Elektra
Elektra ist Richard Strauss' einaktige Tragödie von 1909: Die Königstochter Elektra besteht nur noch für die Rache am Mord an ihrem Vater Agamemnon. Mit der Rückkehr ihres Bruders Orest tötet dieser die Mutter Klytämnestra und deren Geliebten Aegisth. Hugo von Hofmannsthals Libretto nach Sophokles begründete eine der wichtigsten Partnerschaften der Operngeschichte.
Fakten zu „Elektra“
| Komponist | Richard Strauss |
|---|---|
| Libretto | Hugo von Hofmannsthal, nach der Tragödie des Sophokles |
| Uraufführung | 25. Januar 1909, Königliches Opernhaus Dresden (Ernst von Schuch) |
| Sprache | Deutsch |
| Aufbau | 1 Akt |
| Spieldauer | ca. 1 Std. 50 Min. |
| Gattung | Tragödie in einem Aufzug |
| Bedeutung | Strauss' harmonisch radikalstes Bühnenwerk und Beginn seiner lebenslangen Zusammenarbeit mit Hofmannsthal. |
Handlung
1. Akt – Elektras Klage und Trotz
Im Innenhof des Palasts von Mykene erinnern Mägde an Elektra (dramatischer Sopran), die wie ein Tier umherstreift und ihren ermordeten Vater betrauert. Ihre Mutter Klytämnestra hat einst gemeinsam mit dem Geliebten Aegisth den heimkehrenden König Agamemnon im Bad erschlagen. Allein zur Stunde, in der man den Vater tötete, beschwört Elektra im großen Monolog dessen Geist und schwört blutige Rache. Da tritt ihre Schwester Chrysothemis (Sopran) hinzu, weich und lebenshungrig: Sie will heiraten, Kinder bekommen und endlich dem Hass entkommen, den Elektra wie eine Last trägt. Sie warnt, die Mutter und Aegisth wollten Elektra in einen Turm sperren. Elektra weist die Schwester schroff zurück und beharrt auf ihrer Aufgabe. Schon kündigen Fackeln und Lärm das Nahen Klytämnestras an, die von quälenden Träumen geplagt aus dem Palast tritt und in der verstoßenen Tochter eine Deuterin ihrer Angst sucht.
1. Akt – Klytämnestra und die falsche Botschaft
Klytämnestra (Mezzosopran), aufgedunsen und schlaflos, klagt Elektra ihre nächtlichen Schreckbilder und fragt nach einem Opfer, das sie von den Dämonen erlöse. In einem doppelbödigen Zwiegespräch lockt Elektra die Mutter, bis sie ihr unverhüllt entgegenschleudert, das Opfer, das alle Träume beende, sei die Mutter selbst – geschlachtet von der Hand eines Mannes. Da flüstern Dienerinnen Klytämnestra eine Nachricht ins Ohr, und mit grausigem Triumph wendet sie sich lachend ab. Chrysothemis (Sopran) stürzt herbei: Botschaft sei gekommen, Orest, der vor Jahren in die Fremde geschickte Bruder, auf den Elektra alle Hoffnung gesetzt hat, sei tot. Elektra wankt nicht. Wenn kein Mann die Tat vollbringt, müssen es die Schwestern selbst tun. Sie drängt Chrysothemis, gemeinsam Mutter und Aegisth zu erschlagen, doch die entsetzte Schwester reißt sich los und flieht. Allein gelassen beginnt Elektra, das vergrabene Beil auszugraben.
1. Akt – Wiedererkennung und Rache
Ein Fremder tritt in den Hof und gibt sich als Bote, der Orests Tod bezeugen soll. Elektra (dramatischer Sopran), gefragt nach ihrem Namen, nennt sich – und der Mann erkennt in der verwahrlosten Gestalt die Königstochter. In der großen Erkennungsszene offenbart sich der Fremde als Orest (Bariton) selbst, lebendig und zur Rache entschlossen. Überwältigt schwankt Elektra zwischen Zärtlichkeit und Scham über ihr zerstörtes Leben. Der Pfleger des Orest mahnt zur Eile. Orest dringt in den Palast; gellend ruft Klytämnestra hinter den Mauern, dann verstummt sie, von der Hand des Sohnes erschlagen. Aegisth (Tenor) kehrt heim, und Elektra leuchtet ihm mit hämischer Höflichkeit den Weg; auch er fällt unter Orests Streichen. Während der Palast im Aufruhr ist, bricht Elektra in einen ekstatischen Triumphtanz aus, taumelt in maßloser Erfüllung und stürzt leblos zu Boden. Chrysothemis hämmert vergeblich an das verschlossene Tor.
Rollen & Stimmfächer
| Rolle | Stimmfach | Bedeutung |
|---|---|---|
| Elektra | dramatischer Sopran | Tochter Agamemnons; lebt einzig für die Rache am Vatermord – eine der größten und gefürchtetsten Sopranpartien |
| Klytämnestra | Mezzosopran | Mutter Elektras; ermordete mit Aegisth ihren Gatten Agamemnon, wird von Schuld und Albträumen zermürbt |
| Chrysothemis | Sopran | Schwester Elektras; sehnt sich nach einem normalen Leben mit Mann und Kindern und scheut die Rache |
| Orest | Bariton | Bruder Elektras; in die Fremde verbannt, kehrt heim und vollstreckt die Rache an Mutter und Aegisth |
| Aegisth | Tenor | Geliebter Klytämnestras und Mitmörder Agamemnons; herrscht als Usurpator und fällt durch Orests Hand |
| Der Pfleger des Orest | Bass | Treuer Begleiter und Erzieher des Orest; mahnt zur Eile und deckt die Heimkehr |
Berühmte Arien
| Arie | Stimme | Szene |
|---|---|---|
| „Allein! Weh, ganz allein“ | Elektra (dramatischer Sopran) | 1. Akt; Elektras großer Eröffnungsmonolog, in dem sie den Geist Agamemnons beschwört und Rache schwört – das psychologische Fundament der ganzen Oper. |
| „Erkennungsszene Orest“ | Elektra (dramatischer Sopran) / Orest (Bariton) | 1. Akt; das Duett, in dem Elektra den totgeglaubten Bruder wiedererkennt – ein lyrischer Ruhepunkt von erschütternder Innigkeit inmitten der Härte. |
| „Elektras Tanz (Schlussszene)“ | Elektra (dramatischer Sopran) | 1. Akt; nach vollzogener Rache stürzt Elektra in einen ekstatischen, wortarmen Triumphtanz und bricht tot zusammen – der überwältigende Schlusspunkt des Werks. |
Themen & Kontext
Worum es wirklich geht
Elektra handelt von Rache, die einen Menschen vollständig aufzehrt. Elektra hat ihr Leben dem einen Ziel geweiht, den Mord am Vater zu sühnen, und ist darüber selbst zur Besessenen geworden, die jede andere Möglichkeit des Lebens verloren hat. Ihr stehen die lebenshungrige Schwester Chrysothemis und die von Schuld zerfressene Mutter Klytämnestra gegenüber – drei Weisen, mit derselben Vergangenheit umzugehen. Das Werk fragt nicht, ob die Rache gerecht ist, sondern was sie aus dem Rächer macht. Als die Tat endlich vollbracht ist, hat Elektra keinen Zweck mehr und stirbt im Augenblick ihres Triumphs.
Historischer Hintergrund
Hofmannsthal schrieb sein Schauspiel „Elektra“ 1903 für Max Reinhardt, angeregt durch die Tragödie des Sophokles, aber zugespitzt mit dem psychologischen Blick seiner Zeit. Strauss sah die Berliner Inszenierung und arbeitete den Text gemeinsam mit dem Dichter zum Libretto um. Die Uraufführung fand am 25. Januar 1909 am Königlichen Opernhaus Dresden unter Ernst von Schuch statt – wie schon „Salome“. Die Wiener Psychoanalyse Sigmund Freuds und Josef Breuers prägte das Verständnis von Hysterie und verdrängter Schuld, das in der Figurenzeichnung nachklingt. Elektra wurde das erste von sechs gemeinsamen Bühnenwerken des Paares Strauss–Hofmannsthal.
Warum Experten es wichtig finden
Elektra gilt als Strauss' harmonisch kühnstes Werk und treibt die Chromatik bis an die Schwelle der Atonalität. Das riesige Orchester von über hundert Musikern erzeugt eine fast unerträgliche Dichte, gegen die die Singstimmen behauptet werden müssen; die Titelpartie zählt zu den anspruchsvollsten des gesamten Repertoires. Mit Hofmannsthal begann hier die folgenreichste Librettisten-Partnerschaft der Opernmoderne, die bis „Arabella“ reichen sollte. Zugleich markiert Elektra einen Wendepunkt: Nach diesem Äußersten an Schärfe wandte sich Strauss mit dem „Rosenkavalier“ einem milderen Ton zu. Das Werk verbindet antiken Stoff mit moderner Seelenkunde und bleibt ein Prüfstein für Sängerinnen und Dirigenten.
Aufführungsnoten
Regie-Ansätze
Inszenierungen reichen von archaisch-mykenischer Wucht bis zu psychoanalytischen Deutungen, die den Palasthof als Innenraum einer kranken Seele lesen. Im Zentrum steht stets Elektras Verwahrlosung und ihr finaler Triumphtanz, der von ekstatischer Entfesselung bis zum stillen Zusammenbruch gestaltet wird.
Bekannte Aufnahmen & Produktionen
Referenzcharakter haben die Einspielung mit Birgit Nilsson und Regina Resnik unter Georg Solti (1966–67) sowie Aufnahmen mit Inge Borkh. Maßstäbe setzten zudem Dirigate von Karl Böhm und Herbert von Karajan.
Was zwischen Inszenierungen variiert
Variabel sind vor allem die Charakterzeichnung Elektras – von der wilden Rächerin bis zum traumatisierten Opfer –, die Ausführung des Schlusstanzes und der Grad, in dem Klytämnestra als Monster oder als gequälter Mensch erscheint.
„Elektra“ bei IOCO
Häufige Fragen
Wer hat „Elektra“ komponiert?
„Elektra“ stammt von Richard Strauss. Uraufführung: 25. Januar 1909, Königliches Opernhaus Dresden (Ernst von Schuch).
Wovon handelt „Elektra“?
Elektra ist Richard Strauss' einaktige Tragödie von 1909: Die Königstochter Elektra besteht nur noch für die Rache am Mord an ihrem Vater Agamemnon. Mit der Rückkehr ihres Bruders Orest tötet dieser die Mutter Klytämnestra und deren Geliebten Aegisth. Hugo von Hofmannsthals Libretto nach Sophokles begründete eine der wichtigsten Partnerschaften der Operngeschichte.
Welche berühmten Arien gibt es in „Elektra“?
Zu den bekanntesten Arien zählen „Allein! Weh, ganz allein“, „Erkennungsszene Orest“, „Elektras Tanz (Schlussszene)“.
Welche Stimmfächer singen die Hauptrollen in „Elektra“?
Elektra (dramatischer Sopran), Klytämnestra (Mezzosopran).
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