Salzburg, Landestheater, NOT THE MESSIAH – Eric Idle und John Du Prez, IOCO

Mit „Not the Messiah“ gelingt dem Salzburger Landestheater ein hinreißend absurder Abend zwischen Oratorium, Opernparodie und Monty-Python-Nonsens. Musikalische Präzision, trockener Humor und ein glänzendes Ensemble sorgen für begeisterte Standing Ovations.

Salzburg, Landestheater, NOT THE MESSIAH – Eric Idle und John Du Prez, IOCO
Salzburger Landestheater – Ansicht Landestheater © Anna-Maria Löffelberger

von Marcus Haimerl

Mit „Not the Messiah“ brachte das Salzburger Landestheater ein Werk auf die Bühne, das schon in seiner Gattungsbezeichnung den eigenen Widerspruch trägt: ein „komisches Oratorium“. Nicht Oper, nicht Musical oder Revue, sondern eine respektlos-verspielte Antwort auf jene monumentalen geistlichen Werke, die seit Händels Messiah mit Pathos, Chorklang und religiöser Erhabenheit verbunden werden. Nur geht es hier eben nicht um den Messias, sondern um Brian Cohen – jenen unglücklichen Zeitgenossen Jesu, der zur falschen Zeit am falschen Ort geboren wird und dadurch versehentlich zur Heilsfigur einer immer absurder reagierenden Menschenmenge avanciert.

Ensemble © Christian Krautzberger

Die Vorlage bildet der Kultfilm „Monty Python's Life of Brian“ aus dem Jahr 1979, einer der berühmtesten und zugleich umstrittensten Filme der britischen Comedygruppe Monty Python. Die Satire richtete sich dabei weniger gegen die Religion selbst als gegen Fanatismus, ideologische Verhärtung und die menschliche Neigung, aus Missverständnissen Glaubenssysteme zu formen. Dennoch löste der Film bei seiner Veröffentlichung heftige Diskussionen aus, wurde in mehreren Ländern zeitweise verboten und galt vielen als blasphemisch – obwohl Jesus selbst im Film mit überraschender Zurückhaltung behandelt wird. Stattdessen steht die Absurdität religiöser und politischer Massenbewegungen im Zentrum. Dass Dialoge wie „Jeder nur ein Kreuz“ oder „Er hat Jehova gesagt“ längst Popkultur geworden sind, zeigt bis heute die enorme Wirkungsgeschichte des Films.

Die Idee, daraus ein Oratorium zu entwickeln, entstand ausgerechnet aus einer kulturpolitischen Sorge heraus. Eric Idles Cousin, der Dirigent Peter Oundjian, war damals Chefdirigent des Toronto Symphony Orchestra und beklagte sinkende Zuschauerzahlen im klassischen Konzertbetrieb. Zugleich stand die Befürchtung im Raum, dass manche großen Orchester langfristig um ihre Existenz kämpfen könnten, wenn es nicht gelänge, neues Publikum für sinfonische Musik zu begeistern. Gemeinsam entstand daraus die Überlegung, ein Werk zu schaffen, das die musikalische Form großer Oratorien ernst nimmt, zugleich aber Menschen anspricht, die normalerweise kaum ein klassisches Konzert besuchen würden. So entwickelten Eric Idle und John Du Prez schließlich „Not the Messiah – He’s a Very Naughty Boy“, das 2007 in Toronto uraufgeführt wurde. Der besondere Reiz des Werks liegt in seiner stilistischen Vielfalt: Die Form des großen Oratoriums wird ernst genommen und zugleich immer wieder mit typisch pythoneskem Humor gebrochen. Musikalisch entfaltet sich „Not the Messiah“ als bewusst chaotischer Streifzug durch unterschiedlichste Genres und Stilwelten. John Du Prez und Eric Idle zitieren, persiflieren und kombinieren mit hörbarer Freude alles, was ihnen geeignet erscheint: großes Händel-Oratorium, Mozartoper, Broadway-Musical, Gospel, Popmusik, Folk, Filmmusik und britische Comedy-Songs stehen gleichberechtigt nebeneinander. Schon die eröffnenden Nummern spielen bewusst mit der Erwartung eines feierlichen Konzertabends, nur um diese im nächsten Moment wieder ins Absurde kippen zu lassen.

Immer wieder arbeitet das Werk mit musikalischen Anspielungen und Parodien. „Chaos und Verzweiflung“ (Original: „Chaos and Confusion!“) nähert sich satirisch der Klangwelt Schostakowitschs, während „Schaf, Schaf, Schaf“ (Original: „We Love Sheep“) Händels Messiah persifliert und besonders auf „And There Were Shepherds“ sowie „All We Like Sheep Have Gone Astray“ anspielt. „Amourdeus“ wiederum parodiert genüsslich Mozarts Opernduette und erinnert mit seinem bewusst übersteigerten Opernpathos an „Die Zauberflöte“. An anderer Stelle tauchen Gospelklänge, Doo-Wop-Anspielungen, spanische Copla, Welsh-Miners-Chorromantik oder Bob-Dylan-Parodien auf. Selbst Dudelsackformationen und Musicalnummern im Stil von „Spamalot“ finden ihren Platz. Dieser musikalische Dauerwechsel bildet das eigentliche Prinzip des Werks. Trotzdem bleibt die Partitur erstaunlich präzise gearbeitet. Hinter aller Komik steht eine Musik, die ihre Vorbilder genau kennt und oft mit liebevoller Detailtreue persifliert. Dadurch funktioniert der Abend nicht bloß als Sketchparade, sondern tatsächlich als eigenwilliges Oratorium zwischen Hochkultur und anarchischem Unsinn. Das berühmte „Always Look on the Bright Side of Life“ aus dem Film bildet schließlich den bewusst gemeinschaftsstiftenden Höhepunkt des Abends. Wenn Publikum, Solisten, Chor und Orchester gemeinsam singen, erfüllt sich letztlich genau jene Idee, aus der das Werk entstanden war: Menschen über Humor und Popkultur für orchestrale Musik zu begeistern.

Laura Incko, Daniele Macciantelli © Christian Krautzberger

Die großartige Personenführung von Carl Philip von Maldeghem erweist sich als einer der großen Pluspunkte dieser semikonzertanten Aufführung von „Not the Messiah“. Obwohl Solisten, Mozarteumorchester Salzburg und Chor des Salzburger Landestheaters in der klassischen Oratorienanordnung auf der Bühne positioniert bleiben, entwickelt der Abend erstaunlich viel theatralische Dynamik. Die Solistinnen und Solisten agieren fortwährend miteinander, reagieren aufeinander und arbeiten mit kleinen Gesten, Blicken und pointierten Bewegungen, wodurch die Aufführung trotz ihrer konzertanten Anlage bemerkenswert viel szenische Dynamik entfaltet. Die meisten Mitwirkenden treten in Frack oder Abendkleid auf, wodurch die feierliche Konzertästhetik des Oratoriums erhalten bleibt. Die Komik entsteht häufig erst durch kleine Verschiebungen: ein römischer Helm zum Frack, Schafshandpuppen beim herrlich absurden „Schaf, Schaf, Schaf“ (Original: „We Love Sheep“), einzelne Requisiten oder trocken gesetzte Gesten. Eine Ausnahme bildet Marco Dott, der immer wieder vollständig in unterschiedliche Rollen und Kostüme schlüpft – als Mrs. Betty Parkinson, Hirte oder Julius Caesar – und damit besonders stark an die klassische Python-Tradition erinnert. Von Maldeghem setzt dabei weniger auf hektischen Dauerklamauk als auf präzises Timing und den Kontrast zwischen äußerlicher Seriosität und vollkommenem Unsinn. Viele Pointen entfalten ihre Wirkung gerade deshalb so stark, weil die Aufführung ihre konzertante Form niemals preisgibt. Wenn mitten in der konzertanten Ordnung plötzlich Schafspuppen auftauchen oder ein Dudelsackspieler im Kilt die Bühne betritt, wird das nicht als grelle Pointe ausgestellt, sondern mit beinahe feierlichem Ernst präsentiert.

Einen wesentlichen Anteil an der Wirkung des Abends haben auch die Videoinstallationen auf der großen Leinwand im Hintergrund der Bühne. Statt realistischer Schauplätze setzt die Produktion auf stilisierte Bildwelten zwischen Konzertprojektion, Comicästhetik und psychedelischer Revue. Sternenhimmel, Landschaften oder einfach gehaltene Animationen ergänzen das Bühnengeschehen, ohne sich jemals in den Vordergrund zu drängen. Besonders bei „Riesige Monster“ (Original: „There Shall Be Monsters“), wenn ein Spielwürfel mit comichaftem Monstergesicht erscheint, entfaltet die Aufführung jene Mischung aus kindlicher Albernheit und trockenem Nonsens, die man unmittelbar mit Monty Python verbindet.

Sehr gelungen wirken auch die österreichischen Anpassungen der deutschen Übersetzung von Thomas Pigor, die ursprünglich für die deutsche Erstaufführung am Staatstheater am Gärtnerplatz entstand und für Salzburg behutsam adaptiert wurde. Wenn aus einer Pilgergruppe plötzlich die Lorettogemeinde Wien-Hütteldorf wird oder mitten in der Wüste eine österreichische Fahne geschwenkt wird, entsteht genau jene absurde Doppelbödigkeit, die den Abend prägt. Die Lokalanspielungen wirken dabei nie aufgesetzt, sondern fügen sich überraschend organisch in die absurde Grundstimmung des Abends ein. Überhaupt gelingt der Aufführung das Kunststück, den typischen Python-Nonsens mit großer Selbstverständlichkeit zu präsentieren. Viele Pointen werden nicht ausgespielt oder forciert, sondern entwickeln ihre Wirkung gerade aus der völligen Ernsthaftigkeit, mit der sie behandelt werden. Darin liegt eine der großen Qualitäten der Salzburger Produktion: Sie vertraut auf Timing, musikalische Präzision und das feine Gespür ihrer Darstellerinnen und Darsteller für den trockenen Humor des Werks.

Jana Kurucová, Maximilian Schmiedl, Luke Sinclair © Christian Krautzberger

Im Zentrum des Abends steht Luke Sinclair als Brian, der die schwierige Balance zwischen musikalischer Qualität, britischem Understatement und körperlicher Komik mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit meistert. Mit seinem warm timbrierten, exzellent geführten Tenor gestaltet er die Partie nicht bloß klangschön, sondern verleiht ihr auch jene sympathische Unbeholfenheit, die Brian als Figur so menschlich macht. Sinclair besitzt ein exzellentes Gespür für Timing, Situationskomik und Mimik, ohne jemals in bloßen Klamauk abzurutschen. Besonders beeindruckend ist, mit welcher Leichtigkeit er zwischen unterschiedlichen Ausdrucksebenen wechselt. Einerseits steht da der beinahe klassische Oratorientenor mit großer musikalischer Linie, andererseits ein Sängerdarsteller mit feinem Körpergefühl und tänzerischer Leichtigkeit. Vor allem seine präzise Mimik macht viele Szenen erst wirklich komisch: Kleine Blicke, irritierte Reaktionen oder kurze Momente völliger Überforderung genügen oft, um Pointen präzise zu setzen. Zugleich gelingt es Sinclair, Brian nie bloß als Karikatur erscheinen zu lassen. Hinter aller Komik bleiben stets eine gewisse Verwunderung und Unsicherheit spürbar, wodurch die Figur überraschend sympathisch und greifbar wirkt. Sinclair trägt den Abend damit nicht nur vokal, sondern auch darstellerisch mit beeindruckender Sicherheit.

Laura Incko begeistert als Judith mit großer Bühnenausstrahlung, feinem Humor und einem strahlenden Sopran, der sich mühelos durch die unterschiedlichsten musikalischen Stilrichtungen des Abends bewegt. Besonders überzeugend gelingt ihr die Verbindung aus opernhafter Emphase und bewusst überhöhter Komik. Incko spielt die großen Gefühle ihrer Figur mit sichtbarer Lust aus, bewahrt dabei aber stets Maß und Präzision. In den stärker musical- oder revueartigen Nummern beweist sie ein ausgezeichnetes Gespür für Rhythmus, Pointierung und komödiantisches Timing. Gleichzeitig bleibt ihre vokale Gestaltung jederzeit souverän und flexibel. Ihr Sopran besitzt Leuchtkraft und Beweglichkeit, kann sich aber ebenso elegant in die ironischen Brechungen des Werks einfügen. Auch darstellerisch erweist sich Incko als ideale Besetzung für diesen Abend. Mit präziser Körpersprache, gezielt eingesetzten Operngesten und feiner Mimik entwickelt sie jene Mischung aus Ernsthaftigkeit und augenzwinkernder Selbstironie, die den Humor von „Not the Messiah“ so wirkungsvoll macht. Besonders in den gemeinsamen Szenen mit Luke Sinclair entstehen immer wieder Momente herrlich übersteigerter Emotionalität, die gerade durch ihre völlige Hingabe komisch wirken. Nicht zuletzt sorgt ihre starke Bühnenerscheinung – etwa im auffälligen pinkfarbenen Abendkleid – dafür, dass sie viele Szenen auch optisch prägt, ohne jemals bloß auf äußeren Effekt angewiesen zu sein.

Jana Kurucová gestaltet Brians Mutter Mandy mit großer Eleganz, feinem Humor und bemerkenswerter stimmlicher Wärme. Ihr Mezzosopran verbindet klangliche Fülle mit geschmeidiger Linienführung und verleiht der Figur immer wieder eine fast überraschende emotionale Tiefe innerhalb des bewusst absurden Geschehens. Besonders gelungen ist dabei Kurucovás Fähigkeit, selbst kleinste Reaktionen wirkungsvoll einzusetzen. Oft genügt ein skeptischer Blick, ein leichtes Zögern oder eine minimal veränderte Mimik, um Szenen zusätzliche Komik zu verleihen. Diese zurückgenommene Präzision passt hervorragend zum trockenen britischen Humor des Abends. Auch musikalisch überzeugt sie durch große Stilflexibilität. Ob opernhafte Emphase, revueartige Nummer oder bewusst sentimentale Überhöhung – Kurucová bewegt sich mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit durch die unterschiedlichsten Klangwelten der Partitur. Dabei bewahrt sie stets Natürlichkeit und jene sympathische Ruhe, die ihre Mandy zu einem wichtigen Gegenpol innerhalb des oftmals bewusst überdrehten Geschehens macht. Zugleich verleiht ihre elegante Bühnenerscheinung vielen Szenen zusätzliche Ruhe und Struktur. Im Zusammenspiel mit den anderen Solistinnen und Solisten entstehen dadurch immer wieder fein austarierte komödiantische Momente.

Maximilian Schmiedl, Jana Kurucová © Christian Krautzberger

Daniele Macciantelli setzt mit seinem kraftvollen Bass und markanter Bühnenwirkung deutliche Akzente. Besonders als Schwanzus Longus spielt er die berühmte Python-Komik mit genau jenem trockenen Ernst aus, der die Szene so wirkungsvoll macht. Gerade weil Macciantelli die Absurdität seiner Figuren niemals demonstrativ ausstellt, entfaltet der Humor seine volle Wirkung. Stimmlich überzeugt er mit sonorem Klang, klarer Linienführung und angenehmer Autorität. Sein Bass besitzt die nötige Durchsetzungskraft für die großen Ensemble- und Chorpassagen, kann aber ebenso flexibel auf die stilistischen Wechsel der Partitur reagieren. Dabei bleibt seine vokale Gestaltung stets kontrolliert und präsent. Auch darstellerisch erweist sich Macciantelli als wichtiger Teil des hervorragend aufeinander abgestimmten Solistenensembles. Mit präzisem Reaktionsspiel, feiner Mimik und bewusst gesetzter Zurückhaltung entwickelt er immer wieder jene lakonische Komik, die so typisch für den Humor von Monty Python ist. Gerade in den gemeinsamen Szenen mit Laura Incko oder Marco Dott entstehen dadurch besonders gelungene Momente.

Maximilian Schmiedl führt als Evangelist und Erzähler mit viel Spielfreude und ausgeprägtem komödiantischem Gespür durch den Abend. Besonders seine trockene Vortragsweise, präzise gesetzte Pointen und sehr bewusste Körpersprache fügen sich hervorragend in den britischen Humor des Werks ein. Schmiedl gelingt es, selbst kleinste Gesten wirkungsvoll einzusetzen und dadurch viele Szenen zusätzlich zu strukturieren. Als verbindende Figur zwischen Oratorium, Kommentar und Comedy entwickelt er starke Bühnenautorität. Seine Interaktionen mit den übrigen Solistinnen und Solisten funktionieren ausgezeichnet, wobei insbesondere seine Mimik und sein genaues Timing immer wieder für gelungene komödiantische Momente sorgen. Ob mit römischem Helm, in Lederhose oder in bewusst übersteigerter Vortragshaltung – Schmiedl bewegt sich mit großer Begeisterung durch die unterschiedlichsten Ebenen des Abends. Dabei trägt er wesentlich dazu bei, dass die Aufführung trotz ihrer konzertanten Anlage nie statisch wirkt, sondern permanent in Bewegung bleibt.

Jana Kurucová, Marco Dott, Luke Sinclair © Christian Krautzberger

Marco Dott erweist sich als wahres komödiantisches Chamäleon des Abends. Ob als Mrs. Betty Parkinson, Hirte, Julius Caesar oder in weiteren kleinen Rollen – Dott wechselt mit spürbarem Vergnügen zwischen unterschiedlichsten Figuren und sorgt immer wieder für herrlich absurde Momente. Gerade seine Auftritte erinnern besonders stark an die klassische Python-Tradition mit ihren bewusst trockenen Travestie- und Charakterfiguren. Dabei setzt Dott nicht auf plakative Überzeichnung, sondern auf präzises Timing, kontrollierte Körpersprache und feine Reaktionen. Seine Mrs. Betty Parkinson etwa lebt weniger von greller Karikatur als von jener vollkommen ernsthaften Selbstverständlichkeit, mit der die Figur präsentiert wird. Genau daraus entsteht ein großer Teil der Komik. Auch optisch prägt Dott den Abend stark, da er als einziger Solist immer wieder vollständig kostümiert auftritt und dadurch bewusst zusätzliche theatralische Akzente setzt. Gleichzeitig bleibt er musikalisch stets souverän in das Ensemble eingebunden und trägt wesentlich zur lebendigen Dynamik der Aufführung bei.

Eine besondere Bereicherung des Abends liefert zudem Stefan Janauschek, der normalerweise als Bühnenmeister am Salzburger Landestheater tätig ist und hier als Dudelsackspieler Teil der Aufführung wird. Sowohl bei „Du bist derjenige“ („You’re the One“) als auch beim unvermeidlichen „Always Look on the Bright Side of Life“ sorgt sein Auftritt nicht nur für zusätzlichen musikalischen Reiz, sondern auch für einige der charmantesten Momente des Abends. Die völlige Selbstverständlichkeit, mit der Janauschek im Kilt und mit Dudelsack Teil dieses bewusst absurden Oratoriums wird, passt hervorragend zum Humor der Produktion. Gleichzeitig überzeugt sein Spiel auch musikalisch, wodurch die Auftritte weit mehr bleiben als bloße Gags. Dass ein Theater auf so vielseitige Mitarbeiter zurückgreifen kann, erweist sich dabei tatsächlich als echter Glücksfall für die Produktion.

Großen Anteil am Gelingen des Abends hat auch der Chor des Salzburger Landestheaters unter der Einstudierung von Mario El Fakih. Der Chor überzeugt nicht nur mit klanglicher Präzision und bemerkenswerter Homogenität, sondern entwickelt darüber hinaus enorme Bühnenenergie und große Lust am Spiel. Gerade in einem Werk wie „Not the Messiah“, das permanent zwischen Oratorium, Revue und Comedy pendelt, wird der Chor weit mehr als bloßer Klangkörper und erweist sich als wesentlicher Teil des szenischen Geschehens. Besonders beeindruckend gelingt dabei die Balance zwischen musikalischer Qualität und komödiantischer Beweglichkeit. Selbst in den bewusst absurden Momenten bleibt der Chorklang kontrolliert, differenziert und kraftvoll. Gleichzeitig beteiligen sich die Sängerinnen und Sänger mit sichtbarer Lust an den zahlreichen kleinen szenischen Aktionen, Gesten und Reaktionen der Aufführung, ohne dass darunter die musikalische Präzision leiden würde. Diese Verbindung aus hoher gesanglicher Qualität und der sichtbaren Begeisterung aller Beteiligten trägt wesentlich zur mitreißenden Atmosphäre des Abends bei. Der Chor wird damit zu einem der tragenden Elemente dieser Salzburger Aufführung.

Stefan Janauschek © Christian Krautzberger

Auch das Mozarteumorchester Salzburg erweist sich unter der Leitung von Tobias Meichsner als eine der großen Stärken dieses außergewöhnlichen Abends. Die Partitur von „Not the Messiah“ verlangt permanent stilistische Richtungswechsel: großes Oratorium, Opernparodie, Musical, Gospel, Pop, Revue und Filmmusik stehen oft unmittelbar nebeneinander. Meichsner führt diesen bewusst heterogenen musikalischen Kosmos mit beeindruckender Sicherheit und enormem Gespür für Rhythmus, Timing und Stil zusammen. Gerade bei einem Werk, das so leicht in bloße Nummernrevue zerfallen könnte, sorgt sein Dirigat für Zusammenhalt, musikalische Spannung und klare Struktur. Dabei gelingt ihm das Kunststück, die Partitur mit voller Ernsthaftigkeit zu nehmen, ohne jemals ihre komödiantische Leichtigkeit zu verlieren. Die unterschiedlichen musikalischen Farben werden pointiert herausgearbeitet, Übergänge wirken organisch, Ensembles präzise abgestimmt und selbst die abruptesten Stilwechsel behalten natürliche Selbstverständlichkeit. Besonders in den großen Chorpassagen entwickelt Meichsner mit dem Mozarteumorchester Salzburg enorme Klangfülle und Dynamik, ohne die Sängerinnen und Sänger jemals zu überdecken. Zugleich spürt man während des gesamten Abends die große Freude, mit der Meichsner dieses Werk dirigiert. Immer wieder wird er selbst Teil der humorvollen Grundstimmung der Aufführung, ohne dabei die musikalische Kontrolle auch nur einen Moment preiszugeben. Genau diese Mischung aus Präzision, musikalischer Energie und Souveränität trägt wesentlich dazu bei, dass der Abend weit mehr wird als bloße Comedy mit Orchesterbegleitung. Das Mozarteumorchester Salzburg bewegt sich mit bemerkenswerter Flexibilität durch diese stilistische Vielfalt. Diese gemeinsame Energie von Dirigent, Orchester, Chor und Solisten überträgt sich spürbar auf das Publikum und prägt die mitreißende Atmosphäre der Aufführung.

Ensemble, Mozarteumorchester und Opernchor © Christian Krautzberger

Mit der österreichischen Erstaufführung von „Not the Messiah“ gelingt dem Salzburger Landestheater ein ebenso kluger wie schwungvoller Theaterabend, der musikalische Qualität, britischen Nonsens und spürbare Energie auf bemerkenswerte Weise verbindet. Gerade weil die Produktion den Humor nie mit Gewalt erzwingen will, sondern auf Präzision, Timing und den Ernst des musikalischen Vortrags vertraut, entfaltet die Komik ihre volle Wirkung. Vom hervorragend disponierten Chor über das glänzend aufgelegte Mozarteumorchester Salzburg bis zum bestens aufeinander abgestimmten Solistenensemble wirkt der gesamte Abend von echter Lust am gemeinsamen Musizieren und Spielen getragen. Dass sich diese Begeisterung unmittelbar auf das Publikum überträgt, zeigt sich spätestens bei „Du bist derjenige“ (Original: „You’re the One“), als zahlreiche Zuschauer ihre Handylichter einschalten und im Takt mitzuwippen beginnen. Mit Standing Ovations vom ersten Moment des Schlussapplauses feierte das Publikum schließlich eine Aufführung, die eindrucksvoll beweist, wie hervorragend großes Oratorium, musikalische Präzision und vollkommen absurder Python-Humor zusammenfinden können.

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