Hamburg, Staatsoper, Macbeth - G. Verdi, IOCO

12. September 2026

Hamburg, Staatsoper, Macbeth - G. Verdi, IOCO
Kartal Karagedik/Macbeth und Nino Machaidze/Lady Macbeth ©Monika Rittershaus

Die Eröffnungs-Premiere der neuen Spielzeit 2026-27 an der Hamburgischen Staatsoper war Verdis „Macbeth“, die beeindruckende musikalische Umsetzung des Dramas von William Shakespeare – ein faszinierendes Werk, welches durch seine dramatische Kraft, expressive Musiksprache und psychologische Raffinesse besticht und die dunklen Themen von Macht, Verrat und Schuld widerspiegelt.

Die Handlung beginnt eigentlich damit, daß die Hexen Macbeth prophezeien, König zu werden. Von Ehrgeiz getrieben ermordet Macbeth den amtierenden König Duncan, um den Thron zu besteigen. Seine Frau, Lady Macbeth, unterstützt ihn bei den Verbrechen, doch die Schuldgefühle und die zunehmende Unsicherheit führen zu moralischem Verfall. Die Oper endet mit Macbeths und Lady Macbeths Tod und mit der Rückkehr zur alten Ordnung.

Nino Machaidze/Lady Macbeth und Kartal Karagedik/Macbeth ©Monika Rittershaus

Seit einem Jahr ist der Regisseur Tobias Kratzer Intendant der Hamburgischen Staatsoper, und er hatte so seine eigenen Ideen für diese seine Macbeth-Neuinszenierung.

Das von seinem Ausstatter Rainer Sellmaier eingerichtete Einheitsbühnenbild, eine dunkle, sehr sparsam beleuchtete Bühne (Lichtregie Michael Bauer), besteht vor einer dunklen graugrünen Holz-Rückwand lediglich aus einem Halbrund mit sechs Stufen, ähnlich einem antiken griechischen Amphietheater, auf dem der dauerhaft anwesende Chor platziert ist und das Geschehen auf der davor befindlichen kleineren Spielfläche beobachtet und jeweils, mal als Hexen, mal als schottische Adlige oder mal als englische Soldaten, entsprechend kommentiert. Eine grelle, den Zuschauer blendende Lichterkette ersetzt stets einen Zwischenvorhang und trennt die einzelnen Szenen und Bilder voneinander.

Vorn auf der Spielfläche wird ein Teppich ausgerollt. Auf ihm spielt sich ein harmonisches Familienleben ab: Kratzer hat Macbeth und seiner Gattin einen Sohn zugedacht, mit dessen Spielsachen man sich beschäftigt, auch setzt Lady Macbeth ihrem Kind eine Papierkrone aufs Haupt. Dieser Sohn wird im vierten Akt von Macduff getötet, nachdem dieser zuerst Macbeth erschossen hat. Zwischen Macbeth und Lady Macbeth gibt es sogar eine Liebesszene, und der Tod seiner Gattin nach der Wahnsinns-Szene ließ ihn offensichtlich auch nicht völlig kalt.

Für Kartal Karagedik ist die Partie des Macbeth ein Rollendebüt. Was seine Stimme angeht, so setzte er seinen markanten, modulationsfähigen Bariton zunächst recht verhalten ein. Jedoch steigerte er sich im Laufe des Abends hörbar, und an Durchsetzungsvermögen fehlte es ihm eigentlich auch nicht. Es war eben sein Rollendebüt, und mit der Zeit wird er sicherlich auch in diese Rolle hineinwachsen. Durchaus liebevoll agierte er in seinen Szenen mit Lady Macbeth und mit dem Sohn, wenn dieser gerade in die Handlung involviert war.

Kartal Karagedik/Macbeth ©Monika Rittershaus

Für Nino Machaidze ist die Lady Macbeth ebenfalls ein Rollendebüt. Gekleidet zunächst in Jeans und grauer Strickjacke während des Familienidylls mit Mann und Sohn auf dem ausgerollten Teppich, später in rosée-silberner Robe (Kostüme ebenfalls von Rainer Sellmaier), war sie darstellerisch eine intensiv agierende, wenn auch nicht wirklich gefährlich wirkende Lady. Sie gefiel mit ihrem farbenreichen Sopran, gut sitzender Höhe und problemlosen Koloraturen, der lediglich im unteren Bereich an seine Grenzen stieß.

Nino Machaidze/Lady Macbeth, links Alexander Vinogradov/Banco, rechts Dovlet Nurgeldiyev/Macduff, dahinter der Chor ©Wolfgang Radtke

Reinsten Schöngesang und tadellose Stimmführung bot Dovlet Nurgeliyev als Macduff, wenn er in seiner großen Arie „O figli miei“ im vierten Akt tieftraurige, ergreifende Töne anschlägt und die Ermordung seiner Familie beklagt. Daß Macduff am Ende, nachdem er Macbeth getötet hat, dessen Sohn andeutungsweise die Kehle durchschneiden muß, war dann doch überraschend.

Dovlet Nurgeldiyev/Macduff und Chor ©Wolfgang Radtke

Alexander Vinogradov in der Partie des Banco mit seinem voluminösen, gut konrollierten Bass und schöner Mittellage, hatte darstellerisch so einiges zu leisten, wenn er als besorgter Vater seinen Sohn rettet, von den Soldaten bei vom Bühnenhimmel herab strömendem Regen hinter zahlreichen Regenschirmen ermordet wird, als Leichnam – wie auch König Duncan – lange auf der Bühne liegen bleiben muß und schließlich beim Fest mehrfach als Geist aufzutreten hat.

Das Ensemble beim Schlußapplaus ©Wolfgang Radtke

Colin Aikins mit klangschönem lyrischen Tenor als Malcolm, Mariana Poltorak als Lady-in Waiting und Chao Deng als Arzt, sowie Christopher Jähnig und Inez Lopez Fernandez als Erscheinungen und kostümiert als Doppelgänger von Macbeth und Lady Macbeth rundeten das Ensemble ab.

Der von Alice Meregaglia hervorragend einstudierte Staatsopern-Chor wurde seiner tragenden Rolle, die Verdi dem Chor dieser Oper zugeschrieben hat, vollauf gerecht, sang wunderbar ausgewogen, differenziert und erntete am Ende berechtigten Sonderapplaus.

Dirigent Tomás Hanus und das Ensemble ©Wolfgang Radtke

Auch der tschechische Dirigent Tomás Hanus debütierte an diesem Abend an der Staatsoper. Er leitete das Philharmonische Staatsorchester sehr inspiriert, mit wunderbar herausgearbeiteten, fein abgestuften Klangfarben, in manchen Szenen weich fließend und fast kammermusikalisch, dennoch einen herrlich strömenden italienischen Verdi-Wohlklang erzeugend, welches ihm am Ende den stürmischen Beifall des Premierenpublikums sicherte, in den sämtliche Solisten und der Chor einbezogen wurde. Lediglich Tobias Kratzer mußte sich für seine Regie-Einfälle einige heftige Buhs gefallen lassen.

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