Don Giovanni
„Don Giovanni“ ist Mozarts Oper über einen skrupellosen Verführer, der von Frau zu Frau eilt, einen Mord begeht und am Ende von der steinernen Statue seines Opfers zur Hölle gezogen wird. Da Pontes Libretto verbindet Komödie und Tragödie zu einem der rätselhaftesten Werke des Repertoires.
Fakten zu „Don Giovanni“
| Komponist | Wolfgang Amadeus Mozart |
|---|---|
| Libretto | Lorenzo Da Ponte, nach dem Don-Juan-Stoff |
| Uraufführung | 29. Oktober 1787, Nationaltheater (Ständetheater), Prag |
| Sprache | Italienisch |
| Aufbau | 2 Akte |
| Spieldauer | ca. 3 Std. (mit Pause ca. 3 Std. 15 Min.) |
| Gattung | Dramma giocoso in zwei Akten |
| Bedeutung | Eine der meistgespielten und am häufigsten gedeuteten Opern überhaupt. |
Handlung
1. Akt
Vor dem Haus des Komturs (Bass) wartet Leporello (Bass) missmutig, während sein Herr Don Giovanni (Bariton) im Dunkeln in das Schlafzimmer Donna Annas (Sopran) eingedrungen ist. Anna verfolgt den Eindringling, ihr Vater stellt Giovanni zum Duell und fällt tödlich verwundet. Anna und ihr Verlobter Don Ottavio (Tenor) schwören Rache, ohne den Täter zu kennen. Giovanni stößt auf Donna Elvira (Sopran), eine früher von ihm verlassene Frau; Leporello hält ihr mit der Registerarie das Verzeichnis der unzähligen Eroberungen seines Herrn vor. Auf einer Bauernhochzeit begehrt Giovanni die Braut Zerlina (Sopran) und verspricht ihr die Ehe, sehr zum Zorn ihres Bräutigams Masetto (Bass). Elvira warnt Zerlina, Anna erkennt in Giovanni den Mörder ihres Vaters. Auf seinem Fest treffen die maskierten Rächer ein; als Giovanni Zerlina bedrängt, fliegt sein Spiel auf, doch er entkommt der Stellung.
2. Akt
Don Giovanni (Bariton) tauscht die Kleider mit Leporello (Bass), um Elviras (Sopran) Zofe zu verführen, und schickt den verkleideten Diener mit der getäuschten Elvira fort. In fremder Gestalt prügelt er Masetto (Bass) und tröstet die verstörte Zerlina (Sopran). Als die Verschwörer den vermeintlichen Giovanni stellen, gibt sich Leporello panisch zu erkennen und flieht. Auf einem nächtlichen Friedhof verhöhnt Giovanni das Grabmal des Komturs (Bass); die steinerne Statue antwortet mit drohender Stimme. Aus Übermut lädt Giovanni sie zum Abendessen. Während Anna (Sopran) den drängenden Ottavio (Tenor) noch vertröstet, erscheint der steinerne Gast bei Tisch und fordert Reue. Giovanni weigert sich standhaft, reicht der Statue die Hand und wird unter Flammen in die Hölle gerissen. Die Überlebenden ziehen im Schlusssextett die Lehre aus dem Untergang des Frevlers.
Rollen & Stimmfächer
| Rolle | Stimmfach | Bedeutung |
|---|---|---|
| Don Giovanni | Bariton (Bassbariton) | Adliger Verführer; titelgebende Hauptfigur |
| Leporello | Bass | Giovannis Diener; Buffo-Partie |
| Donna Anna | Sopran | Tochter des Komturs; verfolgt den Mörder |
| Don Ottavio | Tenor | Annas Verlobter |
| Donna Elvira | Sopran | Von Giovanni verlassene Frau |
| Zerlina | Sopran | Bäuerliche Braut |
| Masetto | Bass | Zerlinas Bräutigam |
| Komtur | Bass | Annas Vater; kehrt als steinerner Gast zurück |
Berühmte Arien
| Arie | Stimme | Szene |
|---|---|---|
| „Madamina, il catalogo è questo“ | Leporello (Bass) | Registerarie; 1. Akt. |
| „Là ci darem la mano“ | Don Giovanni (Bariton) & Zerlina (Sopran) | Verführungsduett; 1. Akt. |
| „Or sai chi l'onore“ | Donna Anna (Sopran) | Rachearie nach „Don Ottavio, son morta“; 1. Akt. |
| „Fin ch'han dal vino“ | Don Giovanni (Bariton) | Champagnerarie; 1. Akt. |
| „Il mio tesoro“ | Don Ottavio (Tenor) | 2. Akt. |
| „Dalla sua pace“ | Don Ottavio (Tenor) | Für die Wiener Fassung 1788 nachkomponiert. |
Themen & Kontext
Worum es wirklich geht
Im Kern steht ein Mann, der jede Grenze überschreitet und sich keiner Ordnung beugt – weder der gesellschaftlichen noch der göttlichen. Don Giovanni verführt, betrügt und mordet, ohne je Reue zu zeigen. Gerade diese Unbeugsamkeit macht ihn faszinierend und abstoßend zugleich. Die Oper fragt, ob seine Freiheit Größe oder bloße Zerstörung ist, und verweigert eine bequeme Antwort. Das moralische Schlusssextett wirkt fast wie ein nachgeschobenes Urteil über eine Figur, die sich noch im Untergang jeder Belehrung entzieht.
Historischer Hintergrund
Mozart komponierte „Don Giovanni“ 1787 für Prag, wo sein „Figaro“ ein Jahr zuvor gefeiert worden war. Lorenzo Da Ponte griff den seit dem 17. Jahrhundert wandernden Don-Juan-Stoff auf, der zuvor unter anderem von Molière und Goldoni behandelt worden war. Die Uraufführung am 29. Oktober 1787 wurde ein Triumph. Für die Wiener Erstaufführung 1788 überarbeitete Mozart die Partitur, fügte Don Ottavios „Dalla sua pace“ und ein Duett für Zerlina und Leporello hinzu und veränderte den Schluss. Die Mischung aus Buffo-Komik und düsterem Ernst war für ihre Zeit ungewöhnlich kühn.
Warum Experten es wichtig finden
„Don Giovanni“ gilt vielen als vollkommenste Verbindung von Musik und Drama. E.T.A. Hoffmann erhob die Oper zum romantischen Schlüsselwerk, Kierkegaard sah in ihr die musikalische Verkörperung des sinnlich-dämonischen Prinzips. Mozart gelingt es, jede Figur klar zu charakterisieren und zugleich die Gattungsgrenzen zwischen Komödie und Tragödie aufzuheben. Die unheimliche Posaunenmusik der Friedhofs- und Höllenszene weist weit ins 19. Jahrhundert voraus. Die anhaltende Deutungsoffenheit der Titelfigur – Held, Frevler, Rebell oder Getriebener – sichert dem Werk seinen festen Platz im Zentrum des Opernrepertoires.
Aufführungsnoten
Regie-Ansätze
Inszenierungen schwanken zwischen historisierender Eleganz und radikaler Modernisierung; oft wird Giovanni weniger als strahlender Verführer denn als rastloser, leerer Getriebener gezeichnet. Die Höllenfahrt wird je nach Konzept als religiöses Strafgericht, psychische Selbstzerstörung oder reine Theatermaschinerie gedeutet.
Bekannte Aufnahmen & Produktionen
Maßstäbe setzten unter anderem Carlo Maria Giulini (mit Eberhard Wächter und Cesare Siepi-naher Besetzung) sowie Aufnahmen unter Karl Böhm, Herbert von Karajan und in historischer Aufführungspraxis unter John Eliot Gardiner und René Jacobs.
Was zwischen Inszenierungen variiert
Zentral ist die Wahl der Fassung: In der Prager Urfassung von 1787 endet die Oper unmittelbar mit der Höllenfahrt, während die Wiener Fassung von 1788 zusätzliche Nummern bringt und teils ohne das moralisierende Schlusssextett gespielt wurde. Heute kombinieren viele Häuser beide Fassungen und entscheiden individuell, ob das Sextett erklingt.
„Don Giovanni“ bei IOCO
Häufige Fragen
Wer hat „Don Giovanni“ komponiert?
„Don Giovanni“ stammt von Wolfgang Amadeus Mozart. Uraufführung: 29. Oktober 1787, Nationaltheater (Ständetheater), Prag.
Wovon handelt „Don Giovanni“?
„Don Giovanni“ ist Mozarts Oper über einen skrupellosen Verführer, der von Frau zu Frau eilt, einen Mord begeht und am Ende von der steinernen Statue seines Opfers zur Hölle gezogen wird. Da Pontes Libretto verbindet Komödie und Tragödie zu einem der rätselhaftesten Werke des Repertoires.
Welche berühmten Arien gibt es in „Don Giovanni“?
Zu den bekanntesten Arien zählen „Madamina, il catalogo è questo“, „Là ci darem la mano“, „Or sai chi l'onore“.
Welche Stimmfächer singen die Hauptrollen in „Don Giovanni“?
Don Giovanni (Bariton (Bassbariton)), Leporello (Bass).
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