Halfing, Immling-Festival, UN BALLO IN MASCHERA – Giuseppe Verdi, IOCO

Mit Un ballo in maschera gelingt dem Immling Festival eine packende Verdi-Inszenierung zwischen Traum und Wirklichkeit. Verena von Kerssenbrock verbindet psychologische Tiefe mit starken Bildern, getragen von einem spielfreudigen Ensemble und einer musikalisch überzeugenden Gesamtleistung.

Halfing, Immling-Festival, UN BALLO IN MASCHERA – Giuseppe Verdi, IOCO
Außenansicht Festspielhaus Immling © Mariella Weiss

von Daniela Zimmermann

Mit Un ballo in maschera präsentiert das Immling Festival eine der packendsten Opern Giuseppe Verdis. Das Sujet beruht auf einer historischen Begebenheit, der Ermordung des schwedischen Königs Gustav III., während eines Maskenballs im Jahr 1792. Ein Stoff wie geschaffen für die Opernbühne. Antonio Somma verfasste nach einer Vorlage von Eugène Scribe das Libretto für Verdi. Doch der Stoff galt seinerzeit als zu brisant und politisch heikel. Die Zensur in Neapel verlangte einschneidende Änderungen. So wurde aus dem schwedischen König ein Gouverneur, und der Handlungsort wurde von Schweden nach Boston verlegt, weit genug entfernt, um die politischen Bedenken zu zerstreuen. Die Uraufführung fand schließlich am 17. Februar 1859 im Teatro Apollo in Rom statt.

Für die Produktion beim Immling Festival wurden Regie und Bühnenbild von Verena von Kerssenbrock konzipiert und gestaltet. Sie lässt den Maskenball als Traum beginnen und auch wieder in einem Traum enden.  So bleibt bis zuletzt die Frage offen: Was ist Realität und was Illusion? Und welche Wahrheiten verbergen sich hinter den Masken, die die Menschen tragen? Der Maskenball wird damit nicht nur zum festlichen Ereignis, sondern auch zum Sinnbild für Schein und Sein.

Joanna Zawartko & Jenish Ysmanov © Verena von Kerssenbrock

Zu Beginn öffnet sich ein opulentes Bühnenbild, das im Verlauf der Handlung zunehmend reduziert wird. Mit dem Eindringen der Wirklichkeit weicht der äußere Glanz einer nüchternen, ernsten Realität. Zusätzliche Tiefe und große Lebendigkeit erhält das Bühnenbild durch die eindrucksvollen Videoeinspielungen von Maximilian Ulrich, deren starke visuelle Effekte die Atmosphäre wirkungsvoll verdichten. Amelias Frage nach Wahrheit und Wirklichkeit wird dabei zum schauspielerischen Leitmotiv der Inszenierung. Konsequenz und Klarheit prägen das Spiel mit Schein und Sein und verleihen der Deutung eine spannende psychologische Dimension. Die Kostüme von Lilli Hartmann unterstützen die Inszenierung auf überzeugende Weise. Sie bewegen sich zwischen traumhafter, farbenfroher Opulenz und schlichter Realität und passen sich so dem Wechselspiel von Schein und Sein an.

Bereits die Ouvertüre führt in die besondere Welt der Inszenierung. Ein Mann träumt vom Königsein. Ein Spielzeug-Triumphbogen und ein mächtiger Sonnenkönig-Umhang lassen in der Fantasie eine Herrscherfigur entstehen. Eine pantomimische Gestalt in hübscher Uniform öffnet schließlich den Spalt zur realen Theaterwelt. Die Traumwelt des Maskenspiels beginnt zu kippen, und hinter dem Schein wird die Wirklichkeit sichtbar.

Guadalupe Barrientos © Verena von Kerssenbrock

Im Zentrum der Handlung steht die verbotene Liebe des Gouverneurs Riccardo zu Amelia, der Frau seines engsten Freundes und Vertrauten Renato. Verdi verbindet darin die großen Themen Liebe, Eifersucht und Verrat in dieser Tragödie mit tödlichem Ausgang. Fast wie eine Kriminalgeschichte entwickelt sich das Geschehen. Der enttäuschte Renato schließt sich den Gegnern seines Freundes an und wird aus verletzter Ehre und Rache zum Mörder. Ein besonderer Höhepunkt der Aufführung ist die Weissagung der Seherin Ulrica. Riccardo, als Unbekannter verkleidet, sucht ihre Höhle auf. Dort verkündet sie ihm, dass er durch die Hand desjenigen sterben werde, der ihm als Nächster die Hand reicht. Ein düsteres Vorzeichen, dessen Bedeutung sich erst später erfüllt. Im zweiten Akt kämpft Amelia gegen ihre wachsende Liebe zu Riccardo. Sie sucht ein Kraut, das helfen soll, diese Gefühle zu überwinden. Doch Riccardo überrascht sie und gesteht ihr seine Liebe. Er erkennt die Aussichtslosigkeit dieser Verbindung und plant, durch eine Berufung nach England eine endgültige Trennung herbeizuführen. Doch es ist bereits zu spät. Der Mordkomplott ist beschlossen, und der Maskenball bietet die perfekte Gelegenheit zur Ausführung. Renato ersticht seinen Freund. Erst im letzten Augenblick wird ihm die Tragweite seines Handelns bewusst. Riccardo zeigt im Angesicht des Todes seine wahre Größe und verzeiht seinem irregeleiteten Freund.

Francesco Auriemma, Jenish Ysmanov & Joanna Zawartko © Verena von Kerssenbrock

Gesanglich war die Aufführung, wie immer in Immling, durchweg von hoher Qualität und großer Spielfreude.

Besonders eindrucksvoll gestaltete Guadalupe Barrientos die Seherin Ulrica. Mit ihrem glasklaren, kraftvollen Mezzosopran verlieh sie der geheimnisvollen Figur große Autorität und Bühnenpräsenz. Auch darstellerisch gehörte sie zu den stärksten Persönlichkeiten des Abends. Joanna Zawartko sang die Amelia mit viel Gefühl und klanglicher Wärme. Ihre Gestaltung der Partie überzeugte musikalisch, während sie im darstellerischen Ausdruck eher zurückhaltend wirkte. Als Riccardo zeigte Jenisch Ysmanov vollen Einsatz. Mit seinem strahlkräftigen Tenor zeichnete er einen jovialen, verantwortungsvollen Gouverneur, dessen innere Zerrissenheit ebenso glaubhaft zum Ausdruck kam wie seine Lebensfreude. Auch Renato, Harry Hukasian, überzeugte mit einer gesanglich starken Leistung. Seine Darstellung verlieh Renato Würde und machte den Wandel vom treuen Freund zum von Eifersucht und Enttäuschung getriebenen Rächer nachvollziehbar. Für einen heiteren Gegenpol sorgte der Harlekin Oskar, gesungen von Ekaterina Protsenko-Paulsson, mit viel Charme und liebenswürdigem Esprit. Damit setzte sie immer wieder helle Akzente im dramatischen Geschehen.

Un ballo in maschera © Verena von Kerssenbrock

Eine besondere Erwähnung verdient auch der Chor des Immling Festivals. Mit großer Spielfreude, klanglich hervorragender Präsenz und sichtbarer Begeisterung ist er ein wichtiger Teil dieser Oper.

Die musikalische Leitung hatte Cornelia von Kerssenbrock, die Verdis Musik voller dramatischer Spannungen, mit großer Sorgfalt und dem ihr eigenen dramatischen Gespür für Verdis Partitur zum Leben erweckte. Sie führte das Immling Festivalorchester und Sänger zu einem ausgewogenen Zusammenspiel und ließ zugleich die große emotionale Kraft der Musik entstehen. Das engagierte und farbenreiche Spiel des Immling Festival Orchesters trug wesentlich zum Erfolg dieser eindrucksvollen Aufführung bei.

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