Salome
Salome ist Richard Strauss' einaktiger Musikdrama-Skandal von 1905: Die judäische Prinzessin begehrt den Propheten Jochanaan, lässt nach ihrem Tanz seinen Kopf fordern und küsst den abgeschlagenen Mund. Strauss vertonte Oscar Wildes Dichtung in der deutschen Fassung Hedwig Lachmanns und schuf damit ein Schlüsselwerk der musikalischen Moderne.
Fakten zu „Salome“
| Komponist | Richard Strauss |
|---|---|
| Libretto | Richard Strauss, nach Oscar Wildes Drama in der deutschen Übersetzung von Hedwig Lachmann |
| Uraufführung | 9. Dezember 1905, Königliches Opernhaus (Hofoper), Dresden (Ernst von Schuch) |
| Sprache | Deutsch |
| Aufbau | 1 Akt |
| Spieldauer | ca. 1 Std. 40 Min. |
| Gattung | Musikdrama in einem Aufzug |
| Bedeutung | Ein Schlüsselwerk der musikalischen Moderne und Strauss' internationaler Durchbruch als Opernkomponist. |
Handlung
1. Akt – Begegnung mit Jochanaan
Auf der Terrasse von Herodes' Palast bewacht der junge Hauptmann Narraboth (Tenor) die Festgesellschaft und kann den Blick nicht von der Prinzessin Salome (dramatischer Sopran) wenden, in die er verliebt ist. Aus einer Zisterne tönt die Stimme des gefangenen Propheten Jochanaan (Bariton), der den Tetrarchen und dessen Frau Herodias geißelt. Salome verlässt angewidert das Bankett ihres Stiefvaters und wird von der dunklen Stimme aus der Tiefe gefangengenommen. Sie verlangt, den Propheten zu sehen, und überredet den ihr hörigen Narraboth, ihn gegen den ausdrücklichen Befehl des Herodes heraufzuholen. Jochanaan steigt empor und verflucht Herodias, die Mutter Salomes. Die Prinzessin entbrennt sofort in besitzergreifender Lust: Sie preist seinen Leib, sein Haar, schließlich seinen Mund und fordert dreimal, ihn küssen zu dürfen. Jochanaan weist sie schroff zurück und ruft sie zur Buße. Narraboth, der ihre Verfallenheit nicht erträgt, ersticht sich vor ihren Augen; Salome bemerkt ihn kaum. Der Prophet kehrt mit einer Warnung in die Zisterne zurück.
1. Akt – Streit und Tanz
Der Tetrarch Herodes (Tenor) tritt mit seiner Gattin Herodias (Mezzosopran) und dem Hofstaat auf die Terrasse, getrieben von nervöser Unruhe und einem unheimlichen Vorgefühl. Er begehrt seine Stieftochter offen und drängt sie zu trinken und zu essen, was Salome kühl ablehnt. Aus der Zisterne schmäht Jochanaan weiter die Ehe des Herodes mit der Witwe seines Bruders; Herodias verlangt zornig, den Propheten auszuliefern, doch Herodes fürchtet den heiligen Mann. Eine Gruppe von Juden streitet gelehrt über die Natur des Propheten, während Nazarener von den Wundern Jesu berichten. Um seiner Beklommenheit zu entkommen, bittet Herodes Salome zu tanzen, und verspricht ihr mit einem Eid alles, was sie sich wünscht – bis zur Hälfte seines Königreichs. Gegen den Willen ihrer Mutter willigt Salome ein und tanzt den „Tanz der sieben Schleier“, eine verführerische Soloszene, die das Zentrum des Werks bildet und Herodes vollends in ihren Bann zieht.
1. Akt – Der Lohn
Nach dem Tanz fordert Salome (dramatischer Sopran) ihren Lohn: den Kopf des Jochanaan (Bariton) auf einer silbernen Schale. Herodes (Tenor) ist entsetzt und bietet ihr Smaragde, weiße Pfauen, sogar heilige Reliquien an, um sie umzustimmen, doch die Prinzessin beharrt eiskalt auf ihrem Wunsch und pocht auf den geleisteten Schwur. Herodias (Mezzosopran) hingegen triumphiert über die verlangte Rache an dem Propheten, der sie geschmäht hat. Schließlich gibt der Tetrarch nach und zieht seinen Todesring vom Finger. Der Henker steigt in die Zisterne; Salome lauscht in fiebriger Erwartung an deren Rand. Auf der silbernen Schale wird ihr das abgeschlagene Haupt gereicht. In einem langen, ekstatischen Schlussgesang spricht Salome den toten Mund an, klagt, dass er sie im Leben verschmäht hat, und küsst ihn endlich. Von Grauen erfasst, befiehlt Herodes seinen Soldaten, die Prinzessin zu töten; sie wird unter ihren Schilden erschlagen.
Rollen & Stimmfächer
| Rolle | Stimmfach | Bedeutung |
|---|---|---|
| Salome | dramatischer Sopran | Judäische Prinzessin; begehrt den Propheten Jochanaan – eine der anspruchsvollsten Sopranpartien überhaupt |
| Herodes Antipas | Tenor | Tetrarch von Judäa; lüstern, abergläubisch und nervös, begehrt seine Stieftochter |
| Herodias | Mezzosopran | Gattin des Herodes, Mutter Salomes; vom Propheten geschmäht, fordert seinen Tod |
| Jochanaan | Bariton | Der Prophet Johannes der Täufer; asketischer Bußprediger, gefangen in der Zisterne |
| Narraboth | Tenor | Junger Hauptmann der Wache; in Salome verliebt, nimmt sich aus Verzweiflung das Leben |
| Page der Herodias | Alt | Warnt vergeblich vor dem Unheil; dem Narraboth zugetan |
Berühmte Arien
| Arie | Stimme | Szene |
|---|---|---|
| „Tanz der sieben Schleier“ | Salome (dramatischer Sopran) / Orchester | 1. Akt; rein orchestrale Tanzszene, mit der Salome den Eid des Herodes einlöst – das berühmte Zentrum des Werks. |
| „Ah! Du wolltest mich nicht deinen Mund küssen lassen“ | Salome (dramatischer Sopran) | 1. Akt; ekstatischer Schlussgesang am abgeschlagenen Haupt Jochanaans, Höhe- und Schlusspunkt der Oper. |
Themen & Kontext
Worum es wirklich geht
Salome handelt von Begehren, das jede Grenze sprengt. Die Prinzessin will den Mann besitzen, der sich ihr als einziger verweigert, und treibt diesen Willen bis zum Mord und zur Nekrophilie. Strauss zeigt eine Welt ohne moralischen Halt: Herodes lüstern und feige, Herodias rachsüchtig, der Hof zerredet sich in religiösen Streitereien. Allein Jochanaan steht für eine andere Ordnung, doch seine Reinheit bleibt unberührt und kalt. Das Werk fragt nicht nach Schuld im herkömmlichen Sinn, sondern führt vor, wie ungezügeltes Verlangen den Menschen verzehrt – verdichtet auf eineinhalb pausenlose Stunden wachsender Spannung.
Historischer Hintergrund
Strauss sah 1902 Oscar Wildes Drama „Salome“ in Max Reinhardts Berliner Inszenierung in der deutschen Übersetzung von Hedwig Lachmann. Er kürzte ihren Text selbst zum Libretto und vertonte ihn nahezu wörtlich. Wildes französisches Stück von 1891 war in England wegen des biblischen Stoffs verboten worden. Die Dresdner Uraufführung 1905 unter Ernst von Schuch wurde ein gewaltiger Publikumserfolg, löste aber einen Skandal aus: Die Wiener Hofoper lehnte ab, und an der New Yorker Met wurde das Werk nach einer Aufführung 1907 abgesetzt. Die Sopranistin Marie Wittich hatte die Titelpartie zunächst als unsittlich verweigert.
Warum Experten es wichtig finden
Salome markiert Strauss' Aufbruch in die musikalische Moderne und seinen internationalen Durchbruch als Opernkomponist. Die hochchromatische, an der Grenze zur Atonalität operierende Harmonik, das gewaltige Orchester von rund hundert Musikern und die enge Verflechtung von Leitmotiven, Wort und Szene galten als revolutionär. Die Titelpartie verlangt eine Stimme von Wagner'scher Kraft und zugleich mädchenhafter Leichtigkeit – eine der größten Herausforderungen des Fachs. Das Werk ebnete den Weg zur noch radikaleren „Elektra“ und beeinflusste die nachfolgende Komponistengeneration. Bis heute gilt es als Prüfstein für Sängerinnen, Dirigenten und Regie.
Aufführungsnoten
Regie-Ansätze
Inszenierungen reichen von historisierender Orientpracht bis zu psychologisch zugespitzten, oft verstörenden Deutungen, die Salomes Verfallenheit als Folge familiärer Gewalt lesen. Umstritten bleibt stets der „Tanz der sieben Schleier“, der von stilisierter Andeutung bis zum Strip changiert, sowie die drastische Schlussszene mit dem abgeschlagenen Haupt.
Bekannte Aufnahmen & Produktionen
Referenzcharakter haben die Einspielungen mit Birgit Nilsson unter Georg Solti (1961) sowie mit Cheryl Studer unter Giuseppe Sinopoli. Maßstäbe setzten zudem Aufnahmen mit Montserrat Caballé sowie unter Karl Böhm und Herbert von Karajan.
Was zwischen Inszenierungen variiert
Variabel sind vor allem die Ausführung des Schleiertanzes, der Grad an Explizitheit der Schlussszene und Salomes Charakterzeichnung – vom unschuldig-verführten Kind bis zur kühl berechnenden Femme fatale.
„Salome“ bei IOCO
Häufige Fragen
Wer hat „Salome“ komponiert?
„Salome“ stammt von Richard Strauss. Uraufführung: 9. Dezember 1905, Königliches Opernhaus (Hofoper), Dresden (Ernst von Schuch).
Wovon handelt „Salome“?
Salome ist Richard Strauss' einaktiger Musikdrama-Skandal von 1905: Die judäische Prinzessin begehrt den Propheten Jochanaan, lässt nach ihrem Tanz seinen Kopf fordern und küsst den abgeschlagenen Mund. Strauss vertonte Oscar Wildes Dichtung in der deutschen Fassung Hedwig Lachmanns und schuf damit ein Schlüsselwerk der musikalischen Moderne.
Welche berühmten Arien gibt es in „Salome“?
Zu den bekanntesten Arien zählen „Tanz der sieben Schleier“, „Ah! Du wolltest mich nicht deinen Mund küssen lassen“.
Welche Stimmfächer singen die Hauptrollen in „Salome“?
Salome (dramatischer Sopran), Herodes Antipas (Tenor).
Verwandte Werke
Teil des IOCO Kultur Lexikons — Handlung, Hintergrund und Wissenswertes zu den großen Bühnenwerken.