Der Feuervogel

„Der Feuervogel“ ist Igor Strawinskys erstes Ballett für Sergej Diaghilews Ballets Russes und der Durchbruch des jungen Komponisten. Uraufgeführt am 25. Juni 1910 an der Pariser Oper, erzählt das einaktige Werk nach Michel Fokines Choreografie ein russisches Märchen: Prinz Iwan besiegt mit Hilfe des magischen Feuervogels den unsterblichen Zauberer Kastschei und befreit die gefangenen Prinzessinnen.

Fakten zu „Der Feuervogel“

KomponistIgor Strawinsky (Auftragswerk für die Ballets Russes; später drei Konzertsuiten 1911, 1919 und 1945)
Choreografie (UA)Michel Fokine, der zugleich das Szenario verfasste
Libretto / VorlageSzenario von Michel Fokine nach russischen Volksmärchen um den Feuervogel und den Zauberer Kastschei (Quellen u. a. bei Afanassjew)
Uraufführung25. Juni 1910, Théâtre National de l’Opéra (Pariser Oper), Paris
Aufbau1 Akt in 2 Bildern
Spieldauerca. 45 Min. (vollständiges Ballett)
GattungBallett
BedeutungStrawinskys erstes großes Bühnenwerk, das ihn über Nacht international bekannt machte und die Reihe seiner Ballets-Russes-Partituren eröffnete.

Handlung

1. Bild

Im Zaubergarten des unsterblichen Zauberers Kastschei flattert der Feuervogel zwischen den Bäumen mit den goldenen Äpfeln. Prinz Iwan Zarewitsch, der sich in das verbotene Reich verirrt hat, beobachtet das leuchtende Wesen und fängt es schließlich. In einem flehenden Pas de deux bittet der Feuervogel um seine Freiheit; im Tausch gegen die Freilassung schenkt er Iwan eine seiner roten Federn, die ihn in höchster Not herbeirufen soll. Kaum hat Iwan den Vogel ziehen lassen, erscheinen dreizehn von Kastschei gefangene Prinzessinnen, unter ihnen die schöne Zarewna. Sie pflücken und werfen sich die goldenen Äpfel zu, und Iwan verliebt sich in die Zarewna. Als der Morgen graut, müssen die Prinzessinnen in Kastscheis Palast zurückkehren. Iwan folgt ihnen, durchbricht das Zaubertor und steht damit dem Zauberer und seinem Gefolge gegenüber, der jeden Eindringling versteinert.

2. Bild

Kastschei und sein Heer aus Dämonen und versteinerten Rittern stellen sich Iwan entgegen und wollen ihn in Stein verwandeln. In der Bedrängnis schwenkt der Prinz die rote Feder, und der Feuervogel erscheint. Dieser zwingt die unheimlichen Geschöpfe in seinen Bann und treibt sie in den wilden „Höllentanz des Kastschei“, bis das ganze Reich erschöpft niedersinkt. Mit einem sanften Wiegenlied lullt der Feuervogel die Mächte des Bösen in Schlaf. Nun verrät er Iwan das Geheimnis von Kastscheis Unsterblichkeit: Dessen Seele ruht in einem riesigen Ei. Iwan zerschmettert das Ei, und der Zauberer stirbt; sein Zauber zerfällt. Die versteinerten Ritter erwachen zum Leben, die gefangenen Prinzessinnen sind befreit. Im strahlenden Finale wird die Hochzeit Iwans mit der Zarewna gefeiert, und das Reich kehrt aus der Verzauberung zu Licht und Ordnung zurück.

Hauptrollen

RolleTypBedeutung
Der FeuervogelBallerina (Titelrolle, virtuos-lyrisch)Magisches Vogelwesen; schenkt Iwan die Zauberfeder und besiegt Kastscheis Reich.
Prinz Iwan ZarewitschErster SolistJunger Prinz, der in den Zaubergarten gerät, sich in die Zarewna verliebt und Kastschei besiegt.
Kastschei der UnsterblicheCharakter- / PantomimenrolleBöser Zauberer, dessen Seele in einem Ei verborgen ist.
Die schöne ZarewnaSolistinAnführerin der gefangenen Prinzessinnen; Iwans Geliebte.

Berühmte Tänze & Höhepunkte

Tanz / NummerBesetzungSzene
„Höllentanz des Kastschei (Danse infernale)“Feuervogel, Kastschei und sein Gefolge2. Bild
„Pas de deux des Feuervogels“Feuervogel & Iwan Zarewitsch1. Bild
„Wiegenlied (Berceuse) und Finale“Feuervogel, danach gesamtes Ensemble2. Bild

Themen & Kontext

Worum es wirklich geht

„Der Feuervogel“ verbindet zwei Grundmuster des russischen Märchens: den Helden, der nur mit übernatürlicher Hilfe gegen das Böse bestehen kann, und das Wundertier, das ihn dafür belohnt, dass er es verschont. Iwan siegt nicht durch eigene Kraft, sondern weil er den gefangenen Feuervogel freilässt und im Gegenzug dessen Beistand erhält. Die Befreiung der versteinerten Prinzen und Prinzessinnen verwandelt ein Reich aus Zwang und Erstarrung in eine geordnete, lichte Welt. Hinter der bunten Märchenoberfläche steht so der Gegensatz von Verzauberung und Erlösung, von dämonischer Macht und der hellen, lebenspendenden Kraft, die der leuchtende Vogel verkörpert.

Geschichte & Choreografie

Diaghilew suchte für die Pariser Saison 1910 ein russisches Märchenballett. Ursprünglich war Anatoli Ljadow als Komponist vorgesehen; als dieser zögerte, erhielt der noch unbekannte Strawinsky den Auftrag. Michel Fokine entwarf Szenario und Choreografie und arbeitete eng mit dem Komponisten zusammen; die Ausstattung schufen Alexander Golowin und Léon Bakst, Gabriel Pierné dirigierte. Tamara Karsawina tanzte den Feuervogel. Die Uraufführung am 25. Juni 1910 wurde ein triumphaler Erfolg. Aus der Partitur zog Strawinsky später drei Orchestersuiten (1911, 1919, 1945), durch die die Musik auch im Konzertsaal heimisch wurde, oft losgelöst von Fokines getanzter Handlung.

Warum Experten es wichtig finden

„Der Feuervogel“ markiert den Beginn von Strawinskys Weltruhm und den Auftakt seiner drei großen Ballets-Russes-Partituren vor „Petruschka“ und „Le Sacre du printemps“. Die Musik zeigt einerseits noch den schillernden Orchesterklang der russischen Spätromantik in der Nachfolge Rimski-Korsakows, andererseits bereits jene rhythmische Schärfe und Farbintensität, die Strawinskys eigenen Stil ankündigen. Fokines Choreografie verbindet pantomimischen Charaktertanz mit klassischer Spitzentechnik und gilt als Musterbeispiel des erzählenden Ballets Russes. Tanz- und Musikwissenschaft schätzen das Werk als Schlüsselmoment der Moderne, in dem sich Märchentradition und ein neuer, dynamischer Bühnenklang erstmals verbinden.

Aufführungsnoten

Choreografische Fassungen & Traditionen

Maßgeblich bleibt Michel Fokines Choreografie von 1910; bedeutende Neufassungen und Rekonstruktionen schufen u. a. George Balanchine und Jerome Robbins (New York City Ballet) sowie Maurice Béjart. Viele Compagnien orientieren sich an Fokines Konzept und der Golowin/Bakst-Ausstattung.

Bekannte Companies & Aufnahmen

Die drei Konzertsuiten gehören zu den meistgespielten Orchesterwerken des 20. Jahrhunderts; szenische Mitschnitte liegen u. a. vom Royal Ballet (nach Fokine) und vom Mariinski-Theater vor.

Was zwischen Fassungen variiert

Aufführungen unterscheiden sich darin, ob die vollständige Ballettpartitur von 1910 oder eine der gekürzten Suiten zugrunde liegt, sowie in Ausstattung und choreografischer Lesart von der nacherzählenden Fokine-Tradition bis zu abstrahierenden Neudeutungen.

„Der Feuervogel“ bei IOCO

Häufige Fragen

Wer komponierte die Musik zu „Der Feuervogel“?

Die Musik stammt von Igor Strawinsky. Uraufführung: 25. Juni 1910, Théâtre National de l’Opéra (Pariser Oper), Paris.

Wer schuf die Choreografie von „Der Feuervogel“?

Michel Fokine (UA 1910).

Wovon handelt „Der Feuervogel“?

„Der Feuervogel“ ist Igor Strawinskys erstes Ballett für Sergej Diaghilews Ballets Russes und der Durchbruch des jungen Komponisten. Uraufgeführt am 25. Juni 1910 an der Pariser Oper, erzählt das einaktige Werk nach Michel Fokines Choreografie ein russisches Märchen: Prinz Iwan besiegt mit Hilfe des magischen Feuervogels den unsterblichen Zauberer Kastschei und befreit die gefangenen Prinzessinnen.

Welche berühmten Tänze gibt es in „Der Feuervogel“?

Zu den Höhepunkten zählen „Höllentanz des Kastschei (Danse infernale)“, „Pas de deux des Feuervogels“, „Wiegenlied (Berceuse) und Finale“.

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