Düsseldorf, Schauspielhaus Düsseldorf, PRINZ VON HOMBURG - Heinrich von Kleist, IOCO

Düsseldorf, Schauspielhaus Düsseldorf, PRINZ VON HOMBURG - Heinrich von Kleist, IOCO
Schauspielhaus Düsseldorf, Foto: ingenhoven architects

WAS IST GERECHT?

 Premiere vom 28. 9. 2025

 Von Rainer Maaß

Diese Premiere ist keine normale Premiere. Es ist die erste der neuen Saison. Mit ihr feiert Andreas Karlaganis seinen Start als General-Intendant des Düsseldorfer Schauspielhauses. Es ist somit die erste Aufführung in einer neuen Ära.

 Ganz und gar nicht neu ist das Stück, mit dem Andreas Karlaganis seine Amtszeit beginnt. Er entschied sich für einen Klassiker, den der eine oder andere Zuschauer sicher noch aus der Schulzeit kennt. Die meisten wissen wohl, worum es bei diesem berühmten Werk von Heinrich von Kleist geht. Um einen Krieg. Um eigenmächtiges Handeln. Um Gerechtigkeit, Recht und Gehorsam.

 

DER PRINZ VON HOMBURG, Foto: Thomas Rabsch

„In den Staub mit allen Feinden Brandenburgs“! So lautete das Credo in der Schlacht bei Fehrbellin, mit der von Kleist den Preußen ein Denkmal setzte.

 Wie nun lässt sich die Geschichte von ‚Prinz von Homburg‘ erzählen, dass sie ins Heute passt? Die Regie von Ulrich Rasche hat auf alles verzichtet, was einem zum ‚Prinz von Homburg‘ einfallen könnte: Uniformen, Kanonen, Feldlager, Blut etc.

 Die Bühne macht Ulrich Rasche zum Ort der permanenten Bewegung. Der Raum ist endlos dunkel. Nur eine Batterie von Leuchtstäben hängt von der Decke und beleuchtet die Bühne. Der Boden dreht sich linksherum. Die Darsteller bewegen sich zu einem rhythmischen Takt in die Gegenrichtung. Oder umgekehrt. Ihre eigentümliche Beinhaltung lässt sie aussehen, als würden sie wie Marionetten von einer Kraft über ihnen geführt. Kein Stopp. Kein Zurück. Durch das gesamte Stück hindurch sind alle Darsteller ständig in Bewegung.

DER PRINZ VON HOMBURG, Foto: Thomas Rabsch

 

Ulrich Rasche setzt auf die Kraft der Worte. Alles ordnet sich den Versen von Kleist unter.

Der Zuschauer kann und soll sich ganz auf die Worte konzentrieren. Darum sind die Darsteller einheitlich schwarz gekleidet. Darum sprechen sie langsam und sehr klar. Ihre Sätze sind gebettet auf den Tönen eines Cellos und eines Schlagzeugs, die von zwei tollen Musikern am Bühnenrand gespielt werden Sie geben den Takt an, wenn Texte im Chor gesprochen werden.

 Die Verse machen klar, worum es geht. Das Stück beginnt mit einer Traumsequenz, in der der Prinz sich einen Moment vom Soldatsein löst und seinen Gefühlen nachspürt. Dabei kommt es zu einer ersten Begegnung mit der Tochter des Kurfürsten, die sich später für ihn einsetzen wird. Dann geht es wieder in die Schlacht.

DER PRINZ VON HOMBURG, Foto: Thomas Rabsch

Hierbei gibt der Prinz seinem Regiment voreilig den Befehl zum Angriff, was zum Sieg führt, aber den Befehlen widerspricht. Auf dieses Vergehen steht die Todesstrafe. Trotz des Sieges. Seine Kameraden und die Frau, die ihn liebt, bitten um Gnade.  Der Fürst beteuert, er hätte keine andere Wahl. so sei das Gesetz.

 Erst als der Prinz bereit ist zuzugeben, dass er an Stelle des Fürsten genauso entschieden hätte, begnadigt ihn sein Fürst.

Damit ist klar, der Prinz wird nicht mehr seinen Gefühlen folgen, sondern sich als Soldat dem unabdingbaren Gehorsam verpflichten. Er hat erkannt, dass Recht und Ordnung über der Freiheit des Handelns stehen. So kann der Fürst ihn begnadigen.

 

DER PRINZ VON HOMBURG, Foto: Thomas Rabsch

Zu bewundern ist nicht nur die Leistung der Schauspielerinnen und Schauspieler, so wie die der Musiker. Es war ein unglaublicher körperlicher und choreographischer Einsatz, der hier gefordert wurde. André Kaczmarczyk als Prinz von Homburg ist natürlich besonders hervorzuheben, aber auch Patryzia Ziolkowska als Darsteller-(in) des Kurfürsten und Lucia Kotikova als die geliebte Natalia.

Eine beeindruckende Vorstellung, die zu Recht mit viel Beifall belohnt wurde.

 Auch die Zuschauer haben für 3,5 Stunden viel Ausdauer benötigt.

Danke für die Pause zum Kraftschöpfen.

 

 

 

 

 

 

 

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