Hamlet
Shakespeares Tragödie erzählt vom dänischen Prinzen Hamlet, dem der Geist seines ermordeten Vaters den Mörder nennt: den eigenen Onkel Claudius, der nun König ist und Hamlets Mutter geheiratet hat. Berühmt wurde das Stück durch Hamlets zögernde Rachepläne und seinen Monolog „Sein oder Nichtsein“, der die Frage nach Sinn und Tod zuspitzt.
Fakten zu „Hamlet“
| Autor / Autorin | William Shakespeare (1564–1616) |
|---|---|
| Uraufführung | Entstanden um 1600/1601, vermutlich durch die Lord Chamberlain’s Men; erste dokumentierte Aufführung 1603, gedruckt als Quarto 1603 |
| Sprache | Englisch (Blankvers und Prosa) |
| Aufbau | 5 Akte |
| Spieldauer | ca. 3 bis 4 Std., längstes Stück Shakespeares |
| Gattung | Tragödie |
| Bedeutung | Das meistgespielte und meistkommentierte Drama der Weltliteratur. |
Handlung
1. Akt
Auf der Wache von Schloss Helsingör erscheint nächtens der Geist des verstorbenen Königs Hamlet. Prinz Hamlet, sein Sohn, trauert um den Vater und verachtet die übereilte Heirat seiner Mutter Gertrude mit dem Onkel Claudius, der nun den Thron innehat. Der Geist offenbart Hamlet, dass Claudius ihn im Schlaf vergiftet hat, und fordert Rache, ohne die Mutter anzutasten. Hamlet schwört Rache, beschließt jedoch, sich verrückt zu stellen, um den Mörder zu überführen. Parallel warnt der Höfling Polonius seine Tochter Ophelia vor Hamlets Werben.
2. Akt
Hamlets gespielter Wahnsinn beunruhigt den Hof. Claudius und Polonius lassen ihn beobachten; die Jugendfreunde Rosencrantz und Guildenstern werden als Spitzel eingesetzt. Polonius deutet Hamlets Verhalten als Liebeskummer um Ophelia. Hamlet durchschaut die Spitzel und bleibt vorsichtig. Eine umherziehende Schauspielertruppe trifft ein. Hamlet fasst einen Plan: Die Schauspieler sollen ein Stück aufführen, das den Mord nachstellt, um Claudius’ Reaktion zu prüfen. Im Selbstgespräch wirft er sich Untätigkeit vor und setzt seine Hoffnung auf diese Theaterprobe der Schuld.
3. Akt
Hamlet ringt im Monolog „Sein oder Nichtsein“ mit Selbstmord und der Angst vor dem Unbekannten nach dem Tod. Im Gespräch weist er Ophelia bitter zurück. Bei der Aufführung des Mordstücks „Die Mausefalle“ verrät sich Claudius durch seine Erregung und bricht die Vorstellung ab. Hamlet sieht seinen Verdacht bestätigt. Als er Claudius beim Gebet überrascht, verschont er ihn, um ihn nicht in einem Zustand der Reue ins Heil zu schicken. In Gertrudes Gemach ersticht Hamlet versehentlich den hinter einem Vorhang lauschenden Polonius und stellt seine Mutter zur Rede.
4. Akt
Der Mord an Polonius gibt Claudius einen Vorwand, Hamlet nach England zu schicken, wo er heimlich getötet werden soll. Hamlet durchschaut den Plan und kehrt zurück. Ophelia verfällt nach dem Tod ihres Vaters in echten Wahnsinn und ertrinkt. Ihr Bruder Laertes kehrt rachedurstig heim; Claudius lenkt dessen Zorn gegen Hamlet und schmiedet ein tödliches Komplott. Ein vergiftetes Florett und ein vergifteter Becher sollen Hamlet bei einem Fechtduell beseitigen. Die Stimmung am Hof kippt vollends ins Bedrohliche.
5. Akt
Auf dem Friedhof sinniert Hamlet bei Ophelias Grab über die Vergänglichkeit, den Schädel des Hofnarren in der Hand: „Ach, armer Yorick!“ Beim Fechtduell mit Laertes geht das Komplott auf, doch anders als geplant: Gertrude trinkt versehentlich aus dem vergifteten Becher und stirbt. Im Gefecht werden Hamlet und Laertes mit der vergifteten Klinge verwundet; sterbend gesteht Laertes den Anschlag. Hamlet ersticht Claudius und zwingt ihn, den Gifttrunk zu leeren. Auch Hamlet stirbt. Der norwegische Prinz Fortinbras zieht ein und übernimmt den verwaisten Thron.
Figuren
| Figur | Rolle | Bedeutung |
|---|---|---|
| Hamlet | Titelfigur | Prinz von Dänemark, zerrissen zwischen Rachepflicht und Skrupel |
| Claudius | Antagonist | Hamlets Onkel, Königsmörder und neuer König |
| Gertrude | Mutterrolle | Hamlets Mutter, heiratet den Mörder ihres Mannes |
| Ophelia | Tragische Heldin | Polonius’ Tochter, an Hamlet und am Tod des Vaters zerbrechend |
| Polonius | Nebenfigur | Geschwätziger Oberkämmerer, von Hamlet versehentlich getötet |
| Horatio | Vertraute | Hamlets treuer Freund und Zeuge |
| Der Geist | Nebenfigur | Geist des ermordeten Königs, fordert Rache |
Berühmte Szenen & Monologe
| Szene / Monolog | Figur | Kontext |
|---|---|---|
| „„Sein oder Nichtsein“ (To be or not to be)“ | Hamlet | Zentraler Monolog im 3. Akt über Tod und Zaudern |
| „„Die Mausefalle““ | Hamlet, Claudius | Das Stück im Stück überführt den Mörder (3. Akt) |
| „Totengräberszene“ | Hamlet | „Ach, armer Yorick!“ am offenen Grab (5. Akt) |
| „Geistererscheinung“ | Hamlet, Der Geist | Die Rachepflicht wird verkündet (1. Akt) |
Themen & Kontext
Worum es wirklich geht
Im Zentrum steht die Frage nach dem Handeln im Angesicht der Ungewissheit. Hamlet kennt den Mörder, doch er zögert, weil er Beweise, Gewissheit und moralische Rechtfertigung sucht. Sein Zaudern ist kein bloßer Charakterfehler, sondern Ausdruck eines modernen, reflektierenden Bewusstseins, das jede Tat zerdenkt. Daneben verhandelt das Stück Verrat in der Familie, die Käuflichkeit des Hofes und den Tod als letzte Grenze allen Wissens. Der Monolog „Sein oder Nichtsein“ macht aus der Rachetragödie eine grundsätzliche Erkundung von Existenz und Endlichkeit.
Historischer Hintergrund
Shakespeare schrieb „Hamlet“ um 1600/1601 für das Globe Theatre und die Lord Chamberlain’s Men. Vorlage war eine alte nordische Sage um den Prinzen Amleth, überliefert über Saxo Grammaticus und französische Sammlungen, möglicherweise vermittelt durch ein verlorenes älteres Bühnenstück, den „Ur-Hamlet“. Drei frühe Textfassungen sind erhalten: das fehlerhafte erste Quarto 1603, das längere zweite Quarto 1604 und die Folio-Ausgabe von 1623. Das Stück entstand am Übergang vom elisabethanischen zum jakobäischen Zeitalter, geprägt von Fragen der Thronfolge und religiöser Unsicherheit.
Warum Experten es wichtig finden
Literaturwissenschaftler sehen in Hamlet die Geburt der modernen, in sich gespaltenen Figur. Sein Selbstzweifel, seine Ironie und seine reflektierende Sprache wirkten stilbildend für die gesamte spätere Dramatik und den Roman. „Hamlet“ ist zudem ein Prüfstein der Schauspielkunst: Fast jeder große Darsteller misst sich an der Titelrolle. Theaterwissenschaftler schätzen die Vieldeutigkeit, die psychoanalytische, politische und existenzielle Lesarten zulässt. Kein anderes Drama hat so viele Deutungen, Bearbeitungen und Verfilmungen hervorgebracht; viele Wendungen sind sprichwörtlich geworden.
Aufführungsnoten
Regie-Ansätze
Von werkgetreuer Renaissance-Optik bis zu modernen, politischen Lesarten; oft wird Hamlets Wahnsinn als echt oder gespielt unterschiedlich akzentuiert.
Bekannte Inszenierungen
Verfilmungen von Laurence Olivier (1948) und Kenneth Branagh (1996, ungekürzt); Grigori Kosinzews russische Fassung (1964); zahllose Bühneninszenierungen weltweit.
Was zwischen Inszenierungen variiert
Da drei Textfassungen existieren, schwanken Umfang und einzelne Szenen je nach gewählter Quelle und Strichfassung erheblich.
Häufige Fragen
Wer schrieb „Hamlet“?
„Hamlet“ stammt von William Shakespeare. Uraufführung: Entstanden um 1600/1601, vermutlich durch die Lord Chamberlain’s Men; erste dokumentierte Aufführung 1603, gedruckt als Quarto 1603.
Wovon handelt „Hamlet“?
Shakespeares Tragödie erzählt vom dänischen Prinzen Hamlet, dem der Geist seines ermordeten Vaters den Mörder nennt: den eigenen Onkel Claudius, der nun König ist und Hamlets Mutter geheiratet hat. Berühmt wurde das Stück durch Hamlets zögernde Rachepläne und seinen Monolog „Sein oder Nichtsein“, der die Frage nach Sinn und Tod zuspitzt.
Welche berühmten Szenen gibt es in „Hamlet“?
Dazu zählen „„Sein oder Nichtsein“ (To be or not to be)“, „„Die Mausefalle““, „Totengräberszene“.
Welche Figuren kommen in „Hamlet“ vor?
Hamlet, Claudius und andere.
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