Mannheim, Nationaltheater, MANNHEIMER SOMMER, IOCO
Der Mannheimer Sommer 2026 sprengt Grenzen: Mit Opernpremieren wie Die Zauberflöte, Stars wie Diana Damrau und ungewöhnlichen Spielorten wird Mannheim vom 18.–28. Juni zur Bühne eines vielfältigen Musiktheaterfestivals.
von Uschi Reifenberg
NTM OPER l FESTIVAL „MANNHEIMER SOMMER“ VERÖFFENTLICHT PROGRAMM
Vorverkauf gestartet.
„LASST EUCH ENTGRENZEN.“
INTERNATIONALES FESTIVAL FÜR MUSIK UND THEATER
MANNHEIMER SOMMER VERÖFFENTLICHT PROGRAMM
Unter dem Motto „Lasst euch entgrenzen“ wird vom 18. bis 28. Juni 2026 das internationale Festival für Musik und Theater „Mannheimer Sommer“ stattfinden. Biennal von der Oper des Nationaltheaters Mannheim veranstaltet, bietet das Festival ein breites Programm unterschiedlicher Formate, künstlerischer Perspektiven und Genres. Von der großen Opernpremiere, über ein Streichquintett im Fußballstadion oder einen interaktiven Drum-Roboter im Museum bis hin zur Tanzperformance und intimen Wohnzimmerkonzerten. Opernstars wie Diana Damrau, namhafte Künstler*innen wie Charly Hübner, Boris Charmatz, Kat Frankie oder das Orchester in Residence „Wooden Elefant“ erobern elf Tage lang die Bühnen des Nationaltheaters sowie neue Orte in der Stadt. Auf der heutigen Pressekonferenz in der Interimsspielstätte OPAL, stellte das Festivalteam um Jan Dvořák, Jakob Kotzerke, Cordula Demattio und Julia Warnemünde das detaillierte Programm vor. Zeitgleich startete der Vorverkauf.
Das künstlerische Leitungsteam, Jan Dvořák und Jakob Kotzerke, ist voll Vorfreude. „Unser Motto ‚Lasst euch entgrenzen‘ soll ein Signal für Neugier und Entdeckungsfreude sein – wir wollen dazu verführen, die künstlerischen Gebiete jenseits der traditionellen Grenzen zu erkunden“, so Jan Dvořák. Und Jakob Kotzerke ergänzt: „Die Festivalausgabe 2026 wird zu großen Teilen in und rund um unsere Interimsspielstätte OPAL stattfinden. Wir sind begeistert, dass viele ungewöhnliche Veranstaltungsorte in der Stadt hinzukommen und wir großartige Kooperationspartner gewinnen konnten.“
PREMIEREN UND EIGENPRODUKTIONEN DES NATIONALTHEATERS
Neben Gastspielen und Konzerten stehen Eigenproduktionen des Nationaltheaters im künstlerischen Zentrum, allen voran die Premiere von W. A. Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ in der Inszenierung von Cordula Däuper, mit der das Festival am 18.06. im OPAL eröffnet. Claudio Monteverdis „L’Orfeo“ (Regie: Markus Bothe, Musikalische Leitung: Jörg Halubek) im Schlosstheater Schwetzingen (23./24.06.) ist als zweite große Opernneuproduktion des Nationaltheaters zu erleben. Mit diesem Werk beginnt vor über 400 Jahren die Geschichte der Oper. Und wie kein anderes Stück stellt dieses die Frage, welche Grenzen uns Menschen gesetzt sind und ob wir sie überwinden können.
Ein weiteres Highlight ist „E.L.I.Z.A.“, eine Musiktheater-Installation von Kommando Himmelfahrt im Studio Werkhaus, die sich mit dem vor 60 Jahren entwickelten, ersten Chatbot der Geschichte beschäftigt und dabei eine düstere Utopie von Selbstoptimierung, emotionaler Steuerung und digitaler Verheißung entwirft.
PROJEKTWETTBEWERB MIT VIER URAUFFÜHRUNGEN
Ungewöhnliche Perspektiven und zeitgenössische Impulse versprechen die vier Uraufführungen, die als Gewinnerproduktionen aus dem Projektwettbewerb der Oper „TO THE EDGES“ (2025) hervorgegangen sind. Der Wettbewerb richtete sich an künstlerische Gruppen, die ausgehend von Mozart, die Grenzen des Musiktheaters erkunden und ortsspezifisch in Mannheim arbeiten wollen.
Das Berliner Regieduo Vöcks de Schwindt lädt mit seiner Produktion „Queer Opera Love. Ein dokumentarischer Hausbesuch“ zu einem Mannheimer Opernfan ein. Ausgehend von ihrer eigenen Opernleidenschaft erkunden sie dabei die Querverbindungen zwischen Begeisterung für die Oper, Biografie und queeren Identitäten.
Unter dem Titel „Mozart. Schwarzenegger. Hitler“ erzählen die österreichische Regisseurin Isabella Sedlak und Musiker Thomas Moked Blum in ihrer Musik-Performance die tragikomische Geschichte eines Mozart des 21. Jahrhunderts: zwischen TikTok und Rokoko, Selbstinszenierung und Selbstzweifel.
Das Pariser Performancekollektiv +een ge good wagt mit „Don Giovanni (Justin Bieber Remix)“ in der Mannheimer Friedenskirche ein Musiktheater-Ritual. Es beschwört den Mythos von Don Giovanni, der als Popstar Justin Bieber wiederkehrt.
Nur acht Takte des „Lacrimosa“ aus dem „Requiem“ stammen aus W.A. Mozarts Feder. Sie werden zum Ausgangspunkt einer begehbaren Tanztheater-Installation von Lucia Wunsch, Bendrik Grossterlinden und Emilia Bongilaj, die ebenfalls in der Friedenskirche zu erleben ist.
INTERNATIONALE GASTSPIELE IN PROMINENTER BESETZUNG – VON TECHNOBEATS BIS GROSSE ARIEN
Im facettenreichen Gastspielprogramm darf man sich auf ein besonderes Wiedersehen freuen. Die große Sopranistin Diana Damrau kehrt am 19.06. mit einem Liederabend auf die Bühne des Mannheimer Nationaltheaters zurück, wo sie in den frühen Jahren ihrer Karriere als Ensemblemitglied engagiert war.
Bei „Mercy Seat“ im Alten Kino Franklin (20./21.6.) verschmelzen Schauspieler Charly Hübner und das Ensemble Resonanz Schuberts „Winterreise“ mit Songs von Nick Cave. Direkt im Anschluss fährt die historische Mannheimer Straßenbahn als Festivalshuttle ins OPAL zum „Maskenball“ (20.06., Festivalzentrum und Foyer) im venezianischen Stil.
Inspiriert von Björks „Homogenic“ begeben sich Singer-Songwriterin Kat Frankie und ihr Vokalensemble B O D I E S für ihr neues Musiktheater „Hunter“ (23.06., OPAL) in ein Spiel über Regeln, Rollen und den Zustand des Herzens – zwischen Basketballplatz, Pop, Oper und Elektronik. Im Solokonzert (24.06., Festivalzentrum) ist Kat Frankie dann noch einmal mit ihrem unverwechselbaren Indie-Pop-Sound an der Gitarre zu erleben.
„Wooden Elephant“ ist das diesjährige Ensemble in Residence beim „Mannheimer Sommer“. Das international besetzte Streichquintett verwandelt höchst raffiniert Pop- und Elektronik-Alben in akustische Kammermusik. Während des Festivals spielen „Wooden Elephant“ nicht nur vier Konzerte, das Ensemble hat seinen Probenraum im oberen Foyer des OPAL eingerichtet und lädt dort auch zum öffentlichen Workshop „Pop auf Streichinstrumenten“ ein. Für „Lemonade“ von Beyoncé für Streichquintett und Sprecherin (24.06.) erobert „Wooden Elephant“ zudem einen spektakulären Ort, das Rhein-Neckar-Stadion des „Vereins für Rasenspiele (VfR)“, und interpretiert dort mit Sprecherin Sandra Bourdonnec eines der radikalsten und beeindruckendsten Alben von Beyoncé aus dem Jahr 2016. Bei „Best Wooden Elephant“ (26.06., Festivalzentrum) und Pop-up-Konzerten (22./23.06., Sepp-Herberger-Lounge im Rosengarten) ist das Quintett nochmals zu erleben.
Moritz Simon Geist ist Klangkünstler und Erfinder an der Schnittstelle von elektronischer Musik, Robotik und Performance. Seine Installation „MR – 808“, ein überdimensionaler Drum-Roboter, der live vom Publikum im Technoseum (ab 23.06.) programmiert werden kann, ist eine Hommage an die legendäre TR – 808 aus dem Jahr 1980, deren Sound prägend für Hip-Hop und Techno ist. Außerdem gibt Geist ein Roboter-Techno-Konzert (23.06.) im Festivalzentrum.
Bis heute hält die Faszination des Mythos um Mozarts „Requiem“ an. So unklar die Entstehung der 40. Sinfonie, so unumstritten ihr leidenschaftlicher Ausdruck. Mit seiner gefeierten Choreografie „10000 Gesten“ verwandelt Boris Charmatz Mozarts hochemotionales „Requiem“ in ein körperliches Erlebnis, in dem jede Bewegung und jeder menschliche Kontakt flüchtig sind (25.06., OPAL).
Im 8. Akademiekonzert (23.06.) geht es ebenfalls um Mozarts „Requiem“ und die Sinfonie g-Moll. Dirigent Rinaldo Alessandrini, Solisten und Chor des Nationaltheaters, sorgen für ein bewegendes Konzerterlebnis im Mozartsaal des Mannheimer Rosengarten.
Besondere Konzerte an besonderen Orten sind u. a. in der Mannheimer Friedenskirche zu hören, die dafür extra ihre eigentlich verschlossenen Türen öffnet. So etwa, wenn das renommierte Stuttgarter „Alte-Musik-Ensemble“ „Il Gusto Barocco“ die Kunst der Fuge unter der Leitung des Cembalisten Jörg Halubek zu Gehör bringt (25.06.). Unter dem Himmel des Planetariums öffnen sich Herzen, Ohr und Geist, wenn das legendäre Frankfurter „Ensemble Modern“ mit „Atlas Eclipticalis“ Sternbilder in meditative Klänge nach John Cages Zufallskomposition von 1961 übersetzt (25.06.).
Am letzten Festivalwochenende hat das „Phantom der Operette“ (27.06.) im OPAL seinen musikalisch-vergnüglichen Auftritt. Ausgehend von Emmerich Kálmán erforscht das Kollektiv „La fleur“ singend und tanzend ein totgesagtes Genre. Am Tag zuvor kann man beim „Orchesterkaraoke“ mit sinfonischer Begleitung im OPAL stimmgewaltig das Wochenende einläuten und es dann letztlich am Sonntag bei der „Landschaftsmusik“ im Luisenpark (28.06.) stimmungsvoll mit der Mannheimer Bläserphilharmonie ausklingen lassen.
Und sonst noch: Familientag am 21.06. mit vielen kostenfreien Veranstaltungen, Kunstperformance „Slime Studies“ von Anik Lazar durchgängig im Festivalzentrum, Operngala mit Feuerwerk „Schloss in Flammen“ am 27.06., Partys und Nachtgespräche.
Der „Mannheimer Sommer“ wird maßgeblich gefördert durch die Stadt Mannheim, das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg sowie durch die Freunde und Förderer des Nationaltheaters Mannheim e. V., die Stiftung Nationaltheater Mannheim und die Heinrich-Vetter-Stiftung.