Messiah HWV 56
Händels „Messiah“ HWV 56 ist das berühmteste Oratorium der Musikgeschichte. Anders als eine erzählte Bibelgeschichte deutet das englischsprachige Werk in drei Teilen das Heilsgeschehen von der Verheißung über Tod und Auferstehung Christi bis zur Erlösung. Den Text stellte Charles Jennens aus der Bibel zusammen. Uraufgeführt wurde es 1742 in Dublin; sein „Hallelujah“-Chor ist weltberühmt.
Fakten zu „Messiah HWV 56“
| Komponist | Georg Friedrich Händel (1685–1759) |
|---|---|
| Entstehung | 1741 in London in nur etwa drei bis vier Wochen komponiert; Textzusammenstellung von Charles Jennens aus der King-James-Bibel und dem Coverdale-Psalter |
| Uraufführung | 13. April 1742, Dublin (Great Music Hall, Fishamble Street) zugunsten wohltätiger Zwecke |
| Besetzung | Vier Vokalsolisten (Sopran, Alt, Tenor, Bass), Chor und Orchester (Streicher, Oboen, Trompeten, Pauken, Basso continuo) |
| Gattung | Oratorium in englischer Sprache |
| Dauer | ca. 2 Std. 20 Min. |
| Bedeutung | Das populärste Oratorium der Welt und ein Inbegriff geistlicher Chormusik |
Aufbau & Sätze
Teil I – Verheißung und Geburt
Der erste Teil kreist um die Prophezeiung und die Geburt des Erlösers. Nach der feierlichen Orchester-Ouvertüre verkündet die Tenorarie „Comfort ye“ den Trost für das Volk. Es folgen Sätze aus den Worten der Propheten Jesaja und Maleachi: „Ev’ry valley shall be exalted“ und der jubelnde Chor „And the glory of the Lord“. Die Bassarie „But who may abide the day of his coming“ kündet das Erscheinen des Herrn an. Mit dem strahlenden Chor „For unto us a child is born“ erreicht der Teil seinen Höhepunkt – die Geburt wird mit überschäumender Freude besungen. Die anschließende „Pifa“, ein pastorales Hirteninstrumentalstück, und die Weihnachtsszene mit den Hirten auf dem Feld führen zur Verkündigung der Engel. Sopranarien wie „Rejoice greatly, O daughter of Zion“ runden den hoffnungsvollen, lichten Charakter dieses Teils ab.
Teil II – Leiden, Tod und Sieg
Der zweite Teil schildert Leiden, Opfertod und Triumph Christi. Er beginnt mit dem Chor „Behold the Lamb of God“ und der erschütternden Altarie „He was despised“, die das Leiden des verachteten Gottesknechts besingt. Eine Folge dramatischer Chöre – „Surely he hath borne our griefs“, „And with his stripes we are healed“, „All we like sheep have gone astray“ – durchmisst Schuld und Sühne. Nach Tod und Auferstehung wenden sich die Sätze dem Sieg und der Ausbreitung des Evangeliums zu: „Lift up your heads“ und „Why do the nations so furiously rage“. Den krönenden Abschluss bildet der weltberühmte „Hallelujah“-Chor, in dem sich Trompeten und Pauken zum jubelnden Lobpreis erheben. Nach altem Brauch erhebt sich das Publikum bei diesem Satz – eine Tradition, die bis auf die Londoner Aufführungen des 18. Jahrhunderts zurückgeführt wird.
Teil III – Erlösung und ewiges Leben
Der dritte, kürzeste Teil ist eine Meditation über Erlösung, Auferstehung und ewiges Leben. Er beginnt mit der innigen Sopranarie „I know that my Redeemer liveth“, einem der bekanntesten Sätze des Werks, der die Gewissheit der Auferstehung verkündet. Es folgt der Chor „Since by man came death“, der die Worte des Apostels Paulus aus dem ersten Korintherbrief aufgreift. Die Bassarie „The trumpet shall sound“ malt mit obligater Solotrompete das Bild der Auferstehung der Toten am Jüngsten Tag. Nach weiteren Sätzen über den Sieg über Tod und Sünde mündet das Werk in den abschließenden Lobpreis „Worthy is the Lamb that was slain“ und die große Schlussfuge auf das „Amen“, in der Chor und Orchester zu einer letzten, machtvollen Steigerung zusammenfinden. Damit endet das Oratorium in glanzvoller Verklärung.
Besetzung
| Stimme / Instrument | Lage | Funktion |
|---|---|---|
| Sopran-Solo | Sopran | Verkündet u. a. „Rejoice greatly“ und „I know that my Redeemer liveth“ |
| Alt-Solo | Alt | Trägt die Klagearie „He was despised“ und „O thou that tellest good tidings“ |
| Tenor-Solo | Tenor | Eröffnet mit „Comfort ye“ und „Ev’ry valley shall be exalted“ |
| Bass-Solo | Bass | Singt „The trumpet shall sound“ und „Why do the nations so furiously rage“ |
| Chor | gemischter Chor (SATB) | Tragende Säule des Werks von „For unto us a child is born“ bis zum „Hallelujah“ und „Amen“ |
Bekannte Sätze & Höhepunkte
| Satz / Nummer | Besetzung | Kontext |
|---|---|---|
| „Hallelujah“ | Chor | Berühmtester Chor des Werks; das Publikum erhebt sich traditionell |
| „I know that my Redeemer liveth“ | Sopran-Solo | Innige Verkündigung der Auferstehungsgewissheit zu Beginn des dritten Teils |
| „For unto us a child is born“ | Chor | Strahlender Jubelchor zur Geburt des Erlösers |
| „The trumpet shall sound“ | Bass-Solo, Solotrompete | Vision der Auferstehung der Toten mit obligater Trompete |
Themen & Kontext
Worum es wirklich geht
Der „Messiah“ erzählt keine Handlung, sondern entfaltet das christliche Heilsgeschehen als Folge von Betrachtungen. Charles Jennens stellte Verse aus dem Alten und Neuen Testament so zusammen, dass sie den Bogen von der Verheißung des Erlösers über seine Geburt, sein Leiden und seine Auferstehung bis zur Hoffnung auf ewiges Leben spannen. Anders als die Matthäus-Passion zeigt das Werk keine szenische Erzählung mit handelnden Figuren, sondern eine theologische Reflexion in drei großen Bögen. Diese kontemplative Anlage erklärt, warum der „Messiah“ sowohl zur Advents- und Weihnachtszeit als auch zu Ostern aufgeführt wird.
Entstehung & Hintergrund
Händel komponierte den „Messiah“ 1741 in London in erstaunlich kurzer Zeit – die Legende spricht von nur 24 Tagen. Den Anstoß gab das Textbuch seines Mitarbeiters Charles Jennens. Die Uraufführung fand jedoch nicht in London statt, sondern am 13. April 1742 in Dublin, in der eigens errichteten Great Music Hall an der Fishamble Street, zugunsten wohltätiger Einrichtungen, darunter Schuldgefangene. Der Andrang war so groß, dass die Damen gebeten wurden, auf Reifröcke zu verzichten. Erst die Londoner Aufführungen ab 1743 und später die jährlichen Benefizkonzerte im Foundling Hospital begründeten den dauerhaften Ruhm des Werks.
Warum Experten es wichtig finden
Der „Messiah“ ist das meistaufgeführte Oratorium der Welt und prägte das geistliche Konzertwesen bis heute. Fachleute schätzen Händels Gespür für Textdeklamation, seine eingängigen und zugleich kunstvollen Chöre und die dramaturgische Balance der drei Teile. Bemerkenswert ist die Vielzahl überlieferter Fassungen: Händel passte Tonarten und Stimmlagen immer wieder an die jeweiligen Sänger an, sodass es keine einzige verbindliche Urgestalt gibt. Spätere Bearbeitungen – etwa Mozarts deutsche Instrumentierung von 1789 – zeugen von der anhaltenden Wirkung. Bis heute gehört vor allem das „Hallelujah“ zum bekanntesten Erbe der Chormusik überhaupt.
Aufführungsnoten
Interpretationsansätze
Fast ausschließlich konzertant, zur Advents-, Weihnachts- oder Osterzeit; szenische Deutungen sind selten
Bekannte Aufnahmen
Bekannte Einspielungen u. a. von Thomas Beecham, Colin Davis, Christopher Hogwood, John Eliot Gardiner und Trevor Pinnock; daneben Mozarts Bearbeitung „Der Messias“ KV 572
Was zwischen Interpretationen variiert
Es existieren zahlreiche von Händel selbst autorisierte Fassungen mit unterschiedlichen Stimmlagen; Aufführungen reichen von großen romantischen Chormassen bis zur schlanken historischen Aufführungspraxis. Mozarts deutsche Fassung wird gelegentlich gespielt
„Messiah HWV 56“ bei IOCO
Häufige Fragen
Von wem stammt „Messiah HWV 56“?
„Messiah HWV 56“ stammt von Georg Friedrich Händel. Uraufführung: 13. April 1742, Dublin (Great Music Hall, Fishamble Street) zugunsten wohltätiger Zwecke.
Was ist „Messiah HWV 56“?
Händels „Messiah“ HWV 56 ist das berühmteste Oratorium der Musikgeschichte. Anders als eine erzählte Bibelgeschichte deutet das englischsprachige Werk in drei Teilen das Heilsgeschehen von der Verheißung über Tod und Auferstehung Christi bis zur Erlösung. Den Text stellte Charles Jennens aus der Bibel zusammen. Uraufgeführt wurde es 1742 in Dublin; sein „Hallelujah“-Chor ist weltberühmt.
Welche Sätze bzw. Höhepunkte hat „Messiah HWV 56“?
Bekannt sind unter anderem „Hallelujah“, „I know that my Redeemer liveth“, „For unto us a child is born“.
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