Roméo et Juliette

„Roméo et Juliette“ ist Charles Gounods lyrische Vertonung von Shakespeares Liebestragödie nach einem Libretto von Jules Barbier und Michel Carré. Im Mittelpunkt der fünfaktigen Oper von 1867 stehen vier große Liebesduette zwischen den verfeindeten Häusern Montaigu und Capulet. Berühmt wurde vor allem Juliettes jugendlicher Walzer „Je veux vivre“, ein Glanzstück des französischen Belcanto.

Fakten zu „Roméo et Juliette“

KomponistCharles Gounod
LibrettoJules Barbier und Michel Carré, nach William Shakespeares Tragödie „Romeo and Juliet“
Uraufführung27. April 1867, Théâtre Lyrique (Théâtre-Lyrique Impérial du Châtelet), Paris
SpracheFranzösisch
Aufbau5 Akte
Spieldauerca. 2 Std. 45 Min.
GattungOpéra (lyrische Oper) in fünf Akten
BedeutungNeben „Faust“ Gounods erfolgreichste Oper und ein Kernwerk des französischen lyrischen Repertoires.

Handlung

1. Akt – Das Fest der Capulet

Ein Chorprolog ruft die alte Feindschaft zwischen den Häusern Montaigu und Capulet in Erinnerung. Beim Maskenball im Palast der Capulet stellt der Hausherr Capulet (Bass) seine Tochter Juliette (Sopran) der Gesellschaft vor und kündigt deren bevorstehende Verbindung mit dem Grafen Pâris an. Tybalt (Tenor), Juliettes hitziger Vetter, schwärmt von ihrer Schönheit. Maskiert dringen die jungen Montaigu ein: Roméo (Tenor) und sein Freund Mercutio (Bariton), der mit der spöttischen Ballade von der Feenkönigin Mab brilliert. Juliette weist im übermütigen Walzerlied „Je veux vivre“ den Gedanken an Heirat noch von sich und besingt ihre jugendliche Lebenslust. Da begegnen sich Roméo und Juliette zum ersten Mal und entbrennen augenblicklich in Liebe – noch ohne zu ahnen, dass sie verfeindeten Familien angehören. Tybalt erkennt den Eindringling Roméo und will ihn stellen, doch Capulet gebietet, das Fest nicht zu stören. Die Liebenden trennen sich erschüttert.

2. Akt – Die Balkonszene

Nachts schleicht Roméo (Tenor) in den Garten der Capulet und besingt in der Romanze „Ah! lève-toi, soleil“ das Fenster Juliettes als aufgehende Sonne. Juliette (Sopran) tritt auf den Balkon und gesteht, ohne den Lauscher zu bemerken, ihre Liebe zu dem jungen Montaigu. Roméo gibt sich zu erkennen, und in einem zärtlichen Duett schwören beide einander Treue. Die Idylle wird mehrfach gestört: Erst suchen Diener der Capulet den eingedrungenen Pagen, dann ruft Juliettes Amme Gertrude nach ihr. Immer wieder müssen sich die Liebenden voneinander lösen und finden doch zusammen. Schließlich verabreden sie heimlich, sich am nächsten Tag durch den Mönch Frère Laurent trauen zu lassen. Der Akt entfaltet sich als einziges großes Liebesgespräch und gilt als lyrisches Herzstück der Oper, in dem Gounods Gespür für schwelgerische Melodik und atmosphärische Orchesterfarben besonders deutlich wird.

3. Akt – Heimliche Trauung und Bluttat

In der Zelle des Frère Laurent (Bass) trauen sich Roméo (Tenor) und Juliette (Sopran) heimlich; der Mönch hofft, die Ehe werde die verfeindeten Häuser versöhnen. Vor dem Palast sucht der vorlaute Page Stéphano (Mezzosopran, Hosenrolle) mit dem spöttischen Lied „Que fais-tu, blanche tourterelle“ Streit mit den Capulet und löst eine Schlägerei aus. Mercutio (Bariton) und Tybalt (Tenor) geraten aneinander; im Zweikampf wird Mercutio tödlich verwundet. Außer sich vor Zorn ersticht Roméo daraufhin Tybalt und rächt so den Freund. Der herbeieilende Herzog von Verona verbannt Roméo aus der Stadt – ein Urteil, das die kaum geschlossene Ehe sogleich bedroht. Der Akt verbindet öffentliche Gewalt und privates Glück und treibt die Handlung zur Katastrophe: Aus dem Liebesbund der beiden Häuser ist binnen Stunden tödlicher Hass geworden, und die Liebenden werden gewaltsam getrennt.

4. Akt – Abschied und Scheintod

Im Morgengrauen erwachen Roméo (Tenor) und Juliette (Sopran) nach ihrer Hochzeitsnacht. In einem ausgedehnten Duett streiten sie zärtlich, ob die Vogelstimme draußen Nachtigall oder Lerche sei – also ob noch Nacht oder schon Tag herrscht –, ehe Roméo ins Exil aufbrechen muss. Kaum ist er fort, eröffnet der Vater Capulet (Bass) seiner Tochter, sie müsse nach Tybalts letztem Wunsch noch am selben Tag den Grafen Pâris heiraten. Verzweifelt wendet sich Juliette an Frère Laurent (Bass). Dieser reicht ihr einen Trank, der sie in einen todesähnlichen Schlaf versetzen soll: Man werde sie für tot halten und in der Familiengruft bestatten, von wo Roméo sie später entführen werde. Allein gelassen und von Angst gepeinigt, trinkt Juliette das Mittel. Während die Hochzeitsgäste sich versammeln, sinkt sie scheinbar leblos zu Boden.

5. Akt – In der Gruft

In der Grabkammer der Capulet liegt die scheintote Juliette (Sopran) aufgebahrt. Roméo (Tenor) hat die Nachricht von Laurents Plan nicht erhalten und glaubt die Geliebte wirklich tot. Verzweifelt dringt er in die Gruft ein, nimmt Abschied von der vermeintlich Toten und trinkt ein tödliches Gift. In diesem Augenblick erwacht Juliette aus ihrem Schlaf. Beide erkennen einander voller Glück – bis Roméo gestehen muss, dass das Gift bereits wirkt. In einem letzten gemeinsamen Duett klammern sie sich aneinander; als Roméo stirbt, ergreift Juliette seinen Dolch und folgt ihm in den Tod. Sterbend bitten die Liebenden Gott um Vergebung. Mit ihrem doppelten Tod endet die Tragödie, deren Botschaft die sinnlose Feindschaft der Familien anklagt. Gounod verzichtet auf eine ausführliche Versöhnungsszene und konzentriert das Finale ganz auf die untrennbare Verbindung der Liebenden über den Tod hinaus.

Rollen & Stimmfächer

RolleStimmfachBedeutung
JulietteSopranTochter der Capulet; liebt Roméo gegen alle Familienschranken
RoméoTenorSohn der Montaigu; heiratet Juliette heimlich und folgt ihr in den Tod
MercutioBaritonRoméos witziger Freund; brilliert mit der Ballade von der Königin Mab, fällt im Duell
Frère LaurentBassMönch; traut die Liebenden heimlich und reicht Juliette den Schlaftrank
StéphanoMezzosopran (Hosenrolle)Roméos junger Page; provoziert mit seinem Spottlied die Capulet
TybaltTenorJuliettes hitziger Vetter; tötet Mercutio und wird von Roméo erstochen
CapuletBassJuliettes Vater; will sie mit dem Grafen Pâris vermählen
GertrudeMezzosopranJuliettes Amme; Vertraute der Liebenden

Berühmte Arien

ArieStimmeSzene
„Je veux vivre“Juliette (Sopran)1. Akt – Juliettes übermütiges Walzerlied über die Lebenslust der Jugend, eine berühmte Koloraturarie.
„Ah! lève-toi, soleil“Roméo (Tenor)2. Akt – Roméos Romanze in der Balkonszene, in der er Juliettes Fenster als aufgehende Sonne besingt.
„Que fais-tu, blanche tourterelle“Stéphano (Mezzosopran)3. Akt – das spöttische Lied des Pagen, das die Schlägerei mit den Capulet entfacht.
„Mab, la reine des mensonges“Mercutio (Bariton)1. Akt – Mercutios geistreiche Ballade über die Feenkönigin Mab.

Themen & Kontext

Worum es wirklich geht

Im Zentrum steht die Liebe zweier junger Menschen, die an der Feindschaft ihrer Familien zerbricht. Gounod und seine Librettisten verschieben Shakespeares vielstimmiges Drama ganz auf die Innenwelt des Liebespaares: Vier ausgedehnte Duette zeichnen die Stationen von der ersten Begegnung über das heimliche Glück bis zum gemeinsamen Tod nach. Politik, Familienintrige und gesellschaftliche Gewalt bilden nur den Rahmen für die eigentliche Frage, ob eine reine, jugendliche Liebe in einer von Hass vergifteten Welt bestehen kann. Die Antwort ist tragisch: Erst der doppelte Tod vereint die Liebenden endgültig und klagt zugleich die sinnlose Feindschaft an, die sie zerstört hat.

Historischer Hintergrund

Gounod, durch „Faust“ (1859) berühmt geworden, wandte sich erneut einem großen literarischen Stoff zu. Das erprobte Librettisten-Duo Barbier und Carré bearbeitete Shakespeares Tragödie für das Théâtre Lyrique, das auf anspruchsvolle Opern jenseits der Pariser Oper setzte. Die Uraufführung am 27. April 1867 fiel mit der Pariser Weltausstellung zusammen und wurde ein triumphaler Erfolg mit fast neunzig Vorstellungen allein in der ersten Saison. 1888 gelangte das Werk an die Pariser Oper, wofür Gounod Ballettmusik ergänzte. Die Hosenrolle des Stéphano, eine Figur ohne direkte Shakespeare-Vorlage, ist eine eigene Erfindung der Librettisten.

Warum Experten es wichtig finden

„Roméo et Juliette“ gilt als Musterbeispiel der französischen lyrischen Oper und neben „Faust“ als Gounods erfolgreichstes Bühnenwerk. Die Verlagerung des Dramas auf eine Folge intimer Duette war formal neuartig und beeinflusste die nachfolgende französische Operngeneration, etwa Massenet. Beide Hauptpartien verlangen lyrische Stimmen mit Beweglichkeit und langem Atem; Juliettes „Je veux vivre“ zählt zu den meistgesungenen Koloraturarien überhaupt. Das Werk hält sich seit der Uraufführung dauerhaft im internationalen Repertoire und bleibt ein Prüfstein für jugendlich-lyrische Sopran- und Tenorbesetzungen sowie für die Kunst des französischen Belcanto.

Aufführungsnoten

Regie-Ansätze

Inszenierungen reichen von prachtvoll-historischer Renaissance-Ausstattung bis zu modernen Deutungen, die die Bandengewalt und den Generationenkonflikt in die Gegenwart verlegen. Im Zentrum steht stets die Gestaltung der vier Duette und der Gruftszene.

Bekannte Aufnahmen & Produktionen

Referenzcharakter haben Einspielungen mit Roberto Alagna und Angela Gheorghiu unter Michel Plasson sowie ältere Aufnahmen mit Franco Corelli und Mirella Freni. Auf der Bühne prägten Anna Netrebko und Plácido Domingo das Werk.

Was zwischen Inszenierungen variiert

Variabel sind die Verwendung der späteren Ballettmusik, Kürzungen einzelner Nummern und die Frage, ob Stéphanos Rolle und die Choralszenen vollständig erklingen; auch der Umfang der Schlussszene differiert je nach Fassung.

„Roméo et Juliette“ bei IOCO

Häufige Fragen

Wer hat „Roméo et Juliette“ komponiert?

„Roméo et Juliette“ stammt von Charles Gounod. Uraufführung: 27. April 1867, Théâtre Lyrique (Théâtre-Lyrique Impérial du Châtelet), Paris.

Wovon handelt „Roméo et Juliette“?

„Roméo et Juliette“ ist Charles Gounods lyrische Vertonung von Shakespeares Liebestragödie nach einem Libretto von Jules Barbier und Michel Carré. Im Mittelpunkt der fünfaktigen Oper von 1867 stehen vier große Liebesduette zwischen den verfeindeten Häusern Montaigu und Capulet. Berühmt wurde vor allem Juliettes jugendlicher Walzer „Je veux vivre“, ein Glanzstück des französischen Belcanto.

Welche berühmten Arien gibt es in „Roméo et Juliette“?

Zu den bekanntesten Arien zählen „Je veux vivre“, „Ah! lève-toi, soleil“, „Que fais-tu, blanche tourterelle“.

Welche Stimmfächer singen die Hauptrollen in „Roméo et Juliette“?

Juliette (Sopran), Roméo (Tenor).

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