Rienzi, der Letzte der Tribunen

„Rienzi, der Letzte der Tribunen“ ist Richard Wagners frühe, fünfaktige große tragische Oper im Stil der Pariser Grand opéra. Sie schildert Aufstieg und Sturz des römischen Volkstribunen Cola Rienzi, der den Adel entmachtet und das Volk an die Macht führt, ehe ihn dasselbe Volk verrät. Das Werk wurde Wagners erster großer Bühnenerfolg.

Fakten zu „Rienzi, der Letzte der Tribunen“

KomponistRichard Wagner
LibrettoRichard Wagner, nach dem Roman „Rienzi, the Last of the Roman Tribunes“ (1835) von Edward Bulwer-Lytton
Uraufführung20. Oktober 1842, Königliches Hoftheater, Dresden
SpracheDeutsch
Aufbau5 Akte
Spieldauerca. 5 Std. (vollständig, mit Pausen über 6 Std.); meist stark gekürzt auf ca. 3 Std. 30 Min.
GattungGroße tragische Oper im Stil der Grand opéra
BedeutungWagners drittes vollendetes Bühnenwerk und sein erster großer Erfolg, das er später als Jugendwerk kritisch von seinem reifen Musikdrama abrückte.

Handlung

1. Akt

Im mittelalterlichen Rom liegen die Adelsgeschlechter der Colonna und Orsini in offener Fehde. Paolo Orsini (Bass) versucht, Rienzis Schwester Irene (Sopran) zu entführen; Adriano Colonna (Mezzosopran, Hosenrolle), der Irene liebt, tritt dazwischen. Der päpstliche Notar Cola Rienzi (Heldentenor) kehrt heim und stellt die Adligen zur Rede: Ihr Bandenkrieg zerrüttet die Stadt und bedroht das Volk. Gestützt auf den Kardinal Raimondo (Bass) und den Zorn der Bürger, ruft Rienzi zur Erhebung gegen die Willkür des Adels auf. Adriano gerät in einen Zwiespalt zwischen der Liebe zu Irene und der Treue zu seinem Geschlecht, schlägt sich aber auf Rienzis Seite. Als die Glocke der Lateranbasilika ertönt, sammelt sich das Volk. Rienzi lehnt die ihm angetragene Königswürde ab und lässt sich nur zum Volkstribunen ausrufen, der Recht und Freiheit wiederherstellen will. Der Adel muss vorerst weichen, und Rom feiert den neuen Führer.

2. Akt

Rienzi (Heldentenor) regiert nun als Tribun und empfängt die Abgesandten Roms; Festspiele und eine prunkvolle Pantomime feiern den wiedergewonnenen Frieden. Die unterworfenen Adligen aber, unter ihnen Stefano Colonna (Bass) und Paolo Orsini (Bass), planen heimlich seinen Sturz. Adriano (Mezzosopran), Stefanos Sohn, erfährt von dem Mordkomplott und wird zwischen Vatertreue und Bewunderung für Rienzi hin- und hergerissen. Während des Festes versucht Orsini, Rienzi zu erstechen; ein verborgenes Panzerhemd rettet den Tribunen. Die Verschwörer werden ergriffen und zum Tode verurteilt. Adriano und Irene (Sopran) flehen um Gnade; auf ihr Bitten und im Namen der Versöhnung begnadigt Rienzi die Adligen und nimmt ihnen nur einen erneuten Treueeid ab. Diese Milde wird sich rächen: Sie deutet bereits an, dass Rienzis Größe an seiner eigenen Nachsicht und am Wankelmut der Mächtigen scheitern wird.

3. Akt

Die begnadigten Adligen haben den Eid gebrochen und mit Waffengewalt einen neuen Aufstand entfacht. Das Volk Roms ruft erbittert nach Rache und drängt Rienzi (Heldentenor), in den Krieg zu ziehen. Adriano (Mezzosopran) zerreißt es innerlich: Auf der einen Seite steht sein Vater Stefano Colonna (Bass) mit den Empörern, auf der anderen Irene (Sopran) und der von ihm verehrte Tribun. Vergeblich versucht er, zwischen den Parteien zu vermitteln und Blutvergießen zu verhindern. Rienzi führt die Bürgerwehr in die Schlacht; das Volk siegt, doch unter den Gefallenen ist auch Stefano Colonna. Adriano, der seinen Vater tot findet, schwört nun Rienzi furchtbare Rache und wendet sich von ihm ab. Damit zerbricht das Bündnis, das Rienzis Herrschaft trug: Aus dem Verbündeten wird ein erbitterter Feind, und der erste Riss in der Begeisterung des Volkes wird sichtbar.

4. Akt

Rienzis Stellung beginnt zu wanken. Adriano (Mezzosopran) und unzufriedene Bürger verschwören sich gegen den Tribunen; selbst frühere Anhänger wie Baroncelli (Tenor) und Cecco del Vecchio (Bass) zweifeln an ihm. Geschickt nutzen die Gegner Rienzis Zerwürfnis mit der Kirche aus: Der Papst hat sich gegen ihn gestellt, und Kardinal Raimondo (Bass) verkündet den Kirchenbann über Rienzi. Vor der Lateranbasilika, wo Rienzi (Heldentenor) zum feierlichen Hochamt erscheint, wendet sich die Menge von ihm ab; man fürchtet die Exkommunikation und meidet den Gebannten. Irene (Sopran) jedoch hält treu zu ihrem Bruder und weist sogar Adriano zurück, der sie aus der drohenden Katastrophe retten will. Von fast allen verlassen, steht Rienzi nur noch mit der Schwester da. Der Jubel des ersten Aktes ist in Furcht und Verrat umgeschlagen; das Volk, das ihn erhob, ist bereit, ihn fallen zu lassen.

5. Akt

Im Kapitol, allein und von der Stadt verlassen, kniet Rienzi (Heldentenor) vor einem Altar und ringt im Gebet „Allmächt'ger Vater, blick herab“ um Kraft und um die Treue seines Ideals. Irene (Sopran) tritt zu ihm; vergeblich beschwört Adriano (Mezzosopran) sie, den dem Untergang geweihten Bruder zu verlassen und sich mit ihm zu retten. Sie aber bleibt an Rienzis Seite. Vor dem Kapitol hat sich der aufgewiegelte Pöbel versammelt; Baroncelli (Tenor) und die Empörer hetzen das Volk. Als Rienzi noch einmal von der Loggia zu den Römern spricht, antworten sie mit Steinwürfen und stecken das Kapitol in Brand. Rienzi und Irene kommen in den Flammen um. Adriano stürzt sich ins brennende Gebäude und findet mit ihnen den Tod. So endet der Traum von Roms Wiedergeburt in der Katastrophe – der Letzte der Tribunen scheitert am Verrat eben jenes Volkes, dem er die Freiheit bringen wollte.

Rollen & Stimmfächer

RolleStimmfachBedeutung
Cola RienziHeldentenorPäpstlicher Notar und Volkstribun, der Rom gegen den Adel erhebt und am Verrat des Volkes scheitert
IreneSopranRienzis Schwester, die treu bis in den Tod an seiner Seite bleibt
Adriano ColonnaMezzosopran (Hosenrolle)Sohn Stefano Colonnas, liebt Irene; zerrissen zwischen Familientreue und Bewunderung für Rienzi
Stefano ColonnaBassOberhaupt der Colonna, Anführer des aufständischen Adels, fällt in der Schlacht
Paolo OrsiniBassOberhaupt der Orsini, Rienzis Gegner, Beteiligter am Attentatsversuch
Kardinal RaimondoBassKirchlicher Würdenträger, anfangs Rienzis Stütze, verkündet später den Bann
BaroncelliTenorRömischer Bürger, wendet sich gegen Rienzi und wiegelt das Volk auf
Cecco del VecchioBassRömischer Bürger und Handwerker, zunächst Anhänger, dann Gegner Rienzis

Berühmte Arien

ArieStimmeSzene
„Ouvertüre“OrchesterEröffnung – mit dem berühmten Trompetensignal und dem vorweggenommenen Gebetsthema; eines der bekanntesten Konzertstücke Wagners.
„Allmächt'ger Vater, blick herab“Rienzi (Heldentenor)5. Akt – Rienzis Gebet im verlassenen Kapitol; die berühmteste Einzelnummer der Oper.
„Gerechter Gott, so ist's entschieden schon“Adriano (Mezzosopran)3. Akt – große Szene und Arie, in der Adriano zwischen Vater und Geliebter zerrissen wird.

Themen & Kontext

Worum es wirklich geht

Im Kern erzählt „Rienzi“ vom Aufstieg und Fall eines Volksführers. Cola Rienzi will dem unterdrückten Volk Roms Recht und Freiheit gegen einen zerstrittenen, gewalttätigen Adel verschaffen. Doch seine Macht ruht auf der Gunst der Masse, und genau diese Masse ist wankelmütig: Begeisterung schlägt in Furcht und Verrat um, kaum dass Kirche und Gegner sie aufwiegeln. Das Werk fragt nach dem Preis des Idealismus und der Tragik des Einzelnen, der für eine Idee kämpft und am Undank eben jener scheitert, die er befreien wollte. Politische Größe und persönlicher Untergang sind untrennbar verbunden.

Historischer Hintergrund

Wagner komponierte „Rienzi“ zwischen 1838 und 1840 in Riga und im bitterarmen Pariser Exil und richtete es bewusst auf die effektvolle Pariser Grand opéra im Geiste Meyerbeers und Spontinis aus: monumentale Massenszenen, Ballett, große Finali. Die Vorlage, Edward Bulwer-Lyttons Roman von 1835, schildert den historischen Cola di Rienzo, der 1347 in Rom die Macht ergriff. Die Dresdner Uraufführung von 1842 wurde Wagners Durchbruch, obwohl die Aufführung mit Pausen über sechs Stunden dauerte. Später distanzierte sich Wagner von dem langen, äußerlichen Werk, das mit seinem reifen Musikdrama wenig gemein hat.

Warum Experten es wichtig finden

Fachleute schätzen „Rienzi“ als Schlüssel zum frühen Wagner: Hier zeigt sich, wie stark er zunächst der französischen und italienischen Operntradition verpflichtet war, ehe er sich davon löste. Belastet ist die Rezeption durch die nationalsozialistische Vereinnahmung – Hitler bezog sich auf das Werk, und ihm wurde 1939 die autographe Partitur zum 50. Geburtstag geschenkt; sie gilt seit 1945 als verschollen. Auch die ursprüngliche Aufführungsfassung ging im Krieg verloren, sodass heutige Aufführungen auf Rekonstruktionen beruhen. Diese Verlust- und Rezeptionsgeschichte macht „Rienzi“ zu einem historisch wie philologisch heiklen Werk.

Aufführungsnoten

Regie-Ansätze

Inszenierungen schwanken zwischen historisierendem Rom und politischen Deutungen, die Rienzis Aufstieg als Studie über Massenführung, Populismus und Diktatur lesen – nicht zuletzt im Schatten der nationalsozialistischen Vereinnahmung.

Bekannte Aufnahmen & Produktionen

Heinrich Hollreiser mit René Kollo (Dresden/EMI) gilt als Referenz; daneben Aufführungen u. a. der Deutschen Oper Berlin (Stölzl-Inszenierung mit Torsten Kerl) und der Oper Leipzig.

Was zwischen Inszenierungen variiert

Vor allem das Ausmaß der Striche: Das vollständige Werk ist außergewöhnlich lang (über fünf Stunden Musik), weshalb fast alle Aufführungen erheblich kürzen; auch der verschollene Originalpartitur wegen existieren unterschiedliche Fassungen.

„Rienzi, der Letzte der Tribunen“ bei IOCO

Häufige Fragen

Wer hat „Rienzi, der Letzte der Tribunen“ komponiert?

„Rienzi, der Letzte der Tribunen“ stammt von Richard Wagner. Uraufführung: 20. Oktober 1842, Königliches Hoftheater, Dresden.

Wovon handelt „Rienzi, der Letzte der Tribunen“?

„Rienzi, der Letzte der Tribunen“ ist Richard Wagners frühe, fünfaktige große tragische Oper im Stil der Pariser Grand opéra. Sie schildert Aufstieg und Sturz des römischen Volkstribunen Cola Rienzi, der den Adel entmachtet und das Volk an die Macht führt, ehe ihn dasselbe Volk verrät. Das Werk wurde Wagners erster großer Bühnenerfolg.

Welche berühmten Arien gibt es in „Rienzi, der Letzte der Tribunen“?

Zu den bekanntesten Arien zählen „Ouvertüre“, „Allmächt'ger Vater, blick herab“, „Gerechter Gott, so ist's entschieden schon“.

Welche Stimmfächer singen die Hauptrollen in „Rienzi, der Letzte der Tribunen“?

Cola Rienzi (Heldentenor), Irene (Sopran).

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