Münster, GOP Münster, "DELUXE" - Varieté-Abend, IOCO
„Deluxe“ - Ein Varieté-Abend der Sonderklasse
Standing Ovations zur Premiere der neue Show am GOP Münster
Von Hanns Butterhof
MÜNSTER. Die neue Show des GOP Varieté-Theaters Münster heißt nicht nur Deluxe, sie macht ihrem Titel auch alle Ehre. Ein derart harmonisches Programm von Artistik und musikalischer Moderation, wie es Regisseur Karl-Heinz Helmschrot kreiert hat, ist auch für ein verwöhntes Varieté-Publikum etwas Besonderes. Durchwegs fesseln die Deluxe-Künstler unaufdringlich durch ihre Persönlichkeit, die ihren artistischen Spitzenleistungen eine spürbare Wärme verleiht.

Einnehmend moderiert der Musik-Kabarettist Jens Heinrich Claassen die Schau, ohne sich selbstgefällig vor die Artisten zu drängen. Glaubhaft kokettiert er mit seinen Schwächen und scheint den ganzen Abend über auf der Suche nach der oder demjenigen, die ihn von den Misshelligkeiten seines Single-Dasein erlösen können. Virtuos variiert er am Klavier diverse Ohrwürmer, und seine Parodien von Gesangstars sind einfach hinreißend.
Für den artistischen Teil der Show bildet die Diabolo-Interpretation von Hilary einen wunderbaren Einstieg. Je länger sie mit kaum nachvollziehbarer Geschwindigkeit und unglaublicher Präzision ihre Diabolos um sich herum und meterhoch in die Luft jagt, desto stärkere Energie geht von ihr aus und springt ins Publikum über. Und ebenfalls auf ihre eigene Weise berührt Cléa Périon, die mit ihrem Cyr-Reifen einen romantisch leichten Elfentanz aufführt, den sie mit einem mitreißenden Wirbel ausklingen lässt.

Dem setzt das Duo Gancho eine clowneske Partnerakrobatik der etwas gröberen Art entgegen, die an der hektischen Slapstick-Ästhetik der Stummfilmzeit orientiert ist; sowas muss man mögen. Dagegen ist kaum zu fassen, dass Anastasiia Sholokhova nur mit ihrem Haar an einem Tau befestigt in der Luft hängt, wenn sie in Zeitlupentempo knapp über dem Boden auf der Stelle läuft, dann mit kunstvoll verdrehtem Körper über der Bühne kreist und sich im Finale hoch oben so schnell um sich dreht, dass man vom Zusehen schwindelig wird. Ihr poetisches Hairhanging ist bezaubernd.
Bei den Crystal Ladies beeindrucken Perfektion und Tempo ihrer Fußjonglage. Auf dem Rücken liegend jonglieren sie mit Händen und Füßen Tücher, die sich in rasanter Drehung tellerförmig entfalten. Sie werden nicht nur zwischen den Händen und Füßen, sondern auch zwischen den Balance-Künstlerinnen selber getauscht, ohne dass sie an Dreh-Geschwindigkeit verlieren – faszinierend.

Der unter dem Künstlernamen Genia auftretende Ievgen Tykhonkov ist ein Bild von einem Mann, sofern man darunter nur Muskeln und null Gramm Fett versteht. Aber was Genia am Vertical Pole, dem frei in der Luft hängenden Pfahl, mit diesem Körper macht, ist von einer unerwartet tänzerischen Feinheit, die die eingesetzte Kraft entschieden veredelt. Der starke Mann mit Schiebermütze wird von der Kontorsionistin Sheyen Caroli nur markiert, wenn sie ihren Körper auf einem Billardtisch mit unglaublicher Gelenkigkeit verbiegt. Doch nachdem sie ihre Maskerade abgelegt hat, ist der starken Frau der Beifall des ganzen Saals dafür sicher, dass sie aus einer kaum beschreibbar unmöglich verdrehten Haltung rücklings einen Pfeil vom Bogen ins Ziel jagt.
Den berührenden Schlusspunkt der Schau setzt das Duo Konstantin und Hanna. Ihre Partnerakrobatik erscheint bei aller Dynamik so leicht, so liebevoll, dass sich bei ihnen Tanz und Akrobatik in Vollendung wie als Zusammenfassung des Spirits von deluxe verbinden.

Nach zwei Stunden war der langanhaltende Beifall des stehend applaudierenden Premierenpublikums der passende Ausdruck der Anerkennung und des Dankes für einen Varieté-Abend der Spitzenklasse, deluxe halt.
Showtime für „Deluxe“ im GOP-Varieté-Theater Münster ist bis zum 5.7.2026.
Karten unter Telefon: 0251 4909090 oder im Internet unter variete.de