Der Nussknacker

„Der Nussknacker“ ist Tschaikowskys letztes Ballett, uraufgeführt 1892 am Mariinski-Theater in St. Petersburg. Es erzählt vom Mädchen Clara, das in der Weihnachtsnacht mit einem verwandelten Nussknacker-Prinzen ins Reich der Zuckerfee reist. Die Partitur mit Blumenwalzer und Celesta-Klang machte das Werk zur weltweiten Weihnachtstradition.

Fakten zu „Der Nussknacker“

KomponistPjotr Iljitsch Tschaikowsky
Choreografie (UA)Lew Iwanow (nach einem Konzept von Marius Petipa)
Libretto / VorlageMarius Petipa nach E.T.A. Hoffmann „Nußknacker und Mausekönig“ in der Bearbeitung von Alexandre Dumas
Uraufführung18. Dezember 1892 (6. Dez. jul.), Mariinski-Theater, St. Petersburg
Aufbau2 Akte
Spieldauerca. 2 Std. (mit Pause)
GattungBallett
BedeutungDas meistgespielte Ballett der Weihnachtszeit und ein Inbegriff des klassischen Handlungsballetts.

Handlung

1. Akt

Am Weihnachtsabend feiert die Familie Stahlbaum ein Fest. Unter den Gästen erscheint der geheimnisvolle Pate und Spielzeugmacher Drosselmeyer, der mechanische Puppen vorführt und der kleinen Clara (in vielen Fassungen Marie) einen hölzernen Nussknacker schenkt. Ihr Bruder Fritz beschädigt das Spielzeug im Übermut; Clara umsorgt es voller Zärtlichkeit. Nachdem die Gäste gegangen sind, schleicht sie sich nachts zum Weihnachtsbaum zurück. Beim Glockenschlag um Mitternacht beginnt eine zauberhafte Verwandlung: Der Baum wächst ins Riesenhafte, und ein Heer von Mäusen unter dem siebenköpfigen Mausekönig greift an. Der Nussknacker erwacht zum Leben und führt die Zinnsoldaten in die Schlacht. Als der Mausekönig die Oberhand gewinnt, schleudert Clara ihren Schuh und entscheidet den Kampf. Der besiegte Nussknacker verwandelt sich in einen jungen Prinzen, der Clara durch einen verschneiten Tannenwald führt, wo Schneeflocken sie umtanzen. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg in das Reich der Süßigkeiten.

2. Akt

Clara und der Nussknacker-Prinz erreichen das Konfitürenburg, das Zauberreich der Zuckerfee. Sie heißt die beiden willkommen, und der Prinz schildert pantomimisch die überstandene Schlacht und Claras mutige Rettungstat. Zu ihren Ehren entfaltet sich ein festlicher Reigen der Nationen: der feurige spanische Tanz (Schokolade), der arabische Tanz (Kaffee), der chinesische Tanz (Tee) sowie der schwungvolle russische „Trepak“. Mutter Gigogne tritt mit ihren Kindern auf, ehe der berühmte „Blumenwalzer“ das Ensemble in voller Pracht vereint. Den Höhepunkt bildet das große Pas de deux der Zuckerfee mit ihrem Kavalier, gekrönt vom „Tanz der Zuckerfee“, dessen gläserner Klang von der erstmals eingesetzten Celesta stammt. Nach diesem Divertissement nimmt Clara Abschied. In vielen Inszenierungen kehrt sie am Ende heim und erwacht unter dem Weihnachtsbaum, sodass offenbleibt, ob die Reise Traum oder Wirklichkeit war.

Hauptrollen

RolleTypBedeutung
Clara / MarieCharakterrolle / SoloDas Mädchen, das den Nussknacker beschützt und ins Zauberreich reist.
Nussknacker-PrinzDemi-caractère / PrinzDas verwandelte Spielzeug, Claras Begleiter und Held der Mäuseschlacht.
ZuckerfeePrimaballerinaHerrscherin des Süßigkeitenreichs, Solistin des großen Pas de deux.
DrosselmeyerCharakterrolle / MimePate und Spielzeugmacher, der den Zauber in Gang setzt.
MausekönigCharakterrolleSiebenköpfiger Anführer des Mäuseheers, Gegenspieler des Nussknackers.

Berühmte Tänze & Höhepunkte

Tanz / NummerBesetzungSzene
„Blumenwalzer“Ensemble2. Akt
„Tanz der Zuckerfee“Zuckerfee2. Akt (Celesta)
„Russischer Tanz „Trepak““Solisten / Ensemble2. Akt
„Pas de deux“Zuckerfee und Kavalier2. Akt
„Schneeflockenwalzer“Corps de ballet1. Akt

Themen & Kontext

Worum es wirklich geht

Im Kern erzählt „Der Nussknacker“ von der Schwelle zwischen Kindheit und Erwachsenwerden. Claras nächtliche Reise ist eine Traumfahrt, in der ein zerbrechliches Spielzeug zum Prinzen wird und Fürsorge sich in Mut verwandelt. Die Handlung verbindet bürgerliche Weihnachtsidylle mit phantastischer Verzauberung: Das vertraute Wohnzimmer öffnet sich zum unermesslichen Reich der Süßigkeiten. Dass am Schluss oft offenbleibt, ob alles nur geträumt war, gehört zum Reiz des Werks. Es feiert die Einbildungskraft und die Sehnsucht, dass das Wunderbare im Alltäglichen verborgen liegt.

Geschichte & Choreografie

Marius Petipa entwarf das Libretto und detaillierte Vorgaben für die Musik, erkrankte aber während der Arbeit. So übernahm sein langjähriger Assistent Lew Iwanow die Choreografie und schuf unter anderem den Schneeflockenwalzer. Die Uraufführung am 18. Dezember 1892 am Mariinski-Theater fand als Doppelpremiere mit Tschaikowskys Oper „Iolanta“ statt; Riccardo Drigo dirigierte. Die Kritik fiel gemischt aus: Gelobt wurde die Partitur, bemängelt die als zerrissen empfundene Handlung. Erst im 20. Jahrhundert, vor allem durch westliche Produktionen, wurde das Ballett zum Welterfolg und festen Bestandteil des Weihnachtsrepertoires.

Warum Experten es wichtig finden

Tschaikowskys Partitur gilt als Gipfel der Ballettmusik. Mit dem „Tanz der Zuckerfee“ setzte er erstmals prominent die Celesta ein, deren gläserner Klang er eigens aus Paris kommen ließ. Die aus dem Ballett gezogene Suite zählt zu den meistgespielten Orchesterwerken überhaupt. Choreografisch bündelt das Werk die Errungenschaften des klassischen Petersburger Stils, vom Corps-Walzer bis zum großen Pas de deux. Zugleich ist „Der Nussknacker“ ein Lehrstück der Rezeptionsgeschichte: Ein anfangs umstrittenes Ballett wurde durch spätere Bearbeitungen zum kulturellen Phänomen und sichert zahlreichen Kompanien das wirtschaftliche Überleben.

Aufführungsnoten

Choreografische Fassungen & Traditionen

Lew Iwanows Petersburger Urfassung dient als historischer Ausgangspunkt, ist jedoch nirgends vollständig erhalten. Wirkungsmächtig wurde George Balanchines Fassung für das New York City Ballet (1954), die Clara als Kinderrolle anlegt und das Werk als Familienzauber inszeniert. Rudolf Nurejew (Royal Ballet 1968, später Paris) gab dem Stoff psychologische Tiefe und verschmolz Drosselmeyer und Prinz; Peter Wright schuf für Royal Ballet und Birmingham Royal Ballet erzählerisch geschlossene, viel gespielte Produktionen.

Bekannte Companies & Aufnahmen

Bekannte Filmaufzeichnungen gibt es vom Royal Ballet (Peter Wright), vom Mariinski-Theater (Wassili Wainonen) sowie von Nurejews Pariser Fassung; klanglich prägend ist die häufig eingespielte Nussknacker-Suite.

Was zwischen Fassungen variiert

Kaum ein Ballett wird so unterschiedlich umgesetzt: Claras Alter, der Umfang der Pantomime, die Gestaltung der Nationaltänze und der Schluss schwanken stark. In Europa und Nordamerika gehört „Der Nussknacker“ fest zur Vorweihnachtszeit und füllt alljährlich die Häuser.

„Der Nussknacker“ bei IOCO

Häufige Fragen

Wer komponierte die Musik zu „Der Nussknacker“?

Die Musik stammt von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky. Uraufführung: 18. Dezember 1892 (6. Dez. jul.), Mariinski-Theater, St. Petersburg.

Wer schuf die Choreografie von „Der Nussknacker“?

Lew Iwanow (nach einem Konzept von Marius Petipa).

Wovon handelt „Der Nussknacker“?

„Der Nussknacker“ ist Tschaikowskys letztes Ballett, uraufgeführt 1892 am Mariinski-Theater in St. Petersburg. Es erzählt vom Mädchen Clara, das in der Weihnachtsnacht mit einem verwandelten Nussknacker-Prinzen ins Reich der Zuckerfee reist. Die Partitur mit Blumenwalzer und Celesta-Klang machte das Werk zur weltweiten Weihnachtstradition.

Welche berühmten Tänze gibt es in „Der Nussknacker“?

Zu den Höhepunkten zählen „Blumenwalzer“, „Tanz der Zuckerfee“, „Russischer Tanz „Trepak““.

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