Faust
Faust ist Charles Gounods Oper über den alternden Gelehrten Faust, der mit dem Teufel Méphistophélès einen Pakt schließt: Jugend und Liebe gegen seine Seele. Im Zentrum steht das Schicksal der Marguerite, die er verführt und ins Verderben stürzt. Das 1859 in Paris uraufgeführte Werk gehört zu den meistgespielten Opern der französischen Romantik.
Fakten zu „Faust“
| Komponist | Charles Gounod (Charles-François Gounod) |
|---|---|
| Libretto | Jules Barbier & Michel Carré, nach Goethes „Faust. Der Tragödie erster Teil“ |
| Uraufführung | 19. März 1859, Théâtre Lyrique, Paris (spätere Fassung mit komponierten Rezitativen anstelle der Dialoge; 1869 Fassung mit Ballett für die Pariser Opéra) |
| Sprache | Französisch |
| Aufbau | 5 Akte |
| Spieldauer | ca. 3 Std. (mit Pausen) |
| Gattung | Oper (Drame lyrique) in fünf Akten |
| Bedeutung | Schlüsselwerk der französischen Oper des 19. Jahrhunderts und eine der populärsten Goethe-Vertonungen überhaupt. |
Handlung
1. Akt – Fausts Studierzimmer
Der greise Gelehrte Faust (Tenor) sitzt verzweifelt über seinen Büchern. Alles Wissen hat ihn nicht glücklich gemacht; er will sich vergiften. Zweimal hindert ihn der Gesang fröhlicher Menschen vor dem Fenster. Im Zorn verflucht er Wissenschaft, Glauben und Geduld und ruft den Teufel an. Méphistophélès (Bass) erscheint elegant und spöttisch und bietet Faust Reichtum, Macht und Ruhm. Doch Faust verlangt das Einzige, was ihm fehlt: die Jugend. Méphistophélès willigt ein – auf Erden soll er Faust dienen, drunten aber soll Faust ihm gehören. Als Faust zögert, beschwört der Teufel die Erscheinung der schönen Marguerite (Sopran) herauf. Geblendet von diesem Bild unterschreibt Faust den Pakt, trinkt den Zaubertrank und wird in einen jungen Mann verwandelt. Gemeinsam brechen die beiden auf, um das Mädchen zu suchen, und der Konflikt zwischen Sinnenrausch und Verdammnis ist eröffnet.
2. Akt – Vor dem Stadttor (Kirmes)
Auf dem Jahrmarkt drängen sich Studenten, Soldaten und Bürger. Marguerites Bruder Valentin (Bariton) zieht in den Krieg und vertraut die Schwester einem Medaillon und der Obhut Gottes an. Der junge Siébel (Mezzosopran, Hosenrolle), heimlich in Marguerite verliebt, verspricht, über sie zu wachen. Méphistophélès (Bass) mischt sich ein, singt sein zynisches Lied vom Goldenen Kalb, zapft Wein aus einem Fass und prophezeit Unheil. Als er Marguerite verhöhnt, wenden die Soldaten ihre Schwerter gegen ihn – doch deren Klingen zerbrechen an seiner Macht. Erst das zum Kreuz geformte Heft des Schwertes hält ihn in Schach. Beim Walzer der Kirmes führt Méphistophélès Faust (Tenor) mit Marguerite zusammen. Schüchtern lehnt sie seinen angebotenen Arm zunächst ab, doch ihre flüchtige Begegnung entzündet in Faust ein heftiges Verlangen. Der Teufel hat sein Netz ausgelegt.
3. Akt – Marguerites Garten
Im Garten legt der verliebte Siébel (Mezzosopran) einen Blumenstrauß für Marguerite nieder. Faust (Tenor) besingt in der Arie „Salut! demeure chaste et pure“ ergriffen ihre reine Behausung, während Méphistophélès (Bass) ein verführerisches Schmuckkästchen daneben stellt. Marguerite (Sopran) tritt auf, sinniert über den fremden Edelmann und entdeckt den Schmuck. In der Juwelenarie schwelgt sie staunend vor dem Spiegel in ihrer plötzlichen Schönheit. Die Nachbarin Marthe (Mezzosopran) wird von Méphistophélès abgelenkt, sodass Faust und Marguerite allein bleiben. In einer langen Liebesszene gestehen sie ihre Gefühle; Marguerite befragt eine Blume nach seiner Treue. Sie will Abschied nehmen, doch der Teufel hält Faust zurück. Als Marguerite ans Fenster tritt und ihre Liebe in die Nacht hinausruft, kehrt Faust um. Ihre Hingabe besiegelt den Beginn ihres Untergangs.
4. Akt – Marguerites Verlassenheit, Kirche und Heimkehr der Soldaten
Marguerite (Sopran) ist von Faust verlassen und erwartet ein Kind; Spott und Verachtung treffen sie. Nur der treue Siébel (Mezzosopran) steht ihr bei. In der Kirche sucht sie Trost im Gebet, doch Méphistophélès (Bass) und ein höllischer Chor verfolgen sie und verkünden ihre Verdammnis, bis sie ohnmächtig zusammenbricht. Auf dem Platz kehren die Soldaten mit dem berühmten Chor „Gloire immortelle“ aus dem Krieg zurück. Valentin (Bariton) erfährt von der Schande seiner Schwester. Vor ihrem Haus stimmt Méphistophélès eine höhnische Ständchen-Serenade an. Valentin fordert Faust (Tenor) zum Duell; durch die teuflische Hilfe des Méphistophélès wird er tödlich getroffen. Sterbend verflucht er die eigene Schwester vor den entsetzten Nachbarn. Marguerites Vereinsamung und Schuld sind nun vollständig.
5. Akt – Walpurgisnacht und Kerker
Méphistophélès (Bass) führt Faust (Tenor) in die Walpurgisnacht auf den Brocken, wo Hexen und die Schönheiten der Antike ein rauschendes Fest feiern (in der großen Fassung mit Ballett). Doch Faust erblickt eine Vision Marguerites mit einem roten Mal um den Hals und verlangt, zu ihr gebracht zu werden. Marguerite (Sopran) sitzt im Kerker: Im Wahn hat sie ihr Kind getötet und ist zum Tode verurteilt. Faust dringt zu ihr vor und drängt zur Flucht, doch ihr Verstand kehrt nur zu den Bildern ihrer ersten Begegnung zurück. Als sie Méphistophélès erkennt, wendet sie sich entsetzt ab und ruft den Himmel um Hilfe an. Sie weist Fausts Hand zurück und stirbt. Während der Teufel sie verloren glaubt, verkündet ein Engelschor ihre Erlösung; ihre Seele steigt empor.
Rollen & Stimmfächer
| Rolle | Stimmfach | Bedeutung |
|---|---|---|
| Faust | Tenor | Alternder Gelehrter, der durch den Teufelspakt Jugend erlangt und Marguerite verführt |
| Marguerite | Sopran | Junges, unschuldiges Mädchen; von Faust verführt, verstoßen und am Ende erlöst |
| Méphistophélès | Bass | Der Teufel; spöttischer Versucher, der Faust dient und sein Verderben betreibt |
| Valentin | Bariton | Marguerites Bruder und Soldat; fällt im Duell gegen Faust und verflucht die Schwester |
| Siébel | Mezzosopran (Hosenrolle) | Jugendlicher Freund Valentins, heimlich in Marguerite verliebt und ihr treu ergeben |
| Marthe Schwerlein | Mezzosopran | Marguerites Nachbarin; wird von Méphistophélès umworben und abgelenkt |
| Wagner | Bariton | Student und Soldat; kleine Rolle im Kirmesgeschehen |
Berühmte Arien
| Arie | Stimme | Szene |
|---|---|---|
| „Lied vom Goldenen Kalb „Le veau d’or““ | Méphistophélès (Bass) | 2. Akt – Méphistophélès’ zynisches Trinklied über die Macht des Goldes. |
| „Juwelenarie „Ah! je ris de me voir si belle en ce miroir““ | Marguerite (Sopran) | 3. Akt – Marguerite bestaunt vor dem Spiegel den geschenkten Schmuck; eine der bekanntesten Koloraturarien. |
| „„Salut! demeure chaste et pure““ | Faust (Tenor) | 3. Akt – Fausts lyrische Huldigung an Marguerites keusche Behausung. |
| „Soldatenchor „Gloire immortelle de nos aïeux““ | Chor / Valentin (Bariton) | 4. Akt – Triumphaler Marsch der heimkehrenden Soldaten. |
Themen & Kontext
Worum es wirklich geht
Faust handelt vom Tausch der Seele gegen Jugend, Begehren und Genuss – und vom Preis, den nicht der Verführer, sondern die Verführte zahlt. Gounod rückt nicht den Gelehrten und sein metaphysisches Ringen ins Zentrum, sondern die Liebes- und Leidensgeschichte Marguerites. Sie wird verführt, schwanger, verstoßen, zur Kindsmörderin und schließlich erlöst. Der Pakt mit Méphistophélès ist der Motor, doch das eigentliche Drama ist menschlich: Schuld, Scham und Gnade. Diese Verlagerung von der Philosophie zur Empfindung macht das Werk so eindringlich und bühnenwirksam.
Historischer Hintergrund
Vorlage ist Goethes „Faust. Der Tragödie erster Teil“, vermittelt über das Schauspiel „Faust et Marguerite“. Die Uraufführung fand am 19. März 1859 am Théâtre Lyrique in Paris statt, zunächst mit gesprochenen Dialogen. Für Tourneen ersetzte Gounod die Dialoge durch komponierte Rezitative; 1869 fügte er für die Pariser Opéra das Walpurgisnacht-Ballett hinzu. In Deutschland wurde das Werk lange aus Respekt vor Goethe nicht „Faust“, sondern „Margarethe“ genannt – ein Hinweis darauf, dass viele die französische Aneignung des Nationaldichters kritisch sahen.
Warum Experten es wichtig finden
Fachleute schätzen Gounods Gespür für sangliche Melodik und delikate Orchesterfarben, mit denen er Frömmigkeit, Sinnlichkeit und Dämonie klar voneinander absetzt. Die Juwelenarie, „Salut! demeure“ und der Soldatenchor zählen zum Kernrepertoire und prägten den französischen Belcanto. Zugleich gilt Faust als Markstein der großen Pariser Opernkultur, der über Jahrzehnte die meistgespielte Oper der Welt war. Die Rezeptionsdebatte – Gounods empfindsame Vereinfachung gegenüber Goethes philosophischer Tiefe – macht das Werk bis heute zu einem Prüfstein für das Verhältnis von Literatur und Musiktheater.
Aufführungsnoten
Regie-Ansätze
Inszenierungen schwanken zwischen historisierender Ausstattungsoper mit Kirmes, Kirche und Walpurgisnacht und psychologisch zugespitzten Deutungen, die Méphistophélès als inneren Dämon Fausts oder das Werk als Studie über männliche Schuld und weibliches Opfer lesen. Die Balance zwischen Schauwert und Marguerites Tragödie bleibt die zentrale Regiefrage.
Bekannte Aufnahmen & Produktionen
Referenzeinspielungen sind die Aufnahmen unter André Cluytens mit Nicolai Gedda und Victoria de los Ángeles, Georges Prêtres Version sowie Richard Bonynges Einspielung mit Joan Sutherland. Auf Bild liegen u. a. Inszenierungen von der Metropolitan Opera und der Pariser Opéra vor.
Was zwischen Inszenierungen variiert
Entscheidend ist die Fassungsfrage: Die Dialogfassung der Uraufführung, die spätere durchkomponierte Rezitativfassung und die um das Ballett erweiterte Opéra-Fassung von 1869 unterscheiden sich erheblich. Häufig werden die Walpurgisnacht und einzelne Nummern gekürzt oder gestrichen; die Wahl der Fassung bestimmt Länge und Charakter der Aufführung maßgeblich.
„Faust“ bei IOCO
Häufige Fragen
Wer hat „Faust“ komponiert?
„Faust“ stammt von Charles Gounod. Uraufführung: 19. März 1859, Théâtre Lyrique, Paris (spätere Fassung mit komponierten Rezitativen anstelle der Dialoge; 1869 Fassung mit Ballett für die Pariser Opéra).
Wovon handelt „Faust“?
Faust ist Charles Gounods Oper über den alternden Gelehrten Faust, der mit dem Teufel Méphistophélès einen Pakt schließt: Jugend und Liebe gegen seine Seele. Im Zentrum steht das Schicksal der Marguerite, die er verführt und ins Verderben stürzt. Das 1859 in Paris uraufgeführte Werk gehört zu den meistgespielten Opern der französischen Romantik.
Welche berühmten Arien gibt es in „Faust“?
Zu den bekanntesten Arien zählen „Lied vom Goldenen Kalb „Le veau d’or““, „Juwelenarie „Ah! je ris de me voir si belle en ce miroir““, „„Salut! demeure chaste et pure““.
Welche Stimmfächer singen die Hauptrollen in „Faust“?
Faust (Tenor), Marguerite (Sopran).
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