Faust. Der Tragödie erster Teil
Goethes Tragödie zeigt den Gelehrten Heinrich Faust, der aus Erkenntnishunger einen Pakt mit dem Teufel Mephistopheles schließt. Berühmt wurde das Stück durch die Verbindung zweier Handlungen: die Gelehrtentragödie und die Gretchentragödie um das verführte und verstoßene Mädchen Margarete. Es gilt als das bekannteste Werk der deutschen Literatur.
Fakten zu „Faust. Der Tragödie erster Teil“
| Autor / Autorin | Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) |
|---|---|
| Uraufführung | 19. Januar 1829, Hoftheater Braunschweig (gekürzte Bühnenfassung von August Klingemann); gedruckt 1808 |
| Sprache | Deutsch |
| Aufbau | Offene Szenenfolge in 25 Szenen, ohne Akteinteilung, mit „Zueignung“, „Vorspiel auf dem Theater“ und „Prolog im Himmel“ |
| Spieldauer | ca. 3 bis 4 Std., je nach Strichfassung |
| Gattung | Tragödie |
| Bedeutung | Das kanonische Hauptwerk der deutschen Literatur und meistgespielte Stück der deutschsprachigen Bühne. |
Handlung
Rahmen und Gelehrtentragödie
Im „Prolog im Himmel“ wettet Mephistopheles mit dem Herrn, er könne dessen Diener Faust vom rechten Weg abbringen. In seinem Studierzimmer verzweifelt Faust an der Grenze allen Wissens: „Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin … durchaus studiert.“ Die Beschwörung des Erdgeistes scheitert, ein Giftbecher wird ihm vom Osterläuten aus der Hand genommen. Beim Osterspaziergang folgt ihm ein schwarzer Pudel, der sich als Mephistopheles entpuppt. Faust schließt mit ihm den Pakt: Dient der Teufel ihm im Leben, gehört ihm Fausts Seele, sobald er zu einem Augenblick sagt „Verweile doch! du bist so schön.“ In „Auerbachs Keller“ und in der „Hexenküche“ wird Faust verjüngt und für die Liebe empfänglich gemacht. Sein Schüler Wagner verkörpert dabei den nüchternen, selbstgenügsamen Gelehrtentypus, von dem sich Faust scharf abgrenzt.
Gretchentragödie
Faust begegnet dem jungen, frommen Bürgermädchen Margarete, genannt Gretchen, und verlangt von Mephistopheles, sie ihm zuzuführen. Mit Schmuck und der Vermittlung der Nachbarin Marthe wird das Mädchen umworben. In der Szene „Marthens Garten“ stellt Gretchen die berühmte Gretchenfrage: „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“ Sie gibt sich Faust hin; ein Schlaftrunk für die Mutter führt zu deren Tod. Faust tötet im Duell Gretchens Bruder Valentin, der sterbend die Schwester verflucht. Schwanger und verlassen, singt Gretchen „Meine Ruh ist hin“ am Spinnrade. Während der „Walpurgisnacht“ auf dem Blocksberg vergnügt sich Faust unter Hexen, ehe ihn eine Vision Gretchens aufschreckt. Im Kerker findet er sie wahnsinnig, sie hat ihr Kind ertränkt und wartet auf die Hinrichtung. Sie weist die Flucht zurück, vertraut sich dem Gericht Gottes an. Mephistopheles’ „Sie ist gerichtet!“ widerspricht eine Stimme von oben: „Ist gerettet!“
Figuren
| Figur | Rolle | Bedeutung |
|---|---|---|
| Heinrich Faust | Titelfigur | Gelehrter, der nach Erkenntnis und Lebenserfüllung strebt |
| Mephistopheles | Antagonist | Der Teufel, geistreich, zynisch, Fausts Begleiter |
| Margarete (Gretchen) | Tragische Heldin | Junges Bürgermädchen, das an der Liebe zu Faust zugrunde geht |
| Wagner | Nebenfigur | Fausts trockener, ehrgeiziger Schüler und Famulus |
| Marthe Schwerdtlein | Vertraute | Gretchens Nachbarin, Kupplerin im Dienst Mephistos |
| Valentin | Nebenfigur | Gretchens Bruder, Soldat, fällt im Duell mit Faust |
Berühmte Szenen & Monologe
| Szene / Monolog | Figur | Kontext |
|---|---|---|
| „„Habe nun, ach! Philosophie …““ | Faust | Eröffnungsmonolog der Gelehrtentragödie im Studierzimmer |
| „Osterspaziergang“ | Faust, Wagner | „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche“ vor den Toren der Stadt |
| „Gretchen am Spinnrade“ | Gretchen | „Meine Ruh ist hin, mein Herz ist schwer“ |
| „Walpurgisnacht“ | Faust, Mephistopheles | Hexensabbat auf dem Blocksberg |
| „Kerkerszene“ | Faust, Gretchen | Schluss: „Ist gerettet!“ steht gegen „Sie ist gerichtet!“ |
Themen & Kontext
Worum es wirklich geht
Im Kern verhandelt das Stück die Frage, ob rastloses Streben den Menschen rettet oder ruiniert. Faust will alles erfahren, was Menschen möglich ist, und nimmt dafür den Teufelspakt in Kauf. Goethe verschränkt diesen metaphysischen Erkenntnisdrang mit einer ganz irdischen Liebesgeschichte: Gretchen zahlt für Fausts Selbstverwirklichung mit ihrem Leben. So wird aus der gelehrten Spekulation eine konkrete Schuld. Das Werk fragt, was Glück, Schuld und Gnade bedeuten, und lässt die Antwort am Schluss bewusst offen zwischen Verdammnis und Rettung.
Historischer Hintergrund
Goethe arbeitete über sechzig Jahre an dem Stoff. Eine frühe Fassung, der „Urfaust“, entstand in den 1770er Jahren im Umfeld des Sturm und Drang; der erste Teil erschien gedruckt 1808. Die historische Figur des Doktor Faustus, eines Magiers des 16. Jahrhunderts, war über Volksbücher und das Puppenspiel populär. Goethe verschmolz diese Tradition mit eigenen Erfahrungen, etwa dem Kindsmordprozess der Susanna Margaretha Brandt in Frankfurt, der das Schicksal Gretchens prägte. Die vollständige Bühnenrealisierung beider Teile gelang erst 1876 in Weimar unter Otto Devrient.
Warum Experten es wichtig finden
Germanisten sehen im „Faust“ die Summe des deutschen Bildungsbürgertums und eine Studie über die Moderne. Das Stück bündelt Lyrik, Drama und philosophische Reflexion und prägte die deutsche Sprache mit zahllosen geflügelten Worten. Theaterwissenschaftler schätzen die offene Form, die jeder Generation neue Inszenierungen erlaubt, von werktreuen Großprojekten bis zu radikalen Bearbeitungen. Die Gretchentragödie gilt zudem als frühes, ungewöhnlich genaues Porträt sozialer und weiblicher Ohnmacht. Kaum ein anderes Werk wird so kontinuierlich gespielt, kommentiert und in Schulen gelesen.
Aufführungsnoten
Regie-Ansätze
Reicht von monumentaler Werktreue bis zu radikalen Kürzungen; oft wird die Doppelrolle Faust/Mephisto oder die Verschmelzung beider Figuren betont.
Bekannte Inszenierungen
Gründgens-Inszenierung am Hamburger Schauspielhaus (Verfilmung 1960 mit Gustaf Gründgens als Mephisto); Peter Steins integrale Aufführung beider Teile (2000); zahlreiche Fernsehfassungen.
Was zwischen Inszenierungen variiert
Strichfassungen schwanken stark; viele Bühnen spielen nur den ersten Teil, andere beide Teile als Marathon.
Häufige Fragen
Wer schrieb „Faust. Der Tragödie erster Teil“?
„Faust. Der Tragödie erster Teil“ stammt von Johann Wolfgang von Goethe. Uraufführung: 19. Januar 1829, Hoftheater Braunschweig (gekürzte Bühnenfassung von August Klingemann); gedruckt 1808.
Wovon handelt „Faust. Der Tragödie erster Teil“?
Goethes Tragödie zeigt den Gelehrten Heinrich Faust, der aus Erkenntnishunger einen Pakt mit dem Teufel Mephistopheles schließt. Berühmt wurde das Stück durch die Verbindung zweier Handlungen: die Gelehrtentragödie und die Gretchentragödie um das verführte und verstoßene Mädchen Margarete. Es gilt als das bekannteste Werk der deutschen Literatur.
Welche berühmten Szenen gibt es in „Faust. Der Tragödie erster Teil“?
Dazu zählen „„Habe nun, ach! Philosophie …““, „Osterspaziergang“, „Gretchen am Spinnrade“.
Welche Figuren kommen in „Faust. Der Tragödie erster Teil“ vor?
Heinrich Faust, Mephistopheles und andere.
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