Detmold, Landestheater Detmold, Der jüngste Tag – Giselher Klebe, IOCO Kritik, 15.02.2020

Landestheater Detmold

Landestheater Detmold © Björn Klein

Landestheater Detmold © Björn Klein

Der Jüngste Tag  –  Giselher Klebe

 nach Ödön von Horváth – zum 10. Todestag des Komponisten

von Karin Hasenstein

„Die Hauptsache ist, dass man sich selber nicht verurteilt oder freispricht…“

Das 1937 erschienene Schauspiel von Ödön  von Horvath Der jüngste Tag  ist in einem Spannungsfeld dreier Fragen angesiedelt. Das Libretto von Giselher Klebes gleichnamiger Oper übernimmt den Text Horvaths gekürzt aber beinahe wörtlich. Dabei ist es vor allem im Ansatz und in den zentralen Fragen nahezu gleichlautend.

Die erste und wichtigste Frage ist die nach Schuld und Bewusstsein, nach Verdrängung und Gewissensnot. In der Oper stellt sie die Frau des Stationsvorstehers Hudetz: „Für welche Verbrechen müssen wir büßen?“  fragt sie sich manchmal.

Der jüngste Tag – Giselher Klebe
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Die zweite Frage ist: „Warum sind Menschen oft unfähig, über Wesentliches und Lebensnotwendiges mit jenen zu reden, die ihnen die Nächsten sein sollten?“

Und die dritte Frage lautet:Wer kann beurteilen, wer darf verurteilen? Und damit zusammenhängend: wie sieht es „danach“ aus? “Die Toten, man kann mit ihnen sprechen, sind direkt froh, dass man nicht mehr lebt.

Die handelnden Personen aus von Horváths Drama gehören dem armen Mittelstand an. Gemeinsam ist ihnen, dass sie zur Reflexion, zur Erkenntnis ihrer selbst, ihrer Umwelt und der Tragweite ihres Handelns nicht oder erst viel zu spät fähig sind. Und so verstricken sie sich alle immer tiefer in ihrer Schuld. Es ist keine aktiv begangene, eher eine erlittene Schuld. Dreh- und Angelpunkt des Schicksals des Bahnhofsvorstehers Hudetz ist, dass er die Ehe mit einer dreizehn Jahre älteren Frau eingegangen ist. „Er hätt sich nichts zu überlegen“, sagt er, als er seine dreizehn Jahre ältere Frau heiratet. Dass er sie in dann aber in der Ehe nicht begehrt zeigt, dass er – und auch sie – sich das doch besser vorher hätten überlegen müssen.Aus diesem unreflektierten Verhalten erwächst das unabwendbare Verhängnis, das in dem Zugunglück seinen entsetzlichen Höhepunkt findet.

Schauspiel und Oper erzählen eine Geschichte zwischen böser Kleinstadt-Banalität und menschlichem Sündenfall. Das Erschreckende daran ist, dass Jeder von uns dieser Thomas Hudetz sein kann und jeder von uns steht dann einer Belastungsprobe seiner inneren Mitte gegenüber – vorausgesetzt, das Bewusstsein einer solchen Mitte ist vorhanden.

Die kurze Ouvertüre ist noch deutlich tonal geprägt. Flirrende Streicher dominieren zunächst, ins Pizzicato übergehend.Statt eines Vorhangs öffnet sich ein das ganze Portal abschließende Metalltor, das an ein Fabriktor oder einen Hangar erinnert. Auf der fast vollständig dunklen Bühne erblicken wir ein Gestell, das aus mehreren Ebenen, Leitern und Trittstufen besteht, auf manchen Absätzen befinden sich mit Maschendraht verkleidete Räume, Käfigen ähnlich. Das Ganze wird nur spärlich von zwei oder drei Leuchten erhellt. Auf dem Gestell befinden sich drei Personen, eine Frau und zwei Männer. Sie warten offensichtlich auf etwas.

Zu den Wartenden gesellt sich der Stationsvorsteher. Der Kaufmann beklagt sich, er habe heute nur eine einzige Kundin gehabt, Anna, die Tochter des Wirts. Die Frau des Bahnhofsvorstands kommt hinzu und klagt, dass ihr Mann nichts mehr von ihr will. Ihr Bruder kommentiert das nur damit, dass sie wusste, dass sie dreizehn Jahre älter ist als ihr Mann. Anna bringt ihren Freund zum Zug. Er ist Fleischhauer, „aber ein sanfter“. Alle diese Paare stehen in einer besonderen Konstellation zueinander, was für den weiteren Verlauf der Handlung von Bedeutung ist. Als der Bahnhofsvorsteher das Signal gibt, stellen sich alle hintereinander in Reih‘ und Glied auf und steigen in den Zug. Alle, bis auf Anna. Sie bleibt allein zurück.

Anna spricht den Bahnhofsvorsteher an, was diesem offensichtlich unangenehm ist. Anna bemerkt auch, dass alle Leute sagen, dass er Krach mit seiner Frau bekommt, wenn er mit ihr spricht. Er bestreitet das, geht aber trotzdem nicht auf ihre Avancen ein. Schließlich stellt sie sich auf die Zehenspitzen und küsst ihn einfach. Von Ferne hört man das Pfeifen des herannahenden Eilzuges 405, der Vorsteher stürzt los, um das Signal zu geben, doch es ist bereits zu spät. Tiefe Streicher künden Bedrohliches an. Mit kreischenden Bremsen überfährt Eilzug 405 das Signal und stößt mit einem Güterzug zusammen. Das Unglück ist geschehen. Doch wer ist Schuld?

Das Gerüst auf der Bühne wird langsam weitergedreht.

Landestheater Detmold / Der jüngste Tag - hier : Emily Dorn als Frau Hudetz © Landestheater Detmold / A.T. Schaefer

Landestheater Detmold / Der jüngste Tag – hier : Emily Dorn als Frau Hudetz © Landestheater Detmold / A.T. Schaefer

Aus dem Off erklingt der Chor mit einer Vokalise. Nebel breitet sich aus. Das ganze Ausmaß der Katastrophe wird ersichtlich: der Zusammenstoß zwischen Eilzug 405 und dem Güterzug hat über 100 Tote gefordert, heißt es. Oder waren es doch nur 18?

Klar scheint: Hudetz hat einen Fehler gemacht, das Signal zu spät gegeben. Der Staatsanwalt erscheint und verkündet: das Signal selbst ist in Ordnung, es wurde nur zu spät geschaltet. Frau Hudetz wird verhört, ebenso der Heizer Kohut. Er sagt aus, er habe kein Signal gesehen. Vom Lokführer heißt es, er habe noch nie ein Signal überfahren, noch nie! Es meldet sich der Wirt, der behauptet, seine Tochter Anna sagt, sie habe gesehen, dass der Hudetz das Signal rechzeitig gestellt hat. Erst das Läutwerk, dann das Signal, dann der Zug, dann… ein Donnern.

Der Staatsanwalt wundert sich, Hudetz hat diese Zeugin verschwiegen, warum? Frau Hudetz, die zunächst nichts gesehen haben will, macht nun erneut eine Aussage. Sie habe alles gesehen, auch den Kuss zwischen Anna und ihrem Mann. Anna bestreitet das und infolgedessen bezichtigen sich beide gegenseitig des Meineids. Hudetz erklärt „Alles ist Lüge!“  Der Kommissar nimmt Hudetz in Haft aufgrund der belastenden Aussage seiner Frau.

Das Gestell wird wieder gedreht.  Bis auf eine Reihe paralleler Leuchtstoffröhren ist alles dunkel. Die Einheitsbühne – eben noch der Bahnhof – ist nun das Wirtshaus. In der nächsten Szene ist Hudetz aus der Untersuchungshaft zurück. Nach vier Monaten wird er freigesprochen. Was mit Frau Hudetz ist? Wird wohl geschieden werden… Leni schwärmt nun für den StationsvorsteherFerdinand, Annas Freund, ist zurückgekehrt.

Eine unsichtbare Bühnenmusik erklingt (wie sich später herausstellt, aus dem Foyer im ersten Rang hinter der Fremdenloge) und erinnert in Klang und Funktion ein wenig an die Banda aus Schostakowitschs Lady Macbeth von Mzensk.

Der Chor, ebenfalls aus dem Off, lässt wieder Vokalisen erklingen. Zum Empfang Hudetz‘ erscheint der Chor auf der Bühne. Zum Gesang des Chores „Hoch, Anna!“ lässt der Wirt Hudetz hochleben. „Hoch klingt das Lied vom braven Mann wie Orgelton und Glockenklang!“  Angesichts der ungeklärten Situation klingt das völlig absurd.

Der Wirt ruft alle in den Saal zum Essen. Zum Leni-Thema der Klarinette bleibt Leni allein zurück. Anna sucht Hudetz auf, will mit ihm reden. Sie verabreden sich für den nächsten Abend, am Viadukt. Der Schwager von Thomas kommt, Alfred. Er will sich von seiner Schwester lossagen. Es kommt zu Übergriffen der Leute auf ihn, aber Hudetz verteidigt ihn, „Sonst gibt es noch ein Unglück!“

Die nächste Szene zeigt Anna und den Stationsvorsteher zusammen im Käfig hinter Maschendraht. Die beiden gestehen sich endlich ihre Gefühle ein: „Aber jetzt erkenne ich dich genau! Geht es dir auch so wie mir?Anna erwidert: „Wenn ich mal sterben werde, dann werde ich auch noch zu dir gehören!“ Thomas küsst Anna, worauf sie zu Boden sinkt.

Nach der Pause wird das Gerüst auf der Bühne und zwei weitere, kleinere Gerüstteile rechts und links an den Proszeniumslogen erweitert. Der Vorhang bleibt zunächst geschlossen zum Vorspiel des Orchesters. Nun dominieren Orffsche Instrumente wie das Xylophon, das homophon mit dem Klavier zusammengeht. Bläser und Pauken durchbrechen den Klang, ein Trommelwirbel und Chromatik im Crescendo deuten Veränderung an. Der Vorhang hebt sich und auf der dunklen Bühne sehen wir das Gerüst, wie es leicht nach rechts gedreht wird. Oben rechts ein einzelnes Licht. Leni und ihr Bruder sind oben auf dem Gerüst. Der Vorsteher geht langsam zu Leni, er trinkt einen Roten.

Landestheater Detmold / Der jüngste Tag - hier : das Ensemble © Landestheater Detmold / A.T. Schaefer

Landestheater Detmold / Der jüngste Tag – hier : das Ensemble © Landestheater Detmold / A.T. Schaefer

Wir erfahren den Grund für die düstere Stimmung: Anna ist seit drei Tagen verschwunden…Resigniert bekennt der Bruder: „Ich glaube, sie lebt jetzt nicht mehr… ich glaube, sie hat sich was angetan.“  Sie sagen, sie sei verschwunden, weil die Leute ihr nicht glauben.  Sie sagen, die Anna hätt‘ den Tod gesucht. Sie sagen, sie hätt‘ einen Meineid geschworen, weil der Vorstand das Signal nicht rechtzeitig gestellt hat.

Die Glocke schlägt sechs. Der Inspektor kommt. Ohne Umschweife kommt er zur Sache: „Ist der Herr zuhaus‘? Wir haben die Anna gefunden, sie ist tot. Sie wurde ermordet. Sie ist beim Viadukt gefunden worden!“ Der Inspektor konfrontiert Hudetz mit den Fakten: „Das war in derselben Nacht, als wir uns getroffen haben, unten am Viadukt…“  Leni ist verdutzt: „Sie waren damals am Viadukt? Was haben Sie beim Viadukt getan?Hudetz antwortet, dass er sich mit dem Fräulein Anna verlobt hat. Während er das sagt, dreht sich das Gerüst immer schneller und schneller. Einmal mehr erweist sich dieses multifunktionale Gebilde als ein kluges Element, das viele Möglichkeit bietet und ungemein wandelbar ist (Bühne: Sonja Füsti)

Nächste Szene, es sind ein paar Tage vergangen. Die Leute stellen fest: das Begräbnis war schon großartig! Der Leimbrecher erzählt dem Bruder des Vorstehers von Annas Beerdigung. Am Schluss macht er ihm Vorwürfe. Wieder ist ein Tag vorbei. Wieder hat er seinen Schwager in Schutz genommen. Seine Schwester fragt sich und uns alle: „Für welche Verbrechen müssen wir am Ende büßen?“ und gibt gleichzeitig die Antwort: „Für unsere eigenen!“ Der Vorwurf: „Du hast seine Liebe erpressen wollen!“ Er entgegnet: „Du tust ja so, als hätte ich das Signal verpasst!“ Ja, sagt sie, das hängt alles zusammen…  Hudetz drängt sie, ihm zu helfen. „Ich brauche einen Anzug, zivil. Ich muss fort! Ich bin unschuldig! Ich trete die Strafe nicht an! Ich habe mich mit der Anna verlobt, beim Viadukt. Dann war sie weg… Ich weiß, dass ich sie umgebracht habe, aber ich weiß nicht, wie, wie…

Alfons weist seine Schwester an: „Bring‘ ihm meinen braunen Anzug!“
„Halte still du Wandersmann, und sieh dir meine Wunden an.“
„Nimm dich in Acht und hüte dich, was ich am Jüngsten Tag über dich ein Urteil sprech!“
Die Ex-Frau holt Hudetz den Anzug ihres Bruders, er geht.

Das Gerüst dreht weiter, die Bühne ist dunkel. Im Chor erklingt eine Art Orgelpunkt, düstere Bläser, ein Solo-Horn, eine Tuba. Klebe setzt die Instrumentierung hier sehr lautmalerisch ein. Hudetz sitzt im Dunklen in einem der Maschendraht-Käfige. Er ist verzweifelt, voll innerer Qual. Schließlich fängt er im Käfig an zu toben wie ein tollwütiges Tier. Die Trommeln steigern sich im Crescendo. Der Wirt kommt hinzu, der Käfig ist leer. Hudetz ist es irgendwie gelungen zu fliehen. Der Schwager berichtet, dass er hier war und einen Anzug von ihm verlangt hat, dann aber verzichtete. Er ging den Weg zum Viadukt… Gott steh‘ ihm bei. Ich fürchte, dass er sich selber richtet.

Es erklingt ein Quartet aus Vater, Annas Freund, dem Inspektor und dem Schwager. Unisono singen sie „Das lassen wir nicht zu!“ Diese bedrohliche Stimmung in der Musik wird kongenial unterstrichen von der Lichtregie. Von hinten rechts hüllt ein Lichtkegel die Vorderbühne in fahles (Mond-) Licht, alles andere ist dunkel und verschwimmt im Nebel.

Landestheater Detmold / Der jüngste Tag - hier : Bejamin Lewis als Thomas Hudetz, Sheida Damgani als Anna © Landestheater Detmold / A.T. Schaefer

Landestheater Detmold / Der jüngste Tag – hier : Bejamin Lewis als Thomas Hudetz, Sheida Damgani als Anna © Landestheater Detmold / A.T. Schaefer

Der Vater fragt: „Irdische Gerechtigkeit, wo findet man die?“ Der Chor singt aus dem Off im Foyer: „Ist er schon hinunter?“  Der tote Lokführer Pokorny erscheint. „Kann man mit den Toten sprechen? Man kann schon, aber nur, wenn der Tote möcht‘!“ Uns allen wird die Frage gestellt: „Kann man sich der irdischen Gerechtigkeit entziehen?“ Wir ahnen die Antwort…

Die tote Anna klagt an: „Er hat das Signal vergessen, weil ich ihm einen Kuss gegeben habe!“ Aber wen klagt sie eigentlich an, Thomas Hudetz oder sich selbst?  „Wie damals, als wir fort mussten. Jetzt kommt bald der Zug.“  Anna fragt den Lokführer Pokorny: „Wie ist es denn eigentlich drüben?“  „Friedlich, sehr friedlich“, antwortet dieser.

„Jetzt kommt der Zug.“
„Er will dich ja nur holen, weil er nicht mehr lebt…“
Der Zug kommt, das Licht wird intensiver, greller.
Der Vater ruft: „Im Namen des Gesetzes, jetzt kommt dein Kopf dran!“
Vier Lichtkegel aus den vier Ecken der Bühne sind auf Hudetz gerichtet in deren Schnittpunkt dieser steht.
„Waren das jetzt nicht Posaunen?“ fragt er sich.
„Das war der Wind“, raunt jemand.
„Das glaubst du ja selber nicht!“
Ende.

Harter Tobak, dieser Jüngste Tag von Giselher Klebe. Ein unglückliches Ehepaar, eine junge Frau, die mit ihrem Verhalten Unglück über ein ganzes Dorf bringt, ein folgenschwerer Unfall mit vielen Toten und Verletzten, ein Mord, ein Selbstmord, ein gebrochener Vater. Eine Menge Drama für zweieinhalb Stunden. Der Komponist und die Librettistin, seine Ehefrau Lore Klebe, halten sich eng an das Schauspiel von Ödön von Horvath. Das ist es eigentlich auch, ein Schauspiel in Musik. Keine ausführlichen Rezitative, keine stimmungsvollen Arien, kein schwelgerischer Orchesterklang. Stattdessen ein Psychogramm des Scheiterns.

Alle Hauptpersonen, also Hudetz, Anna, Hudetz‘ Frau, deren Bruder, Annas Vater, sind ausnahmslos sehr klug von der Personenregie geführt. Jede und jeder Einzelne ist absolut authentisch und handelt, wie er der Logik nach handeln muss.

Sonja Füsti und ihr Team schaffen dafür eine schlichte Bühne, deren einziges beherrschendes Element dieses Gerüst ist. Es ist offen, durchschaubar aber auch wieder nicht durchschaubar. Wandelbar, so dass immer neue Perspektiven und Räume entstehen können. Die Kostüme entwickelt Nora Johanna Gromer aus den Hautfarben bis hin zu Erdfarben. So wirkt alles natürlich und organisch. Einzig Anna (blutrot) und Leni (geblümt) stechen aus diesem Farbkanon heraus. Die Dramaturgin Elisabeth Wirtz spinnt den Spannungsbogen von der ersten bis zur Schlussszene in einem nie abreißendem Kontinuum des Schreckens, wie in einer guten Kriminal-Verfilmung.

Die Musik des 2009 verstorbenen Klebe bewegt sich auf einer Bandbreite von Metaphysik bis Volkstümlichkeit. Sie ist farbenreich und vielfältig und GMD Lutz Rademacher realisiert die Partitur mit dem Symphonischen Orchester, dem Opernchor und Extra-Chor des Landestheaters Detmold und der hervorragenden Solisten-Riege auf gewohnt hohem Premieren-Niveau. Hochkonzentriert führt er das Orchester sicher durch den Abend und ist dabei den Solisten stets zuverlässiger Begleiter.

Die Einstudierung der Chöre lag wieder in den Händen von Chordirektor Francesco Damiani. Der Chor hat hier keine großen Nummern zu singen, sorgt aber mit den zahlreichen kniffligen Auftritten aus dem Foyer und der Seitenbühne für die so wichtige Atmosphäre. Er ist immer zugegen, wenn es dramatisch wird oder die Stimmung kippt.

Auf der anschließenden Premierenfeier dankte der Intendant des Landestheaters Detmold allen voran dem Regisseur Jan Eßinger (der in der Spielzeit 2018/19 am Theater Bielefeld eine zauberhafte Hänsel und Gretel –Produktion inszeniert hat) für die Umsetzung des schwierigen Stoffes.

Von den Solisten sollen an dieser Stelle einige besonders hervorgehoben werden, das aber nur stellvertretend für das gesamte Ensemble, das wieder wie gewohnt spielfreudig und konzentriert agierte.

Anna, gesungen und gespielt von Sheida Damghani, muss genauso sein. Jung, verführerisch, unwiderstehlich, zwischen Mädchen und Schicksalsgöttin. Damghani singt mit Leichtigkeit, verführerischem Charme und einer Portion Durchtriebenheit. Hudetz ist ihr verfallen und so nimmt das Schicksal seinen Lauf. Benjamin Lewis singt den unglücklichen Stationsvorsteher Thomas Hudetz. Der Bariton verfügt über ein wohlklingendes und warmes Timbre, das in allen Lagen stets ausgeglichen ist. Mit großer Überzeugung singt und spielt er den pflichtbewussten Beamten, der doch nie ein Signal vergessen hat und dieses eine Mal scheitert. Auch diesen Bruch vermittelt Lewis absolut überzeugend.

Der Bass Andreas Jören zeigt als Annas Bruder bzw. Schwager seine große Erfahrung. Er verleiht der Rolle Glaubwürdigkeit und Tiefe, und das nicht nur in der Stimmlage. Als besonders anrührend bleibt die Szene im Gedächtnis, als Hudetz den Anzug leihen will. Seungweon Lee gestaltet den Vater. Sehr subtil verleiht er der Rolle ebenfalls eine große Glaubwürdigkeit. Sein sonorer Bass strömt warm und wohltönend, mal donnernd, mal verzweifelt brüchig, aber immer authentisch und nobel im Klang.

Die Musik von Giselher Klebe bietet viele Facetten. Von reduziert subtil, fast minimalistisch bis schwelgerisch wie bei Strauss‘ Elektra umfasst sie viele Farben, die er je nach dramatischer Intensität gekonnt einsetzt.

Dem Topos angemessen ist sie hier eher düster und bedrohlich, jedoch macht Der Jüngste Tag Lust darauf, diesen Komponisten näher zu entdecken. In Detmold war dies sicher nicht das letzte Mal.

Seitens der Rezensentin eine klare Empfehlung, nach Detmold zu fahren und sich eine der weiteren Vorstellungen anzuschauen. Die runde Ensembleleistung wurde am Premierenabend im ausverkauften Haus vom Publikum dankbar und begeistert aufgenommen mit lang anhaltendem Beifall und standing ovations gefeiert. Bravi tutti!

Besprochene Vorstellung: Premiere vom Freitag, 7. Februar 2020

Der jüngste Tag im Landestheater Detmold; die nächsten Vorstellungen 28.2.; 14.3.; 8.4.; 18.4.; 8.5.; 4.6.2020

—| IOCO Kritik Landestheater Detmold |—

Detmold, Landestheater Detmold, Der Wildschütz – Albert Lortzing, IOCO Kritik, 09.01.2020

Januar 8, 2020 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Landestheater Detmold, Oper

Landestheater Detmold

Landestheater Detmold © Björn Klein

Landestheater Detmold © Björn Klein

Der Wildschütz – Albert Lortzing

– Die Anti-Oper des Biedermeier –

von Karin Hasenstein

Der Premierenabend im Landestheater Detmold begann mit einer Ansage. Meist verheißt es ja nichts Gutes, wenn vor der Vorstellung ein Mitarbeiter vor den Vorhang tritt. An diesem Abend hatte Eungdae Han sein überraschendes Debüt als Baron Kronthal. Eigentlich war er als Mitglied des Opernstudios als Studienbesetzung vorgesehen und sollte erst eine der späteren Vorstellungen singen. Aufgrund der Erkrankung von Stephen Chambers hatte er seinen großen Auftritt nun schon in der Premiere.

Vor dem geschlossenen Vorhang erblicken wir Geweihe (oder sind es Gehörne? Die Waidmänner unter den Leserinnen mögen mir verzeihen) und englische und deutsche Begriffe in Leuchtschrift: „Lovedom“ und „Aureal“, „Liebe“, „Phantasie“, „real“. György Mészáros nimmt die Ouvertüre unaufgeregt in ruhigem Tempo. Der Charakter der Waldidylle wird unterstrichen von Hörnern und Flöten.

Der Wildschütz – Albert Lortzing
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Der Vorhang hebt sich und gibt den Blick frei auf sechs Figuren, die noch im Dunkeln stehen. Auf eine Gaze wird ein dichter Wald projiziert, durch den ein Jäger mit seiner Flinte streift. Die Melodie von „Auf des Lebens raschen Wogen“ erklingt und der Jäger und die weiteren Figuren bewegen sich. Die Personen tragen „moderne“, also heutige Kostüme mit poppig bunten Elementen und Versatzstücken. Der Jäger erschießt einen Hirsch und wird der Wilderei überführt. Auf der Bühne fällt der Blick auf ein technisches Gerät, das am ehesten an eine große Radio-Antenne oder ein Radar erinnert.

In der nun folgenden Hochzeitsszene tritt der kleine aber feine Chor des Landestheaters auf. In Gelb-, Grün- und Erdtöne gekleidet gibt er „So munter und fröhlich wie heute“ zum Besten. Der Schulmeister Baculus (herrlich bieder und spießig: Seungwoen Lee) begrüßt seine junge Braut Gretchen (niedlich mit Zöpfen und Kleidchen: Annina Olivia Battaglia, quasi eine Vorzeige-Soubrette), die resigniert feststellt „Er könnte etwas jünger sein…!“ Die geheimnisvoll Maschine spuckt eine Rohrpost vom Grafen aus nebst Wein für die Feier. Praktisch, vielleicht gibt das Landestheater die Maschine später ab…

Landestheater Detmold / Der Wildschütz - hier : Benjamin Lewis als Graf von Eberbach, Stephen Chambers als Baron Kronthal © Landestheater Detmold / A.T. Schaefer

Landestheater Detmold / Der Wildschütz – hier : Benjamin Lewis als Graf von Eberbach, Stephen Chambers als Baron Kronthal © Landestheater Detmold / A.T. Schaefer

Im nun folgenden Dialog lernen wir, dass der Baron den Schulmeister wegen Wilderei entlässt. Ein Plan muss her, sonst ist es mit der Hochzeit aus. („Lass er doch hören!“) Gretchen will aufs Schloss, um den Grafen umzustimmen. Annina Olivia Battaglia kann hier ihren leichten klaren Sopran strahlen lassen und brilliert mit perfekter Höhe. Begleitet wird sie von Flöte und den wiederholt äußerst angenehm auffallenden Hörnern. „Wie kannst Du so mein Herz nur schüren“ ist kantabel, gut deklamiert und gestaltet, dramatisch und gleichzeitig komisch, was bekanntlich viel schwerer ist, als ernst oder tragisch. Letztendlich ist alle Mühe jedoch vergeblich, Gretchen darf nicht aufs Schloss.

Die Maschine beginnt sich zu drehen und brummt, nimmt die Funktion eines Flugobjekts oder einer Rakete an. Sie könnte auch das Schiffchen darstellen, das die Baronin im nun folgenden Titel besingt, „Auf des Lebens raschen Wogen“. Dazu ziehen sich die Baronin und ihre Zofe (herrlich im Zusammenspiel: Emily Dorn und Lotte Kortenhaus) Lollis aus der Wundermaschine. Die beiden Frauen legen eine Art Matrosenuniform an (in weiß und fliederfarben), dazu Bänder und Mützen wie Verbindungsstudenten. Derart „getarnt“ treffen sie auf den Schulmeister und Gretchen, die sich heftig streiten. Die Baronin will als „Mädchen“ verkleidet den Baron gewinnen, die Aufmerksamkeit des Zuschauers wird herausgefordert: eine Frau verkleidet sich als Mann verkleidet sich als Frau.

Der folgende Dialog zwischen Gretchen und Nanette wird von der wunderbaren Horngruppe mit Jagdsignalen beendet. Auf der Bühne liegen nun die Worte „Blut“, „Rausch“ und blutige Handschuhe herum. Die dazu ablaufende recht blutige Choreografie bedient sich toter Hasen und ähnlichem. Die Baronin sing in ihrer „Mädchen-Verkleidung“ „Bin ein schlichtes Kind vom Lande“, der Chor antwortet mit „Auf dem Lande will ich bleiben“. Dadurch entsteht ein Ensemble wie schon bei Mozart, dazu heult der Wind Unheil verkündend.

Der Graf spendiert aus der Maschine Süßigkeiten. Er erkennt den Schulmeister und Wilderer. Die Szene wird noch absurder, als zwei Züge aufgezogen werden und die Gräfin in einem Theater auf dem Theater als Antigone erscheint. Da bleibt kein Auge trocken. Die Zuschauer in ihrem Theater, die das offenbar regelmäßig erdulden müssen, sind bereit alle eingeschlafen. Pankratius hat auch seine liebe Not… Der Chor ist sehr überzeugend, in deutlicher Textverständlichkeit, differenzierter Dynamik erscheint auch diese Chorszene exzellent durchhörbar.

Landestheater Detmold / Der Wildschütz - hier : Nanette, Emily Dorn als Baronin Freimann © Landestheater Detmold / A.T. Schaefer

Landestheater Detmold / Der Wildschütz – hier : Nanette, Emily Dorn als Baronin Freimann © Landestheater Detmold / A.T. Schaefer

Dem kurzen Dialog zwischen dem Schulmeister und Pankratius folgt eine Arie des Barons, ein schöner und leichter Buffotenor, allenfalls ein wenig eng in der Höhe. Hinter dem Vorhang singt die GräfinAuf dem Lande“ und stellt fest „Ich werde glücklich sein!“ Das ist jedoch ein Irrtum…

Das nächste Unglück ist, dass die Musikanten abgesagt haben, glücklicherweise kann der Schulmeister Klavier spielen. Der Baron ist gar nicht einverstanden „Was hör‘ ich, mir aus den Augen!„, hat er den Wilderer doch verbannt. Unterbrochen wird er jedoch von dem „Kind vom Lande“ mit den Worten „Ach, Sie verzeihen, dass ich hier so trete ein“. Das sich daraus entwickelnde Quintett gelingt den Solisten ausgesprochen gut. Beschwingt werden die Zuschauer in die Pause entlassen.

Nach der Pause steht Antigone immer noch in dramatischer Pose auf dem Podest…Beim anschließenden gesprochenen Text des Barons fällt wiederholt der starke Akzent Eungdae Hans auf, den er beim Singen besser im Griff hat.In der darauffolgenden Arie ist das Orchester ein stets wacher zuverlässiger Begleiter. Es folgen weitere Dialoge, Arien und Ensembles, allesamt in gleichmäßiger guter Qualität.

Langsam gleitet das Ganze ein bisschen ins Slapstick ab, als der Graf und der Stallmeister in Strapsen und rosa Mieder um das Mädchen spielen. Der Graf fesselt sie mit ihrer roten Wolle, mit der sie kurz zuvor noch gestrickt hat, das Ganze erinnert fast ein bisschen an eine Bondage-Szene. Zu amourösen Verwicklungen entspinnt sich wieder ein Mozartesques Quintett, als die Gräfin dazukommt. Der Stallmeister will die Braut des Schulmeisters und bietet ihm für sie 5.000 Taler. „5.000 Taler! Träum‘ oder wach‘ ich?“ fragt sich da nicht nur der Schulmeister. Immer wieder erklingt im Orchester leicht und spielerisch das Jagdmotiv. Bei der Instrumentierung dominieren klar die Hörner.

Bei diesem verlockenden Angebot kann der Schulmeister nicht widerstehen und er verschachert seine junge Braut. Die Gräfin / Antigone und andere Personen lösen sich mit Chipkarten verschiedene Dinge aus der Wundermaschine, die inzwischen in einem Winterwonderland steht. Die Arie des Grafen „Wie strahlt die Morgensonne!“/ „Heiterkeit und Fröhlichkeit“ gerät ausgesprochen brillant und überzeugend.

Landestheater Detmold / Der Wildschütz - hier : das Ensemble © Landestheater Detmold / A.T. Schaefer

Landestheater Detmold / Der Wildschütz – hier : das Ensemble © Landestheater Detmold / A.T. Schaefer

In der nun folgenden Dialogszene zwischen dem Grafen und dem Stallmeister herrscht Irritation darüber, wer nun Gretchen ist, von der es plötzlich zwei identische Ausgaben gibt! Es stellt sich schnell heraus, es ist des Grafen Schwester! Ein Bürgerlicher und eine Gräfin? Ja, geht das denn? Die Maschine im Winterwald beginnt zu brummen und färbt sich rot. An drei roten Bändern sind die Personen angebunden und in ihrer Bewegungsfreiheit beschränkt. Die Aufklärung lässt nicht lange auf sich warten, es ist die Schwester, also „die Stimme der Natur“. „So hat mich nicht getäuscht die Stimme der Natur!“ Nun ziehen alle vier an den roten Bändern, zwei Geschwisterpaare, und das Fazit ist: „Unschuldig sind wir alle!“ Konfettikanonen versprühen Partylaune und Blumengirlanden schmücken die glücklichen Geschwister.

Wie sich das für eine gute Komische Oper gehört, wird zum Schluss die Auflösung präsentiert. „Der Unschuld Augen rühren mich“ und der Graf klärt auf: der Schulmeister hat gar keinen Hirschen gewildert, sondern nur den eigenen Esel erschossen. Damit entfällt auch der Grund für die Verbannung. Der Schulmeister muss erkennen „So hat mich denn getäuscht die Stimme der Natur!“ Er darf im Amt bleiben und behält obendrein auch noch sein Gretchen, denkt er. Die Zofe jedoch schneidet Gretchen von ihrem Band los und nimmt sie mit sich fort. Als die Schere das Band zerschneidet, fallen alle anderen um. Das Licht erlischt, der Vorhang fällt. Ende.

Was an diesem Premiereabend im Landestheater Detmold auffällt, ist wieder die homogene Ensembleleistung. Solisten, Chor und Orchester agieren über zweieinhalb Stunden auf gleichbleibend hohem Niveau. Das ist viel für eine Komische Oper, denn irgendwie muss man ja bei relativ dürftiger Handlung die Zuschauer „mitnehmen“, wenn es schon keine große intellektuelle Herausforderung ist. Dann doch bitte wenigstens gute und kurzweilige Unterhaltung. Die wird in Detmold konsequent geboten, eine eindeutige Stärke des kleinen Hauses in der Residenzstadt. Einzelne Solisten herausheben hieße andere herabsetzen, was hier ausdrücklich nicht geschehen soll. Daher sei stellvertretend Anna Olivia Battaglia genannt, die ein wirklich zauberhaftes Gretchen gibt. Sängerisch wie darstellerisch bleiben hier keine Wünsche offen. Bei den Herren sei der Retter der Premiere, Einspringer Eungdae Han genannt. Er lieferte an diesem Abend sein bravouröses Debüt. Der spielfreudige Opern- und Extrachor (Einstudierung Francesco Damiani) trug ganz wesentlich zum guten Gelingen des Abends bei und ist immer eine sichere Bank. Das Orchester des Landestheater Detmold unter György Mészáros ist Solisten und Chor durchweg ein sicherer und sensibler Begleiter. Solisten werden nicht zugedeckt, der Gesamtklang in dem kleinen Haus bleibt stets ausgewogen. Mészáros kennt sein Haus und seine Akustik und geht sensibel und gekonnt damit um.

Alles in allem ein rundum erfreulicher Premierenabend, für den sich das Publikum mit lang anhaltendem Applaus und standing ovations bedankte.

—| IOCO Kritik Landestheater Detmold |—

Detmold, Landestheater Detmold, Der Vetter aus Dingsda – Eduard Künneke, IOCO Kritik, 02.11.2018

November 3, 2018 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Landestheater Detmold, Operette

Landestheater Detmold

Landestheater Detmold © Björn Klein

Landestheater Detmold © Björn Klein

 Der Vetter aus Dingsda  –  Eduard Künneke

 Operette des Exotismus –   Dingsda verballhornt die Stadt Batavia

Von Karin Hasenstein

Verwandtschaft: “In der Biologie die Bezeichnung für das Verhältnis zwischen Individuen, die blutsmäßig (durch gemeinsame Abstammung) miteinander verbunden sind und sich je nach Verwandtschaftsgrad mehr oder weniger ähneln…” (Bertelsmann Lexikon)

Dieses Zitat findet sich im Programmheft zu Eduard Künnekes Operette Der Vetter aus Dingsda und weist darauf hin, worum es in diesem Werk geht: um Verwandte und ihre Beziehungen untereinander und so ist denn auch gleich die erste Nummer eine herrliche Beschreibung dessen, was die weibliche Hauptrolle, Julia de Weert, auszustehen hat: “Onkel und Tante, ja, das sind Verwandte, die fallen einem Mädchen aufs Gemüt! Onkel und Tante, ja, das sind Verwandte, die man am liebsten nur von hinten sieht!”

Landestheater Detmold / Der Vetter aus Dingsda - hier : Simone Krampe als Julia de Weert © Landestheater Detmold/Birgit Hupfeld

Landestheater Detmold / Der Vetter aus Dingsda – hier : Simone Krampe als Julia de Weert © Landestheater Detmold/Birgit Hupfeld

Die Handlung

1. Akt:   Das Mädchen Julia ist die reiche Erbin auf Schloss de Weert

Sehnsüchtig wartet sie auf ihre Volljährigkeit, damit sie endlich der Vormundschaft ihres Onkels Josef Kuhbrot, genannt Josse und seiner Frau, ihrer Tante Wilhelmine, genannt Wimpel, entfliehen kann. Wenn sie endlich volljährig ist, so ihr Plan, kann sie ihren Vetter Roderich heiraten, der vor sieben Jahren nach … Dingsda in Ostasien abreiste. Die beiden haben sich als Kinder ewige Treue geschworen und zum Zeichen dieser Treue hat sie Roderich einen Ring gegeben.

Ihr Onkel hat jedoch ganz andere Heiratspläne für Julia. Er möchte seine Nichte viel lieber mit seinem Neffen August Kuhbrot verheiraten – damit bliebe doch ihr Geld in der Familie! Dieselbe Idee verfolgt auch Julias zweiter Vormund, von Wildenhagen, weshalb dieser sie mit seinem Sohn Egon verheiraten will. Julia hingegen hat für all diese Bewerber nichts übrig, ihr Herz gehört nur dem fernen Vetter Roderich.

Aber der Mensch denkt und der Librettist lenkt und so steht am Abend von Julias Volljährigkeit rein zufällig ein geheimnisvoller Fremder vorm de Weert’schen Schloss, behauptet, sich verlaufen zu haben und wird von Julia prompt mit Kost und Logis versehen.

2. Akt:  Am anderen Morgen erwacht Julia glücklich…., auch der fremde Wandergesell scheint sich in der herrschaftlichen Umgebung gleich heimisch und sehr wohl zu fühlen und alles könnte ganz harmonisch und die Geschichte hier zu Ende sein – wenn, ja wenn Julia ihrem Roderich nicht ewige Treue geschworen hätte. Julias Freundin, das äußerst mitteilsame Hannchen, hat den Fremden mit allen Hintergrund-Informationen versorgt und so beschließt dieser kurzerhand, sich als Vetter Roderich auszugeben; er ist jedoch niemand anderes als der Neffe August Kuhbrot, den auf Anhieb sowieso keiner erkennt, da Onkel Josse ihn zuletzt als kleinen Knaben gesehen hat. Das ist natürlich nur in der Operette so, wird aber einfach so hingenommen, sonst würde ja die ganze schöne Verwechslungsgeschichte nicht aufgehen.

Dass Julia sich in den schönen Fremden verliebt, kann der zweite Heiratskandidat Egon von Wildenhagen natürlich nicht hinnehmen. Sein Vater hat inzwischen Nachforschungen angestellt und verkündet, dass der Fremde gar nicht Vetter Roderich sein kann – dieser war nämlich vor sechs Wochen noch in diesem “Dingsda”, in Batavia und kann noch gar nicht angekommen sein, weil sein Schiff erst morgen in Hamburg eintrifft!

Auf Julias Frage, ob er nun Roderich ist oder nicht gibt er zu “Ich bin nur ein armer Wandergesell, gute Nacht, liebes Mädel, gut’ Nacht”. Julia wendet sich enttäuscht ab, hat sie sich doch schon in den Fremden verliebt, aber sie kann und will den Treueschwur nicht brechen, den sie Roderich vor sieben Jahren gegeben hat.

3. Akt: Damit nun alles noch komplizierter wird und die Verwirrung komplett ist, taucht ein zweiter Fremder vor dem Schloss auf. Hannchen empfängt ihn und verliebt sich vom Fleck weg ohne weitere Umstände in ihn. Weil es eine Operette ist, verliebt sich -wie es sich doch fügt- der Fremde auch in sie. Das junge Glück währt jedoch nur kurz, denn der Fremde entpuppt sich als der echte Roderich de Weert. Hannchen ist bestürzt, da ihre Freundin doch Roderich liebt. Es stellt sich heraus, dass dieser jedoch all die Jahre überhaupt nicht an sie gedacht hat. So ersinnt Hannchen die List, er solle sich als August Kuhbrot vorstellen, damit Julia von vornherein nichts von ihm wissen will.

Onkel und Tante erfahren, dass Neffe August schon gestern angekommen ist. Er ist jedoch auf dem Schloss nie eingetroffen und so ist die einzig mögliche Erklärung, dass der geheimnisvolle Wandergesell den Neffen umgebracht hat, um so erstens Julias Herz und zweitens das Erbe an sich zu bringen. Man will den Schwindler festnehmen, doch da erscheint der echte Roderich als falscher August und erklärt, dass er lebt. Sogleich wird er von den beiden aufgefordert, zu Julia zu gehen, “was du dort sollst, das weißt du ja!”, um so den ursprünglichen Plan doch noch in die Tat umzusetzen.

Julia weist ihn natürlich zurück. Die ganze Verwicklung erfährt ihre Auflösung, als der vermeintliche August und echte Roderich ihr erzählt, dass er ihren Treueschwur aus Kindertagen nie ernst genommen hat und nun mit einer anderen verlobt ist. Zum Beweis, dass er es ist, zeigt er ihr den Ring, den sie ihm damals gab. Julia muss erkennen, dass Roderich nie an sie gedacht und sie nie geliebt hat. Und für ihn hat sie den geliebten Fremden fortgeschickt…

Landestheater Detmold / Der Vetter aus Dingsda - hier : Kevin Dickmann (Karl), Simone Krampe (Julia de Weert), Nando Zickgraf (Egon von Wildenhagen), Annina Olivia Battaglia (Hannchen), Stefan Andelkovic (Hans) © Landestheater Detmold/Birgit Hupfeld

Landestheater Detmold / Der Vetter aus Dingsda – hier : Kevin Dickmann (Karl), Simone Krampe (Julia de Weert), Nando Zickgraf (Egon von Wildenhagen), Annina Olivia Battaglia (Hannchen), Stefan Andelkovic (Hans) © Landestheater Detmold/Birgit Hupfeld

Da erscheint der Wandergesell, gibt sich als August Kuhbrot zu erkennen, doch Julia meint “Für mich bist du Roderich, mein Roderich!”, Hannchen bekommt den echten Roderich und für den armen Egon von Wildenhagen findet sich auch eine Lösung: “Sie gehen nach Batavia!”    –   Happy End

Wie setzt man nun eine so scheinbar banale Handlung um? Wie bringt man 2018 eine Operette auf die Bühne?   Regisseurin Guta G. N. Rau und ihr Team haben sich für eine Einheitsbühne entschieden, die im Verlauf des Stückes geringfügig verändert wird. Zu den kurzen Einleitungstakten öffnet sich der Vorhang und gibt den Blick frei auf einen portalfüllenden barocken Bilderrahmen, der in verschiedenen Bühnenebenen mit übergroßen gemalten Frühlingsblumen wie Narzissen, Tulpen und Hyazinthen ausgefüllt ist.

Wir befinden uns im Schlossgarten des de Weert’schen Schlosses, irgendwo in Südholland

Die Kostüme sind in den 1950er Jahren angesiedelt, Julia (Emily Dorn) trägt hübsche mädchenhafte Kleider mit Pettycoat, Hannchen (Annina Olivia Battaglia) eine helle Kombination aus 7/8-Hose und ärmellosem Oberteil. Pferdeschwanz und breites Haarband über leicht toupierten Haaren unterstreichen die zeitliche Verortung in den Fünfzigern (Bühne und Kostüme: Markus Meyer, Maske: Kerstin Steinke)

Von Anfang an bedient sich Guta G. N. Rau der Komik, die der Verwechslungskomödie innewohnt, und macht sie sich zunutze. Onkel Jusse und Tante Wimpel erscheinen als putziges Pärchen, das sich beim Mündel im Schloss eingenistet hat und guten Speisen und Getränken fröhlich zuspricht. Dass der Onkel seiner Frau auf ihre Ermahnungen “Iss doch nicht so viel, trink doch nicht so viel” immer wieder entgegenhält “Ich esse, soviel ich will… ich trinke soviel ich will” etc. wird vom Libretto vielleicht etwas überstrapaziert, wird aber nichtsdestotrotz vom Publikum  stets bereitwillig mit wohlwollendem Lachen und Szenenapplaus kommentiert – vielleicht weil jeder insgeheim an die eigene lästige Verwandtschaft denkt?! Wer weiß das schon… Als der große Vollmond herabgesenkt wird (dafür muss ein Teil der Hyazinthen weichen) und Onkel Josse dies wiederholt mit einem “Ist das kitschig!” kommentiert, möchte man heftig nickend zustimmen.

Der Wandergesell (Stephen Chambers) erscheint – weil es das Libretto so will – passend in einem grünen Anzug, mit grünem Rucksack und einem grünen Hut. Bis er sich am nächsten Morgen in den weißen Sachen von Julias Bruder präsentiert und plötzlich doch ein ganz passables Bild abgibt. Ein weiteres komisches Element sind die beiden Diener Hans und Karl (Stefan Andelkovic und Kevin Dickmann), die – sichtlich angewidert von diesem “Individuum” etwas gelangweilt ihre Aufgaben versehen und immer wieder für große Begeisterung beim Publikum sorgen, sei es durch ihre Choreografie oder einfach nur durch die so wunderbar zur Schau getragene Überheblichkeit.

Landestheater Detmold / Der Vetter aus Dingsda - hier : Brigitte Bauma (Wilhelmine), Annina Olivia Battaglia (Hannchen), Andreas Jören (Josef Kuhbrot), Simone Krampe (Julia de Weert), Stephen Chambers (Ein Fremder) © Landestheater Detmold/Birgit Hupfeld

Landestheater Detmold / Der Vetter aus Dingsda – hier : Brigitte Bauma (Wilhelmine), Annina Olivia Battaglia (Hannchen), Andreas Jören (Josef Kuhbrot), Simone Krampe (Julia de Weert), Stephen Chambers (Ein Fremder) © Landestheater Detmold/Birgit Hupfeld

Die Choreografie von Kirsteen Mair begleitet witzig und schwungvoll alle bekannten Lieder und sorgt immer wieder für Lacher und viel Spaß im Publikum, sei es in den Duetten oder den größeren Ensembles. Insbesondere die Diener sowie Onkel und Tante, aber auch der arme abgeblitzte Egon (herrlich trottelig in kurzen Hosen, mit “Pottschnitt” und zentimeterdicken Brillengläsern: Nando Zickgraf) sorgen mit kleinen Tanzeinlagen für echtes Operetten-Feeling.

Exotismus war zu der Entstehungszeit des Vetter aus Dingsda ein großes Thema für alle Operetten- und einige Opernkomponisten. Die Menschen träumten von fernen Ländern mit wilden Tieren und exotischen Schönheiten, was sich natürlich verstärkt in der Musik ausdrückte.

Die große Zahl an exotischen Titeln und Inhalten zeigt, dass die Gattung Operette den Fremdreiz intensiv nutzte. Je nach den gegensätzlichen Möglichkeiten der Darstellung wählte man eine evasive, eine Ausbruchskonstruktion von Hier nach Dort, oder eine invasive, eine Einbruchskonstruktion von Dort nach Hier. Häufig gab es aber auch Mischformen aus beidem. Beim Vetter aus Dingsda handelt es sich eher um eine Ausbruchskonstruktion, Roderich verlässt seine Heimat und reist in ein fremdes Land und lernt dort fremde Lebensformen kennen.

Das, was man sich als fremdartig vorstellte in einer Zeit, als es keine Massenmedien gab, brachte man als Elemente in die bildende und darstellende Kunst ein. In der Musik, speziell in der Gattung Operette, ging es weniger um die Bewunderung und Darstellung des fremden Landes oder Lebens, sondern vielmehr um den bloßen Gebrauch des Exotismus, weil er eben gerade modern war. Und er brachte den Komponisten großen Erfolg. Die Menschen damals hatten noch nicht die Möglichkeit, sich über fremde Länder zu informieren, weil sie in der Regel nicht einfach dorthin reisen konnten. Der Exotismus in Oper oder Operette wurde aber auch genutzt, um gesellschaftskritische Botschaften darin zu verstecken. Im Vetter aus Dingsda ist es eigentlich nur das fremde Land, von dem keiner so richtig weiß, wo es eigentlich liegt und wie es richtig heißt, dieses…. Dingsda. Erst Roderich selber benennt es: “Sieben Jahre lebt’ ich in Batavia.”

Die Operette wurde 1921 uraufgeführt, also zu einem Zeitpunkt, als diese Kunstform eigentlich schon ihre ursprüngliche Unbekümmertheit verloren hatte. Auch der Exotismus wird hier schon selbst ironisiert, was sich bereits im Titel ausdrückt, in welchem der Name Batavia durch Dingsda verballhornt wird. Es kommt dem Onkel einfach nicht über die Lippen, weil alles Fremdartige erstmal verdächtig wirkt.

Künneke drückt den Exotismus mit verschiedenen musikalischen Mitteln aus. Das ist zum einen der scharf synkopisierte Foxtrott, welcher wiederum eine tänzerische Abwandlung des Ragtime ist. Dieser hätte damals im musikalischen Umfeld der Operette doch als zu befremdlich gewirkt, kannte man zu der Zeit doch überwiegend Polka und Marsch, Gavotte und Cancan neben Walzer und Ländler als musikalische Ausdrucksformen. Hinzu kommt Künnekes stark spätromantische Orchestrierung und Harmonik. Hier erscheint der Foxtrott als bewusst eingesetzter Fremdkörper, den der Komponist drastisch ausweitet. Der synkopische Wechsel von gestauten und gestreckten Takten musste ebenso befremdlich auf die Hörgewohnheiten der damaligen Zeit wirken. Das Fernöstliche im Klang entsteht auch durch leicht abgewandelte Jazzakkorde, wie sie in der nordamerikanischen Jazzmusik vorkamen.

Berühmte Beispiel für Exotismus in der Kunstform Operette sind auch Die Blume von Hawaii von Paul Abraham oder Franz Lehars Land des Lächelns. Als ein Beispiel für Exotismus sei auch Les Pêcheurs de Perles von Georges Bizet genannt.

Da man an so einer lustigen und bunten Verwechslungsgeschichte eigentlich nichts Bedeutungsschwangeres herauslesen oder hineindeuten kann, kann man sie eigentlich nur “schön” auf die Bühne bringen, und das hat Guta G. N. Rau mit ihrem Team wirklich überzeugend gemacht. Die bunten, zweidimensionalen übergroßen Blumen werden im Verlauf des Abends immer mal wieder ein bisschen verändert, mal wird der Mond herabgesenkt, mal taucht eine Palme auf oder ein riesiger Frosch auf, um den gesungenen Text zu illustrieren, z.B. im zweiten Akt, als es heißt “In Batavia, da gibt es Frösche und Kolibris”. Die Kolibris werden durch die beiden Diener dargestellt, zugegebenermaßen recht große und plumpe Koilibris, die eher in Zeitlupe mit den “Flügeln” schlagen und deren Schnäbel mehr an Pinguine erinnern, die aber wieder für großen Szenenapplaus sorgen. Überhaupt kommt die üppige und fröhlich-bunte Ausstattung mit viel Liebe zum Detail sehr gut an beim Publikum und wird am Ende mit entsprechend begeistertem Applaus belohnt. Die Personenführung ist logisch und konsequent und es gibt eigentlich nur liebenswerte Figuren, die allesamt die Herzen der Zuschauer gewinnen. Großartig auch die Szene, in der Julia und der Fremde Tennis spielen und der Tennisball vom Diener an einer Teleskopstange hin und hergetragen wird. Bei der herrlich trockenen und missmutigen Mine des Dieners blieb kein Auge trocken. Oder das Quintett mit Tanznummer im ersten Akt “Die Ehe, oh wehe, überleg’ dir, wen du freist”, zu der Onkel, Tante, Julia und Hannchen sowie Egon v. Wildenhagen alle mit Nudelholz hantieren (Choreografie: Kirsteen Mair). Dabei ist es nie ein Sicht-Lustig-Machen, sondern immer ein Augenzwinkern und deshalb so liebenswert. Die zahlreichen wirklich lustigen und komischen Szenen alle aufzuzählen, würde den Rahmen dieser Besprechung sprengen; da bleibt nur nach Detmold fahren und sich eine Vorstellung anschauen!

Das Orchester wirkte (zumindest am Platz der Rezensentin) anfangs und auch im Verlauf des Abends stellenweise ein wenig zu laut, das mag am relativ kleinen Haus liegen oder am zu den Seiten offenen Bühnenbild, so wurden die eigentlich hervorragend agierenden Sänger teilweise überdeckt, was den musikalischen Genuss aber nur geringfügig schmälerte.

Landestheater Detmold / Der Vetter aus Dingsda - hier : Emily Dorn (Julia de Weert), Alexander Geller (Ein Fremder) © Landestheater Detmold / Jochen Quast

Landestheater Detmold / Der Vetter aus Dingsda – hier : Emily Dorn (Julia de Weert), Alexander Geller (Ein Fremder) © Landestheater Detmold / Jochen Quast

Insgesamt bot das Symphonische Orchester des Landestheaters Detmold unter György Mészáros jedoch ein überzeugendes Klangerlebnis. Die zahlreichen bekannten “Hits” wie die schon erwähnte Verwandten-Nummer, “Strahlender Mond”, “Sieben Jahre lebt’ ich in Batavia” oder “Kindchen, du musst nicht so schrecklich viel denken” wurden genregerecht mal schmissig, mal verträumt überzeugend interpretiert und sorgten immer wieder für spontanen Szenenapplaus.

Den ersangen sich auch Emily Dorn (Julia), Annina Olivia Battaglia (Hannchen) und Stephen Chambers (Ein Fremder) immer wieder. Emily Dorn gestaltete die junge Julia mit überzeugendem jugendlichen Charme und strahlendem Sopran sowohl in den Solostücken als auch in den Duetten und Ensembles. Stephen Chambers begeisterte nicht nur mit dem bereits erwähnten Lied an Julia “Kindchen, du musst nicht so schrecklich viel denken!” mit schlankem und angenehm timbrierten Tenor ebenso wie mit jugendlich-unbekümmertem Charme. Annina Olivia Battaglia bezauberte die Zuhörer mit großer Spielfreude und gut geführtem lyrischem Sopran. Erwähnung finden müssen hier auch die beiden Diener, gesungen und gespielt von Stefan Andelkovic und Kevin Diekmann, die mit ihrem großartigen komisch-trockenen Spiel viel zur Komik der Inszenierung beigetragen haben und dafür vom Publikum mit entsprechendem Applaus gefeiert wurden.

Insgesamt wurde die hervorragende Ensembleleistung vom Premierenpublikum begeistert aufgenommen. Solisten, Orchester und Regie sowie Ausstattung erhielten lang anhaltenden Beifall und zahlreiche Bravi. Der Besuch im Landestheater Detmold oder an Gastspiel-Orten sei dem Freund der Operette herzlich empfohlen!

Der Vetter aus Dingsda am Landestheater Detmold, die weiteren Vorstellungen 3.11.; 6.11.; 23.11.; 20.12.; 31.12.2018; 26.1.2019; 22.2.2019 und mehr…

—| IOCO Kritik Landestheater Detmold |—

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