sieben Vorstellungen restlos ausverkaufte Ränge verbuchen konnte. Internationales Presseecho fand neben Lohengrin insbesondere die Wiederentdeckung von Jean-Philippe Rameaus Oper Les Boréades, die die Programmlinie unbekannter französischer Werke fortsetzte und auch die Ballettcompagnie in hohem Maße szenisch einbezog, und insgesamt eine erfreuliche Auslastung von über 91 Prozent verzeichnete. Die charmanten Comedian Harmonists erfreuten sich auch in der Wiederaufnahme großer Beliebtheit, ebenso die Wiederaufnahme La Bohème. Auch Anna Dreschers bildstarke Neuinterpretation des Opernkrimis Rigoletto sorgte für große Nachfrage. In den Genuss zweier Werke konnten auch Menschen kommen, denen der Besuch vor Ort nicht möglich war: Francis Poulencs ergreifendes Werk Les Dialogues des Carmélites wie auch Tamerlano wurden von SWR Kultur aufgezeichnet und in der Reihe ARD Oper gesendet.

Christoph von Bernuth (Operndirektor) © Arno Kohlem

Die Festspielleitung der 48. Internationalen Händel-Festspiele 2026, bestehend aus Operndirektor Christoph von Bernuth als Künstlerischem Leiter, der Leitenden Opern- und Konzertdramaturgin Stephanie Twiehaus und Orchesterdirektor Oliver Kersken, konnte eine noch positivere Bilanz ziehen als im Vorjahr: Im Festspielzeitraum vom 20. Februar bis zum 8. März 2026 wurden die insgesamt 28 Veranstaltungen von über 15.000 Menschen besucht. Dabei konnten allein die 14 Opernaufführungen und Konzerte im Großen Haus des Staatstheaters eine Auslastung von über 90 Prozent verbuchen. Darüber hinaus entwickelten sich die Festspiele zu einem wahren Fest der Countertenorstimmen: Sopranist Maayan Licht sorgte für ein restlos ausverkauftes Haus im Galakonzert, und die Farinelli-Gala versammelte erstmals fünf Countertenöre, darunter auch den Weltstar Bruno de Sà, der im kommenden Jahr zurückkehren wird.

Sparte Schauspiel

Die Wut, die bleibt in der Inszenierung von Oberspielleiterin Brit Bartkowiak avancierte auch in der zweiten Spielzeit zum Kassenschlager und sorgte in acht Vorstellungen mit begeistertem Publikum für durchschnittliche Auslastung von über 92 Prozent. Und auch eine Neuinszenierung von Brit Bartkowiak erwies sich als Erfolgsproduktion: Der zerbrochne Krug mit der Uraufführung des Epilogs von Maria Milisavljević begeisterte mit seinem Setting in einer Western-Szenerie und einer starken Präsenz der Figur der Eve nicht nur das junge Publikum und konnte sogar durchschnittlich 93 Prozent Auslastung verzeichnen. Den größten finanziellen Erfolg konnte die Uraufführung der Pop-Oper Geschichten aus dem Wiener Wald verbuchen, aber auch Publikumsliebling Anne Müller sorgte für volle Säle wie volle Kassen: Mit der Bearbeitung des jüngsten Joachim Meyerhoff-Romans Man kann auch in die Höhe fallen und dem Songabend Showtime brachte sie Abgründe wie Komik gleichermaßen zum Vorschein. Insgesamt erreichte die Schauspielsparte (mit 195 Vorstellungen bei 72 Prozent durchschnittlicher Auslastung) weit über 32.000 Menschen – trotz Wegfall der Spielstätte Studio und zehn gespielten Vorstellungen weniger gegenüber dem Vorjahr im Kleinen Haus.

Brit Bartkowiak (Oberspielleiterin Schauspiel) © Arno Kohlem

Sparte Ballett

Große Investitionen zahlen sich aus – die aufwändige Neuproduktion Dracula übertraf im Badischen Staatsballett alle Erwartungen: Zehn Vorstellungen und eine Soirée vor vollständig ausverkauftem Haus sind die Bilanz für das eindrucksvolle Gesamtkunstwerk in der Choreografie von Kenneth Tindall mit der Originalkomposition von Alexandra Harwood, live interpretiert von der Badischen Staatskapelle, und sprechen eine deutliche Sprache. Ganz offensichtlich hat die Leitung des Staatsballetts hier den richtigen Riecher bewiesen – umso mehr schmerzte die Absage der Vorstellung am 17.7. aufgrund des Ausfalls der Brandmeldeanlage. Im Januar 2027 wird die Produktion wiederaufgenommen. Die einzige Produktion, die Dracula auf der Beliebtheitsskala im Durchschnitt ganz knapp den Rang ablaufen konnte, war die Wiederaufnahme des Märchenklassikers Das Mädchen & Der Nussknacker in der Neuinterpretation von Bridget Breiner – dies war auch die einnahmenstärkste Veranstaltung, gefolgt von der Ballettgala als Highlight der Ballettsaison. Die Ballett-Sparte erreichte in 55 Vorstellungen (Auslastung 82 Prozent) insgesamt 37.500 Menschen.

Raimondo Rebeck (Ballettdirektor), Kristina Paulin (Stellvertreterin des Ballettdirektors, Ballettmeisterin und Hauschoreografin) © Arno Kohlem

Sparte Konzert

105 Konzertveranstaltungen von opulent besetzter Sinfonie bis zum intimen Kammerkonzert bot das Konzertprogramm der Badischen Staatskapelle. Das traditionsreiche Orchester und sein GMD Georg Fritzsch konnten wieder einmal ihre Expertise in der Interpretation großer Werke der Spätromantik beweisen und stellten mit dem 7. Sinfoniekonzert den Besucher:innenrekord über alle Sparten hinweg auf: In diesem Sinfoniekonzert setzten sie mit der mitreißenden Interpretation von Gustav Mahlers monumentaler Sinfonie Nr. 3 d-Moll ein Ausrufezeichen – mit über 100 Minuten Spieldauer eine der längsten Sinfonien der Musikgeschichte, und mit über 100 Personen im Orchester, einer Alt-Solistin und zwei Chören eine der größtbesetzten und schillerndsten Partituren der Spätromantik. Einnahmenstark war auch das Neujahrskonzert, und überwältigend große Nachfrage zeigte sich auch beim 2. Sonderkonzert mit Tom Gaebel, bei dem die Staatskapelle in einer gemeinsamen Hommage an Frank Sinatra erneut ihre Vielseitigkeit bewies. Dass auch das Engagement hervorragender Solist:innen eine wichtige Rolle spielt, erwies sich im 5. Sinfoniekonzert: Der preisgekrönte Münchner Cellist Maximilian Hornung sorgte mit seiner Interpretation des Cellokonzert e-Moll op. 85 von Edward Elgar in Kombination mit Beethovens 7. Sinfonie für ausverkaufte Ränge. Insgesamt erreichte die Konzert-Sparte 37.000 Menschen (Auslastung 77 Prozent).

Sparte Junges Staatstheater

Das Junge Staatstheater hält den Rekord der meisten Veranstaltungen der Spielzeit: in stolzen 283 Veranstaltungen konnten Kinder, Jugendliche und Familien anspruchsvolles, zeitgemäßes und auf ihre Bedürfnisse abgestimmtes Theater erleben. Das Junge Staatstheater bespielte neben der Hauptspielstätte Insel auch das Kleine Haus, und brachte vor allem mit zahlreichen mobilen Aufführungen in Schulen oder Kitas junge Menschen mit Theater in Berührung. Besucherstärkste Produktion war erwartungsgemäß das Familienstück zur Winterzeit – in dieser Spielzeit wurde Die Schneekönigin nach Hans Christian Andersen in der Inszenierung von Spartenleiterin Nele Tippelmann gezeigt. Im Kleinen Haus begleiteten über 18.000 Zuschauer:innen in 61 Vorstellungen die junge Heldin Gerda auf ihrer abenteuerlichen Reise zur Rettung ihres besten Freundes Kai – die durchschnittliche Auslastung lag bei rund 87 Prozent. In der Beliebtheit ungebrochen, und diesmal an erster Stelle: Die Wiederaufnahme von Martin Kindervaters Inszenierung von Dürrenmatts schwarzer Komödie Die Physiker – diesmal im Kleinen Haus. Auch die Wiederaufnahme Die Welle nach dem berühmten und bedrückend aktuellen Roman von Morton Rhue, ebenfalls in der Inszenierung von Martin Kindervater, blieb ein Renner beim jugendlichen Publikum. Insgesamt erreichte das Junge Staatstheater 37.000 Menschen (Auslastung 80 Prozent).

Nele Kathlen Tippelmann (Leitung Junges Staatstheater), Jannika Erdmann (Dramaturgin Junges Staatstheater) © Arno Kohlem

Bereich Digitaltheater

Die zunehmende Digitalisierung der Welt und ihre Auswirkungen als verhandeltes Thema einerseits, und digitale Kunst als Darstellungs- und Gestaltungsmittel andererseits verschmolzen im inzwischen etablierten Digitaltheater erneut zu einer spannenden Mischung. In Kooperation mit der Sparte Schauspiel wurden zwei spannende Produktionen realisiert: Die Spielzeit begann mit der Inszenierung Broadcast Yourself – Ein Theaterstück wie ein einsamer Abend am Smartphone, die das Neue Entrée als Spielort etablierte. Der Abend nahm das Phänomen YouTube in den Blick, das mit über 20 Milliarden selbst gedrehten Videos das größte Archiv der modernen Menschheit bildet, und zeigte ein ebenso unterhaltsames wie schonungsloses Porträt unserer Gesellschaft. Der dystopische Abend 1984/2052 von Kevin Barz und Anna Teresa Schmidt nach George Orwells Romanvorlage konzentrierte sich in der Neufassung auf die digitale Revolution mit ihren technischen Möglichkeiten und spann unser dauerüberwachtes Leben weiter in ein Jahr 2052. Nicht nur aufgrund hoher Nachfrage, sondern auch aufgrund seiner schmerzlichen Aktualität wird dieser Abend weiter im Programm bleiben. Die im Programm Zero - Klimaneutrale Kunst- und Kulturprojekte der Kulturstiftung des Bundes geförderte Stadtoper Paradise Found ging darüber hinaus in die zweite Runde. Zu den sechs Episoden der klimaneutralen Mitmachoper aus Interviews mit Karlsruher:innen gesellten sich weitere sechs, ebenfalls zu sehen in den himmelblauen, über den Stadtraum verteilten Mixed-Reality-Stationen. Ab Mai wurde im Rahmen der Wochen der Nachhaltigkeit ein interaktiver Audiowalk entlang der Stationen angeboten, am Ende der Spielzeit das Projekt mit einer Abschlussveranstaltung verabschiedet. Das Digitaltheater nimmt aus diesem Projekt nicht nur Erfahrung in der Realisation klimaneutraler Projekte mit, sondern auch zahlreiche Kontakte zu anderen Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen der Stadt, die auch in Zukunft weiter gepflegt und genutzt werden. Ein konkretes Beispiel: In der neuen Spielzeit wird das Digitaltheater die Neuproduktion Karneval der Tiere im Staatlichen Museum für Naturkunde zeigen.

Kevin Barz (Leiter Digitaltheater), Anna-Teresa Schmidt (Dramaturgin Digitaltheater) © Arno Kohlem

Theaternahes Rahmenprogramm und sonstige Veranstaltungen

Zu Veranstaltungen im theaternahen Rahmenprogramm zog es in diesem Jahr knapp 17.000 Menschen; etwa die Hälfte davon hatte das Theaterfest zum Spielzeitstart neugierig gemacht. Zum theaternahen Rahmenprogramm zählen u. a. auch verschiedenen Formate der Abteilung Kunst + Vermittlung für junges Publikum: die Lese-Inseln an verschiedenen Orten im Stadtraum, die Sneaks für Junges Publikum, zahlreiche Workshops, Theaterlabore und andere Beteiligungsformate. Bei sonstigen Veranstaltungen sorgten nicht nur die Galas zum Spielzeitbeginn und -abschluss sowie Talk-, Einführungs- und Mitmach-Formate für eine Zahl von insgesamt über 5.100 Besuchende: In Bezug auf Theaterführungen hinter die Kulissen oder Baustellenführungen durch das Neue Kleine Haus (Modul 1) überstieg die große Nachfrage erneut nahezu die Kapazitäten – insgesamt gut 3.200 Besuchende wollten das Staatstheater auf diese Weise für sich entdecken.

Ausblick

Theaterfest am 19.9.

Die Spielzeit wird ab 11 Uhr eröffnet mit dem Theaterfest, bei dem sämtliche Mitarbeitenden des Staatstheaters einen ganzen Tag lang für alle Altersklassen ein abwechslungsreiches Programm aus Kunst und Musik, mit spannenden Einblicken und interessanten Begegnungen bieten. Drinnen, draußen, überall*. Am Abend gewährt die Spielzeit-Preview im Großen Haus erste Eindrücke von dem, was das Publikum alles in der Saison 2026/27 erwartet – moderiert von Intendant Christian Firmbach: Vorhang auf! Und im Anschluss wird ab 21 Uhr weitergelacht und getanzt, denn im Kleinen Haus starten wir aus feierlichem Anlass eine Party: DANCE!

Das Theaterfest hält für alle Generationen ein spannendes Programm bereit:

• Öffentliches Balletttraining, öffentliche Proben von Oper und Ballett, Pyrotechnik-Show, Kostüm- und Maskenversteigerung, Opernensemble und Korrepetitor:innen stellen sich vor


• Mitmach-Programm: große Opern-Rateshow, Dirigierkurs mit GMD Georg Fritzsch, Mitsingchor des Badischen Staatstheaters, Let’s Play! mit Mario-Kart-Edition, Tanzworkshop zu Dracula, Fragerunde mit Intendant Christian Firmbach, Schauspieler:innen lesen mitgebrachte Texte des Publikums

• Theaterführungen, Baustellenführungen & Workshops


• Kinder- & Familienprogramm mit Zaubershow, Schmink- und Verkleidungs-Ecke, Fotobox, Hüpfburg, Instrumente basteln und einer Rallye mit dem Jungen Staatstheater

• Infostände und Aktionen von Kooperationspartner:innen, Initiativen und Verbänden aus der Stadt

• Speisen & Getränke vom Imbiss über Süßspeisen bis zum Fine Dining

• … und vieles mehr

* Alle Veranstaltungen tagsüber sind am 19.9. kostenfrei. Theaterführungen, Baustellenführungen und die Kreativwerkstatt kosten 5 Euro, die Anzahl der Teilnehmenden ist begrenzt. Für die weiteren Workshops wird lediglich ein Gratis-Ticket benötigt. Buchbar am 19.9. ab 10 Uhr im Webshop, telefonisch oder an der Tageskasse im K. Für die Veranstaltung Vorhang auf! werden Eintrittskarten benötigt (16 Euro / erm. 8 Euro), ebenso für die Partynacht im Kleinen Haus DANCE! (5 Euro).

Vorverkauf und erste Premieren

Der Vorverkauf der gesamten neuen Spielzeit ist bereits gestartet. Tickets können online, telefonisch oder bei unserem Team vom Kartenservice vor Ort im K. erworben werden. Spannende Premieren erwarten das Publikum: Im Musiktheater eröffnet Andrew Lloyd Webbers Erfolgsmusical Sunset Boulevard mit den internationalen Musical-Stars Filippo Strocchi und Vasiliki Roussi. Die Schauspiel-Uraufführung Das Prinzip Hoffnung verwandelt das große Werk des Philosophen Ernst Bloch in ein Stück Postgenre-Musiktheater, und das Staatsballett startet mit einer Neukreation der Cinderella Geschichte für Kinder und Familien. Das junge Staatstheater erzählt in der Uraufführung familienalbum.karlsruhe ein Stück jüdischer Stadtgeschichte, das Digitaltheater macht einen nächtlichen Ausflug ins Naturkundemuseum mit Karneval der Tiere, und das Konzertprogramm beginnt mit Highlights wie Dvořáks Sinfonie „Aus der neuen Welt“ im 1. Sinfoniekonzert.

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