Requiem d-Moll KV 626
Mozarts Requiem d-Moll KV 626 ist seine letzte, unvollendet hinterlassene Totenmesse. Ein anonymer Auftrag des Grafen Franz von Walsegg führte 1791 zur Komposition; Mozart starb am 5. Dezember mitten in der Arbeit. Sein Schüler Franz Xaver Süßmayr vervollständigte das Werk, das bis heute als Inbegriff der musikalischen Totenklage gilt.
Fakten zu „Requiem d-Moll KV 626“
| Komponist | Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791), vervollständigt von Franz Xaver Süßmayr |
|---|---|
| Entstehung | 1791 in Wien, beauftragt von Graf Franz von Walsegg über einen anonymen Boten; bei Mozarts Tod am 5. Dezember 1791 unvollendet |
| Uraufführung | 2. Januar 1793, Wien (Benefizkonzert für Constanze Mozart, organisiert von Gottfried van Swieten); einzelne Teile bereits am 10. Dezember 1791 bei einer Gedächtnisfeier |
| Besetzung | 4 Vokalsolisten (Sopran, Alt, Tenor, Bass), vierstimmiger Chor, Orchester mit Bassetthörnern, Fagotten, Trompeten, Posaunen, Pauken, Streichern und Orgel |
| Gattung | Requiem (lateinische Totenmesse) |
| Dauer | ca. 50 Min. |
| Bedeutung | Mozarts musikalisches Vermächtnis und eine der wirkmächtigsten Vertonungen der Totenmesse überhaupt |
Aufbau & Sätze
Introitus & Kyrie
Das Werk eröffnet mit dem „Requiem aeternam“: über schreitenden Streichern und klagenden Bassetthörnern bittet der Chor um ewige Ruhe für die Verstorbenen. Die Stimmung ist dunkel, gemessen, von strenger Trauer geprägt. Ein Sopransolo („Te decet hymnus“) hellt den Satz kurz auf, ehe der Chor zurückkehrt. Unmittelbar schließt das „Kyrie eleison“ an, eine energische Doppelfuge über zwei Themen, deren erstes Mozart aus Händels Tradition vertraut war. Beide Teile gehören zu den wenigen Abschnitten, die Mozart selbst weitgehend ausgearbeitet hat: das Introitus vollständig, das Kyrie in Singstimmen und Generalbass. Hier zeigt sich bereits die emotionale Spannweite des Requiems, das zwischen flehender Demut und kontrapunktischer Strenge wechselt und den feierlichen Ernst der gesamten Totenmesse vorgibt.
Sequenz
Die Sequenz bildet das dramatische Herzstück. Das „Dies irae“ entfesselt mit hämmernden Streichern und Chorrufen das Bild des Jüngsten Gerichts. Im „Tuba mirum“ kündet eine Solo-Posaune das Gericht an, worauf die vier Solisten nacheinander einsetzen. Das „Rex tremendae“ ruft den „König schrecklicher Majestät“ an, das „Recordare“ entfaltet ein lyrisches Solistenquartett von großer Innigkeit. Im „Confutatis“ stellt Mozart die zürnenden Männerstimmen den flehenden, leise absteigenden Frauenstimmen gegenüber. Dann bricht das „Lacrimosa“ an: nach nur acht von Mozart selbst notierten Takten endet seine Niederschrift – an der Schwelle dieses berühmtesten Satzes legte er die Feder nieder. Süßmayr führte die Tränen-Melodie zu Ende. Kaum eine Stelle des Werks ist so eng mit der Legende vom sterbenden Komponisten verknüpft.
Offertorium
Das Offertorium umfasst zwei Sätze. Im „Domine Jesu Christe“ bittet der Chor, die Seelen der Verstorbenen vor den Strafen der Hölle und dem tiefen Schlund zu bewahren; bewegte Stimmführung und eine abschließende Fuge auf „Quam olim Abrahae“ prägen den Abschnitt. Es folgt das „Hostias“, ein ruhigerer, gebetshafter Satz, der mit der Wiederholung der Abraham-Fuge schließt. Für beide Teile hinterließ Mozart Singstimmen und bezifferten Bass, sodass Süßmayr die Instrumentierung ergänzte. Die Forschung diskutiert bis heute, wieviel Material auf erhaltene Mozart-Skizzen zurückgeht und wieviel Süßmayr eigenständig hinzufügte. Für das abschließende Sanctus, Benedictus und Agnus Dei lagen keine Mozart-Notate vor; diese Sätze gelten weitgehend als Werk Süßmayrs, der zum Schluss die Musik des Introitus wieder aufgriff, um den Bogen zu runden.
Besetzung
| Stimme / Instrument | Lage | Funktion |
|---|---|---|
| Sopran-Solo | Sopran | Eröffnet das „Te decet hymnus“ und führt das Solistenquartett im „Recordare“ |
| Alt-Solo | Alt | Tragende Stimme in den Ensemblesätzen der Sequenz und des Offertoriums |
| Tenor-Solo | Tenor | Beteiligt an „Tuba mirum“ und „Recordare“ |
| Bass-Solo | Bass | Setzt das „Tuba mirum“ nach dem Posaunensolo ein |
| Chor | gemischter Chor (SATB) | Trägt die großen Sätze von „Requiem aeternam“ über „Dies irae“ bis zur Schlussfuge |
Bekannte Sätze & Höhepunkte
| Satz / Nummer | Besetzung | Kontext |
|---|---|---|
| „Lacrimosa“ | Chor | Mozarts Niederschrift bricht nach acht Takten ab – die berühmteste Stelle des Werks |
| „Dies irae“ | Chor | Schonungslose Vision des Jüngsten Gerichts mit hämmerndem Orchester |
| „Confutatis“ | Chor | Kontrast aus zürnenden Männer- und flehenden Frauenstimmen |
| „Tuba mirum“ | Bass-Solo, Posaune | Posaunensignal kündet das Gericht an, ehe die Solisten einsetzen |
Themen & Kontext
Worum es wirklich geht
Das Requiem vertont die lateinische Totenmesse: die Bitte um ewige Ruhe, das Erschrecken vor dem Jüngsten Gericht und die Hoffnung auf Erbarmen. Mozart spannt einen Bogen von düsterer Klage über die apokalyptische Wucht der Sequenz bis zu gebetshafter Innigkeit. Anders als eine private Trauermusik richtet sich der Text an alle Verstorbenen. Gerade dass Mozart das Werk an der Schwelle zum eigenen Tod hinterließ, verleiht ihm eine existenzielle Dimension: Hier komponiert ein Sterbender die Musik des Abschieds, ohne sie selbst vollenden zu können.
Entstehung & Hintergrund
1791 erteilte ein anonymer Bote im Auftrag des Grafen Franz von Walsegg den Kompositionsauftrag. Walsegg wollte das Requiem zum Gedenken an seine verstorbene Frau als eigenes Werk ausgeben. Mozart arbeitete in seinen letzten Monaten daran, starb aber am 5. Dezember 1791, bevor er es abschließen konnte. Seine Witwe Constanze drängte auf Vollendung, um das Honorar zu sichern; nach kurzen Versuchen anderer übernahm Mozarts Schüler Franz Xaver Süßmayr die Arbeit. Er instrumentierte unfertige Sätze, vollendete das „Lacrimosa“ und komponierte Sanctus, Benedictus und Agnus Dei weitgehend selbst – Anlass eines bis heute anhaltenden Echtheitsstreits.
Warum Experten es wichtig finden
Das Requiem gilt als Mozarts erschütterndstes geistliches Werk und als Höhepunkt der Wiener Klassik in der Kirchenmusik. Es verbindet barocke Strenge – fugierte Sätze, Anklänge an Händel und Bach – mit klassischer Dramatik und einer fast romantischen Ausdruckstiefe. Die Quellenlage, der frühe Tod und Süßmayrs Anteil haben Generationen von Musikwissenschaftlern beschäftigt; zahlreiche alternative Vervollständigungen liegen vor. Trotz aller Fragen bleibt die Süßmayr-Fassung die im Konzert dominierende Gestalt. Ihre Wirkung auf das spätere Requiem-Schaffen, von Cherubini bis Verdi, ist kaum zu überschätzen, und das „Lacrimosa“ zählt zu den bekanntesten Melodien der Musikgeschichte.
Aufführungsnoten
Interpretationsansätze
Konzertant aufgeführt; gelegentlich szenisch oder in liturgischem Rahmen, etwa zu Allerseelen oder als Gedenkmusik
Bekannte Aufnahmen
Maßstäbe setzten Karl Böhm und Nikolaus Harnoncourt; historisch informiert u. a. John Eliot Gardiner und Philippe Herreweghe. Neben der Süßmayr-Fassung kursieren Vervollständigungen von Robert Levin, Franz Beyer und H. C. Robbins Landon
Was zwischen Interpretationen variiert
Aufführungsdauer und Klangbild schwanken mit Fassung, Chorgröße und Instrumentarium; historische Aufführungspraxis bevorzugt kleinere Besetzungen und schlankere Tempi
„Requiem d-Moll KV 626“ bei IOCO
Häufige Fragen
Von wem stammt „Requiem d-Moll KV 626“?
„Requiem d-Moll KV 626“ stammt von Wolfgang Amadeus Mozart. Uraufführung: 2. Januar 1793, Wien (Benefizkonzert für Constanze Mozart, organisiert von Gottfried van Swieten); einzelne Teile bereits am 10. Dezember 1791 bei einer Gedächtnisfeier.
Was ist „Requiem d-Moll KV 626“?
Mozarts Requiem d-Moll KV 626 ist seine letzte, unvollendet hinterlassene Totenmesse. Ein anonymer Auftrag des Grafen Franz von Walsegg führte 1791 zur Komposition; Mozart starb am 5. Dezember mitten in der Arbeit. Sein Schüler Franz Xaver Süßmayr vervollständigte das Werk, das bis heute als Inbegriff der musikalischen Totenklage gilt.
Welche Sätze bzw. Höhepunkte hat „Requiem d-Moll KV 626“?
Bekannt sind unter anderem „Lacrimosa“, „Dies irae“, „Confutatis“.
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