Le Corsaire

„Le Corsaire“ ist ein dreiaktiges Handlungsballett, uraufgeführt am 23. Januar 1856 an der Pariser Opéra in der Choreografie von Joseph Mazilier zur Musik von Adolphe Adam. Die Geschichte um den Korsaren Conrad und die Griechin Medora geht auf Lord Byrons Versepos zurück und lebt heute vor allem in Marius Petipas St. Petersburger Fassungen weiter.

Fakten zu „Le Corsaire“

KomponistAdolphe Adam, mit späteren Ergänzungen u. a. von Cesare Pugni, Léo Delibes und Riccardo Drigo
Choreografie (UA)Joseph Mazilier; spätere Standardfassungen von Marius Petipa (St. Petersburg, ab 1863)
Libretto / VorlageJules-Henri Vernoy de Saint-Georges und Joseph Mazilier nach Lord Byrons Versepos „The Corsair“ (1814)
Uraufführung23. Januar 1856, Théâtre Impérial de l’Opéra, Paris
Aufbau3 Akte (in heutigen Fassungen üblich; die Pariser Urfassung war reicher untergliedert)
Spieldauerca. 2 Std. 30 Min. (inkl. Pausen)
GattungBallett
BedeutungEin Glanzstück des romantischen und akademischen Repertoires, berühmt für sein virtuoses Pas de deux und das Tableau „Le Jardin Animé“.

Handlung

1. Akt

An einem Basar einer türkischen Hafenstadt bietet der Sklavenhändler Lankendem junge Frauen feil, darunter die schöne Griechin Medora und ihre Gefährtin Gulnare. Der Korsar Conrad, Anführer einer Piratenbande, erblickt Medora und verliebt sich auf der Stelle; sie erwidert sein Gefühl, indem sie ihm eine selbst geknüpfte Blumenschleife zuwirft. Der reiche Pascha Seyd erscheint, um seinen Harem aufzufüllen, und ersteht Gulnare sowie Medora. Conrad lässt seinen treuen Sklaven Ali und die Korsaren eingreifen: Im Tumult entführen die Piraten Medora und nehmen auch Lankendem gefangen. Der erste Akt verbindet farbiges orientalisches Genrebild mit der raschen, pantomimisch erzählten Liebes- und Befreiungshandlung. Schon hier zeigt sich die für „Le Corsaire“ typische Mischung aus Charaktertanz, Massenszenen und klassischer Brillanz, die das Ballett über anderthalb Jahrhunderte populär gehalten hat.

2. Akt

In der Felsengrotte der Piraten feiern Conrad und Medora ihr Glück. Hier steht das berühmte Pas de deux, in dem Medora, Conrad und der Sklave Ali ihre Treue und Verbundenheit tanzen – eine der virtuosesten Nummern des klassischen Repertoires. Doch Lankendem schürt Zwietracht: Aus Geldgier wiegelt er einen Teil der Korsaren gegen ihren Anführer auf. Als Medora die meuternden Piraten gnädig stimmen will, gelingt es Lankendem, sie zu betäuben und an Seyd zurückzuverkaufen. Conrad, durch eine List ausgeschaltet, erwacht und findet die Geliebte entführt. Verzweifelt beschließt er, sie aus dem Palast des Paschas zu befreien. Der Akt kontrastiert das intime, lyrische Liebesgeständnis mit dem dramatischen Verrat und treibt die Handlung zum Konflikt zwischen Treue und Habgier. Die Grottenszene gilt als choreografisches Herzstück und prägt das Bild, das die meisten Zuschauer von „Le Corsaire“ haben.

3. Akt

Im Palast des Paschas Seyd entfaltet sich das prachtvolle Tableau „Le Jardin Animé“ – ein lebender Garten aus Tänzerinnen, Blumen und Wasserspielen, der die Stärke und Geschlossenheit des akademischen Frauenensembles vorführt. Conrad und seine Korsaren schleichen sich verkleidet als Pilger in den Harem ein und befreien Medora und Gulnare. Im Handgemenge wird Seyd überwältigt, der verräterische Lankendem entlarvt. Die Liebenden fliehen aufs Schiff. Auf hoher See zieht ein gewaltiger Sturm auf: Das Piratenschiff zerschellt, und nur Conrad und Medora retten sich an einen Felsen, wo sie einander in die Arme sinken. Der Schlussakt vereint dekoratives Schauballett, klassische Ensembletanzkultur und das spektakuläre Schiffbruch-Bild, das schon 1856 das Pariser Publikum begeisterte. Versöhnliches Ende und bühnentechnischer Effekt geben dem Werk seinen wirkungsvollen Abschluss.

Hauptrollen

RolleTypBedeutung
MedoraPrimaballerinaGriechin, Geliebte Conrads; zentrale klassische Partie
ConradErster TänzerAnführer der Korsaren; der Titel gebende Korsar
AliErster Tänzer (Charakter/klassisch)Conrads treuer Sklave; Partner im berühmten Pas de deux (im 20. Jh. ausgebaute Rolle)
GulnareSolistinMedoras Gefährtin, ebenfalls von Seyd erworben
LankendemCharakter/PantomimeSklavenhändler, treibende Intrige
SeydCharakter/PantomimePascha, der Medora und Gulnare in seinen Harem nimmt

Berühmte Tänze & Höhepunkte

Tanz / NummerBesetzungSzene
„„Le Corsaire“-Pas de deux“Medora und Ali (oft mit Conrad als Pas de trois)2. Akt
„„Le Jardin Animé““Medora, Gulnare und Frauenensemble3. Akt
„Pas d’esclave“Gulnare und der Sklavenhändler/Käufer1. Akt

Themen & Kontext

Worum es wirklich geht

„Le Corsaire“ ist weniger Psychologie als Schauwert: Liebe, Entführung, Verrat und Befreiung in exotischem Kolorit. Im Zentrum steht die Treue – Conrads zu Medora, Alis zu seinem Herrn –, die gegen die Habgier des Sklavenhändlers Lankendem und die Willkür des Paschas Seyd bestehen muss. Der Stoff verklärt das Piratentum zur romantischen Freiheitsfantasie. Tatsächlich aber dient die Handlung als Gerüst für Tanz: für das berühmte Pas de deux, das Frauen-Tableau „Le Jardin Animé“ und ein effektvolles Schiffbruch-Finale. Wer das Ballett heute sieht, erlebt vor allem eine Feier klassischer Virtuosität und orientalistischer Bühnenpracht des 19. Jahrhunderts.

Geschichte & Choreografie

Die Pariser Uraufführung 1856 schuf Joseph Mazilier zu Adolphe Adams Musik für die Ballerina Carolina Rosati. Zur lebendigen Repertoirefigur wurde „Le Corsaire“ jedoch in St. Petersburg: Marius Petipa richtete es mehrfach neu ein (1863, 1868, 1880, 1899) und fügte mit dem „Jardin Animé“ (Musik nach Léo Delibes) sein berühmtes Frauen-Tableau hinzu. Das heute weltbekannte virtuose Pas de deux ist noch jünger – es geht auf Agrippina Vaganova (1931) zurück, während die markante Solorolle des Sklaven Ali wesentlich von Pjotr Gussews Fassung (1955) geprägt wurde. „Le Corsaire“ ist damit ein Schichtwerk vieler Hände und Epochen.

Warum Experten es wichtig finden

Für Fachleute ist „Le Corsaire“ ein Musterfall der Überlieferungsgeschichte: kaum ein anderes Ballett besteht so offensichtlich aus Ablagerungen mehrerer Choreografen und Komponisten. Adams Urpartitur wurde über Jahrzehnte mit Nummern von Pugni, Delibes, Drigo und anderen durchsetzt, sodass keine „authentische“ Fassung existiert – jede Bühne montiert ihre eigene. Tänzerisch gilt das Pas de deux als Prüfstein männlicher und weiblicher Bravour, das „Jardin Animé“ als Schule des Ensembletanzes. Zugleich diskutiert die Forschung kritisch den Orientalismus und das Sklaverei-Motiv des Stoffes. „Le Corsaire“ ist so Repertoireklassiker und Lehrbeispiel romantischer Ballettpraxis zugleich.

Aufführungsnoten

Choreografische Fassungen & Traditionen

Maßgeblich sind die Petipa-Tradition des Mariinsky/Bolschoi sowie moderne Rekonstruktionen und Neufassungen (u. a. Konstantin Sergejew, Pjotr Gussew, Alexei Ratmanski/Juri Burlaka).

Bekannte Companies & Aufnahmen

Verbreitet sind Mitschnitte des Bolschoi-Balletts und des American Ballet Theatre; das „Le Corsaire“-Pas de deux zählt zu den meistgetanzten Gala-Nummern.

Was zwischen Fassungen variiert

Aktzahl, Reihenfolge der Nummern und die Partitur variieren stark von Produktion zu Produktion; eine verbindliche Urfassung gibt es nicht.

Häufige Fragen

Wer komponierte die Musik zu „Le Corsaire“?

Die Musik stammt von Adolphe Adam u. a.. Uraufführung: 23. Januar 1856, Théâtre Impérial de l’Opéra, Paris.

Wer schuf die Choreografie von „Le Corsaire“?

Joseph Mazilier.

Wovon handelt „Le Corsaire“?

„Le Corsaire“ ist ein dreiaktiges Handlungsballett, uraufgeführt am 23. Januar 1856 an der Pariser Opéra in der Choreografie von Joseph Mazilier zur Musik von Adolphe Adam. Die Geschichte um den Korsaren Conrad und die Griechin Medora geht auf Lord Byrons Versepos zurück und lebt heute vor allem in Marius Petipas St. Petersburger Fassungen weiter.

Welche berühmten Tänze gibt es in „Le Corsaire“?

Zu den Höhepunkten zählen „„Le Corsaire“-Pas de deux“, „„Le Jardin Animé““, „Pas d’esclave“.

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