Düsseldorf, Schauspielhaus, Die unendliche Geschichte, IOCO

Düsseldorf, Schauspielhaus, Die unendliche Geschichte, IOCO
Caroline Cousin (c) Thomas Rabsch

Premiere vom 23.05.2026

 

Nichts? Oder Alles?

 

Das Buch ‚Die unendliche Geschichte‘ ist ein Klassiker. Bei vielen Menschen steht das Werk von Michael Ende im Bücherregal. Wer es hat, hat es höchstwahrscheinlich auch gelesen. Oder -so sagt man- sogar verschlungen. Wie es auch andersherum geht, dass also ein Leser bzw. eine Leserin aktiver Teil der Geschichte wird, macht die unendliche Geschichte so einzigartig.

 

Genau das passiert Caroline Cousin in der Rolle der frustrierten Schülerin Baya Balthasar Bux in der neuen Schauspielversion. Das Mädchen hockt am Bühnenrand und vertieft sich laut lesend in ihre Lektüre. So lässt Regisseur Roger Vontobel seine Inszenierung beginnen. Wie herbeigezaubert erscheinen auf der Bühne Fabel-Figuren, die der Fantasie des lesenden Mädchens entspringen. Rätselhafte Wesen, Fnott Tadese als ‚Irrlicht Blubb‘, Belendjwa Peter als ‚Rennschnecke Ückück‘ oder Jonas Friedrich Leonardi, der Atrax das herrlich steppende Pferd darstellt, das den mutigen Krieger Atréju Moritz Klaus, zu der fleißigen Leserin am Bühnenrand bringt.

Moritz Klaus, Alexander Wanat (c) Thomas Rabsch

 

Mit viel Kreativität haben die Bühnen- und Kostümgestalter eine wunderbar magische Atmosphäre geschaffen, die nicht nur die Kinder unter den Zuschauern in Bann zieht.

 

Von Atréju erfährt Baya, wie sehr und wo sie gebraucht wird: In Phantásien! Dem Land, das Wünsche erfüllt und Träume wahr werden lässt. Doch dieses Fantasie-Paradies ist in Gefahr. Ein geheimnisvollen NICHTS will es zerstören. Immer wieder stürzen Fabelwesen in den Abgrund und verschwinden im dunklen Nichts. Schlimmer noch: Die Herrscherin von Phantásien, die Kindliche Kaiserin, Claudia Hübbecker ist todkrank. Rettung kann nur ein Menschenkind bringen. Baya ist die Auserwählte. Sie wird Teil der Handlung.

 

Geführt von Atréju und beschützt durch ein magisches Amulett, das übernatürliche Kräfte verleiht, tritt Baya die Reise zur ‚Kindlichen Kaiserin‘ an: Begleitet werden sie von Alexander Wanat als ‚Glückdrache Fuchur. Dank der Inszenierung und Ausstattung ist diese Episode ein  Highlight des ersten Teils, der auf der großen Bühne des Schauspielhauses zu erleben ist. Denn für diese unendliche Geschichte reicht eine Bühne nicht aus.

Fnot Taddese, Belendjwa Peter, Felix Werner-Tutschku (c) Thomas Rabsch

 

Für Teil zwei wird der Gründgens-Platz zur Bühne. Vor der imposanten Fassade des Düsseldorfer Schauspielhauses rettet Baya die Kindliche Kaiserin und Phantásien. Sie belohnt die tapfere Schülerin mit einem Schwert, das diesem guten Mädchen unbeschränkte Macht verleiht. Sie soll in Phantásien eine neue bessere Welt erschaffen.

 

Was zu viel Macht in einer Hand bedeutet, wusste man zur Zeit von Michael Ende. Und sieht man heute. Nichts ist vom romantischen ersten Teil geblieben. In Teil zwei ist alles ist nur das Wetter herzerwärmend. Hier gerät Baya in den Bann einer bösen Hexe. Flammenwerfer werden angeworfen. Baya vergisst wer sie wirklich ist. Sie strebt nach Macht und Anerkennung. Vermummte Kämpfer fahren vor. Fast tötet Baya ihren Freund Atréju. Ist es die neue Realität oder war alles nur ein böser Traum? Am Ende spürte man, dass sich auch die Zuschauer ihr Phantásien heimeligen gewünscht hätten. Dennoch wurde diese sehenswerte Inszenierung und die Leistung der Darsteller mit viel Beifall bedacht.

 

 

 

 

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