Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, WerkProbenbesuch der Meistersinger von Richard Wagner, IOCO

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, WerkProbenbesuch der Meistersinger von Richard Wagner, IOCO
Rheinoper in Düsseldorf, Foto: Jens Wegener

„Wahn, überall Wahn“ – ein Meister-WerkProbenbesuch & Podiumsgespräch

Beste Appetithäppchen für die kommende Premiere

WerkProbe vom 7.10.2026

Die Rheinoper hat ein bestens bewährtes Format, um Appetit auf eine kommende Premiere zu machen, die sog. Opernwerkstatt. Dabei wird bereits vor der Premiere der Schleier ein wenig gelüftet, was das Düsseldorfer Publikum demnächst erwartet. In den meisten Fällen führt der Besuch dann unausweichlich zu großem musikalischen Appetit auf die Premiere. Der Abend ist kostenlos und sogar dafür geeignet, als Anfänger mal in die Opernwelt hineinzuschnuppern. Die sonst üblichen Operngarderobe kann heute getrost zu Hause gelassen werden.

Die Meistersinger, Illustration Moritz Blumentritt

Das Format der Opernwerkstatt besteht heute aus

  • einer Talkrunde im Opernfoyer, in der wir in die Geheimnisse und Regieabsichten des Stücks eingeführt werden. Heute beweist die Dramaturgin Juliane Schunke, dass sie auch Talent als Talkmeisterin hat.
  • Danach sollen wir auf der Bühne ein Probenstück von ca. 30 Minuten miterleben.

Daniel Kramer, Foto: Mats Backer

In der Talkrunde schildern Daniel Kramer (Regie) und Christoph Gedschold (musikalische Leitung) ausführlich selbst, welche Linie sie in der Neuinszenierung verfolgen. Die Inszenierung soll als Gleichnis einer Gesellschaft verstanden werden, deren Regeln in einer Rückwärtsorientierung erstarrt sind und die gerade deshalb in die Vision von einer neuen Gesellschaft mündet, die auf der Festwiese 2035 dargestellt wird. Dabei soll ausdrücklich um die heutige Gesellschaft gehen, wie Kramer erläutert, und nicht um die Zeit von 1930. Wer bei den beiden bisherigen überaus erfolgreichen Inszenierungen von David Kramer dabei war (Viva la Mamma und die tote Stadt) wird sich schon im Vorfeld auf seine Interpretation der Meistersinger freuen.

Christoph Gedschold, Foto: Alexandra Winter

Nach der 1-stündigen Talkrunde darf das Publikum sich auf ganz leisen Sohlen in den Innenraum schleichen, um die Konzentration der laufenden Probe nicht zu stören. Wir dürfen einen Teil des 3. Aktes mitverfolgen, vom Quintett über den Aufbruch zur Festwiese bis hin zu Beckmessers misslingendem Preislied. Alle sind kostümiert, das Bühnenbild ist offenbar schon vollständig. Heute kann der Teil der Probe ohne Unterbrechungen gespielt werden. Sonst wird bei diesem Format auch mal unterbrochen und man kann den Probenprozess mit den Korrekturen mitverfolgen.

Heute Abend wird uns noch ein besonderer Gänsehautmoment beschert. Der riesige Chor (der wie zu hören mit 90 Sängern besetzt ist) singt zu Beginn der Festwiesenszene im Fortissimo das "Wacht auf". Das ist sonst schon immer ein magischer Opernmoment. Angesichts der Inszenierung, bei dem der Wandel einer Gesellschaft im Mittelpunkt steht und die Vision einer Gesellschaft des Jahres 2035 auf der Festwiese gezeigt wird, wirkt dieser Opernmoment als Aufforderung sogar noch mehr als sonst, also aktuell hochpolitisch im besten Sinne. Diesen enormen Eindruck wird heute sicher jeder im Publikum mitgenommen haben.

Probenfoto der Meistersinger, Foto: Daniel Senzek

Nach der halben Stunde wird dem Publikum gedeutet, die weiter laufende Probe möglichst leise wieder zu verlassen. Wer jetzt noch keinen Appetit auf die Premiere hat, dem ist nicht zu helfen. Außerdem gibt es noch ein weiteres Schmankerl für die, die noch tiefer in das Verständnis der Inszenierung eindringen wollen: Am 1.11.2026 findet eine Nachbesprechung im Foyer mit den beteiligten Künstlern nach Ende der Aufführung statt.

Die kommende Premiere und alle Aufführungstermine finden Sie hier.

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