Essen, Aalto Theater, WA Madama Butterfly – Puccini, 05.05.2018

April 30, 2018 by  
Filed under Aalto Theater Essen, Oper, Pressemeldung

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Aalto Theater Essen

Aalto Theater Essen / Madama Butterfly © Jörg Landsberg

Aalto Theater Essen / Madama Butterfly © Jörg Landsberg

Madama Butterfly – Zurück auf Aalto-Bühne

5. + 20. Mai sowie 24. Juni 2018

Neben der mitreißenden Geschichte ist es vor allem die Musik, die das Publikum bis heute zu Tränen rührt: Giacomo Puccinis  Madama Butterfly gehört zu den anziehendsten und gleichzeitig zu den tragischsten Werken des Musiktheater-Repertoires. Am Aalto-Theater steht die Oper jetzt wieder auf dem Spielplan (Vorstellungen am 5. und 20. Mai sowie am 24. Juni 2018). Als Cio-Cio-San ist die Sopranistin Sandra Janušait zu erleben, die in Essen bereits nicht nur in dieser Rolle, sondern etwa auch als Rusalka glänzen konnte. Die weiteren Hauptpartien übernehmen Karin Strobos (Suzuki), Heiko Trinsinger (Sharpless) und Carlos Cardoso (Pinkerton). Die musikalische Leitung hat Giuseppe Finzi.

Schon bevor er seine Tosca 1899 vollendet hatte, suchte Giacomo Puccini nach einem Libretto für die folgende Oper – ohne brauchbares Resultat, wie so oft in seinem Leben. Als er aber 1900 in London weilte, schickte man ihn schnurstracks ins Duke of York’s Theatre, wo ein Schauspiel des amerikanischen Autors David Belasco gegeben wurde: Madame Butterfly. Obwohl der Komponist kein Wort Englisch verstand, war ihm schlagartig klar: Diese „Tragödie einer Japanerin“ würde seine nächste Oper. 1904 kam Madama Butterfly an der Mailänder Scala heraus und trat einen bis heute andauernden Siegeszug an.

30 Minuten vor jeder Vorstellung findet ein Einführungsvortrag im Foyer statt. 

—| Pressemeldung Aalto Theater Essen |—

Berlin, Theater im Delphi, La Traviata – Pop-up-Opera, IOCO Interview, 13.04.2018

Puccini´s Toaster Pop-up-Opera © Sarah Ring

Puccini´s Toaster Pop-up-Opera © Sarah Ring

PUCCINI’S TOASTER – Eine  Pop-up Opera

IOCO Interview

Kerstin Schweiger sprach für IOCO  mit  Sarah Ring über ihr Projekt einer Pop-up-Opera in Berlin,  ihre Wünsche und Hoffnungen.

Die amerikanische Sängerin und Produzentin Sarah Ring und eine Gruppe junger professioneller Sänger, Musiker, Regisseure und Produzenten haben Puccinis Toaster gestohlen und mit diesem Requisit Berlins erste Pop-up-Oper in Berlin geschaffen. Gespielt wird im Theater im Delphi, einem ehemaligen Stummfilmkino in Berlin-Weißensee. Vier Produktionen wurde bisher „gemacht“, jeweils dazu ein passendes Ensemble gecastet. Die nächste Premiere dieser Pop-up-Opera ist

 La Traviata – 20. April 2018

Kerstin Schweiger (KS):  Ihr Projekt einer Pop-up-Oper klingt spannend; warum musste Puccini seinen Toaster dafür hergeben?  Berlin hat drei große Opernhäuser und ein Vielzahl kleiner Häuser, Gruppen und Projekte, die sich der Oper widmen. Warum braucht Berlin eine Pop-up-Opera?

Sarah Ring © Sarah Ring

Sarah Ring © Sarah Ring

Sarah Ring (SR): Es kann ja nie genug Oper geben! Aber wir denken auch, dass wir Aufführungen bieten können, die für ein Publikum erschwinglicher und weniger vorhersehbar sind als in den etablierten Häusern. In entspannter Atmosphäre und trotzdem von hoher Qualität. Außerdem nutzen wir sehr gerne Veranstaltungsorte mit Bar, wo man auch während der Aufführung Drinks genießen kann.

KS: Wie kam es zur Gründung von PUCCINI’S TOASTER?

SR: Caroline Staunton und ich hatten bereits an einem anderen Projekt zusammen gearbeitet, damit waren Regisseurin und Intendantin also gefunden. Rebecca Lang als Musikalische Leiterin, Dirigentin und Arrangeurin verstärkte das aktuelle Führungstrio und aktuell freuen wir uns über die Zusammenarbeit mit Wolfgang Berthold, der die neue Produktion von La Traviata inszeniert.

KS: Wie kam es zu dem ungewöhnlichen Namen für das Projekt?

SR: Es gibt eigentlich keinen konkreten Grund für diesen Namen, wir haben einige Wortspiele nach dem Kellertüren-Prinzip gemacht: das Bild von einem Toaster du dem Begriff Pop-up passt auch gut zusammen. Außerdem mögen wir die Metapher von einem knusprigen frischen Toast, der sonst nur schales Weißbrot wäre. Mussorgskys Toaster erschien uns ein bisschen obskur….

KS: Wie finden und besetzen Sie die vielen beteiligten Sänger und Musiker für eine große Oper?

SR: Das ist ein gutes Stück harter Arbeit! Wir verfolgen jeden Tipp, den wir erhalten, laden wie bei Traviata zu Vorsingen ein und ergänzen so unser gewachsenes Ensemble freiberuflicher Sängerinnen und Sänger. Unsere Musiker und den Chor für diese Produktion konnten wir durch die neugegründete Kreuzberger Kamerata gewinnen. Das Netzwerk von unglaublich talentierten Künstlern erweitert sich stetig.

KS: Was macht den besonderen Reiz aus, La Traviata in einem alten Stummfilmkino zu zeigen?

SR: Der Ort hat eine ganz eigene Atmosphäre – er steht für das rauschhafte Amüsement seiner Entstehungszeit und zeigt gleichzeitig deren Verblassen. Und um die Sehnsucht nach Rausch geht es ja auch in La Traviata, das ehemalige Delphi Stummfilmkino wird damit zu einem perfekten Bühnenbild mit großer suggestiver Kraft.

Puccini´s Toaster / Produktion Mimi im La Boheme © Sarah Ring

Puccini´s Toaster / Produktion Mimi im La Boheme © Sarah Ring

KS: Wie setzen Sie große Opern wie La Bohème oder La Traviata an einem räumlich begrenzten Ort wie dem Delphi um, wo es keine Hinterbühne und keinen Orchestergraben gibt?

SR: Trotz der großen Chorszenen und des oft damit assoziierten Prunks ist La Traviata im Kern ein Kammerspiel. Und mit der konzentrierten Situation auf der Bühne des Delphi sowie einer kammermusikalischen Orchesterbesetzung kommt hoffentlich gerade dieser Aspekt, das Drama einer selbstbewussten, gegen Konventionen und konservative Moralvorstellungen kämpfenden Frau, besonders zur Geltung.

KS: Was ist das Besondere an dieser Inszenierung von La Traviata, warum sollte man es nicht verpassen?

SR: Ein tolles junges Ensemble, eine spannende, ohne Opernkonventionen und Ausstattungsprunk arbeitende Inszenierung, ein spektakulärer Spielort – allein diese drei Gründe sollten reichen, diese Produktion nicht zu verpassen!

KS: Was für Projekte stehen zukünftig an und was macht PUCCINI’S TOASTER außerhalb der jährlich 1-2 Neuproduktionen?

SR: Wir schauen uns nach noch mehr unterschiedlichen Veranstaltungsorten um und planen ein noch vielfältigeres Programm. Kürzlich hatten wir einen großen Erfolg mit einem Abend im Tangoloft mit einem Einakter von Menotti sowie Liedern und Chansons im zweiten Teil. und unserem Winterreise-Konzert mit 24 Sängerinnen und Sängern. Neues Licht auf das klassische Repertoire zu werfen wird immer Teil unseres Konzeptes sein, trotzdem wollen wir dies in künstlerischer Balance immer wieder mit kleineren Produktionen begleiten.

KS: Wie kann ich mich mit der Pop-up-Oper verbinden, gibt es Fördermöglichkeiten für Opernliebhaber und Toaster-Fans?

SR:
Jeder kann Teil des Toaster Teams werden, auf unserer website unter dem Button Mitgliedschaft finden sich verschiedene Angebote. Und natürlich freuen wir uns auf ein aufmerksames Publikum bei unseren Veranstaltungen, das diese weiter empfiehlt.

                                              https://puccinistoaster.com/

KS:  Wo steht PUCCINI’S TOASTER in 10 Jahren?
SR: Ich verspreche, wir werden noch da sein, mit Freude und Leidenschaft für die Oper arbeiten, das Talentpotential dieser Stadt auf die Bühne zu bringen und einem neugierigen Publikum vorzustellen

LA TRAVIATAPREMIERE:  20. APRIL 2018, 19:30 | 22. APRIL 2018, 17:00
THEATER IM DELPHI  –   GUSTAV-ADOLF-STR. 2, 13086 BERLINTICKETS AB €15 UNTER WWW.DELPHI.RESERVIX.DE, 01806 700 733, ODER AN ALLEN RESERVIX VORVERKAUFSSTELLEN.

 

—| IOCO Interview Puccinis Toaster |—

Annaberg-Buchholz, Eduard von Winterstein Theater, Der Bajazzo – Gianni Schicchi, 21.01.2018

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Eduard von Winterstein Theater

Der Bajazzo  / Gianni Schicchi

 Operndoppelabend

Am Sonntag, den 21. Januar feiern um 19 Uhr die beiden italienischen Opern Der Bajazzo von Ruggioro Leoncavallo und Gianni Schicchi von Giacomo Puccini Premiere im Eduard-von-Winterstein-Theater. Die musikalische Leitung hat GMD Naoshi Takahashi.

Eduard von Winterstein Theater / Der Bajazzo © Dirk Rückschloß/BUR-Werbung

Eduard von Winterstein Theater / Der Bajazzo © Dirk Rückschloß/BUR-Werbung

Der Bajazzo: Canio, Prinzipal einer wandernden Komödiantentruppe, liebt seine hübsche Frau Nedda leidenschaftlich und eifersüchtig. Oft wiederholt er, dass er auf einen Ehebruch seiner Frau im wahren Leben ganz anders reagieren würde als auf der Bühne, wenn er den Bajazzo gibt. Tonio versucht tatsächlich, sich Nedda zu nähern, doch sie wehrt ihn ab.Aber der Bauer Silvio aus dem Dorf scheint ihr zu gefallen, beobachtet Tonio. Er warnt Canio und der versucht vergeblich, von Nedda den Namen ihres Liebhabers zu erfahren. Dann beginnt die Vorstellung. Die Komödie vom eifersüchtigen Bajazzo, gespielt von Canio, der Colombine, gespielt von Nedda, beim Rendezvous mit Harlekin erwischt. Spiel und Wirklichkeit fließen ineinander und sind nicht mehr zu unterscheiden.

Die Nedda singt Bettina Grothkopf, als Canio ist Frank Unger zu erleben. In weiteren Rollen stehen unter anderem Jason-Nandor Tomory als Tonio und Marlon Maja als Silvio auf der Bühne. Neben den Solisten des Ensembles und dem Opernchor des Eduard-von-Winterstein-Theaters wirken Extrachor, Kleindarsteller und Kinder mit. Es spielt die Erzgebirgische Philharmonie Aue.

Eduard von Winterstein Theater / Gianni-Schicchi © Dirk Rückschloß/BUR-Werbung

Eduard von Winterstein Theater / Gianni-Schicchi © Dirk Rückschloß/BUR-Werbung

Gianni SchicchiGiacomo Puccinis einaktige Buffo-Oper Gianni Schicchi, erzählt eine Geschichte, die zum ersten Mal in Dantes „Göttlicher Komödie“ auftauchte: Die geldgierigen Verwandten des just verstorbenen, reichen Buoso Donati versuchen mit einer Gaunerei an das Erbe zu kommen, das der Alte nicht seiner Familie, sondern einem Kloster vermacht hat. Die Hinterbliebenen werben den listigen Gianni Schicchi an, damit er die vertrackte Situation zu ihren Gunsten löst, und Gianni Schicchi weiß Rat: Er legt sich als vermeintlich sterbender Donati ins Bett und diktiert dem herbeigerufenen Notar ein neues Testament.

Die Titelrolle singt László Varga. In weiteren Rollen sind unter anderen Anna Bineta Diouf, Bettina Corthy-Hildebrandt, Bettina Grothkopf, Madelaine Vogt, Marlon Maia, Leander de Marel, Jason-Nandor Tomory und Frank Unger zu erleben. Die musikalische Leitung hat Generalmusikdirektor Naoshi Takahashi. Inszenierung: Tamara Korber – Ausstattung: Robert Schrag – Chöre: Uwe Hanke/Jens-Olaf Buhrow.

Premiere: 21. Januar 2018, 19.00 Uhr,  Weitere Vorstellungen: Mi, 24.01.2018, 19.30 Uhr | Sa, 03.02.2018, 19.30 Uhr, Sa, 10.02.2018, 19.30 Uhr | So, 25.02.2018, 19.00 Uhr
So, 04.03.2018, 19.00 Uhr | So, 11.03.2018, 15.00 Uhr, Fr, 23.03.2018, 19.30 Uhr,

—| Pressemeldung Eduard von Winterstein Theater |—

München, Bayerische Staatsoper, Il trittico von Giacomo Puccini, IOCO Kritik, 03.01.2018

Januar 3, 2018 by  
Filed under Bayerische Staatsoper, Hervorheben, Kritiken, Oper

Bayerische Staatsoper München

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

Il trittico – Giacomo Puccini

– Gianni Schicchi – Il tabarro – Suor Angelica –

Von Hans-Günter Melchior

Ach ja, es tut mir Leid, stimmt aber doch, oder? wie oft schon empfand man beim Anhören von Puccinis Musik dieses leichte Unbehagen, ganz ähnlich den Gewissensbissen eines Fettleibigen, der an Weihnachten zuviel Süßigkeiten in sich hineinstopft. Die langen Melodienbögen, das Belcanto, ganz nahe am Süßlichen und Gefälligen, die bruchlos aufgehenden Harmonien.

Großes Opernvergnügen

Dieses Mal ist es anders. Man erlebt den Musikdramatiker Puccini, den szenischen Gestalter, der das Geschehen mit rauen, zuweilen rohen Klängen ausstattet, musikalisch – an Wagner erinnernd – ausmalt und die Dissonanzen nicht scheut, wenn sich Tragisches, Zwiespältiges ereignet. Und der mit impressionistischen Valeurs imponiert, wenn sich Hintergründiges zuträgt, mit einem Satz: man staunt über die Modernität dieses Komponisten.

Bayerische Staatsoper / Il trittico - hier in Gianni Schicci das Ensemble © Wilfried Hoesl

Bayerische Staatsoper / Il trittico – hier in Gianni Schicci das Ensemble © Wilfried Hoesl

Nicht lange braucht man zu suchen, woran dies liegt: am Dirigenten Kirill Petrenko. Er hat das brillante Bayerische Staatsorchester fest im Griff, erlaubt keine Ausrutscher ins Melodramatische oder gar Kitschige, führt straff und in die Komposition hineinhörend. Eine glänzende Leistung, zweifelsfrei, aber so weit sollte man dann doch nicht gehen wie die SZ, nicht gerade einen naiven Wunderglauben strapazieren und gleich von Petrenkos „Wunderhänden“ träumen, denen die Musik gleichsam im Akt des Dirigierens entströmt (da wäre Theodor W. Adornos Aufsatz „Dirigent und Orchester“ in der „Einleitung in die Musiksoziologie“ korrigierend hilfreich gewesen). Die Musik hat immer noch Puccini geschrieben und das Orchester hat sie gespielt und der Dirigent hat sie – großartig – interpretiert. So verhält es sich nunmal in der hierarchischen Ordnung der Kunst. Verbeugung vor Puccini.

Es handelt sich bei Il trittico, wenn man durchaus so will, um ein Triptychon. Freilich fällt es einigermaßen schwer, eine verbindende Idee zu finden, zu unterschiedlich sind die Handlungen, zu disparat die zugrundeliegenden Ereingisse. Der intellektuelle Aufwand, aus den drei Stücken eine Grundidee herauszudestillieren, wirkt verkrampft und führt zu keinem überzeugenden Ergebnis.

Aber ist dies denn überhaupt notwendig? Wo doch jede der drei Opern durchaus einleuchtend und in sich geschlossen für sich spricht. Die Stücke werden von der niederländischen Regisseurin Lotte de Beer beeindruckend und mit sparsamen Mitteln in Szene gesetzt: eben als selbständige Werke:

Bayerische Staatsoper / Il trittico hier in Il tabarro mit Eva-Maria Westbroek als Giorgetta, Wolfgang Koch als Michele und Yonghoon Lee als Michele © Wilfried Hoesl

Bayerische Staatsoper / Il trittico hier in Il tabarro mit Eva-Maria Westbroek als Giorgetta, Wolfgang Koch als Michele und Yonghoon Lee als Michele © Wilfried Hoesl

Il tabarro spielt im Paris des beginnenden 20. Jahrhunderts. Michele ist der Eigentümer eines Lastenkahns, der die Existenzgrundlage für ihn und seine Frau Giorgetta darstellt. Als das gemeinsame Kind stirbt, entfremden sich die Eheleute. Giorgetta verliebt sich in den auf dem Kahn arbeitenden Löscher Luigi. Als ihr Ehemann Michele hinter die ehewidrige Beziehung kommt, erwürgt er Luigi und bedeckt die Leiche mit einem Mantel.

Suor Angelica handelt vom Leben der Schwester Angelica in einem Kloster zum Ende des 17. Jahrhunderts. Angelica ist fürstlicher Herkunft. Als sie ein uneheliches Kind, einen Sohn, bekommt, wird sie von ihrer Tante (ihre Eltern sind bereits gestorben) zur Strafe in ein Kloster gesteckt. Nachdem sie dort bereits sieben Jahre, für die Heilkräuter zuständig, arbeitet, bekommt sie endlich von der Tante den sehnlich erwarteten Besuch. Sie will wissen, wie es ihrem Kind geht. Die Tante teilt ihr kalt und ohne Anteilnahme mit, dass das Kind vor zwei Jahren gestorben sei. In ihrer Verzweiflung vergiftet sich Angelica. Im Todeskampf hat sie die Vision der Muttergottes, die Angelicas Kind in den Armen haltend Mutter und Sohn zusammenführt.

Gianni Schicchi schließlich spielt im Florenz des Jahres 1299. Der reiche Buoso Donati ist gestorben. Die mittellose Verwandtschaft versammelt sich am Totenbett in der Hoffnung, vom Erblasser testamentarisch reich bedacht worden zu sein. Aus dem endlich gefundenen Testament ergibt sich jedoch, dass Donati seinen gesamten Nachlass einem Kloster übereignet. Die leer ausgehende Verwandtschaft ist ratlos und verzweifelt. Der herbeigerufene Erzgauner und gelernte Betrüger Gianni Schicchi, dessen Tochter Lauretta den einst präsumptiven Erben Rinuccio liebt und im Erbfalle heiraten will, kommt auf die Idee, den Leichnam Donatis wegzuschaffen. Er will sich in das Totenbett legen und einem herbeigerufenen Notar vorspiegeln, es handele sich bei ihm, Schicchi, um den – natürlich noch lebenden – Donati, der sein Testament diktieren und notariell beurkunden lassen will. So geschieht es. Schicchi, alias Donati, diktiert dem gutgläubigen (oder bestochenen, die Höhe der Entlohnung spricht für eine Bestechungssumme) Notar seine letztwillige Verfügung, mit der er vor allem und zum übergroßen Anteil sich selbst bedenkt. Er verweist die empört protestierende Verwandtschaft aus dem nun ihm gehörenden Haus.

Besonders Gianni Schicchi überzeugt musikalisch und von der burlesken, temporeichen Handlung her, der geradezu überbordenden Komik, die sich von der Musik auf das Geschehen überträgt.

Bayerische Staatsoper / Il trittico hier in Suor Angelica Ermonela Jaho als Angelica sowie Ensemble und Chor © Wilfried Hoesl

Bayerische Staatsoper / Il trittico hier in Suor Angelica Ermonela Jaho als Angelica sowie Ensemble und Chor © Wilfried Hoesl

Lotte de Beer hat alle drei Opern in einem Trichter inszeniert, der sich zum Zuschauerraum hin öffnet und Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft symbolisieren soll. Eine Art Zeitbehälter. Diese Bühnengestaltung ist aus sich heraus zwar nicht verständlich, man käme als Zuschauer nicht ohne weiteres darauf und ist gut beraten, sich zuvor die Ausführungen der Regisseurin im Podcast des Nationaltheaters anzuhören.

Der insgesamt durchaus gelungenen Inszenierung tut dies freilich keinen Abbruch. Die Regisseurin verzichtet darauf, mit allerlei Performance-Tricks und dem Schnickschnack des Regietheaters Eindruck zu schinden und Tiefgründiges vorzutäuschen, sondern belässt es bei einigen Requisiten, wie etwa einer Luke im Kahn von Il tabarro, den weißen Gewändern der Nonnen in Suor Angelica, oder den clownesken Kostümen in Gianni Schicchi, um Orte und Stimmung des Geschehens zu charakterisieren. Die geschickte Lichtregie tut ein Übriges. Warum allerdings die Szene sich in Il Tabarro und Suor Angelica (wo die wundergläubige und visionäre Handlung besonders am Ende – freilich ohne Verschulden der Regisseurin –  doch arg den Kitsch streift) zum Schluss im Trichter dreht, erschloss sich dem Rezensenten nicht.

Außer dem großartigen Dirigat und der brillanten Orchesterleistung sind Ermonela Jahos wunderschön warmer Sopran und der kernige Bass von Ambrogio Maestri besonders hervorzuheben. Eine Einzelkritik aller Protagonisten würde den Rahmen einer Rezension sprengen.

Insgesamt ein vom Publikum zu Recht begeistert gefeiertes Opernerlebnis. Eine Empfehlung für München-Besucher: sollten Sie im Januar oder Juli hierher kommen, versäumen Sie nicht Il trittico, erkämpfen Sie sich ein Ticket.

Il trittico an der Baerischen Statsoper: Die weiteren Termine 14.7.2018, 16.7.2018

 

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