Les Sylphides
„Les Sylphides“ ist ein handlungsloses romantisches Stimmungsballett in einem Akt von Michel Fokine zu orchestrierter Klaviermusik Frédéric Chopins. Die bekannte Fassung wurde am 2. Juni 1909 von Diaghilews Ballets Russes im Théâtre du Châtelet in Paris uraufgeführt. Ein Dichter und weiße Sylphiden tanzen im Mondlicht – eine Hommage an das romantische „Ballet blanc“ ohne erzählte Geschichte.
Fakten zu „Les Sylphides“
| Komponist | Frédéric Chopin (Klavierstücke, für das Ballett orchestriert; u. a. von Alexander Glasunow, Igor Strawinsky, Anatoli Ljadow, Sergei Tanejew und Nikolai Tscherepnin) |
|---|---|
| Choreografie (UA) | Michel Fokine |
| Libretto / Vorlage | Keine Handlung; ein reines Stimmungsballett („rêverie romantique“) als Hommage an „La Sylphide“ und das weiße romantische Ballett |
| Uraufführung | 2. Juni 1909, Théâtre du Châtelet, Paris (Ballets Russes / Sergej Diaghilew); Vorgängerfassung „Chopiniana“ 1907 in St. Petersburg |
| Aufbau | 1 Akt, Suite mehrerer Chopin-Nummern (u. a. Prélude, Nocturne, Walzer, Mazurken) |
| Spieldauer | ca. 25–30 Min. |
| Gattung | Ballett (handlungsloses Stimmungsballett, Ballet blanc) |
| Bedeutung | Gilt als eines der ersten abstrakten, rein auf Stimmung und Tanz beruhenden Ballette und als wegweisendes Werk der Ballets Russes. |
Handlung
1. Akt
„Les Sylphides“ erzählt keine Handlung und kennt keine benannten Figuren. In einer nächtlichen, mondbeschienenen Waldlichtung – häufig mit den Ruinen eines romantischen Klosters angedeutet – bewegt sich ein einzelner junger Mann, ein Dichter im schwarzen Kostüm, zwischen einer Schar weiß gekleideter Sylphiden. Das Werk ist als Suite aufgebaut: Auf ein einleitendes Nocturne folgen Walzer, Mazurken, ein Prélude und ein abschließender großer Walzer. Jede Nummer entfaltet eine eigene Stimmung – mal lyrisch und schwebend, mal beschwingt, mal feierlich. Der Dichter teilt einzelne Soli und Pas de deux mit den Solistinnen, während das Corps de ballet die luftigen Geistwesen in immer neuen, sich auflösenden Formationen gruppiert. Bewegung, Musik und Bild verschmelzen zu einer einzigen romantischen Träumerei. Fokine verzichtet bewusst auf Pantomime und dramatische Effekte; der Reiz liegt allein in der Korrespondenz von Chopins Musik und reinem Tanz. Damit zitiert das Ballett die Welt des weißen romantischen Balletts und huldigt der Sylphide aus „La Sylphide“, ohne deren tragische Geschichte nachzuerzählen.
Hauptrollen
| Rolle | Typ | Bedeutung |
|---|---|---|
| Der junge Mann / Dichter | Erster Solist (lyrisch) | Einzige männliche Rolle; träumerischer Poet im Schwarz, tanzt Soli und Pas de deux mit den Sylphiden. |
| Solo-Sylphiden | Ballerinen / Solistinnen | Mehrere Solopartien (u. a. zu Nocturne, Walzer und Mazurka); die Uraufführung tanzten Pawlowa, Karsawina und Baldina. |
| Sylphiden | Corps de ballet | Schar weiß gekleideter Geistwesen, die in stets wechselnden Formationen das atmosphärische Bild prägen. |
Berühmte Tänze & Höhepunkte
| Tanz / Nummer | Besetzung | Szene |
|---|---|---|
| „Nocturne“ | Dichter & Ensemble der Sylphiden | Einleitende, traumhaft schwebende Nummer, die die Stimmung des Werks setzt |
| „Walzer (Pas de deux)“ | Dichter & Solo-Sylphide | Lyrisches Duett, eine der berühmtesten Passagen des Balletts |
| „Mazurka“ | Solo-Sylphide | Beschwingtes Solo mit großen, sprunghaften Bewegungen |
| „Großer Schlusswalzer“ | Gesamtes Ensemble | Festliches Finale, das alle Tänzer in bewegtem Reigen vereint |
Themen & Kontext
Worum es wirklich geht
„Les Sylphides“ verzichtet auf jede Erzählung und stellt stattdessen reine Stimmung und Bewegung in den Mittelpunkt. Es gibt keine benannten Figuren, keinen Konflikt und keine Auflösung – nur einen träumenden Dichter und eine Schar weißer Sylphiden im Mondlicht. Das Werk lebt von der Atmosphäre einer nächtlichen, romantischen Reverie, in der Tanz und Chopins Musik zu einer Einheit verschmelzen. Es ist eine Hommage an das weiße romantische Ballett des 19. Jahrhunderts, besonders an „La Sylphide“, deren luftige Geistwesen Fokine zitiert. Im Kern geht es um die Verklärung von Bewegung selbst: das Ballett als reine, schwerelose, stimmungsvolle Poesie ohne Worte und ohne Handlung.
Geschichte & Choreografie
Das Werk ging aus Fokines „Chopiniana“ hervor, die 1907 am Mariinski-Theater in St. Petersburg gezeigt wurde – zunächst als Reigen von Tanzbildern, später zu einem rein stimmungsvollen „Ballet sur la musique de Chopin“ verdichtet. Für die Pariser Saison der Ballets Russes formte Diaghilew daraus „Les Sylphides“, uraufgeführt am 2. Juni 1909 im Théâtre du Châtelet. Chopins Klaviermusik liegt in Orchestrierungen verschiedener Komponisten vor; den von Fokine eingefügten Walzer instrumentierte Glasunow, weitere Nummern besorgten für Paris u. a. Strawinsky, Ljadow, Tanejew und Tscherepnin. Die Uraufführung tanzten Anna Pawlowa, Tamara Karsawina, Alexandra Baldina und Waslaw Nijinsky als Dichter.
Warum Experten es wichtig finden
„Les Sylphides“ gilt als Schlüsselwerk auf dem Weg zum abstrakten Ballett. Indem Fokine auf Handlung, Pantomime und benannte Charaktere verzichtete, schuf er ein Ballett, das allein von Musik, Bewegung und Atmosphäre lebt – ein Vorbote der handlungslosen Ballette George Balanchines. Zugleich ist das Werk eine bewusste Rückwendung zum romantischen „Ballet blanc“ und hält dessen Bildwelt der weißen Sylphiden lebendig. Tanzwissenschaftlich markiert es Fokines Reformbestreben, das Ballett von erstarrtem Virtuosenkult zu lösen und Musik, Tanz und Ausdruck enger zu verbinden. Als eines der frühesten Werke der Ballets Russes steht es zudem für den Aufbruch des modernen Balletts im frühen 20. Jahrhundert.
Aufführungsnoten
Choreografische Fassungen & Traditionen
Maßgeblich bleibt Michel Fokines Choreografie; zahlreiche Compagnien führen das Werk in eng an Fokine angelehnten Einstudierungen auf, oft im klassischen weißen Bühnenbild mit romantischer Klosterruine.
Bekannte Companies & Aufnahmen
Das Ballett ist vielfach szenisch aufgezeichnet worden, u. a. vom Kirow-/Mariinski-Ballett und vom Royal Ballet; die orchestrierte Chopin-Suite ist auch konzertant verbreitet.
Was zwischen Fassungen variiert
Aufführungen unterscheiden sich in Auswahl und Reihenfolge der Chopin-Nummern sowie in den verwendeten Orchestrierungen; auch Bühnenbild und Besetzung der Soli werden unterschiedlich gehandhabt.
„Les Sylphides“ bei IOCO
Häufige Fragen
Wer komponierte die Musik zu „Les Sylphides“?
Die Musik stammt von Frédéric Chopin. Uraufführung: 2. Juni 1909, Théâtre du Châtelet, Paris (Ballets Russes / Sergej Diaghilew); Vorgängerfassung „Chopiniana“ 1907 in St. Petersburg.
Wer schuf die Choreografie von „Les Sylphides“?
Michel Fokine.
Wovon handelt „Les Sylphides“?
„Les Sylphides“ ist ein handlungsloses romantisches Stimmungsballett in einem Akt von Michel Fokine zu orchestrierter Klaviermusik Frédéric Chopins. Die bekannte Fassung wurde am 2. Juni 1909 von Diaghilews Ballets Russes im Théâtre du Châtelet in Paris uraufgeführt. Ein Dichter und weiße Sylphiden tanzen im Mondlicht – eine Hommage an das romantische „Ballet blanc“ ohne erzählte Geschichte.
Welche berühmten Tänze gibt es in „Les Sylphides“?
Zu den Höhepunkten zählen „Nocturne“, „Walzer (Pas de deux)“, „Mazurka“.
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