Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, SAISONVORSTELLUNG 2026/27, IOCO
Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz startet mit 174 Veranstaltungen in die Saison 2026/27. Chefdirigent Michael Francis, Intendant Michael Gassmann und Artistic Partner Julian Rachlin setzen auf neue Formate, Festivals und internationale Präsenz.
von Uschi Reifenberg
Im Beisein von Kulturministerin Katharina Binz (Grüne) stellten Chefdirigent Michael Francis und Intendant Dr. Michael Gassmann in einer Pressekonferenz das Programm für die Saison 2026/27 vor. Für das Führungsduo Gassmann–Francis ist es die erste gemeinsam geplante Spielzeit. Auch Artistic Partner Julian Rachlin war per Live-Schaltung an dem Gespräch beteiligt.
Ludwigshafen: Insgesamt 174 Veranstaltungen an 43 Spielorten im In- und Ausland spiegeln die künstlerische Vielfalt des Orchesters und seine starke regionale sowie internationale Präsenz wider. Das Programm umfasst 90 Eigenveranstaltungen sowie 84 Gastkonzerte – darunter Tourneetermine und 63 Konzerte für Kinder und Familien. Bereits in der zweiten von drei Spielzeiten prägt der international renommierte Geiger und Dirigent Julian Rachlin als „Artistic Partner“ das Orchester. Die neue Saison sei sowohl von Kontinuität als auch von Aufbruch geprägt. „Dass wir diesen Weg gehen können, verdanken wir einem Orchester, das so inspiriert, konzentriert und klanglich geschlossen spielt wie nie zuvor. Es ist ein Klangkörper von höchstem Format und zugleich von großer menschlicher Wärme. Diese Verbindung ist keine Selbstverständlichkeit“, betont Michael Gassmann.
Mit Beginn der Saison 2026/27 setzt die Staatsphilharmonie ein deutliches Zeichen für künstlerische Weiterentwicklung und strukturelle Stärkung. Der Saisonauftakt wird künftig unter ein jährlich wechselndes Motto gestellt. Unter dem Titel „AUFTAKT – Neue Wege“ bündelt das Orchester seine künstlerische Energie zu Beginn der Spielzeit in insgesamt acht Konzerten und präsentiert damit seinem Publikum gleich zu Saisonbeginn ein vielfältiges Programm auf höchstem Niveau.
Auch strukturell gibt es neue Akzente: In Ludwigshafen wird die zweite Abonnementreihe künftig als reines Sonntagsabo um 11 Uhr angeboten. Gleichzeitig werden sowohl das Freitags- als auch das Sonntagsabo auf jeweils sechs Programme erweitert. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die Präsenz und den festen Standort des Orchesters nachhaltig zu stärken und dem Abonnentenzuwachs gerecht zu werden.
Ein besonderer Fokus liegt auf der weiteren Verankerung in der Region Pfalz. In Wörth wird erstmals das dreiteilige Format „Abo Apéro“ in eigener Verantwortung und in Kooperation mit der Stadt etabliert. Ferner erfährt das Musikfest Speyer zum Abschluss der Saison eine deutliche inhaltliche Erweiterung: Im Jahr 2027 widmet sich das Festival dem weniger bekannten Repertoire Ludwig van Beethovens und präsentiert die Staatsphilharmonie in ihrer gesamten künstlerischen Bandbreite – vom Sinfonieorchester über Kammermusikformationen bis zu Jazz-Quartett, Vokalensemble und Akademie.

Parallel dazu baut das Orchester sein Engagement im Bereich Musikvermittlung kontinuierlich aus. Um dieser wichtigen Arbeit künftig mehr Raum zu geben, erscheint die Saison 2026/27 erstmals in Form einer Doppelbroschüre mit den Bereichen „Konzerte“ und „Engagement“. Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz vereint künstlerische Exzellenz mit gelebtem gesellschaftlichem Engagement und entfaltet dabei eine außergewöhnliche Bindungskraft: Als musikalische Botschafterin spricht sie Menschen im ganzen Land an und eröffnet Teilhabe an besonderen Kulturerlebnissen. Durch vielfältige Projekte erreicht sie auch Menschen weit über die Konzertsäle hinaus – in Schulen, sozialen Einrichtungen und im öffentlichen Raum. Auch in der kommenden Saison dürfen wir uns auf ein hochkarätiges Programm freuen, mit dem die Erfolgsgeschichte unter dem neuen Intendanten Michael Gassmann eindrucksvoll fortgeschrieben und um neue Impulse bereichert wird“, betont Kulturministerin Katharina Binz.
Chefdirigent Michael Francis prägt die Saison
In der Spielzeit 2026/27 dirigiert Chefdirigent Michael Francis 36 Konzerte, den Tag der offenen Tür und eine öffentliche Probe. Dabei ist er nicht nur bei den Abonnement-Konzerten in Mannheim und Ludwigshafen präsent, sondern auch in den Partnerstädten von Mainz bis Landau und von Kaiserslautern bis Speyer.
„Ich erlebe unser Orchester derzeit auf einem künstlerischen Niveau, das so hoch ist wie nie zuvor“, sagt Chefdirigent Michael Francis. „Was mich besonders beeindruckt, ist die leidenschaftliche Hingabe, mit der die Musikerinnen und Musiker ihre Qualität überall abrufen. Ganz gleich, ob wir in den Konzertsälen von Rheinland-Pfalz oder in großen internationalen Häusern auftreten. Diese Konstanz, diese Flexibilität und dieses Engagement sind das Ergebnis eines wechselseitigen Vertrauens, einem gemeinsamen Ziel und einer tiefen Liebe zur Musik.“
Abonnement-Reihen: Mannheim, Ludwigshafen und Wörth
Die Abonnementkonzerte in Ludwigshafen bieten in der Spielzeit 2026/27 eine inspirierende Mischung aus sinfonischen Klassikern, spannenden Raritäten und programmatischen Entdeckungen. Jeweils freitags um 19.30 Uhr sowie sonntags um 11.00 Uhr stehen bei den sechs Doppelkonzerten u. a. Mahlers 3. Sinfonie, Richard Strauss’ „Sinfonia domestica“ und Sergej Prokowjews „Romeo und Julia“ (Auszüge aus den Suiten Nr. 1 und 2) auf dem Programm. Große Momente verspricht auch Beethovens Schauspielmusik zu Goethes „Egmont“ mit einem der wenigen deutschen Hollywood-Schauspieler, Sebastian Koch, als Erzähler.
Die Abonnementkonzerte in Mannheim spiegeln bei weiterhin fünf Konzerten ein breites Spektrum sinfonischer Musik bis ins 21. Jahrhundert wider. Die Reihe bringt sowohl sinfonische Hauptwerke wie Johannes Brahms’ 3. Sinfonie als auch Richard Strauss’ „Alpensinfonie“ auf das Programm. Aber auch Neuentdeckungen wie Francisco Colls Konzert für Posaune und Orchester oder die deutsche Erstaufführung von John Borstlaps Violinkonzert bereichern den Kanon. Besonders erwähnenswert ist auch die Rückkehr von Christoph Eschenbach, der von 1979 bis 1983 Chefdirigent der Staatsphilharmonie war und beim 1. Abonnement-Konzert die Leitung von Bruckners 2. Sinfonie übernehmen wird. Eine wichtige Neuerung der Saison 2026/27 ist die Einführung des neuen Formats „Abo Apéro“ in Wörth am Rhein. Die langjährige enge Zusammenarbeit zwischen Staatsphilharmonie und Stadt wird damit auf eine neue Stufe gehoben und in eine feste Kooperation überführt. Künftig nimmt das Orchester die Festhalle Wörth mit drei Konzerten pro Spielzeit fest in sein eigenes Programm auf. Damit unterstreicht die Staatsphilharmonie ihren Auftrag als Orchester des Landes Rheinland-Pfalz, in der gesamten Region präsent zu sein: Während Wörth bislang im Rahmen von Gastspielen bespielt wurde, entsteht hier nun erstmals eine eigene Abonnementreihe im ländlichen Raum. Diese verbindet hochkarätige Programme mit einem im Preis inbegriffenen kulinarischen Angebot.

Künstlerische Partnerschaft mit Julian Rachlin
Auch die künstlerische Partnerschaft mit Julian Rachlin entwickelt sich in der Saison 2026/27 weiter. Der vielfach gefeierte Geiger und Dirigent ist für insgesamt drei Spielzeiten als Artistic Partner an die Staatsphilharmonie gebunden und prägt in seiner zweiten Saison erneut zentrale Programme. In unterschiedlichen Rollen – am Pult wie auch als Solist – widmet er sich gemeinsam mit dem Orchester einem breit gefächerten Repertoire von der Klassik bis zur Musik des 20. Jahrhunderts.
Julian Rachlin: „Für mich bedeutet die Rolle des Artistic Partner weit mehr als das Dirigieren einzelner Konzerte. Es ist die Möglichkeit, gemeinsam mit dem Orchester künstlerische Ideen zu entwickeln, Programme zu gestalten und eine langfristige Perspektive aufzubauen. Die Staatsphilharmonie ist ein Ensemble, das sich im internationalen Vergleich nicht verstecken muss und mit großer Offenheit und Neugier arbeitet.“
Festivals und Gastspiele
Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz eröffnet ihre Saison 2026/27 mit einem neu konzipierten Festival unter dem Titel „Auftakt“, das künftig jährlich mit wechselnden Mottos den Beginn der Spielzeit markiert. Unter der Leitung von Chefdirigent Michael Francis erwartet das Publikum vom 6. bis 20. September ein dreiwöchiges Programm voller musikalischer Vielfalt und künstlerischer Strahlkraft. Das diesjährige Motto „Neue Wege“ spiegelt nicht nur aktuelle Entwicklungen des Orchesters wider – darunter neue Konzertformate in Ludwigshafen und Wörth, ein erweitertes Musikfest Speyer sowie personelle und strukturelle Veränderungen –, sondern findet auch seine programmatische Entsprechung im Musikjahr 1908. Dieses gilt als epochaler Wendepunkt, in dem Komponisten wie Arnold Schönberg, Maurice Ravel, Edward Elgar, Carl Nielsen, Alexander Skrjabin, Charles Ives und Gustav Mahler mit unterschiedlichsten stilistischen Ansätzen musikalisches Neuland erschlossen.
Auch beim Musikfest Speyer setzt das Orchester neue Akzente: Erstmals wird das Festival (30. Juni bis 4. Juli) durch zahlreiche zusätzliche Konzerte erweitert und gewinnt damit deutlich an Vielfalt und Profil. Ob im Vokalensemble, in Kammermusikformationen oder im Jazz-Quartett – die Musikerinnen und Musiker gestalten das Programm mit großer Kreativität. Das Musikfest präsentiert die ganze stilistische Bandbreite des Orchesters und richtet den Blick im Sommer 2027 auf den weniger bekannten Ludwig van Beethoven, der als roter Faden überraschende Entdeckungen verspricht.
In der Saison 2026/27 unterstreicht die Staatsphilharmonie ihre Rolle als musikalische Botschafterin von Rheinland-Pfalz mit zahlreichen Gast- und Tourneekonzerten. Neben den Konzerten in der Region begleitet das Orchester sowohl Diana Damrau als auch Jonas Kaufmann in bedeutenden Sälen wie der Elbphilharmonie, der Isarphilharmonie, der Alten Oper oder dem Konzerthaus in Wien.
„Noch mehr Konzerte"
Im Laufe der Spielzeit setzt die Staatsphilharmonie auf ein vielseitiges Konzertangebot, das gezielt neue Zielgruppen anspricht und sich durch Kooperationen auch interkulturelle Perspektiven und experimentelle Formate auszeichnet. Am 16. Oktober steht die zweite Runde des Konzertlabors auf dem Programm, ein Format, das aus dem internen Modellprojekt hervorgegangen ist. Beim Konzertlabor loten Mitglieder des Orchesters und der Staatsphilharmonie gemeinsam experimentelle Zugänge aus – mit besonderem Interesse an zeitgenössischer Musik und alternativen Präsentationsformen. Am 5. März wird Aynur Doğan erneut zu Gast sein und am 3. April präsentieren Mitglieder des Orchesters Philharmonischen Barock. Fortgeführt wird auch die Reihe „Musik für alle“ des Pianisten Kai Adomeit, die sich in den vergangenen Jahren als fester Bestandteil des Spielplans etabliert hat. Im Jahresverlauf präsentiert die Staatsphilharmonie darüber hinaus mehrere besondere Konzertabende: ein Weihnachtskonzert in Kooperation mit der Bürgerstiftung Ludwigshafen sowie die traditionellen Silvester- und Neujahrskonzerte – diesmal unter der Leitung von Chefdirigent Michael Francis.
Engagement
Was die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz auf der Bühne präsentiert, spiegelt sich konsequent auch in ihrem gesellschaftlichen Engagement wider: Mit Konzerten und Projekten in Schulen, Kliniken, sozialen Einrichtungen und im öffentlichen Raum ist das Orchester fest im Alltag vieler Menschen verankert. Ob in Familien- und Schulkonzerten, Kooperationen mit Bildungseinrichtungen, transkulturellen Formaten oder Initiativen an der Schnittstelle von Musik, Gesundheit und Umwelt – Musik wird hier zur verbindenden sozialen Kraft, die Teilhabe ermöglicht, Gemeinschaft stärkt und neue Perspektiven eröffnet.
Mit dem transkulturellen Ensemble Colourage hat die Staatsphilharmonie zudem einen Klangkörper entwickelt, in dem sich Musikerinnen und Musiker aus verschiedenen Kulturräumen begegnen und gemeinsam künstlerisch arbeiten – jenseits klassischer Besetzungs- und Repertoiregrenzen.
Ferner setzt das Orchester gezielt auf ökologische Verantwortung: Die Initiative „Cleaning Birds“, von Orchestermitgliedern ins Leben gerufen, engagiert sich regelmäßig bei Müllsammelaktionen in Ludwigshafen und der Region. Außerdem ist die Staatsphilharmonie Teil der bundesweiten Bewegung „Orchester des Wandels“, die sich für den Umwelt- und Klimaschutz innerhalb des Musikbetriebs starkmacht.