Don Quixote

„Don Quixote“ ist ein heiteres Bravourballett von Ludwig Minkus, 1869 von Marius Petipa für das Moskauer Bolschoi-Theater choreografiert. Der gealterte Ritter aus Cervantes’ Roman bildet nur den Rahmen: Im Zentrum steht das verliebte Paar Kitri und Basilio, dessen Geschichte in spanischem Kolorit, übermütigem Tanz und einem berühmten Grand Pas de deux gipfelt.

Fakten zu „Don Quixote“

KomponistLudwig Minkus
Choreografie (UA)Marius Petipa
Libretto / VorlageMarius Petipa nach Episoden aus dem Roman „Don Quijote de la Mancha“ von Miguel de Cervantes
Uraufführung26. Dezember 1869 (14. Dez. jul.), Bolschoi-Theater, Moskau
AufbauVier Akte (heute meist drei Akte mit Prolog; Petipas St. Petersburger Fassung von 1871 in fünf Akten)
Spieldauerca. 2 Std. 45 Min.
GattungBallett
BedeutungEines der bekanntesten Handlungsballette des klassischen Repertoires und Inbegriff des virtuosen Bravourtanzes.

Handlung

Prolog

In seiner Studierstube versinkt der alternde Landadlige Don Quixote in seinen Ritterromanen. Zwischen verstaubten Folianten und einer Rüstung verschwimmt für ihn die Grenze zwischen Lektüre und Wirklichkeit. Er beschließt, als fahrender Ritter auszuziehen, um Unrecht zu sühnen und Ruhm zu erwerben. Aus dem Bild seiner erträumten Idealgeliebten formt er Dulcinea, die edle Dame, der er fortan alle Taten widmet. Als treuen Knappen gewinnt er den gutmütigen, bauernschlauen Sancho Pansa, der ihn vor der Tür erwartet. Mit einer klapprigen Lanze, einem mageren Pferd und einem hölzernen Schild bricht das ungleiche Paar auf. Der Prolog stellt damit nicht die Liebeshandlung vor, sondern die Figur, die dem Ballett den Namen gibt: einen Träumer, dessen Idealismus komisch und rührend zugleich wirkt. Don Quixote bleibt für den Rest des Abends Beobachter und Stichwortgeber, während die eigentliche Geschichte auf einem belebten Marktplatz beginnt.

1. Akt

Auf dem sonnigen Marktplatz von Barcelona herrscht buntes Treiben. Die junge Wirtstochter Kitri liebt den armen Barbier Basilio, doch ihr Vater Lorenzo hat anderes im Sinn: Er will sie mit dem reichen, eitlen Edelmann Gamache verheiraten. Zwischen Toreros, Straßentänzerinnen und Marktleuten entspinnt sich ein übermütiges Spiel aus Necken, Verstecken und Liebeswerben. Der Torero Espada und die Straßentänzerin Mercedes bringen mit Umhang und Fächer spanisches Feuer in die Szene. Mitten in dieses Gewimmel reiten Don Quixote und Sancho Pansa ein. Der Ritter hält die anmutige Kitri für seine erträumte Dulcinea und begrüßt sie mit feierlichem Ernst, während Sancho Pansa von den Marktleuten geneckt wird. Als Lorenzo die Verlobung mit Gamache durchsetzen will, fliehen Kitri und Basilio. Don Quixote, der in dem Paar gute Menschen erkennt, deckt ihre Flucht und sorgt für Verwirrung. Der Akt lebt von Temperament, Kastagnetten und der ersten großen Begegnung von Traum und Wirklichkeit.

2. Akt

Die Flucht führt das junge Paar zunächst in eine Schenke und dann zu einem Lager fahrender Zigeuner. Hier mischen sich Tanz, Verkleidung und ritterliche Verirrung. Don Quixote, von der Welt der Komödianten verzaubert, hält eine Marionettenbühne für Wirklichkeit und greift in das Puppenspiel ein. Dann erblickt er die Flügel einer Windmühle, deutet sie als drohende Riesen und stürmt mit eingelegter Lanze gegen sie an. Die Mühle schleudert ihn zu Boden; betäubt sinkt der Ritter in einen tiefen Schlaf. Es folgt das berühmte Traumbild: Don Quixote sieht sich in einem zauberhaften Garten, in dem Dryaden, Amor und die Königin der Dryaden tanzen. In ihrer Mitte erscheint Dulcinea, oft von derselben Tänzerin wie Kitri verkörpert, als Verkörperung reiner Schönheit. Dieses akademisch strenge, weiße Bild bildet den lyrischen Gegenpol zum derben Marktleben. Beim Erwachen setzt Don Quixote, getröstet und beseelt, seine Suche fort, während Kitri und Basilio ihrem Ziel näher kommen.

3. Akt

In einer Taverne kommt es zur Entscheidung. Lorenzo und Gamache haben das Paar eingeholt und bestehen auf der Heirat mit dem reichen Freier. Da greift Basilio zu einer List: Er täuscht aus Verzweiflung einen Selbstmord vor und sinkt scheinbar tödlich verwundet zu Boden. Kitri spielt die untröstliche Geliebte. Don Quixote, ganz Ritter der edlen Sache, fordert von Lorenzo, dem Sterbenden seinen letzten Wunsch zu erfüllen und ihn mit Kitri zu vermählen. Der Vater willigt ein, der vermeintlich Tote springt auf, und die Täuschung löst sich in Gelächter. Versöhnt segnet Lorenzo die Verbindung; Gamache bleibt als geprellter Geck zurück. Den krönenden Abschluss bildet das große Hochzeitsfest mit dem berühmten Grand Pas de deux von Kitri und Basilio, einem Höhepunkt des virtuosen klassischen Repertoires mit funkelnden Variationen, Fouettés und der hochgehobenen Schlusspose. Don Quixote und Sancho Pansa nehmen Abschied und ziehen weiter, neuen eingebildeten Abenteuern entgegen.

Hauptrollen

RolleTypBedeutung
KitriPrimaballerinaLebenslustige Wirtstochter; tanzt oft auch die Traumfigur Dulcinea.
BasilioErster SolistArmer Barbier und Kitris Geliebter; virtuose, sprungstarke Partie.
Don QuixoteCharakter-/PantomimenrolleTräumerischer Ritter von der traurigen Gestalt; Rahmenfigur.
Sancho PansaCharakterrolleQuixotes gutmütiger, komischer Knappe.
EspadaCharakter-/SolorolleStolzer Torero; Glanzrolle mit Umhang im spanischen Idiom.
MercedesSolistinStraßentänzerin an Espadas Seite.
GamacheCharakterrolleReicher, eitler Edelmann; abgewiesener Freier.

Berühmte Tänze & Höhepunkte

Tanz / NummerBesetzungSzene
„Grand Pas de deux“Kitri und Basilio3. Akt
„Kitris Variationen“Kitri3. Akt (Hochzeit)
„Traumbild „Dulcinea““Don Quixote, Dulcinea, Dryaden2. Akt
„Espadas Torero-Tanz“Espada und Mercedes1. Akt

Themen & Kontext

Worum es wirklich geht

Trotz des Titels ist „Don Quixote“ kein Ballett über den fahrenden Ritter, sondern über die Liebe. Cervantes’ Held liefert nur den Rahmen: Er zieht durch, beobachtet, verwechselt Kitri mit seiner erträumten Dulcinea und stiftet liebenswerte Verwirrung. Im Zentrum steht das junge Paar Kitri und Basilio, das gegen einen aufgezwungenen Bräutigam und einen sturen Vater seine Verbindung erkämpft. Erzählt wird das mit Witz, List und südlichem Temperament. Der Ritter bleibt die rührend-komische Randfigur, deren Idealismus das übermütige Geschehen mit einem Hauch Melancholie und Poesie grundiert.

Geschichte & Choreografie

Marius Petipa schuf das Ballett 1869 für das Moskauer Bolschoi-Theater und richtete es 1871 in einer erweiterten Fassung für St. Petersburg ein. Die heute gespielte Gestalt geht jedoch maßgeblich auf Alexander Gorski zurück, der das Werk 1900 in Moskau neu inszenierte: dramatischer, dichter, mit mehr Bühnenleben und realistischeren Massenszenen. Gorski straffte Minkus’ Partitur und behielt zentrale Petipa-Nummern bei, allen voran den klassischen Grand Pas de deux und das „weiße“ Traumbild. So verbindet das Stück Petipas akademische Strenge mit Gorskis erzählerischem Schwung – eine Synthese, die fast alle modernen Produktionen prägt.

Warum Experten es wichtig finden

„Don Quixote“ gilt als Prüfstein des klassischen Tanzes. Der Grand Pas de deux des dritten Akts mit Kitris berühmten zweiunddreißig Fouettés und Basilios kraftvollen Sprüngen wird als eigenständige Galanummer bei Wettbewerben und Galas getanzt und trennt routinierte von herausragenden Tänzern. Zugleich verlangt das Werk Charaktertanz, Pantomime und spanisches Kolorit auf höchstem Niveau. Minkus’ eingängige, rhythmisch zupackende Musik trägt diese Virtuosität mühelos. Als heiteres Gegenstück zu den tragischen Romantikballetten zeigt das Stück, dass klassische Technik und reiner Bühnenjubel kein Widerspruch sein müssen.

Aufführungsnoten

Choreografische Fassungen & Traditionen

Die Uraufführung 1869 in Moskau und die St. Petersburger Fassung 1871 stammen von Marius Petipa; die heute maßgebliche Bühnengestalt prägte Alexander Gorski 1900/1902 mit dramatischerer Regie und lebendigeren Massenszenen.

Bekannte Companies & Aufnahmen

Verbreitet sind die Bolschoi- und Mariinski-Mitschnitte sowie Rudolf Nurejews Fassung mit dem Australian Ballet und Michail Baryschnikows Produktion für das American Ballet Theatre, beide auf Gorski/Petipa fußend.

Was zwischen Fassungen variiert

Akteinteilung (vier, fünf oder drei Akte mit Prolog), Reihenfolge und Umfang der Nummern, die Besetzung Kitri/Dulcinea sowie Details der Espada- und Traumbild-Szenen unterscheiden sich je nach Produktion erheblich.

„Don Quixote“ bei IOCO

Häufige Fragen

Wer komponierte die Musik zu „Don Quixote“?

Die Musik stammt von Ludwig Minkus. Uraufführung: 26. Dezember 1869 (14. Dez. jul.), Bolschoi-Theater, Moskau.

Wer schuf die Choreografie von „Don Quixote“?

Marius Petipa.

Wovon handelt „Don Quixote“?

„Don Quixote“ ist ein heiteres Bravourballett von Ludwig Minkus, 1869 von Marius Petipa für das Moskauer Bolschoi-Theater choreografiert. Der gealterte Ritter aus Cervantes’ Roman bildet nur den Rahmen: Im Zentrum steht das verliebte Paar Kitri und Basilio, dessen Geschichte in spanischem Kolorit, übermütigem Tanz und einem berühmten Grand Pas de deux gipfelt.

Welche berühmten Tänze gibt es in „Don Quixote“?

Zu den Höhepunkten zählen „Grand Pas de deux“, „Kitris Variationen“, „Traumbild „Dulcinea““.

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