Alcina
„Alcina“ ist Georg Friedrich Händels Barockoper über die Zauberin Alcina, die Männer auf ihre Insel lockt, verführt und schließlich in Tiere oder Felsen verwandelt. Als der Ritter Ruggiero ihrem Bann verfällt, kommt seine als Mann verkleidete Verlobte Bradamante, um ihn zu befreien. Uraufgeführt 1735 in London, zählt das Werk zu Händels Meisteropern.
Fakten zu „Alcina“
| Komponist | Georg Friedrich Händel |
|---|---|
| Libretto | Anonym bearbeitet, nach Ludovico Ariostos „Orlando furioso“ (Gesänge 6 und 7), Vorlage war Riccardo Broschis „L’isola di Alcina“ |
| Uraufführung | 16. April 1735, Covent Garden (Theatre Royal), London |
| Sprache | Italienisch |
| Aufbau | 3 Akte |
| Spieldauer | ca. 3 Std. (mit Pausen) |
| Gattung | Opera seria (Dramma per musica) in drei Akten |
| Bedeutung | Eine der gefeiertsten Zauberopern Händels und ein zentrales Werk der modernen Händel-Renaissance. |
Handlung
1. Akt
Auf der Zauberinsel der Alcina (Sopran) strandet Bradamante (Alt/Mezzosopran), die in Männerkleidung als ihr eigener Bruder „Ricciardo“ auftritt, begleitet von ihrem Mentor Melisso (Bass). Sie sucht ihren Verlobten, den Ritter Ruggiero (ursprünglich Kastrat, heute Mezzosopran oder Countertenor), der dem sinnlichen Bann der Zauberin verfallen ist und seine Braut völlig vergessen hat. Empfangen werden die Ankömmlinge von Alcinas Schwester Morgana (Sopran), die sich sogleich in den vermeintlichen Jüngling „Ricciardo“ verliebt – sehr zum Verdruss ihres Geliebten, des Feldherrn Oronte (Tenor). Alcina herrscht über ein Reich aus Illusion: Frühere Liebhaber hat sie in Tiere, Felsen und Pflanzen verwandelt. Ruggiero, ganz Gefangener der Lust, weist Bradamante als angeblichen Nebenbuhler ab. Eifersucht, Verkennung und Verkleidung verflechten die Figuren. Während Ruggiero noch in Alcinas Armen schwelgt, beginnt Melisso einen Plan zu schmieden, um den Verzauberten zur Vernunft und zu seiner wahren Liebe zurückzuführen.
2. Akt
Melisso (Bass) tritt in der Gestalt von Ruggieros altem Lehrer Atlante auf und steckt dem Verzauberten einen magischen Ring an, der die Trugbilder der Insel zerstört. Schlagartig erkennt Ruggiero (Mezzosopran/Countertenor) die Wahrheit: Alcinas Pracht ist Blendwerk, ihre Liebe Zauber. Innerlich zerrissen zwischen Schuldgefühl und dem Wunsch nach Flucht, gibt er vor, Alcina (Sopran) weiter zu lieben, um Zeit zu gewinnen. Bradamante (Alt/Mezzosopran) gibt sich ihm zu erkennen, doch der misstrauische Ruggiero hält dies zunächst für eine neue List der Zauberin. Alcina, die seine Kühle spürt, will ihn durch einen Zauber an sich binden, wird aber von Morgana (Sopran) abgehalten. In der berühmten Klage „Ah! mio cor“ bricht die mächtige Zauberin als verlassene, liebende Frau zusammen. Oronte (Tenor) verkündet, dass Ruggiero zu fliehen plant; Verrat und Verzweiflung greifen um sich. Im Garten nimmt Ruggiero in „Verdi prati“ Abschied von der schönen, trügerischen Welt, die sich gleich auflösen wird.
3. Akt
Ruggiero (Mezzosopran/Countertenor) rüstet zum Kampf und bereitet die Flucht von der Insel vor. Alcina (Sopran) versucht ein letztes Mal, ihn mit Liebesschwüren und Drohungen zu halten, doch ihre Zaubermacht schwindet zusehends. Oronte (Tenor) und Morgana (Sopran) finden inmitten der Krise zueinander zurück, nachdem Morganas Schwärmerei für den vermeintlichen „Ricciardo“ sich als Irrtum erwiesen hat. Bradamante (Alt/Mezzosopran) und Ruggiero stehen nun gemeinsam gegen die Zauberin. Verzweifelt beschwört Alcina ihre Geister, doch diese versagen ihr den Dienst. Ruggiero zerstört die Urne, die Quelle ihrer magischen Kraft. Mit ihr zerbricht Alcinas ganzes Reich: Der Trugzauber löst sich auf, und die in Tiere, Steine und Wellen verwandelten früheren Liebhaber gewinnen ihre menschliche Gestalt zurück. Alcina und Morgana versinken machtlos. Befreit feiern die Erlösten und das wiedervereinte Liebespaar das Ende der Verblendung und den Sieg von Treue und Wahrheit über die Illusion.
Rollen & Stimmfächer
| Rolle | Stimmfach | Bedeutung |
|---|---|---|
| Alcina | Sopran | Mächtige Zauberin; Herrin der Insel; verführt und verwandelt ihre Liebhaber |
| Ruggiero | Mezzosopran/Countertenor (ursprünglich Kastrat) | Ritter und Bradamantes Verlobter; Alcinas verzauberter Geliebter |
| Morgana | Sopran | Alcinas Schwester; verliebt sich in den verkleideten „Ricciardo“ |
| Bradamante | Alt/Mezzosopran | Ruggieros Verlobte; tritt in Männerkleidung als „Ricciardo“ auf |
| Oronte | Tenor | Alcinas Feldherr; eifersüchtiger Geliebter Morganas |
| Melisso | Bass | Bradamantes Mentor; bricht mit dem Zauberring den Bann |
| Oberto | Sopran (Knabe) | Knabe auf der Suche nach seinem verwandelten Vater Astolfo |
Berühmte Arien
| Arie | Stimme | Szene |
|---|---|---|
| „Tornami a vagheggiar“ | Morgana (Sopran) | Brillante Koloraturarie; Morgana bejubelt die Liebe zu „Ricciardo“; Finale des 1. Akts. |
| „Ah! mio cor, schernito sei“ | Alcina (Sopran) | Große Klage der verlassenen Zauberin; emotionaler Höhepunkt im 2. Akt. |
| „Verdi prati“ | Ruggiero (Mezzosopran/Countertenor) | Wehmütiger Abschied von der schönen Trugwelt; 2. Akt. |
| „Mi lusinga il dolce affetto“ | Ruggiero (Mezzosopran/Countertenor) | Ruggiero zweifelt, ob Bradamantes Erscheinen ein neuer Zauber Alcinas ist; 2. Akt. |
Themen & Kontext
Worum es wirklich geht
„Alcina“ erzählt von Verführung, Illusion und dem Bruch des Banns. Die Zauberin lockt Männer auf ihre Insel, liebt sie und verwandelt die Überdrüssigen in Tiere und Felsen. Im Zentrum steht Ruggiero, der seine Verlobte Bradamante vergessen hat und im sinnlichen Rausch lebt, bis ein magischer Ring ihm die Wahrheit zeigt. Hinter der Märchenhandlung verbirgt sich eine Studie über Begehren und Selbsttäuschung: Alcinas Macht ist Blendwerk, ihre Liebe jedoch erschütternd echt. Wenn ihr Reich zerfällt, fällt nicht nur ein Zauberschloss, sondern auch die schöne Lüge, die alle gefangen hielt. Treue siegt über Verblendung.
Historischer Hintergrund
Händel komponierte „Alcina“ 1735 für seine erste Saison im neu eröffneten Theater am Covent Garden, wo er gegen die konkurrierende „Opera of the Nobility“ um das Londoner Publikum kämpfte. Das anonym bearbeitete Libretto geht auf Ludovico Ariostos Epos „Orlando furioso“ zurück und nutzt eine ältere Vorlage von Riccardo Broschi. Die Uraufführung am 16. April 1735 brachte den gefeierten Kastraten Giovanni Carestini als Ruggiero und wurde ein großer Erfolg mit zahlreichen Wiederholungen. Für die Aufführungen schrieb Händel zudem Ballettmusik für die Truppe der Tänzerin Marie Sallé. „Alcina“ entstand am Höhepunkt von Händels Schaffen für die italienische Oper in London.
Warum Experten es wichtig finden
Fachleute schätzen „Alcina“ als Gipfel der Händelschen Zauberoper und als eines seiner reichsten Charakterporträts. Die Titelpartie verlangt eine Sängerin, die zwischen herrischer Macht, sinnlicher Verführung und gebrochener Verzweiflung wandeln kann; Arien wie „Ah! mio cor“ gelten als Prüfsteine der Barockinterpretation. Das Werk steht zudem im Mittelpunkt der Händel-Renaissance des 20. Jahrhunderts: Nach Jahrzehnten der Vergessenheit verhalf ihm unter anderem Joan Sutherlands legendärer Auftritt 1957 zu neuem Ruhm. Heute ist „Alcina“ fester Bestandteil des Repertoires und ein Schlüsselwerk für das wiedererwachte Interesse an der historisch informierten Aufführungspraxis.
Aufführungsnoten
Regie-Ansätze
Regiekonzepte reichen von prachtvoll-barocken Zauberwelten bis zu psychologischen Deutungen, die Alcinas Insel als innere Landschaft von Begehren und Selbsttäuschung lesen. Beliebt sind Inszenierungen, die das Theatralische des Zaubers offenlegen und die Verwandlungen als Bild für Macht und Manipulation ausstellen.
Bekannte Aufnahmen & Produktionen
Maßstäbe setzten Aufnahmen unter William Christie (mit Renée Fleming und Susan Graham), Richard Hickox sowie historisch informierte Einspielungen mit Joyce DiDonato und Cecilia Bartoli in den Hauptpartien; legendär ist Joan Sutherlands Alcina aus den späten 1950er-Jahren.
Was zwischen Inszenierungen variiert
Variabel ist vor allem die Besetzung Ruggieros: ursprünglich für einen Kastraten geschrieben, wird die Partie heute von Mezzosopranistinnen oder Countertenören übernommen. Auch die kleine Rolle des Knaben Oberto wird oft gestrichen, und Striche bei den zahlreichen Da-capo-Arien sowie der Umgang mit der Ballettmusik unterscheiden sich je nach Produktion erheblich.
„Alcina“ bei IOCO
Häufige Fragen
Wer hat „Alcina“ komponiert?
„Alcina“ stammt von Georg Friedrich Händel. Uraufführung: 16. April 1735, Covent Garden (Theatre Royal), London.
Wovon handelt „Alcina“?
„Alcina“ ist Georg Friedrich Händels Barockoper über die Zauberin Alcina, die Männer auf ihre Insel lockt, verführt und schließlich in Tiere oder Felsen verwandelt. Als der Ritter Ruggiero ihrem Bann verfällt, kommt seine als Mann verkleidete Verlobte Bradamante, um ihn zu befreien. Uraufgeführt 1735 in London, zählt das Werk zu Händels Meisteropern.
Welche berühmten Arien gibt es in „Alcina“?
Zu den bekanntesten Arien zählen „Tornami a vagheggiar“, „Ah! mio cor, schernito sei“, „Verdi prati“.
Welche Stimmfächer singen die Hauptrollen in „Alcina“?
Alcina (Sopran), Ruggiero (Mezzosopran/Countertenor (ursprünglich Kastrat)).
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