Le nozze di Figaro
„Le nozze di Figaro“ ist Mozarts Opera buffa über einen einzigen turbulenten Tag, an dem der Diener Figaro und die Zofe Susanna heiraten wollen – und ihr Graf das alte Herrenrecht der ersten Nacht einfordert. Mit List und Verkleidung stellen die Dienenden die Adelswelt bloß. Uraufführung 1786 in Wien.
Fakten zu „Le nozze di Figaro“
| Komponist | Wolfgang Amadeus Mozart |
|---|---|
| Libretto | Lorenzo Da Ponte, nach der Komödie „La folle journée, ou le Mariage de Figaro“ von Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais |
| Uraufführung | 1. Mai 1786, Burgtheater, Wien |
| Sprache | Italienisch |
| Aufbau | 4 Akte |
| Spieldauer | ca. 3 Std. |
| Gattung | Opera buffa in vier Akten |
| Bedeutung | Erstes Werk der Da-Ponte-Trilogie und eine der meistgespielten Opern des Repertoires. |
Handlung
1. Akt
Figaro (Bass) und Susanna (Sopran) richten am Morgen ihrer Hochzeit das künftige Schlafzimmer ein. Susanna warnt, dass Graf Almaviva (Bariton) ihr nachstellt und die Kammer absichtlich nahe seinen Gemächern liegt: Er will das längst abgeschaffte Herrenrecht der ersten Nacht zurückgewinnen. Figaro beschließt, dem Grafen mit gleicher List zu begegnen. Zugleich droht ihm eine Heiratszusage an Marcellina (Mezzosopran), die ihn für eine alte Schuld zum Ehemann fordert; ihr Verbündeter ist der Arzt Bartolo (Bass). Der verliebte Page Cherubino (Mezzosopran, Hosenrolle), in alle Frauen des Hauses verschossen, sucht Schutz, als der Graf erscheint, um Susanna zu bedrängen. In einem Versteckspiel deckt der Graf nacheinander den Pagen und seine eigenen Absichten auf. Zur Strafe schickt er Cherubino als Offizier zum Regiment. Figaro verabschiedet den Pagen spöttisch mit „Non più andrai“ vom süßen Leben am Hof in die raue Soldatenwelt.
2. Akt
Die gekränkte Gräfin Almaviva (Sopran) beklagt im Gemach die verlorene Liebe ihres Mannes. Mit Susanna (Sopran) und Figaro (Bass) heckt sie einen Plan aus, um den eifersüchtigen, untreuen Grafen (Bariton) zu überführen: Cherubino (Mezzosopran) soll als Susanna verkleidet zu einem Stelldichein gelockt werden. Während man den Pagen umkleidet, klopft der Graf unerwartet an und findet die Tür verriegelt. Cherubino springt aus dem Fenster, im versperrten Kabinett steht plötzlich Susanna statt des Pagen, sodass der misstrauische Graf beschämt um Verzeihung bitten muss. Kaum ist die Lage gerettet, bringt der Gärtner Antonio die zertretenen Blumen und ein verlorenes Papier ins Spiel. Figaro rettet sich mit gewagten Notlügen. Dann erscheinen Marcellina (Mezzosopran), Bartolo (Bass) und Basilio (Tenor) und legen ihre Forderung gegen Figaro vor. Das große Finale steigert das Durcheinander zum Höhepunkt: Niemand behält die Oberhand.
3. Akt
Der Graf (Bariton) ahnt, dass man ihn hintergeht, und versucht, Susanna (Sopran) doch noch zu gewinnen. Susanna täuscht ein Einverständnis vor und verabredet heimlich ein nächtliches Treffen im Garten – Teil des gemeinsamen Plans mit der Gräfin (Sopran). Als der Graf sich erneut betrogen wähnt, treibt er die Gerichtsverhandlung gegen Figaro (Bass) voran. Doch dabei stellt sich heraus, dass Marcellina (Mezzosopran) Figaros verschollene Mutter und Bartolo (Bass) sein Vater ist: Aus der drohenden Heirat wird eine Familienzusammenführung. Die Gräfin diktiert Susanna einen verführerischen Einladungsbrief an den Grafen, mit einer Nadel als Antwortzeichen versiegelt. In ihrer Arie „Dove sono“ erinnert sich die Gräfin schmerzlich an glücklichere Zeiten und hofft auf die Rückkehr der Liebe. Bei der Doppelhochzeit von Figaro und Susanna wird der Brief unbemerkt übergeben. Alle Fäden laufen nun auf den Garten zu.
4. Akt
Im nächtlichen Garten gerät der Plan kurz ins Wanken: Figaro (Bass) hat von Susannas Brief erfahren und glaubt, seine Braut wolle ihn tatsächlich mit dem Grafen betrügen. Susanna (Sopran) und die Gräfin (Sopran) haben die Kleider getauscht, um den Grafen (Bariton) in die Falle zu locken. Im Dunkeln umwirbt der Graf die vermeintliche Susanna – in Wahrheit seine eigene Frau – während der echten Susanna der eifersüchtige Figaro zusieht. Mit ihrer Arie „Deh vieni, non tardar“ spielt Susanna ihm zunächst die treulose Geliebte vor, ehe Figaro die List durchschaut und mitspielt. Als der Graf seine verkleidete Frau ertappt und lautstark eine Untreue anprangert, gibt sich die Gräfin zu erkennen. Beschämt bittet der Graf öffentlich um Verzeihung, die ihm gewährt wird. Versöhnt feiern alle das Ende eines einzigen, an Intrigen reichen Tages.
Rollen & Stimmfächer
| Rolle | Stimmfach | Bedeutung |
|---|---|---|
| Figaro | Bass (oft Bassbariton) | Kammerdiener des Grafen; Bräutigam Susannas; Titelfigur |
| Susanna | Sopran | Zofe der Gräfin; Braut Figaros; klügste Strippenzieherin |
| Graf Almaviva | Bariton | Hausherr; verfolgt Susanna und fordert das Herrenrecht |
| Gräfin Almaviva (Rosina) | Sopran | Vom Grafen vernachlässigte Ehefrau |
| Cherubino | Mezzosopran (Hosenrolle) | Verliebter junger Page; von einer Frau gesungen |
| Marcellina | Mezzosopran (im Original Sopran) | Fordert Figaro als Ehemann; entpuppt sich als seine Mutter |
| Bartolo | Bass | Arzt; Marcellinas Verbündeter; Figaros Vater |
| Basilio | Tenor | Musiklehrer und Intrigant |
Berühmte Arien
| Arie | Stimme | Szene |
|---|---|---|
| „Se vuol ballare“ | Figaro (Bass) | Trotzige Cavatine gegen den Grafen; 1. Akt. |
| „Non più andrai“ | Figaro (Bass) | Spöttischer Marsch, der Cherubino ins Soldatenleben schickt; 1. Akt. |
| „Porgi amor“ | Gräfin Almaviva (Sopran) | Auftrittsarie; Klage über die verlorene Liebe; 2. Akt. |
| „Voi che sapete“ | Cherubino (Mezzosopran) | Lied des verliebten Pagen; 2. Akt. |
| „Dove sono“ | Gräfin Almaviva (Sopran) | Erinnerung an glücklichere Tage und Hoffnung auf Versöhnung; 3. Akt. |
| „Deh vieni, non tardar“ | Susanna (Sopran) | Gartenarie der vermeintlichen Verführung; 4. Akt. |
Themen & Kontext
Worum es wirklich geht
Im Zentrum steht ein Ständekonflikt im Gewand einer Komödie: Der Graf will sein adliges Vorrecht auf Kosten seiner Dienenden durchsetzen, doch Figaro und Susanna durchkreuzen ihn mit Witz und Solidarität. Nicht Geburt oder Rang, sondern Klugheit entscheidet über den Ausgang des Tages. Zugleich erzählt die Oper von Eifersucht, Verzeihung und der mühsamen Reparatur einer Ehe. Dass am Ende die gedemütigte Gräfin dem Grafen vergibt, verleiht der heiteren Handlung eine ernste, fast melancholische Tiefe.
Historischer Hintergrund
Da Ponte bearbeitete Beaumarchais’ Komödie „Le Mariage de Figaro“ von 1784, deren offene Kritik am Adel in Wien zunächst als Sprechstück verboten war. Drei Jahre vor der Französischen Revolution traf die Geschichte eines Dieners, der seinen Herrn überlistet, einen empfindlichen Nerv. Mozart und Da Ponte entschärften die politische Schärfe der Vorlage, ohne den Kern des Standesthemas zu tilgen. Die Uraufführung am 1. Mai 1786 im Burgtheater eröffnete die berühmte Zusammenarbeit der beiden, die mit „Don Giovanni“ und „Così fan tutte“ zur Da-Ponte-Trilogie fortgesetzt wurde.
Warum Experten es wichtig finden
„Le nozze di Figaro“ gilt als Höhepunkt der Opera buffa und als Meisterwerk der musikalischen Charakterzeichnung. Mozart führt bis zu sieben Stimmen in den großen Ensembles und Finali zusammen und lässt Handlung und Konflikt unmittelbar aus der Musik entstehen. Jede Figur erhält ein eigenes klangliches Profil, vom draufgängerischen Figaro bis zur verletzlichen Gräfin. Die Verbindung von komödiantischem Tempo, psychologischer Feinheit und gesellschaftlicher Brisanz machte das Werk zum Modell für die Oper des 19. Jahrhunderts und sichert ihm bis heute einen festen Platz im Kernrepertoire.
Aufführungsnoten
Regie-Ansätze
Inszenierungen reichen von historisierender Rokoko-Eleganz bis zu Deutungen, die den Klassenkonflikt und die sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz scharf herausstellen. Die Spannung zwischen heiterer Komödie und ernstem Versöhnungsschluss wird je nach Konzept unterschiedlich gewichtet.
Bekannte Aufnahmen & Produktionen
Maßstäbe setzten unter anderem Aufnahmen unter Erich Kleiber, Carlo Maria Giulini und Karl Böhm sowie historisch informierte Einspielungen unter John Eliot Gardiner und René Jacobs.
Was zwischen Inszenierungen variiert
Cherubino ist als Hosenrolle fest mit einer Frauenstimme besetzt. Bei Marcellina schwankt die Praxis zwischen dem ursprünglichen Sopran und der heute üblichen Mezzosopran-Besetzung; ihre Arie „Il capro e la capretta“ und Basilios Arie im 4. Akt werden häufig gestrichen.
„Le nozze di Figaro“ bei IOCO
Häufige Fragen
Wer hat „Le nozze di Figaro“ komponiert?
„Le nozze di Figaro“ stammt von Wolfgang Amadeus Mozart. Uraufführung: 1. Mai 1786, Burgtheater, Wien.
Wovon handelt „Le nozze di Figaro“?
„Le nozze di Figaro“ ist Mozarts Opera buffa über einen einzigen turbulenten Tag, an dem der Diener Figaro und die Zofe Susanna heiraten wollen – und ihr Graf das alte Herrenrecht der ersten Nacht einfordert. Mit List und Verkleidung stellen die Dienenden die Adelswelt bloß. Uraufführung 1786 in Wien.
Welche berühmten Arien gibt es in „Le nozze di Figaro“?
Zu den bekanntesten Arien zählen „Se vuol ballare“, „Non più andrai“, „Porgi amor“.
Welche Stimmfächer singen die Hauptrollen in „Le nozze di Figaro“?
Figaro (Bass (oft Bassbariton)), Susanna (Sopran).
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