München, Gärtnerplatz Theater, La Bohème - Giacomo Puccini, IOCO Kritik, 16.05.2019

München, Gärtnerplatz Theater, La Bohème - Giacomo Puccini, IOCO Kritik, 16.05.2019

Staatstheater am Gärtnerplatz München

Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach
Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

La Boheme - Giacomo Puccini

 Künstler darben in einem Loft - Verismo aus heutiger Sicht ?

von Daniela Zimmermann

Seit ihrer Uraufführung 1896 in Turin rührt La Bohème, die Komposition von Giacomo Puccini (1858 – 1924), die Herzen der Zuschauer in aller Welt. Dort gezeigter Frohsinn, das Leiden junger Künstler, ihre Armut wie ihre Sensibilität berührten, sind in den Inszenierungen meist emotional ergreifend. La Boheme im Gärtnerplatztheater bricht mit dieser Tradition, es zeigt keine darbenden, einfach lebenden Künstler. In München ist man cool, jung, stylisch, trendy. Regisseur Mottl versetzt La Boheme in unsere heutige Zeit, heftiger Tatendrang junger tätowierter Männer ist dort Trumpf;  arm aber sexy sein - koste es, was es wolle; sensibles Mitgefühl ist wenig gefragt: Verismo ist out!

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La Boheme in München spielt in der Jetztzeit. Es wird auch munter getrunken und im Quartier Latin auch an der schicken Eisbar. Die vier jungen Künstler verstehen sich bestens,  genießen das Leben. So bewohnen der Dichter Rodolfo  (Arthur Espiritu) der Musiker Schaunard (Liviu Holender), der Maler Marcello (Mathias Hausmann) und Philosoph Colline  (Christoph Seidl), vier  beste Freunde, ein schickes geräumiges Loft (Bühnenbild Friedrich Eggert), in dem es allerdings immer kalt ist. Die Kälte ist spürbar, denn alle Fenster sind ausgehängt und ständig rieselt draußen der Schnee. Eine Couch und eine warme Kuscheldecke sind das ganze Interieur. Die Wände sind voller Graffiti, aufwendig schwarz-weiß gestaltet, cool.

Die extravaganten, jungen Hipster - Künstlern im Avantgarde Look (Kostüme Alfred Mayerhofer) mit Kopfhörer und Tablets ausgestattet wollen sich amüsieren;  suchen das unbeschwerte Vergnügen: einer hat immer Geld, hungern braucht keiner, Tüten mit Fastfood gibt es reichlich. In diese Szenerie kommt Mimi (Suzanne Taffot), jung, ärmlich und voll Lebenslust,  mit  kräftig klarem lyrischem Sopran wunderbar zur Geltung;  interpretiert ausdruckstark ihr junges Lebensgefühl; verliebt sich in Rodolfo; Arthur Espiritu verfügt über eine kräftig seidige lyrische Tenorstimme mit welcher er dem Rodolfo eine gefühlsreiche, warme Erscheinung verleiht. Die sensible zarte  Arie Che gelida manina wird zu einem Höhepunkt des Abends.

Staatstheater am Gärtnerplatz / La Boheme - hier die Solisten © Marie-Laure Briane
Staatstheater am Gärtnerplatz / La Boheme - hier die Solisten © Marie-Laure Briane

Im folgenden Bild, auf dem Quartier Latin von Paris, auf einem Weihnachtsmarkt, im Cafe Momus, stellt Rodolfo seinen Künstler-Freunden seine große Liebe, Mimi, vor. Jasmina Sakr, als junge, exaltierte Musetta, nutzt  dort mit aufreizend feinem hohen Sopran ihre weiblichen  Verführungskünsten  auf  betuchte ältere Männer; mit ihrem reichen Begleiter Alcindoro (Holger Ohlmann) in weihnachtlichem Schneegestöber  treffen sich alle in einer Eisbar. Musetta erkennt Marcello, einen einstigen Freund, der Musettas heftigen Flirts nicht widerstehen kann. Musetta schickt Alcindoro weg und versöhnt sich nach eifersüchtigem, kratzbürstigem HinundHer wieder mit Marcello; beide fallen sich leidenschaftlich in die Arme.

Mimi und Rodolfo lieben sich; trotzdem kommt es zur Trennung: Rodolfo ist  krankhaft eifersüchtig; auch, so erzählt er Freund Marcello, ist er traurig, dass er Mimi in ihrer schweren Krankheit  nicht helfen kann. Musetta, den Zustand der unter Schwindsucht leidenden Mimi kennend, stützt, ist voller Mitgefühl. In Rodolfo entflammt alte Liebe wieder; das Sterben der Mimi verdrängt er in seinem Mitgefühl.  Mit Mimis Tod – die Regie, die Regie -  werden die Fenster des Lofts eingehängt.

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La Boheme  am Gärtnerplatztheater war also kühl, abstrakt inszeniert; mit mit dem Verismo seiner Komponisten verwandt. Trauer, Rührseligkeit, Mitgefühl, einfache Lebensgefühle waren wenig greifbar; Mitgeühl zwischen den Künstlern war wenig spürbar; eher spürte man in jenem Loft eher ein Gefühl von "cool sein wollen", von "Modernität um jedem Preis".

Doch die Stimmen der Solisten nahmen das Publikum mit, die lyrische Romantik der Komposition leuchtete mit Antony Bramalls Dirigat und den Klängen des Orchester des Staatstheaters: Dem Publikum gefiel diese Boheme also ..; es dankte mit großem Beifall.

La Boheme am Gärtnerplatztheater; die weiteren Vorstellungen 29.5.; 9.6.; 11.7.; 13.7.; 18.7.; 17.9.; 21.9.; 27.9.; 29.9.2019

---| IOCO Kritik Staatstheater am Gärtnerplatz |---

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